Mittwoch, 13. März 2013

[Rezension] Michael Tsokos - Die Klaviatur des Todes




Leseprobe


Eckdaten:
Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Verlag: Droemer (1. März 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 342627602X
ISBN-13: 978-3426276020
Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 15 x 2,8 cm

Inhalt gem. Droemer-Verlag:
Ein Toter auf einer Berliner Straße – Opfer eines heimtückischen Mordes oder ein tragischer Unfall? Eine grausam verstümmelte Frauenleiche – war es ein brutales Sexualverbrechen? Ein Ehepaar mit schweren Vergiftungssymptomen – standen die beiden auf der Todesliste des russischen Geheimdiensts? Der Rechtsmediziner Michael Tsokos wird immer dann von den Ermittlungsbehörden um Hilfe gebeten, wenn sie bei ihrer Aufklärungsarbeit rechtsmedizinische Expertise benötigen. Er soll herausfinden, was die Toten nicht mehr erzählen können: War es Mord? War es Suizid? Oder war es ein Unfall? Realistisch und hautnah schildert Tsokos rätselhafte Fälle, an deren Lösung er selbst maßgeblich beteiligt war. Im Obduktionssaal und im Labor fügt der Forensik-Spezialist die Indizien wie Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammen, das zur Rekonstruktion des Falles führt. Hochinformativ und spannend bis zur letzten Seite!

Zum Buch:
Ein neues Buch ist auf dem Markt von der Nr. 1 der deutschen Rechtsmediziner, Michael Tsokos.
Michael Tsokos, der Autor, schreibt über das, wovon er am meisten versteht, über Fälle aus der Rechtsmedizin.

Das Buch ist unterteilt in verschiedene Kapitel.
So erzählt der Autor beispielsweise in "Die Klaviatur des Todes" über die Entwicklung der Rechtsmedizin und ihrer immer mehr in den Vordergrund rückende Stellung in der Gesellschaft. Besonderes Augenmerk legt er dabei auf eine spezielle "Maschine", den Computertomographen, mit deren Hilfe die Rechtsmedizin in der Lage ist, feine mehrschichtige Aufnahmen des Körpers von Toten machen zu können. Durch die Auswertung der Bilder des Computertomographen ist der Mediziner in der Lage, schon vor Öffnung des Toten feststellen zu können, ob und wo sich Metallteile im Körper befinden, oder wie z.B. die Beschaffenheit der Schädeldecke ist, die früher mühsam wieder erstellt werden musste, nachdem die Kopfhaut abgezogen wurde.
Der Leser erfährt auch in diesem Kapitel, dass die deutsche Rechtsmedizin gemeinsam mit der österreichischen führend in der Welt ist, dass Studenten aus aller Welt sich in Deutschland ausbilden lassen.
Was für mich überraschend war, ist die Tatsache, dass die Rechtsmedizin nicht nur für die Obduktionen von Toten zuständig ist, sondern dass diese auch oftmals bei Untersuchungen an Lebenden hinzugezogen werden, so z.B. wenn vermutet wird, dass eine Tat nur vorgetäuscht wurde.

In weiteren Kapiteln lässt Michael Tsokos den Leser teilhaben an die Herangehensweise der Rechtsmediziner. 
So klärt er auf, wie sie den Tätern auf die Spur kommen, die eine kriminelle Handlung nur vorgetäuscht haben, sei es durch Selbstverletzung und wie man diese erkennen kann. Ein Beispiel bringt er auch über einen Betrug, um einer Gefängnisstrafe zu entkommen. 
Unglaublich, auf welche Ideen die Leute kommen.

Ein ganzes Kapitel widmet er dem Thema des lautlosen Todes, dem Tod durch Kohlenmonoxid. Es ist ein Tod, der leise und schmerzfrei kommt. Dieses Kapitel hat der Autor nicht geschrieben, um aufzuzeigen, wie man lautlos aus dem Leben scheiden kann, sondern er will auf die Gefahren hindeuten, die es noch immer gibt, auch wenn das heutige Erdgas kein Kohlenmonoxid mehr enthält und die Öfen nicht mehr in der Mehrzahl mit Kohle geheizt werden. Trotzdem gibt es noch viele Arten, wie man mit Kohlenmonoxid durch unachtsames Verhalten oder defekten Geräten zu Tode kommen kann.

Neben diesen "Sammelkapiteln", wo ein Thema mit mehreren Beispielen abgehandelt wird, gibt es auch Kapitel, in denen ein Kriminalfall nachgestellt wird, so beispielsweise der Fall des Puzzle-Mörders. 
Präzise und genau erläutert der Autor die Suche nach den restlichen Leichenteilen, nachdem als erstes nur der Torso eines Mannes im Jahr 2011 in Berlin gefunden wurde. Dieser war durchgehend tätowiert, so dass es einige Ansatzpunkte gab, den Mann zu identifizieren und später auch den Mörder zu überführen. Es liest sich wie ein grausamer Roman, bei dem man als Leser denkt, was hat der nur für eine Fantasie. Aber das eigentlich schlimme ist, es ist genau so passiert.

Einige Fälle sind wirklich unglaublich, krank in ihrer Ansatzweise und für den normalen Menschen nicht nachvollziehbar.
Mich persönlich hat der Fall "Lebensgefährliche Mutterliebe" mehr als betroffen gemacht. Für mich absolut unvorstellbar, was eine Mutter ihrem Kind antun kann. Dabei geht es um das sogenannte Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom, in dem die Mutter um Aufmerksamkeit hechelt, indem sie ihr Kind quält.   

Michael Tsokos bringt dazu einen Satz, der nachdenklich macht:
"Immer wenn ein Kind eines nicht natürlichen Todes stirbt, ist ein Erwachsener daran schuld. Auf diese einfache Weise lässt es sich tatsächlich herunterbrechen" (Seite 325)

Ein gelungenes Buch, das wahre, schreckliche Geschichten wiederspiegelt, die genauso passiert sind und die Rolle der Rechtsmedizin in diesen. Aber auch ein Buch, dass die Rechtsmedizin in einem anderen Licht erscheinen lässt, nämlich als die helfende Hand zur Aufklärung von Tötungsdelikten oder betrügerischen Versuchen.
Michael Tsokos sagt, er hätte den besten Beruf der Welt. Langweilig wird ihm sicher nicht und die Vielfalt der einzelnen Fälle ist leider unerschöpflich. Auch befindet sich die Rechtsmedizin immer noch in der Weiterentwicklung, bleiben wir also gespannt, was noch so alles kommt.

Dieses Buch kann ich wärmstens weiterempfehlen kann.


Bewertung:



Zum Autor:
(Text übernommen vom Droemer-Verlag)
Prof. Dr. Michael Tsokos leitet das Institut für Rechtsmedizin der Charité und das Landesinstitut für gerichtliche und soziale Medizin in Berlin. Er ist der bekannteste deutsche Rechtsmediziner und als Experte im In- und Ausland tätig, beispielsweise für die UN zur Identifizierung ziviler Opfer in Kriegsgebieten. 2005 wurde ihm der Medienpreis Bambi für seinen Einsatz bei der Identifizierungs-Mission deutscher Tsunami-Opfer in Thailand verliehen. Einem breiten Publikum ist er hierzulande durch seine Bestseller "Dem Tod auf der Spur" und "Der Totenleser" bekannt.

 An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich bei der 


bedanken, die mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.


Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

1 Kommentar:

Jens Niemeyer hat gesagt…

Ich habe erst vor kurzem erfahren, dass es ein Buch von Michael Tsokos gibt und war gespannt, worum es überhaupt genau geht. Deine Rezension macht mich daher sehr neugierig auf das Buch und ich werde es mir bestimmt auch bald kaufen. Vielen Dank für die tolle Rezension ;)

LG Jens