Mittwoch, 5. Februar 2014

[Rezension] Aleks Scholz - Lug, Ton und Kip. Die Erforschung der Wicklows



Leseprobe



Eckdaten:
Format: Kindle Edition
Dateigröße: 342 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 45 Seiten
Verlag: CULTurBOOKS (1. Oktober 2013)
Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
Sprache: Deutsch
ASIN: B00H7MOIOI

Inhalt gem. Culturbooks:
Zen oder die Kunst einen Berg zu besteigen: Eine Wanderung. Die Wicklow Mountains südlich von Dublin sind kein spektakuläres Gebirge, die Berge sind nicht besonders hoch, und die Landschaft ist nicht besonders attraktiv, auch einen Panoramablick sucht man vergebens. Dazu ist es meistens nass, schlammig, neblig und kalt.
Wege gibt es fast keine, Attraktionen sind selten, stattdessen viele Quadratkilometer leeres Land, das man im eigenen Kopf mit Leben erfüllen kann. Aleks Scholz ist für uns zum Moosexperten geworden, hat sich mit Fliegen, Kühen und Schafen herumgeschlagen, hat Fichtenwälder, hüfthohes Gestrüpp, Matsch, Moor und Schlamm, in den man bis zum Knie oder weiter einsinkt, überwunden.
Das einsame Laufen durch Dreck, Nässe und Kälte war dabei auch ein Trip ins eigene Unterbewusste, ein Zugriff auf einen Teil der Welt, der sonst gründlich verriegelt ist. Was Aleks Scholz hier betreibt, ist moderne Alchemie, die Verwandlung von Torf in Buchstaben. Und so wissen wir Leser am Ende alles über die vielen Berge der Wicklows und auch ein bisschen mehr über das Leben selbst.
Ein Trip ins Gebirge - und ein transzendentaler Ausflug in die eigene Unterwelt.

Zum Buch:
Die Wicklow Mountains. 
Wer einmal durch Irland gestreift ist und sich ein wenig für Land und Leute interessiert, stolpert automatisch auch über die Wicklow Mountains. Ein kleines, eher unscheinbares Gebirge südlich von Dublin.
Ich selbst habe die Wicklow Mountains eher von der Ferne aus gesehen. Bis zur Klosteranlage Glendalough habe ich es geschafft und die Berge nur von weitem gesehen.

Was genau ich dort verpasst habe, erzählt der Autor Aleks Scholz in seinem Buch. 
Er ist der Wanderer, der sich die Berge genauer angesehen hat. Zu Fuß hat er sie erkundet und vieles von dem offenbart, was mir verborgen blieb. 
Das sind mitnichten Wanderungen, die man mal eben so an einem Tag macht, das sind Wanderungen, die körperlich alles abverlangen. Feste Wege sucht man dort ebenso vergeblich wie Zivilisation.
Durch die frühzeitige Abholzung der Berge entwickelte sich die Landschaft in Moorgebiet, schlammig und nass. Diese zu betreten und zu erkunden stellt eine Herausforderung dar, die der Autor gemeistert hat.
So gut wie jeden kleinen Hügel / Berg hat er dort abgeschritten, mit der Feuchtigkeit gekämpft und der Einsamkeit.
Nachts im Zelt kommen die Geräusche, Tiere geben Laute und rascheln um das Zelt. Das ist wirklich nur was für hartgesottene, damit muss man erst mal klarkommen.

Der Autor erzählt aber nicht nur von seinen Erlebnissen und Eindrücken, die er während der Wanderung in sich aufgenommen hat, sondern auch ein wenig über das Gebirge selbst, seine Entstehung und Geschichte.

Auf unterhaltsame Weise gelingt es ihm, mir die Wicklow Mountains ein wenig näher zu bringen, ohne selbst je einen Fuß dort hingesetzt zu haben. Er vervollkommnet mein Wissen, ohne belehrend zu wirken.
Im nachhinein bin ich froh darüber, dass er bis zu den Knien im Wasser stand und nicht ich, um darüber berichten zu können.

Das Buch ist kein Wander- oder Reiseführer. Es erzählt ein wenig über eine Landschaft, die eigentlich für den Touristen uninteressant ist, da es dort nichts Benennbares zu sehen gibt. Und doch hat dieses kleine Büchlein seinen Reiz, erzählt es doch von einer Landschaft, die ungewöhnlich ist und die man selbst wahrscheinlich nie erkunden würde.
Nicht nur für Irlandinteressierte wie mich kann ich eine klare Kaufempfehlung aussprechen, denn Wissen bildet.

Bewertung:




Zum Autor:
(übernommen von Culturbooks)
Aleks Scholz, geb. 1975, ist Astronom und Autor. Zurzeit arbeitet er als Direktor des Observatoriums an der Universität von St. Andrews in Schottland. Zusammen mit Kathrin Passig veröffentlichte er das »Lexikon des Unwissens« und »Verirren« (beides bei Rowohlt Berlin). Er war Redakteur des Weblogs Riesenmaschine und schrieb für die Süddeutsche Zeitung, den Standard, die taz, die Zeit, Spiegel Online und CULTurMAG. Von 2009 bis 2013 lebte und arbeitete er in Dublin.

An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich beim Verlag
bedanken, der mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte.

Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

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