Montag, 7. Oktober 2013

[Blogtour] zur Armageddon-Reihe - Tag 8 - [Interview] Das Katzenpersonal befragt D.J. Franzen

Der Autor D.J. Franzen, die folgende Bücher geschrieben hat (bzw. deren Konzepte)



hat sich im Rahmen der aktuellen Blogtour zur Armageddon-Reihe bereit erklärt, dem neugierigen Katzenpersonal ein paar Fragen zu beantworten.
 
Das Ergebnis findet ihr im Anschluss:





D.J., wurde dir als Kind von deinen Eltern vorgelesen oder warst du diejenige, die ihnen Geschichten erzählte, vielleicht sogar schon damals Horrorgeschichten?
Nein, mir wurde nicht vorgelesen. Aber dafür hatte ich einen alten Dual-Plattenspieler, auf dem zuerst die alten Märchenplatten liefen, meist im kleinen Singleformat, aber auf 33 statt 45 Umdrehungen abspielbar. Die Märchenplatten wechselten sich dann irgendwann mit Commander Perkins und anderen Hörspielen von Europa ab, bis meine Schwester geboren wurde.
Da begann dann der blanke Horror.
Biene Maja, Schlümpfe … *lach*

Mit welchem Buch erwachte deine Liebe zur Literatur?
Ich kann gar nicht so genau sagen, ob es ein Buch oder ein Heftroman war. Mit etwa acht las ich bereits die Bücher von Oliver Hassencamp (Burg Schreckenstein) und von Rolf Ulrici (Raumschiff Monitor). Kurz darauf kamen die Bücher von Karl May und etliche Heftromane dazu. Larry Brent, John Sinclair, Perry Rhodan …Vieles von den »erwachsenen« Sachen verstand ich nicht, da habe ich mir dann die Bedeutungen mancher Sachen entweder aus den Zusammenhängen heraus geholt, oder ich dachte mir selber etwas aus.
Aber meine definitiv erste große Liebe war der Herr der Ringe, den ich zu Weihnachten bekam, als ich 12 war. Noch vor dem Ende der Ferien musste ich mich tränenreich von Frodo und Bilbo und Gandalf an den Grauen Anfurten verabschieden. Das ging gar nicht! Also verfasste ich auf einem Collegeblock meiner Mutter - auf dem sie immer ihre Strickmuster kontrollierte oder berechnete – die erste, einzige und wahrscheinlich schrecklichste, inoffizielle Fortsetzung des Herrn der Ringe. Achtzig Seiten, handbeschrieben … ich war der König von Mittelerde.
Meine Eltern waren not amused, aber meine Oma, die war stolz auf mich. Von ihr bekam ich meine ersten Tantiemen für's Schreiben. 5 DM, die ich natürlich umgehend in weitere Literatur investierte. Einem dicken Packen John Sinclair und Larry Brent aus der Second Hand Box vom Kiosk um die Ecke *lach*
Ja, ich denke, es war Tolkiens Herr der Ringe, der mich endgültig ins Reich der Bücher entführte. Aber die Bücher von Ulrici und Hassencamp, sowie die Heftromane aus der Second Hand Box vom Büdchen um die Ecke, haben den Weg dahin erst geebnet.

Schullektüre – die meisten hassen sie, wie sah es bei dir aus?
Hm … da unser Deutschlehrer uns regelmäßig mit »hoher« Literatur bombardierte, aus der wir das Erbauliche ziehen sollten, war ich von der Schullektüre allgemein schnell genervt. Im Englischunterricht war es hingegen interessanter, weil wir da öfter mit Shakespeare arbeiteten.
Intrigen, Mord, Inzucht, Krieg … DAS war Literatur, egal wie alt die war *grins* Ich bekam auch regelmäßig gute Noten für meine Arbeiten. Jedenfalls solange, bis ich es wagte zu behaupten, dass auch Shakespeare in erster Linie darum kämpfte, seine Theater voll zu bekommen, damit er genug einnahm, um vom Schreiben leben zu können.
Danach war ich als Kulturbanause gebrandmarkt.
Nun … ich kann bis heute damit leben.

Welches Buch war das schlechteste, das du je zu Ende gelesen hast?
Mathematik, neunte Klasse.
Bei allem Respekt, aber der Schwachfug, der da gelehrt wurde, den konnte ich später nie mehr gebrauchen *lach*
Aber ernsthaft:
Es gibt für mich keine schlechten Bücher, sondern nur falsche Zeitpunkte für bestimmte Bücher. In dem Sinne habe ich bisher noch kein so richtig schlechtes Buch gelesen, da sie bisher alle - bis auf ganz wenige Ausnahmen - immer noch ihre richtige Zeit und die richtige Stimmung bei mir gefunden haben. (siehe hierzu die Frage nach Bestsellern und Flops)

Welches Buch kann dich noch heute begeistern?
Da die Frage mit einem »noch« gestellt wird, sollte es also ein älteres Buch sein. Da kann ich auf Anhieb drei nennen, die meine ganz persönlichen Evergreens sind (wenn man vom obligatorischen »Herrn der Ringe« absieht, der Nummer vier wäre)

»Uhrwerk Orange« von Anthony Burgess.
Hier ist es die Kunstsprache des Nadsat, die mich unheimlich fasziniert, und der Kunstgriff, aus Alex, einem Widerling par excellence einen bemitleidenswerten Antihelden zu machen.

»ES« von Stephen King.
Die Rückblenden und die Magie der Kindheit, die ich selber auch in Teilen so erleben durfte, wie King sie hier beschreibt, machen dieses Buch für mich unvergleichlich.

»Der letzte seiner Art« von Andreas Eschbach
Was wurde aus dem Sechs-Millionen-Dollar Mann? Eschbach gibt hier die Antwort und zeigt uns einen kybernetisch modifizierten Helden als Frührentner. Wenig Action, viel Tiefe … einfach ein perfektes Buch.

Brichst du Bücher auch ab, wenn sie dir gar nicht zusagen?
Ja. Dann lege ich zur Seite und warte auf die richtige Stimmung, um sie erneut zu beginnen. Da ich aber in der Regel beim Buchkauf genau ziele und mich vorab kundig mache, also in erster Linie Leseproben online nutze oder im Buchladen ausgiebig die ersten zehn bis zwanzig Seiten lese, kommt es sehr selten vor, dass mir ein Buch so gar nicht zusagt.

Beeinflusste dich ein Buch auf deinem Weg in die Schriftstellerlaufbahn?
Ja. Das ist ganz eindeutig Stephen Kings »Über das Leben und das Schreiben«
Zu dem Zeitpunkt, als ich es las, war ich schon mittendrin in dem Lernprozess, der das unterhaltsame Schreiben zwangsläufig begleitet. Ein Teil dieses Prozesses ist auch eine Phase der Selbstzweifel, die im Übrigen immer wieder kommen kann, paradoxerweise ausgerechnet dann, wenn man Erfolge feiert.
Dieses Buch half mir, die bis dahin – für mich in Stein gemeißelten Regeln des Handwerks – auch mal ganz bewusst zu vergessen, und alleine die Erzählstimme als die wichtigste Regel zu betrachten.
Schreiben ist immer auch ein wenig wie verführen, sagt King sinngemäß. Und so sehr Grammatik und Schreibregeln auch wichtig sind, manchmal muss man die Regeln brechen, um das ausdrücken zu können, was man eigentlich sagen will. Unterhaltsames Schreiben ist manchmal wie ein Gefühl.
Und Gefühle lassen sich eben nicht in Regeln pressen.

Neben der Schriftstellerei – wie viele Bücher liest du so als Privatperson im Jahr?
Ich komme im Durchschnitt auf etwa 20 belletristische Neuerscheinungen im Jahr. Dazu kommen  Sachbücher über Politik, Polizeiarbeit, Wirtschaft, Okkultismus, Religionen, Geschichte und Forensik, wo ich aber nur sehr schwer sagen kann, wie viele es genau sind, da ich viele auch nur ausleihe. Dann meine Lieblinge aus meinem Regal, die ich regelmäßig lese, was auch noch einmal so um die 20 Stück sein dürften. 40 belletristische Bücher im Jahr … das klingt nach nicht sonderlich viel für jemanden, der selber schreibt. Allerdings lese ich inzwischen mit anderen Augen, da ich selber schreibe. Dadurch bin ich ein etwas intensiverer Leser geworden, der sehr langsam liest.

Bevorzugst du Einzelbände oder Reihen?
Weder noch. Jede Geschichte sollte den ihr zustehenden Platz erhalten. Manches kann man einfach nur als Reihe erzählen, anderes findet aber auch in einem Einzelbuch ausreichend Platz. Ich finde, hier sollte der jeweilige Autor nicht auf Folgeverträge, sondern auf das Herz seiner Geschichte und die Stimmen seiner Figuren hören. Nicht alles, was auf 300 Seiten abgehandelt wurde ist fertig, und nicht alles, was sich scheinbar endlos dahinzieht, braucht auch wirklich diesen Platz.


Welches Buch liegt gerade auf deinem Nachttisch?
Aktuell liegen dort drei. »Die Klaviatur des Todes« von Michael Tsokos, dass für mich ein Recherchebuch ist und Neuland. »Joyland« von Stephen King, dass ich schon gelesen habe, dass ich aber noch einmal wegen der Stimmung lesen möchte, und »Die Saat der Bestie« von Michael Dissieux, dass ich ebenfalls schon gelesen habe, von dessen Stil ich aber ebenfalls so begeistert bin, dass ich noch einmal dort eintauchen möchte.

Weißt du im Buchladen immer genau was du willst oder stöberst du stundenlang, um dann doch wieder viel zu viele mitzunehmen?Ich bin ein sehr entschlossener Mensch.
Ich weiß sehr genau, was ich will.
Ich marschiere zielstrebig auf das entsprechende Regal zu … und werde dann ständig von diesen Stimmen aus anderen Büchern abgelenkt *lach* Es kann also passieren, dass meine Frau und ich in die Stadt fahren, sie mich an der Buchhandlung absetzt (die ist für meine Frau das, was für Mütter mit kleinen Kindern das Bällchenbad im schwedischen Einrichtungshaus ist) … und nach drei oder vier Stunden muss sie mich ausrufen lassen, weil ich in einer ganz anderen Abteilung kleben geblieben bin.

Welches Buch würdest du jedem an Herz legen?
Da die Geschmäcker und Genres so verschieden sind, ist das eigentlich eine unmöglich zu lösende Aufgabe. Aber ich versuche es dennoch, und nenne einfach mal die Buchreihe, die mich selber immer wieder aufs Neue überrascht:
Die Saga vom dunklen Turm, von Stephen King. Ein gigantisches Gemälde über Freundschaft, Liebe, Wagemut und zugleich auch ein kritischer Blick auf Dinge, die in unserer Realität schief laufen.


Gab es in deinem Leben auch schon ganz furchtbare Buchgeschenke?Ja, leider. Es war ein waschechter Liebesroman aus einem großen Verlag. So mit allem, was dazu gehört. Herzschmerz, Alpen, einem Doc im weißen Kittel, einer Schwester im weißen Kleidchen … ich habe es versucht zu lesen.
Ehrlich.
Aber manchmal muss ein Mann eben tun, was ein Mann tun muss.
Ich verschenkte es nach sage und schreibe drei gelesenen Seiten.
Wenn ich also mal n die Hölle komme, wird es eine vollkommen überheizte Bibliothek sein, in der ich mich nur in dicker Winterkleidung bewegen darf … und die Regale sind voller Liebesromane.


Von welchem Autoren sollte es unbedingt noch mehr Bücher geben und warum?
Andrea Bottlinger, weil sie mit »Aeternum« deutlich gezeigt hat, dass Phantastik auch in und aus Deutschland kommen und funktionieren kann.
Michael Dissieux, der mit seinem Stil dem Genre Horror eine neue Facette abgewinnt.
Beide schreiben auf sehr hohem Niveau, ohne abgehoben zu wirken und erzählen spannende Geschichten, auf die ich mich sehr gerne einlasse.


Mal ganz ehrlich: Gab es so genannte „Bestseller“, von denen du dir total viel versprochen hast und die sich in deinen Augen als totaler Flop herausgestellt haben?
Ja, wobei ich mit dem Wort »Flop« sehr vorsichtig wäre, denn auch diese Bücher haben ihre begeisterten Leser gefunden, nur sind sie bei mir eben nicht auf fruchtbaren Boden gefallen.
»Shades of grey«, dass ich aus Neugier im Laden angelesen habe … und es mit einem breiten Grinsen und einem Kopfschütteln wieder zurückstellte.
»Limit«, von Frank Schätzing, welches ich mir geliehen habe und zu dem ich einfach keinen Zugang gefunden habe, egal wie oft ich es auch versuchte.
Die Bis(s) Reihe, wo ich offenbar nicht die Zielgruppe war.


Welchen Stellenwert haben Bücher, neben deinem beruflichen Leben, in deinem Privatleben?
Beruflich spielen Bücher bei mir keine Rolle. Ich erwähne auch nicht, dass ich selber schreibe, weil die darauffolgenden Dialoge immer nach dem gleichen Schema ablaufen und dabei sehr oft die Frage aufkommt, ob ich nicht ausgelastet wäre, wenn ich mich nach Feierabend noch mit so etwas beschäftigen könne.
Dafür sind Bücher und Heftromane ein unverzichtbarer Teil meines Privatlebens. Ohne Buch oder Heftroman gehe ich nicht ins Bett, nicht in die Wanne, nicht aufs stille Örtchen, nicht zum Zahnarzt … eigentlich trifft man mich höchst selten ohne Lesefutter an.


Sammelst du Bücher/Buchreichen/signierte Bücher oder ähnliches?
Oh ja! Ich freue mich immer sehr, wenn sich die Gelegenheit ergibt, ein Buch signieren zu lassen. Immerhin bin ich ja auch ein Leser und Fan. Solche Bücher erhalten in meinem Regal immer einen Ehrenplatz und dürfen unter Androhung der Todesstrafe nur von mir angefasst werden *lach*
Nein, ernsthaft:
Diese Bücher würde ich nie im Leben verleihen und hüte sie wie meinen Schatzzzzzzz … Gollum.


Gibt es Bücher, die dir so kostbar sind, dass du sie niemals aus der Hand geben würdest?
Ja.
Alle *lach*
Ich kann mich nur sehr schwer von Büchern trennen und verleihe sie nur unter großen, körperlichen Schmerzen, vergleichbar mit dem Abgang eines mittleren Nierensteins. Damit ich ein Buch verleihe, muss eine entsprechend wertvolle Geisel bei mir hinterlassen werden, sonst wird das nichts.


Haben deine eigenen Bücher ein eigenes Regal nur für sich (z. B. eine Vitrine im Wohnzimmer)?
Nein. Zum Einen bin ich dafür nicht selbstverliebt genug, um damit eine gut ausgeleuchtete Vitrine zu bestücken, die direkt beim Betreten der guten Stube ins Auge fällt. Zum Anderen sind aus meiner Feder noch gar nicht so viele Bücher erschienen, als dass sich so ein Aufwand lohnen würde. Ich glaube auch nicht, dass ich jemals einen derartigen Schrein meines Schaffens errichten werde. Ich bin zwar stolz auf jede einzelne meiner Geschichten, muss damit aber nicht direkt jeden Besucher erschlagen.



Herzlichen Dank an D.J. Franzen für die Beantwortung der Fragen.

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