Freitag, 28. September 2012

[Rezension] Suzanne Joinson - Kashgar oder Mit dem Fahrrad durch die Wüste




Leseprobe


Eckdaten:
Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
Verlag: Bloomsbury Berlin (10. September 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3827010888
ISBN-13: 978-3827010889
Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13,4 x 3,6 cm

Covertext:
Noch weiß Frieda nicht, wer Irene Guy war, warum sie ihr eine schlechtgelaunte Eule, ein paar alte Möbel und ein Notizbuch hinterlassen hat. Doch in den Aufzeichnungen dieser jungen Frau, die vor fast hundert Jahren aufgebrochen ist, um weit fort ein freies Leben zu führen, findet Frieda auch Antworten auf Fragen, die sie schon lange umtreiben.

Zum Buch:
Die Autorin Suzanne Joinson hat den Roman in zwei Zeitebenen geschrieben, 1923 zu Beginn der Unruhen in China und im England der Gegenwart.

Für Eva wird ein lang gehegter Traum wahr, als sie zusammen mit ihrer Schwester Lizzie und deren Freundin Millicent 1923 als Missionarsfrauen nach Ost-Turkestan, dem heutigen China, reisen kann. Eva hegt den großen Traum, mit dem Fahrrad durch die Wüste zu fahren und darüber einen Reiseführer schreiben zu können. Ihre Erlebnisse hält sie in einem Tagebuch fest.
Sie kommen bis Kashgar, da begegnet ihnen unterwegs ein junges Mädchen, das in den Wehen liegt. Millicent will dem Mädchen bei der Entbindung helfen, dieses verblutet jedoch unmittelbar nach der Geburt. Millicent wird des Mordes bezichtigt und die drei Frauen werden in Kashgar bis zum Prozess unter Hausarrest gestellt. Das neugeborene Mädchen wird in die Obhut von Eva gegeben, die ihr den Namen Ai-Lien gibt.
Durch die etwas ungewöhnliche Art von Millicent Missionsarbeit zu leisten, werden die 3 Frauen misstrauisch beobachtet und es schlägt ihnen Feindseligkeit entgegen.
Als die innere politische Situation eskaliert, Millicent verhaftet wurde und Lizzie stirbt, flieht Eva mit Ai-Lien ...

Als Frieda nach mehreren Auslandsaufenthalten wieder zu Hause ist, findet sie Post vom Amt vor, in dem ihr mitgeteilt wurde, dass sie die letzte Angehörige von Irene Guy ist. Sie hat 1 Monat, um die Wohnung von ihr zu räumen. Ihr ist nicht ganz wohl dabei, denn eine Irene Guy ist ihr nicht bekannt, auch ihr Vater konnte ihr nicht weiterhelfen.
Beim Durchsuchen der Wohnung findet sie unter anderem auch 1 Foto ihrer schwangeren Mutter.
Obwohl sie seit ihrem 14. Lebensjahr keinen Kontakt mehr zu ihrer Mutter hat, da diese die Familie verlassen hat, sucht sie ihre Mutter, die nun in einer Kommune, oder besser gesagt Sekte lebt und kommt ihrer eigenen Vergangenheit dadurch ein wenig näher ...

Suzanne Joinson hat es geschafft, mich mit ihrem Buch in eine Welt einzuführen, die mir nicht geläufig ist. Sehr einfühlsam gibt sie die Stimmung in Ost-Turkestan und deren Bevölkerung wieder. Dank ihrer bildhaften Erzählung fühlte man sich als Leser dort nicht fremd. Es wirkte realistisch auf mich, als hätte sie es selbst genau so erlebt und wiedergegeben.
Sie erzählt, mit welchen Schwierigkeiten Eva zu kämpfen hatte, um die kleine Ai-Lien am Leben erhalten zu können, sei es von der Hygiene her oder von der Ernährung, da ja ihre Mutter bei der Geburt verstarb.
Einen sehr guten und realistischen Einblick erhält der Leser ebenfalls über das Leben in einem Harem.
Die Protagonistin Eva ist eine sehr symphatische junge Frau, die einen Traum hat, für den sie lebt. Als ihr das Baby anvertraut wird, zögert sie zunächst, da sie keinerlei Erfahrungen mit Babys hat, aber es dauert nicht lange und sie hat die kleine Ai-Lien ins Herz geschlossen.
Mit Millicent bin ich nicht so richtig warm geworden, sie war mir zu unstet und hat nur das gemacht, was sie wollte. Lizzie, die Millicent mehr oder weniger hörig zu sein schien, tat mir einfach nur leid, sie wirkte auf mich wie ein Blatt im Wind.

Anfangs schien es keine Verbindung zwischen den beiden Handlungssträngen zu geben. Die findet sich jedoch im Verlauf der Suche von Frieda.
Als Frieda ihre Mutter aufsucht, kann diese ihr die Verbindung zu Irena Guy vermitteln.
Die Autorin gönnt dem Leser mit Friedas Besuch bei der Mutter einen kleinen Einblick in das Leben einer Sekte. Kontrollzwänge werden offenbart und sogar vor Selbstverstümmelung wird nicht zurückgeschreckt. Für mich unvorstellbar, dass dem Sektenmitglieder freiwillig zustimmen. Wieder eine Welt, zu der ich keinen Bezug habe und das mir die Autorin sehr bildhaft vermittelt hat.

Ein Buch voller Faszination in einer fremden Welt, voller Widersprüche, voller Herzenswärme und voller Fragen.
All diesen Dingen ist die Autorin auf den Grund gegangen und lässt den Leser durch ihre bildhafte Erzählweise daran teilnehmen.
    

Bewertung:



Zur Autorin:
Suzanne Joinson fing 2006 mit dem Schreiben an, inspiriert durch einen Kauf einer Box mit Briefen auf einem Flohmarkt.
Das hier vorliegende Buch ist ihr Erstlingswerk, das zweite ist bereits in Arbeit.
Sie lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Sussex, einer kleinen Küstenstadt in England.





An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich beim 


bedanken, der mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hatte. 

Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

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