Mittwoch, 13. Februar 2013

[Rezension] Yvonne Winkler - Das Haus des Glücks




Leseprobe


Eckdaten:
Taschenbuch: 512 Seiten
Verlag: Knaur TB (11. Januar 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426511738
ISBN-13: 978-3426511732
Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12,4 x 4 cm

Inhalt gem. Knaur-Verlag:
Julia Sievers hat nur einen Wunsch: Sie möchte ihren alten Traum, Ärztin zu werden, verwirklichen. Doch ihr Mann nimmt sie nicht ernst. Nur ihre Großmutter versteht sie und erzählt ihr von ihrer Ururgroßmutter Victoria, die auf Samoa lebte und ebenfalls unbedingt Ärztin werden wollte. Anhand von Tagebuchaufzeichnungen und Briefen begibt sich Julia auf die Spur dieser fremden Vorfahrin. Schließlich reist Julia in die Südsee, wo sie nicht nur auf einen bisher unbekannten Verwandten trifft, sondern auch ein altes Familiengeheimnis enthüllt ...

Zum Buch:
Julia Sievers ist verheiratet und Mutter von 3 Kindern. Als auch das jüngste Kind nicht mehr den ganzen Tag zu Hause ist und seine Mutter braucht, fühlt sie sich unausgelastet. 
Sie hat den Abschluss einer Krankenschwester, aber den Beruf zugunsten ihrer Kinder vor 10 Jahren aufgegeben. Ihr lange gehegter Traum kommt wieder hoch, sie möchte gern Medizin studieren. Ihr Mann ist davon alles andere als begeistert.
Ihrer Großmutter, die ihr eine gute Vertraute und Freundin ist, erzählt sie ihren Kummer. Dieser fällt ein, dass ihre eigene Großmutter ebenfalls den Traum hatte, Medizin zu studieren und gibt Julia Tagebuchaufzeichnungen von ihr mit.
Aus diesen erfährt Julia vom Leben ihrer Ururgroßmutter Victoria, die Tochter eines Hamburger Arztes war und selber den großen Wunsch verspürte, Ärztin zu werden. Leider war es den Frauen in Deutschland nicht gestattet, Ende des 19. Jh. zu studieren. Sie war bereit, alle möglichen Wege zu gehen, um ihr Ziel zu erreichen, sie wäre dafür auch fast ins Kloster gegangen.
Mit John Seymour tritt auch die Liebe in ihr Leben, den sie später auch heiratet. Als John bei einem Geschäftsabschluss hohe Schulden macht und die Schiffe, die mit seinen Waren bestückt sind, untergehen, steht er mittellos seinen Gläubigern gegenüber. Diese wollen ihn ins Gefängnis bringen, sind aber einverstanden damit, dass er sich nach irgendwohin begibt, wo das englische Königshaus keinen Zugriff auf ihn hat. Victoria und John wandern nach Samoa, ans Ende der Welt, aus.
Wird es ihnen gelingen, dort glücklich zu werden und kann Victoria dort ihrem Traum, Ärztin zu werden, näherkommen? ...
Was wird Julia nach der Lektüre über ihre Ururgroßmutter für Entscheidungen treffen und kann sie ihren Mann überzeugen, Medizin zu studieren? ...

Ein wunderschöner Roman, der in zwei Zeitebenen spielt.
Die Rahmenhandlung spielt im Jahr 2008 und dreht sich um das Ehepaar Julia und Marco. Marco hält nichts von der Idee, dass seine Frau Medizin studieren möchte. Die Rollenverteilung, er geht arbeiten, sie versorgt Haus und Kinder, ist ihm sehr angenehm. Seine Eltern lebten ihm das vor und seine Schwiegereltern ebenfalls, warum nur kann sein Frau das nicht auch wollen?
Während sie beide auf ihrem jeweiligen Standpunkt beharren, zerbröselt so langsam ihre Ehe. 
Nachdem Julia die Tagebücher ihrer Ururgroßmutter gelesen hatte und Kontakt mit noch vorhandenen Verwandten auf Samoa aufgenommen hat, kann sie Marco überreden, mit ihr gemeinsam ein paar Tage nach Samoa zu fliegen. Auch wenn Marco anfänglich nicht viel davon hält, lasst er sich darauf ein.
Es wird eine Reise, die ihr Leben verändern wird. 

In dieser Rahmenhandlung findet man die Geschichte von Victoria und John, die wegen zu hoher Schulden gezwungen waren, nach Samoa auszuwandern.
Schweren Herzens verlässt Victoria ihre Hamburger Familie, Eltern und Geschwister mit der Gewissheit, sie nie wieder zu sehen. Es fällt ihr schwer, aber die Liebe zu John siegt.
In Samoa sieht sie sich teilweise wieder den Menschen gegenüber, die sie bereits in Deutschland verabscheut hat. Bornierte Frauen, die Langeweile haben, Kaffeekränzchen abhalten, alles besser wissen und sich gern in die Geschicke anderer einmischen.
Sofern es geht, hält sie Abstand von ihnen. Auch in der Erziehung ihrer Kinder weicht sie vom dort herrschenden Standard ab. Ihre Kinder dürfen und sollen mit einheimischen Kindern spielen, sie wachsen sogar zweisprachig auf.

Mit dem deutschen Arzt Friedrich von Kolle freundet sie sich an und hilft ihm in seiner Praxis, die viel besser läuft, seitdem sie dort beschäftigt ist. Obwohl dem Arzt nicht wohl ist in seiner Haut, dass sie so oft da ist, ist er auch froh darüber. Er versucht zu vertuschen, dass er langsam blind wird, aber Victoria kommt bald dahinter und wird für den Arzt bald mehr als seine rechte Hand, sie wird in allem seine Augen ersetzen.

Victoria ist eine ausgesprochen sympathische und starke Frau, die bewundernswert ist. Schon ihre anfängliche Zielstrebigkeit als Jugendliche, ihr Ziel zu erreichen, um Medizin studieren zu können, hat mich stark beeindruckt. Es gab immer wieder Rückschläge für sie, aber nie hat sie klein beigegeben. Sie drehte und wendete ihre Optionen und machte aus denen das beste.
Diese Eigenschaft verließ sie auch nicht, als sie gemeinsam mit ihrem Mann nach Samoa auswanderte.
Selbst nach ihrem persönlichen Schicksalsschlag, als John verunglückte, gab sie nie auf. Sie hat nur kurz überlegt, ob sie wieder zurück nach Deutschland wollte, aber die Option stand nicht mehr, Samoa war inzwischen ihr zu Hause geworden und so sehr sie sich anfangs auch nach Hamburg sehnte, könnte sie sich ein Leben dort nicht mehr vorstellen.

Der Autorin ist es sehr gut gelungen, geschichtliche Ereignisse zum Ende des 19. Jh. mit einfließen zu lassen. Genau recherchiert sind die Machtkämpfe um Samoa, einer Insel am Ende der Welt.
Die Stellung der Frauen in Deutschland und ihr Recht um Bildung an Hochschulen machen heutzutage betroffen, wenn man das liest. Auch hier erfolgte sehr gute Recherche, so dass man als Leser die Ereignisse sehr gut nachvollziehen kann.

Leider blieb für mich eine Frage offen, wo ich gern noch eine Antwort im Buch gefunden hätte, nämlich, was war mit den Schiffen nun wirklich passiert? Schade, dass das nicht mehr zu Sprache kam.

Was mich an dem Buch gestört hatte, waren die Tagebuchaufzeichnungen. Dass sie in einer anderen Schrift geschrieben wurden, störte mich nicht, nur dass der Druck so hell war, dass ich ernsthafte Probleme hatte, sie fließend zu lesen. Ich fand es sehr anstrengend zu lesen.

Ich mag ja Bücher, wo es um Geheimnisse und Vergangenes geht, das mit der Gegenwart verknüpft ist. Dieses Buch hatte das alles und noch viel mehr. 
Die Beschreibungen der Örtlichkeiten schienen genau und detailliert, so dass ich mein Kopfkino anschalten konnte und mich förmlich als Zuschauer auf Samoa wiederfand.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich empfehle es sehr gern weiter.


Bewertung:



Zur Autorin:
(Text von Knaur)
Yvonne Winkler wurde 1967 in Hamburg geboren. Während ihres Medizinstudiums begann sie sich für medizinische Geschichte und Völkerkunde zu interessieren. Nach dreijähriger Tätigkeit als Ärztin beschloss sie, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen, und lebt heute als freie Schriftstellerin in Hamburg.


Auf diesem Wege möchte ich mich recht herzlich bei der
bedanken, die mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.



Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

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