Mittwoch, 3. Juli 2013

[Rezension] Hanna Steinegger - Kein gewöhnliches Leben








Eckdaten:
Sept. 2011, Zweite Auflage 2013 (Taschenbuch)
ISBN-13: 978-3-85717-213-7 |
ISBN-10: 3-85717-213-4
Th.Gut Verlag, Stäfa
Lektorat: Peter Ziegler

Inhalt gem. Hanna Steinegger:
Horgen, erste Hälfte 17. Jahrhundert. Apollonia kommt als fünftes Kind der Familie Hüni auf die Welt. Die Hebamme prophezeit ihr "kein gewöhnliches Leben". Die Mutter stirbt bei der Geburt des Sechsten. Der Vater heiratet wieder. Mit der neuen Frau beginnt für die Kinder ein Leidensweg. Ein Hexenprozess erschüttert das Dorf. Im Alter von zweiundzwanzig Jahren verliebt sich Apollonia in einen deutschen Gerberknecht und wird von ihm schwanger sitzengelassen. Durch die Affäre mit dem Untervogt erhofft sie sich einen "achtbaren" Vater für ihr Ungeborenes. Dieser verlangt ein Verhör. Man zwingt sie, den Namen des richtigen  Vaters preiszugeben. Es folgen Verbannung aus der Gemeinde, später Landesverweisung. Nagendes Heimweh aber treibt sie immer wieder heim in ihr Dorf am Zürichsee.

Zum Buch:
Als Apollonia als 5. von 6 Geschwistern zur Welt kommt, wird ihr schon bei der Geburt kein gewöhnliches Leben beschieden. Ihre Mutter stirbt kurz nach der Geburt des 6. Kindes. Der Vater, todunglücklich, lässt sich gehen und trinkt, bis er eines Tages wieder zur Besinnung kommt.
Unterstützung bekommt die Familie von der Nachbarin Magdalena, die verwitwet ist und sich nebenher noch ein klein wenig mit um die Kinder kümmert. Da sie etwas eigenbrödlerisch ist, wird sie verleumdet und als Hexe bezeichnet.
Als der Vater später wieder heiratet, kommt mit der neuen Frau Trine auch das Böse mit ins Haus. Sie ist mit den Kindern völlig überfordert. Sie mag zwar Kinder, aber nur ihre eigenen, die jedoch sind ihr verwehrt. Es gibt Unfrieden im Haus, so dass es nicht verwundert, dass die Mädchen froh sind, wenn sie ausziehen können.
Als Apollonia nach einer Liebelei mit einem Deutschen schwanger wird, ist dieser von einem Tag auf den anderen verschwunden, so dass sie nicht mehr die Gelegenheit hatte, es ihm zu erzählen. Als sie versucht, das Kind einem anderen unterzujubeln, wird sie der Lüge bezichtigt und gesteht unter Folter. Sie wird des Ortes verwiesen und geht fortan ihren eigenen Weg ...

Hanna Steinegger hat mit diesem Buch einer ihrer Vorfahrinnen ein Denkmal gesetzt. Mittels eines Romans hat sie die klaren Fakten um die Familie Hüni aus Horgen mit Leben gefüllt.
Menschen, die nachweislich lebten wurden mit fiktiven Personen zu einem stimmigen Ganzen zusammengefügt.
Der Roman widerspiegelt die Zeit des 17. Jahrhunderts. Armut, Not und Hunger sind dort genauso zu finden wie Hexenprozesse, Aberglauben, Neid, Missgunst und Krieg.
Der Dreißigjährige Krieg, der durch den Prager Fenstersturz ausgelöst wurde, rollt über Europa und reicht auch bis nach Deutschland und die Schweiz. Geschichtliche Auswirkungen dessen findet man in kurzen Abrissen in dem Buch ebenso wie die Grauen der schwarzen Pest.

In all dem mittendrin befindet sich die Familie Hüni, die nicht nur mit dem Verlust der Mutter zu kämpfen hat.
Hexenprozesse finden statt, die Frauen zugrunde richten, die sich nichts haben zuschulden kommen lassen. Sie wurden von missgünstigen geschwätzigen Frauen denunziert und mussten unschuldig ihr Leben lassen.
Eine furchtbare Zeit, in der eine Frau nichts wert war und nichts zu sagen hatte.

Die Autorin Hanna Steinegger bringt die Geschichte ihrer Vorfahren mit geschichtlichen Fakten in Einklang und macht dieses Buch lesenswert.
Ich hatte ein paar Anfangsschwierigkeiten wegen der vielen schweizerischen -Begriffe, die mir nichts sagten, aber dank des Glossars war auch dieses Problem schnell behoben.

Zwischendurch bereichert die Autorin das Buch mit ein paar einfachen mittelalterlichen Rezepten.  

Bewertung:



Zur Autorin:

Die 1944 geborene Schweizerin Hanna Steinegger begann schon in der Schule Kurzgeschichten zu schreiben, in denen des um Tiere ging.
Nach einer Ausbildung als Kleintierpflegerin folgte eine Umschulung zur Arztgehilfin. Ende der 60-er Jahre emigrierte sie nach Kanada, wo sie 2 Jahre auf einer Ranch lebte und anschließend durch das Land trampte.
Zurück in der Schweiz arbeitete sie im Sekretariat einer Telekommunikationsfirma, fand Arbeit im Sozialbereich und startete noch eine Ausbildung zur Gymnastiklehrerin. Sie betreibt ein eigenes Studio und schreibt noch nebenbei Bücher.

An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich bei der Autorin Hanna Steinegger bedanken, die mir das Buch zur Verfügung gestellt hat. 


Von Hanna Steinegger wurden von uns gelesen und rezensiert:


sowie:
Kein gewöhnliches Leben 
Agnes und Rudolf 

Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

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