Montag, 3. März 2014

[Interview] Das Katzenpersonal befragt THOMAS FINN

Nachdem ich das Buch "Schwarze Tränen" gelesen habe, nahm ich die Gelegenheit wahr, den Autor Thomas Finn mit Fragen zu bombardieren, die er mir gern beantwortete.

Vielen Dank für die schnelle Beantwortung derselben.



Für uns Unwissende, stellen Sie sich uns kurz vor?
Nun, ich bin 46 Jahre alt, Drehbuch-, Theater-, Spiele- und Romanautor und lebe und arbeite in Hamburg. Wer mehr über mich wissen möchte, werfe am besten einen Blick auf meine Webseite unter www.thomas-finn.de. Ich bin nicht so gut darin, mich selbst zu beschreiben :-).

Warum haben Sie angefangen Bücher zu schreiben?
Schwierig zu sagen. Weil ich schon von Kindesbeinen an eine Leseratte war? Weil ich es liebe, mir aufregenden und spannenden Geschichten auszudenken und damit ein Publikum zu unterhalten? Weil ich gern schreibe? Vermutlich von allem etwas. Bei Romanen ist man auch mehr Herr seiner eigenen Geschichten, als etwa bei Drehbüchern. 

Wie sieht Ihr normaler Tagesablauf aus?
Vermutlich unspektakulärer, als die meisten denken. Ich stehe meist spät auf, komme dafür aber auch erst spät zur Ruhe. Grund dafür ist, dass ich abends oft mehr Zeit zum Schreiben finde. Wenn ich nicht gerade am Schreiben bin, grüble ich über neue Geschichten nach. Irgendwie ist mein ganzes Leben aufs ‚Geschichten erfinden’ ausgerichtet. Das heißt aber nicht, dass ich introvertiert bin oder zurückgezogen lebe. Ich habe zum Glück einen großen Freundeskreis, bestehend aus vielen kreativen Menschen, die mich bei meiner Arbeit beflügeln und mich auch aus ihr herausreißen, wenn es Not tut. 

Wie wichtig ist Ihnen der Leserkontakt und das direkte Feedback Ihrer Leser?
Sehr wichtig. Ich schreibe ja nicht für den luftleeren Raum, sondern um möglichst gut zu unterhalten. Insofern freue ich mich über Feedback jeder Art und besuche deswegen auch sehr gern Cons und Buchmessen, wo ich meine Leser real live treffen kann.

Mit welchem Buch erwachte Ihre Liebe zur Literatur?
Zunächst mit den Grimm’schen Märchen, dann mit dem ersten „Geheimnis um...“-Band von Enid Blyton. Diese Jugendbuchreihe habe ich förmlich verschlungen, kaum, dass ich lesen konnte. Ins Phantastische driftete mein Lesegeschmack etwa mit zehn Jahren, als ich die Heftromane um den Geisterjäger „John Sinclair“ kennenlernte.

Schullektüre – die meisten hassen sie, wie sah es bei Ihnen aus?
Schwierig zu beantworten. Das kam natürlich auf die zugrunde liegende Lektüre an. Immerhin erinnere ich mich noch heute gut an Bücher wie „Sansibar, oder der letzte Grund“, »Draußen vor der Tür“, „Königliche Hoheit“ und nicht zuletzt den „Faust“. Unsere Schullektüre kann also nicht so schlecht gewesen sein .

Mochten Sie während Ihrer Schulzeit Goethes „Faust“?
Ja, unbedingt. Das Buch kam mir vor, wie einer der ersten phantastischen Stoffe überhaupt. Und ich war schwer davon angetan, wie es Goethe geschafft hat, einen ganzen Roman in Reimen abzufassen. „Faust“ hatte mich so begeistert, dass ich für die darauffolgende Deutsch-Klassenarbeit erstmals eine 1 als Note erhielt.

Beeinflusste Sie ein Buch auf Ihrem Weg in die Schriftsteller-laufbahn?
Vermutlich nicht. Dafür habe ich einfach zu viele Bücher gelesen – und auch zu viele Filme gesehen. Sie alle haben mich irgendwie beeinflusst. Aber einzelne Werke sind mir noch immer bestens in Erinnerung, etwa Barbara Hamblys „Jagd der Vampire“ oder Tim Powers „Die Tore zu Anubis Reich“.

Neben der Schriftstellerei – wie viele Bücher lesen Sie so als Privatperson im Jahr?
Leider nicht mehr so viele wie früher. Als Schüler und Student habe ich locker fünfzehn bis zwanzig Bücher pro Jahr gefressen. Seit ich selbst schreibe, sind es noch etwa drei Romane. Meist von Kollegen, an deren Arbeit ich interessiert bin. Grund ist, dass ich heute schon aus Recherchegründen sehr viel mehr Fachliteratur zu allen möglichen Themen lesen muss, und mir neben der Schreiberei auch nicht mehr so viel Zeit bleibt, mich selbst mal entspannt mit einem Buch zurückzulehnen. Ein Schicksal, das viele Kollegen teilen. Ich muss allerdings gestehen, dass es inzwischen auch nicht mehr so viele Autoren schaffen, mich wirklich zu überraschen. Dafür kenne ich die Tricks und Kniffe der Zunft einfach zu gut.

Nach der Lektüre von Schwarze Tränen stellt sich mir die Frage, wie bibelfest sind Sie?
Geht so. Was ich halt durch gezielte Recherchen zu bestimmten Themen weiß. Da ich bekennender Agnostiker und Humanist bin, interessiert mich die Bibel eher als Anschauungsmaterial. Zur Erbauung lese ich vergnüglichere Dinge. Und in meinem Privatleben spielt die Bibel schon gar keine Rolle.  

Wie recherchiert man für ein Buch, in dem es von Hexen, Zauberern, Teufel und Dämonen nur so wimmelt?
Indem man sich intensiv mit deutschen Sagen und Mythen beschäftigt, was eines meiner privaten Steckenpferde ist. Ich hüte in meinen Regalen einen ganzen Schatz von Büchern zum Thema. Auch da war mir Goethes Faust schon früh ein leuchtendes Beispiel. Ich habe erst durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Buch begriffen, welche unglaubliche Arbeit in dem Stoff steckt – und das ganz ohne die Mithilfe von Internet, Suchmaschinen und gut vernetzten Bibliotheken.  

Ihre Bücher sind ja alle irgendwie fantasylastig. Warum dieses Genre, was fasziniert Sie daran?
Ich bevorzuge den Ausdruck ‚Phantastik’, weil ‚Fantasy’ als Begriff gern synonym für ‚High Fantasy’ a la Tolkien gebraucht wird. Tatsächlich liebe ich Geschichten, in denen das übernatürliche Element auf die eine oder andere Weise in das Leben der Protagonisten eindringt. Damit verbunden war bei mir schon immer dieses gewisse aufregende Kribbeln, weil die üblichen rationalen Erklärungen ja erst einmal ausfallen. Ganz klar, man muss solche Geschichten mögen, um sie selbst schreiben zu können. Dass ich solche Geschichten aber bevorzuge, liegt ganz sicher an meinem Werdegang mit der Phantastik im Allgemeinen. Bei solchen Geschichten ist eben alles möglich :-).  

Ich könnte mir vorstellen, dass die Geschichte mit Lukas weitergeht, ist da irgendetwas in der Richtung angedacht?
Das kommt ganz darauf an, wie erfolgreich Schwarze Tränen wird. Der Roman ist bewusst in sich abgeschlossen, aber ich gestehe, ich hatte einen höllischen Spaß beim Schreiben der Story. Sollte es also dazu kommen, besteht da tatsächlich eine konkrete Idee. 

Welches Buch befindet sich aktuell auf Ihrem Nachttisch?
Das „ABC des Tauchsports“ von W. Mattes. Ich weiß, schon wieder ein Sachbuch. Aber ich bin halt schon wieder mit meinem nächsten Roman beschäftigt, einem Mystery-Thriller an der deutschen Küste, der im Herbst bei Piper erscheint.  

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Weiterhin viele spannende Ideen für neue Geschichten :-)



Herzlichen Dank an Thomas Finn für die Beantwortung der Fragen.

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