Mittwoch, 22. Mai 2013

[Rezension] Markus Thiele - Dreizehn Tage am Meer




Leseprobe



Eckdaten:
Taschenbuch: 250 Seiten
Verlag: Oldigor Verlag; Auflage: 1., verb. Aufl. (7. März 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3943697568
ISBN-13: 978-3943697568
Größe und/oder Gewicht: 19,8 x 12,4 x 1,8 cm

Inhalt gem. Oldigor-Verlag:
Zwei Brüder, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Eine Frau in den Zwängen gesellschaftlicher Konventionen. Und ein Ereignis, das zwanzig Jahre zurückliegt. Dies ist der Auftakt zu einer Reise in die Vergangenheit – einer Reise, die von den Beteiligten bisher gemieden wurde. Aus Furcht vor der Gegenwart.
Jan Graf, 47-jähriger Sportpilot, mehrfach geschieden und kinderlos, hat wegen eines Herzfehlers seine Fluglizenz verloren. Kurzerhand verkauft er seine Cessnas sowie den Rest seiner Shuttleservicefirma, und reist auf die Île d’Ouessant, jene französische Atlantikinsel, auf der er vor zwanzig Jahren Manon zurückließ – die einzige Frau, die er jemals liebte.
Kaum angekommen, schreibt er seinem zwei Jahre älteren Bruder Christian Haller, einem verheirateten Grundschullehrer und Vater eines Sohnes - der erste Kontakt zwischen den Männern seit zwei Jahrzehnten. Als Christian den Brief erhält, steht sein Entschluss fest: Er nimmt das nächste Flugzeug.
Der Text blendet immer wieder in die Vergangenheit. Die Ferien von damals endeten in einer Tragödie, die Familien zerstörte und die Liebe zweier Menschen zueinander unmöglich machte.
Vor der rauen Kulisse der bretonischen Insel, deren Klima so unberechenbar ist, wie die menschliche Seele, prallen Vergangenheit und Gegenwart aufeinander. Die Zeit alleine kann keine Wunden heilen. Dennoch stellen sich alle Beteiligten nur eine Frage: Kann es einen Neuanfang geben?

Zum Buch:
Es schlägt wie eine Bombe ein, als Christian seiner Frau Sandrine mitteilt, dass er einen Brief von seinem Bruder Jan bekommen hat, dass dieser sich auf der Insel Île d’Ouessant aufhält und dass er selbst gedenkt, ebenfalls nach 20 Jahren dorthin zu fliegen. 20 Jahre haben sie sich nicht gesehen und keinen Kontakt gehalten, nachdem auf genau der Insel ein Unglück passierte, dass das Leben der Beteiligten nachhaltig veränderte.

Ein wunderbarer Roman, in dem es um die Beziehung zweier Brüder geht und ihrer Familien. Als sie sich das letzte Mal vor 20 Jahren trafen, wollten sie gemeinsam auf der Insel Urlaub machen. Auf der Insel, auf der Sandrine geboren wurde und auf der noch ihre Schwester Manon lebte mit ihrem Verlobten. Das damalige Treffen endete mit einem Unglück, das zu einem 20-jährigen Schweigen der Brüder führte.
Nun ist Jan krank, er hat seine Shuttleservicefirma aufgegeben und verkauft und kehrte nun auf die Insel zurück, um die Frau wiederzusehen, die er trotz mehrerer Ehen nie vergessen konnte. Wird es ihm gelingen, die Vergangenheit gemeinsam aufzuarbeiten?

Der Autor, der hiermit seinen Debütroman vorlegt, schreibt mit leisen, einfachen Worten, die berühren.
Der Roman beginnt in der Gegenwart, als Jan auf dem Weg ist, die Insel anzufliegen.
Mittels Rückblenden erfährt der Leser die Details aus der Vergangenheit, die letztendlich auch dazu führten, dass das Unglück geschah.
Als Leser ist man am Puls des Geschehens und sieht, wie die Geschehnisse auf das Unglück zurasen. Neid und Eifersucht, Liebe und vor allem Traditionen, die nicht gebrochen werden können, geben den Ausschlag.

Das alles aufzuarbeiten hat sich Jan vorgenommen und er schreibt seinem Bruder einen Brief. Er rechnet nicht damit, dass von Christian eine Reaktion darauf erfolgt und ist sehr überrascht, als dieser ein paar Tage später vor der Tür steht. Die beiden haben sich sehr viel zu sagen und nutzen die Gelegenheit, das Vergangene zu analysieren und aufzuarbeiten. Es wird ein schmerzlicher Trip in die Vergangenheit.

Zu Beginn des Buches hatte ich ein paar leichte Anlaufprobleme, in die Geschichte hineinzufinden, was sich aber schnell gelegt hatte. Recht schnell war die Neugierde da und das Bedürfnis zu erfahren, was genau denn vor 20 Jahren passiert ist. Erstaunlich, dass all die Beteiligten über die Jahre die Vergangenheit ruhen ließen, vieles wäre anders gelaufen, wenn sie früher darüber gesprochen hätten.
Jeder der damals Beteiligten war bis in die Gegenwart mit diesem einen Ereignis verknüpft und jeder für sich musste es verarbeiten.
Aber wird es eine Annäherung auch für die Zukunft geben?

Ein Roman, den ich sehr gern weiterempfehle.

Bewertung:





Zur Autorin:
(übernommen vom Oldigor Verlag)

Markus Thiele, 1971 in Hildesheim geboren, ist hauptberuflich als selbständiger Rechtsanwalt in Göttingen tätig. Mit seiner Ehefrau und seinen beiden Kindern lebt er auf dem Land – für ihn der Ort, an dem er den nötigen Ausgleich zum oftmals turbulenten Berufsalltag findet. Mit dem Schreiben begann er 2007 während eines Provenceurlaubs. Schon länger hatte ihn der Wunsch verfolgt, prosaische Kurz- als auch längere Texte zu verfassen. Als der Startschuss gefallen war, entstand ein erstes Romanmanuskript.
Zahlreiche Kurzprosa folgte, 2009 erhielt er für einen seiner Texte den „Wiener Werkstattpreis“, 2012 folgte der Publikumspreis des Kulturpreises der Stadt Göttingen. Mehrere seiner Werke wurden in Anthologien veröffentlicht.
2010 begann er die Arbeiten zu Dreizehn Tage am Meer. Am Ende stand der Roman, wie er nun (2013) im Oldigor Verlag veröffentlicht wird.
Schreiben ist für Markus Thiele das Abbilden von Wirklichkeiten. Das Schwierige ist nur, so sagt er, dass es so viele verschiedene davon gibt. Als Anwalt ist er ständig in Kontakt mit unterschiedlichsten Menschen, teilweise mit geradezu skurrilen Charakteren – eine Möglichkeit, in die Untiefen und Tiefen der menschlichen Seele zu blinzeln. Seine Texte sind keine juristisch konnotierten, sind keine Krimis oder gar Gerichtsdramen. Seine Geschichten haben den Menschen zum zentralen Inhalt, dessen Gefühle, Ängste und Freuden und die Verhältnisse zu den Mitmenschen. Und so zitiert Thiele immer wieder gern seinen Lieblingsautor Siegfried Lenz: „Ich brauche Geschichten, um die Welt zu verstehen.“


An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich beim


bedanken, der mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.


Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

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