Mittwoch, 26. Februar 2014

[Interview] Das Katzenpersonal befragt Anke Höhl-Kayser

Nachdem ich nunmehr bereits das 4. Buch von Anke Höhl-Kayser mit Begeisterung gelesen habe, war ein Interview mehr als überfällig. Anke Höhl-Kayser war so nett, und hat mir alle Fragen beantwortet, die ich gestellt habe und das waren nicht wenige, aber ich bin nun einmal neugierig!

Folgende Bücher hat Anke Höhl-Kayser bereits geschrieben bzw. an den Anthologien mitgewirkt:







Anke, für uns Unwissende, stellst du dich uns kurz vor?

Gern.
Ich bin Jahrgang 1962, gebürtige und bekennende Wuppertalerin. ;-) Ich habe an der Ruhr-Universität Bochum Literaturwissenschaften studiert und meinen Abschluss als M.A. gemacht.
Ich schreibe Fantasy für alle Altersgruppen, Kurzgeschichten und Lyrik. 
Außerdem mache ich Lektorate und Korrektorate und organisiere die Lit!Punkt.Wuppertal-Lesungen, das sind Lesungen meist mit mehreren Autoren, die unter einem thematischen Oberbegriff ihre Kurzgeschichten vortragen.


Als du begonnen hast zu schreiben, hast du dies nur für dich gemacht oder hattest du von Anfang an feste Unterstützer an deiner Seite, die genau wussten, was in dir steckte und die dich immer in deinem Tun bestätigt haben?

Meine Eltern haben mich immer sehr bestärkt, bereits zu Grundschulzeiten, als ich meine ersten Schreibversuche mit Kurzgeschichten machte. Meine Mutter, inzwischen 86 Jahre alt, tut das immer noch und ist stets meine erste Leserin, wenn ich ein neues Buch oder eine neue Geschichte geschrieben habe. Ihre Meinung bedeutet mir sehr viel – und zu hören, dass sie stolz auf mich ist, lässt mein Herz immer noch höher schlagen.


Wie sieht dein normaler Tagesablauf aus?

Also, wenn du das wirklich genau wissen willst, dann gehe ich jetzt mal richtig ins Detail. ;-) Aufstehen um kurz vor 7 Uhr, meinen beiden Kindern Frühstück machen. Ein erster Blick in die weite Welt des Internets – hat sich über Nacht etwas Wichtiges getan? Haben sich vielleicht Millionen meiner Bücher verkauft? ;-) Nach dem Frühstück gehe ich mit Moritz, unserem Landseer, spazieren, zwei bis zweieinhalb Stunden. Anschließend habe ich die ruhigste Zeit des Tages – für mich allein, wo ich das Telefon und die Klingel ausschalte und knapp zwei Stunden Lektorate bearbeiten oder einfach schreiben kann. Dann trudeln nach und nach die Kinder wieder ein, Mittagessen ist dran, der Hund will nochmal raus. Nachmittags habe ich nochmal Arbeits- und Schreibzeit, aber weniger ungestört. Der Nachmittag und der frühe Abend gehören meiner Familie, nach dem Abendessen gönne ich mir eine Dreiviertelstunde Pause mit Lesen, bevor ich dann nochmal an den Computer gehe. Und dann ist der Tag meistens leider schon zu Ende. Ich könnte ein paar Stunden mehr gut gebrauchen.


Welches Buch befindet sich aktuell auf deinem Nachttisch?

Jonas Jonasson, Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand.


Wie wichtig ist dir der Leserkontakt und das direkte Feedback deiner Leser?

Sehr wichtig. Deshalb mache ich auch so gern Lesungen, weil man nirgendwo direkter in Kontakt mit seinen Lesern treten kann und ein unverblümteres Feedback bekommt als dort.


Wie schwer ist es deiner Meinung nach, sich als Autor auf dem deutschen Buchmarkt zu integrieren?

Aus eigener Erfahrung: Extrem schwer. Ich habe in 2009 als Autorin angefangen, damals ganz blauäugig und ohne jeden Plan. Meine ersten Bücher habe ich über BoD herausgebracht. Im Laufe der Jahre wuchsen meine Kenntnisse, wie viele Dinge nötig sind, um ein erfolgreiches Buch auf den Markt zu bringen – angefangen vom gut lektorierten Manuskript bis hin zu Marketing-Tricks nach der Veröffentlichung und der Durchführung von Lesungen. Dass ich inzwischen einen Verlag für meine Bücher begeistern konnte, freut mich nach all diesen Erfahrungen umso mehr.


Mit welchem Buch erwachte deine Liebe zur Literatur?

Jetzt müsste ich eigentlich mit dem „Rübezahl“-Märchenbuch anfangen, aus dem mir mein Vater immer vorgelesen hat, und „Peterchens Mondfahrt“. Dass ich selber Autorin sein wollte, das habe ich bei Otfried Preußlers Büchern gespürt, die mich durch meine Kindheit begleitet haben, angefangen bei „Das kleine Gespenst“ bis hin zum einzigartigen „Krabat“. Wie wunderbar das Spiel mit der Sprache sein kann, habe ich durch Franz Werfel, Hermann Hesse und Joachim Ringelnatz gelernt. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen, ich höre an dieser Stelle lieber mal auf, sonst schreibe ich den ganzen Blog voll. ;-)


Welches Buch kann dich noch heute begeistern?

Alle oben genannten sind nach wie vor in meinem Herzen, aber es ist auch ganz viel Platz für Neues. Ich lese in jeder freien Minute. Leider habe ich viel zu wenige freie Minuten.


Haben deine eigenen Bücher ein eigenes Regal nur für sich (z. B. eine Vitrine im Wohnzimmer)?

Ja, ich gestehe es verschämt: Meine eigenen Bücher und die Anthologien, in denen ich vertreten bin, nehmen inzwischen fast ein ganzes Regalbrett im Bücherschrank in der Diele ein. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich daran vorbeigehe. ;-)


Was wünschst du dir für die Zukunft? 

Ich würde gern für einen großen Verlag schreiben – mit einer engen Verbindung zwischen Autor und Lektor, einem gut organisierten Marketing und vielen, vielen Lesern, die mein Buch erreicht. Daher suche ich für mein aktuelles Manuskript eine Agentur. Aber das ist nicht einfach, und man muss viele Rückschläge wegstecken, manche Hoffnungen begraben und immer bereit sein, einen anderen Weg zu gehen als den, den man sich vorgestellt hat. 

Du schreibst sowohl Jugendbücher, wie auch Lyrik und bist an Anthologien beteiligt. Wie kommt es, dass du so vielfältig "unterwegs" bist?


Jetzt könnte ich ja einfach sagen: „Weil ich es kann.“ :D Zum Glück ist es so, dass sehr viele Literaturwettbewerbe Fantasy-Kurzgeschichten suchen, und Fantasy ist nunmal genau mein Ding. (Dagegen tue ich mich mit Krimis ausgesprochen schwer. ;-) ) Für eine Romanautorin ist es eine perfekte Übung, Kurzgeschichten zu schreiben. Nach dem Motto „Fasse dich kurz“ kann man dabei hervorragend lernen, eine Szene, die im Roman mehrere Seiten umfasst hätte, auf ein oder zwei Seiten darzustellen.

Mit der Ronar-Trilogie hast du eine wundervolle Jugendbuch-Reihe mit einer ganz eigenen Welt erschaffen. Wie kam es dazu?

Danke erstmal für das Lob! Ronar ist schon ganz lange in meinen Gedanken. Die Urfassung der Trilogie ist zwischen 1983 und 1988 entstanden. Ich hatte zuvor den „Herrn der Ringe“ gelesen, und mich hatten besonders das Volk der Elfen fasziniert. Damals war ich mit unserem ersten Hund, einer Foxterrierhündin, oft stundenlang tief im Wald spazieren und habe mich von der geheimnisvollen Natur inspirieren lassen. Und als ich mich im Jahr 2009 entschloss, meinen Jugendtraum, Autorin zu sein, endlich wahr werden zu lassen, dachte ich mir, dass Ronar es verdient hätte, literarisch das Licht der Welt zu erblicken.


In deinem aktuellen Roman „Die Schatten von Sev-Janar“ ist das Regenbogenland (Anmerkung: Das ist der Ort, an den viele Tierhalter glauben, dass ihre Lieblinge, wenn sie verstorben sind, auf sie warten, bis sie einander wiedersehen) in Gefahr. Dieses Buch hast du nach dem Verlust deines Berner Sennenrüden „Baloo“ geschrieben. In wie weit hat es dir geholfen, den Verlust zu verarbeiten?

Es hat mir sehr geholfen. Baloo war nach einem zweijährigen Kampf, den wir gegen seine Krebserkrankung geführt hatten, am einem Januarmorgen einfach eingeschlafen und hatte uns verlassen, und damit konnte ich zunächst nicht fertigwerden. Ich habe mir beim Schreiben sozusagen gemeinsame Zeit „gestohlen“, in dem ich mich mit ihm zusammen ins Land hinter der Regenbogenbrücke versetzt habe. Wichtig war mir, keinen besinnlichen oder gar tränendrüsendrückenden Text zu schreiben, sondern einen spannenden Roman für Tierfreunde jeden Alters, der mit seinen buchstäblich quicklebendigen Protagonisten für Spannung sorgt. Und es war mir ein Anliegen, eine Geschichte zu schaffen, in der Sterben kein Ende, sondern einen Anfang bedeutet und damit Hoffnung macht.


In „Die Schatten von Sev-Janar“ spielen Meerschweinchen eine nicht unwichtige Rolle. Wie kamst du auf Meerschweinchen? 

Ich liebe Meerschweinchen. ;-) Ich habe viele, viele Jahre Meerschweinchen gehalten, hatte sogar eine „Zucht“ - in Anführungszeichen deshalb, weil ich alle bei mir geborenen Jungtiere behalten und nicht eins davon abgegeben habe, genau wie es mein Mann vorhergesagt hatte. ;-) Meerschweinchen sind toll, sie sind supersüß anzuschauen, sind ungeheuer kommunikativ mit ihren vielen Geräuschen, dem Pfeifen, Gurren und Glucksen, sie sind kuschlig und sehr clever. Leider sind zwei Familienmitglieder hochgradig allergisch gegen Meerschweinchen, sodass ich schon seit vierzehn Jahren keine mehr habe.

Kannst du uns schon etwas über neue Projekte sagen? 

Sehr gern tue ich das. Im Laufe diesen Jahres kommen zwei weitere Fantasy-Bücher im p.machinery-Verlag heraus: Ein Jugendbuch mit dem Titel „Maries Novemberzauber – Ein Märchen auf Sylt“, und ein Kinderbuch mit dem Titel „Merret und Johnny Feer“ mit Illustrationen meiner Freundin Noëlle-Magali Wörheide, die bislang fast alle Coverbilder für meine Romane und die Illustrationen im Lyrikband gemalt hat. Vier weitere Anthologien mit meiner Beteiligung werden im ersten Halbjahr 2014 erscheinen. Ein Exposé für eine Romantic Fantasy ist schon fertiggestellt und wartet darauf, dass ich es zu einem Roman verarbeite. Und natürlich schreibe ich immer weiter …
 

Herzlichen Dank an Anke Höhl-Kayser für die Beantwortung der Fragen.

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