Dienstag, 17. Juli 2012

[Lesung] Murmel Clausen liest aus Frettsack

Wie allgemein bekannt ist, verfolgt das Katzenpersonal voller Begeisterung alles mögliche rund ums Buch - seien es Neuerscheingungen, Neuzugänge anderer, Rezensionen, Bücherregale von Freunden und Bekannten oder auch: Lesungen. Hier in der Hauptstadt finden leider nur sehr wenige Lesungen statt, welche unser Interesse wecken, aber als Kleeblatt bei einer Internet-Recherche entdeckte, dass Murmel Clausen aus Frettsack liest, war für uns sofort klar: Da müssen wir einfach hin, also, fix Karten reserviert und gelauert, wann es denn endlich soweit ist. Selbstredend wurde entsprechendes Buch vorab gekauft und bereits mit der Schmökerei begonnen.

Tagsüber haben wir uns mit Freunden getroffen, zum Abend hin haben wir uns dann aber auf den Weg gemacht, schließlich will das Katzenpersonal nicht zu spät kommen und keinen guten Platz mehr abkriegen. In der Tat waren wir sogar eine Stunde vor der Lesung am Ort und trara, wir waren die ersten und da auch Murmel Clausen bereits vor Ort war, wurde er umgehend in Beschlag genommen.

Hier lacht er noch ganz unbedarft in die Kamera, aber das war ja erst der Anfang, das Katzenpersonal hatte noch einiges vor. Sogar das Frettchen hat voll süß in die Kamera geschaut - allerdings ist hier Vorsicht geboten, wenn man als Mann auf die Welt gekommen ist.

 Murmel Clausen bei der Arbeit - selbstredend wollten wir natürlich nicht ohne ein signiertes Exemplar von dannen ziehen. 

Jaja, wie allgemein bekannt ist, ist Kerry alles andere als fotogen, allerdings hat sie diese Tatsache nicht davon abgehalten, dennoch auf einem Foto zu bestehen - immerhin wollte sie einen bleibenden Eindruck für die Nachwelt hinterlassen.

Danach haben wir uns erst einmal zurück gezogen und Murmel durfte sich langsam aber sicher auf seine Lesung vorbereiten, wir sind ja nicht so, aber wir haben gelauert, dass es endlich los ging. Kerry hatte schon so eine Ahnung, was auf das Publikum zukam, das nach und nach eintrudelte, denn immerhin steckte sie ja mitten in der Lektüre des Buches. Erstaunt haben wir zu Kenntnis genommen, wieviele Männer anwesend waren - immer wenn Kerry auf Arbeit von dem Buch erzählt hat, fanden die Männer das Thema des Buches gar nicht so lustig.


*Kurzbeschreibung*
Jens Fischer hat keinen Schlag bei den Frauen. Die Hoffnung, jemals eine Familie gründen zu können, hat er längst verloren. Verbittert wird er Samenspender, um sein Erbgut wenigstens anonym weiterzugeben. Als er jedoch vom Frettchen seines Mitbewohners Sven in den Sack gebissen und kastriert wird, setzt er alles daran, die Frau zu finden, die durch seine letzte Spende indirekt von ihm geschwängert wurde. Mit Hilfe von Sven und dem Balkanhünen Hondo bricht er in die Samenbank ein und gelangt so an die Adresse der bezaubernden, aber verheirateten Maren Heinze. Und endlich hat Jens ein Ziel in seinem Leben: Er muss diese Frau für sich gewinnen.


Eigentlich sollte die Lesung ja um 20:00 Uhr beginnen, aber da trudelte die Hörerschaft noch ein. Nachdem alle brav Platz genommen und mit Getränken versorgt waren, sollte es losgehen, aber wie wir hörten, hörten wir nichts. Böse Zungen würden ja behaupten *Typisch Mann*, hat der Herr, der das Mikro aufgebaut hat, doch glatt den Anschalter überklebt. Aber auch dieses Problem wurde behoben und dann ging es los.
Nach einer kurzen Einleitung ging es dann aber auch richtig zur Sache. Eine Bösartigkeit nach der anderen, die dem Protagonisten Jens Fischer in dem Buch passiert, wurde zum besten gegeben, ein Wunder eigentlich, dass er nicht dem Buch entstiegen ist und uns allen gehörig die Meinung gesagt hat, denn das ganze Publikum (einschließlich der anwesenden Männer) hat gelacht, einigen sind sogar vor lauter Lachen die Tränen über´s Gesicht gekullert, so wie Kleeblatt. Auch Kerry, die die Textpassagen schon kannte, hat sich köstlich amüsiert. 

Hier eine der Textstellen, die zitiert wurde: 

Seite 46/47

Jens Fischer hat einen Mitbewohner namens Sven. Um der chronischen Geldnot entgegen zu wirken, will er (eigentlich zusammen mit Jens, der dies aber ablehnt) Frettchen züchten. Gekauft hat er tatsächlich ein Paar und als es zur Paarung gehen soll, passiert es: Das männliche Frettchen Idi Amin reißt aus. Bei seiner Flucht landet er allerdings nicht in der Freiheit, sondern im Hosenbein von Jens Fischer, wo er sich kontinuierlich hocharbeitet.


"Wo ist er?"
 "Genau an den Boxershorts."
"Soll ich reingreifen?"
"Kannst du ihn denn packen?"
"Keine Ahnung. Aber was sollen wir sonst machen?"
Mir fällt nichts ein. Mir fällt nie was ein, wenn es wichtig ist. Gesetzt den Fall, die Welt geht unter, und ich bin der einzige Mensch, der es verhindern könnte, wenn ich nur eine gute Idee hätte ... Nein, ich muss mich auf die Situation konzentrieren. Wie bekomme ich Idi Amin aus der Hose und verhindere gleichzeitig, dass er mir in die Shorts schlüpft?
"Scheiß drauf!"
Mit einer gezielten Bewegung schießt Svens Hand auf mich zu und verschwindet in meiner Hose. Dabei kippt er halb auf mich drauf und bleibt prompt mit seinen Fingern im Stoff der Unterhose hängen. Das bekommt das Frettchen in meinem Hosenbein natürlich mit und schiebt Panik. Es entscheidet sich für die Flucht nach vorne, erwischt aber leider nicht den Weg ins Freie, sondern in meinen Schambereich. Wild strampelnd und meine Haut zerfetzend wühlt sich Idi Amin immer näher an mein bestes Stück heran - und da hält es mich nicht länger. Ich schubse Sven beiseite und springe auf, denn jetzt habe ich wirklich Angst. Mit einem Schrei hole ich aus, um mir in den Schoß zu schlagen, um Idi Amin zu töten oder was weiß ich, doch da fährt ein Schmerz durch meinen Unterleib, wie ich ihn im Leben nicht gefühlt habe. Das elendige Drecksvieh hat sich in meinem Sack verbissen. Weil ich nur dastehe und schreie, packt Sven, der sich wieder aufgerappelt hat, meine offene Hose und zieht sie mit einem Ruck herunter. Aus dem rechten Bein meiner Shorts baumelt ein strampelndes Frettchen, das Sven mit entschlossener Tatkraft am Schwanz fasst und nach unten reißt. 
Das, was ich gerade noch als schlimmsten Schmerz meines Lebens empfunden hatte, war eine homöopathische Dosis dessen, was die Rezeptoren in meinem Schambereich jetzt durch die Nervenfasern in mein Hirn senden. Ich brülle und sacke in mich zusammen.

Wir wissen ja, dass man sich nicht über das Elend anderer lustig machen soll - aber alle haben gelacht (selbst die anwesenden Männer), wir waren also in guter Gesellschaft. Diese und noch weitere herrliche Textpassagen wurden uns vorgetragen, sodass das Publikum eigentlich gar nicht mehr aus dem Lachen herausgekommen ist und siehe da, schnell war die Zeit auch schon wieder um und die Lesung war vorbei. 

Ein kurzer Blick auf die Uhr bestätigte uns allerdings auch, dass es bereits reichlich spät war, wenn man am nächsten Morgen früh das Haus verlassen muss, um zur Arbeit zu kommen. Wir mussten dann leider auch schon gehen, obwohl der Autor noch zum Gespräch eingeladen hatte, aber dank der Tatsache, dass das Katzenpersonal zu früh da war, hatten wir uns ja schon einen Eindruck von Murmel Clausen machen können und wir können nur sagen: Was für ein überaus sympathischer Autor. Auf jeden Fall hat er noch verraten, dass es einen Nachfolgeband geben wird, an dem er gerade arbeitet und auch, dass ihm die Idee zu dem Buch gekommen ist, als er selbst Vater wurde. Bis dato gab es ja lediglich Literatur von Kindern, die ihren leiblichen Vater / Samenspender suchten, doch was würde wohl ein Mann machen, wenn er Samen gespendet hat und plötzlich vasektomiert wurde? Herausgekommen ist auf jeden Fall ein überaus unterhaltsames Buch, das sowohl aus Frauen- wie auch aus Männersicht zum Brüllen komisch ist.


Idi Amin


Die Vita des Autoren haben wir der oben verlinkten Homepage entnommen.

*Vita von Murmel Clausen*
Murmel Clausen wurde im Schwabinger Krankenhaus geboren und wuchs im Herzen Münchens an der Münchner Freiheit auf. Nach seinem Abitur am Oskar-von-Miller-Gymnasium begann er mit Max Witzigmann die Radioshow "Klub Ma:d" für Radio Energy zu schreiben und zu moderieren. Dort lernte er auch Michael Bully Herbig, Rick Kavanian und Christian Tramitz kennen, mit denen er später "die bullyparade" und "Der Schuh des Manitu" schrieb. Nach vier Jahren in Berlin, wo er unter anderem die „ProSieben Morningshow“ und für Erkan & Stefan "headnut tv" als Headwriter vom Konzept an mitverfasste, besketchte er mit Max Witzigmann und Christian Tramitz drei Staffeln "Tramitz & friends". Seit der fünften Staffel ist er Autor für Anke Engelkes Show "Ladykracher". 2009 lieferte er die Drehbücher für die zehnteilige ORF-Echtzeitsitcom "Die Gipfelzipfler" – ein Jahr später wurde die vom ihm, Christian Tramitz und Hermann Bräuer entwickelte Kinokomödie "3faltig" verfilmt. Im Moment arbeitet er an zwei neuen Kinostoffen, einer Krimiserie und freut sich über die Veröffentlichung seines ersten Romans „Frettsack” beim Wilhelm Heyne Verlag im Frühjahr 2012. Murmel Clausen findet witzig geschriebene Lebensläufe nicht witzig.


Auch beim Schreiben dieses Berichtes gab es wieder den ein oder anderen Lacher. Wer also mitlachen möchte ... ihr wisst ja, wie es geht.

Es grüßen euch herzlich

Kleeblatt und Kerry

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