Mittwoch, 19. März 2014

[Interview] Das Katzenpersonal befragt Susanne Kliem

Im Rahmen der Leipziger Buchmesse hatte ich erstmalig die Gelegenheit, mit einem Diktiergerät einer Autorin direkt auf die Pelle zu rücken ^^ Keine Frage, das musste ich ausnutzen und so hatte ich vorher mit dem Verlag carl´s books einen Termin für ein Interview mit Susanne Kliem vereinbart. Das sie an dem Tag auch noch Geburtstag hatte, erfuhr ich erst während unseres Gespräches, sodass ich gleich noch persönlich gratulieren konnte.

Folgende Bücher hat Susanne Kliem bereits geschrieben bzw. an den Anthologien mitgewirkt:







Susanne, für uns Unwissende, stellst du dich uns kurz vor? 

 

Ich bin die Autorin Susanne Kliem, schreibe seit 2009 Kriminalromane und Kurzgeschichten und das ist meine erste Buchmesse, mein zweites Interview und noch bin ich ein bisschen aufgeregt. 

 

Wie wichtig ist dir der Leserkontakt bzw. das direkte Feedback deiner Leser?


Oh, das ist mir ganz wichtig, weil wenn man so lange an so einem Stoff arbeitet, dann setzt ja automatisch eine ziemliche Betriebsblindheit ein und für mich ist es wirklich, auch gerade im Moment, wo das Buch erschienen ist, so irrsinnig spannend, wie es die Leute eigentlich empfinden und wenn jemand sagt, es entsteht ein Sog beim Lesen und man kann es nicht aus der Hand legen, dann freut es mich natürlich ungemein, weil ich das selber gar nicht mehr so wahrnehmen kann, weil es ja fast auswendig kenne.

Wie sieht dein normaler Tagesablauf aus?


Ich fahre jeden Morgen, wenn das Kind zur Schule aufgebrochen ist, in die Staatsbibliothek am Potsdamer Platz in Berlin und setze mich da unter die Hunderten von Studenten, die alle da an ihren Arbeitstischen sitzen und vor sich hin studieren und arbeiten und da sitze ich mittendrin mit meinem Laptop, genieße die Ruhe und genieße ist, dass mich dort niemand anrufen kann und kein Internet da ist und keine Waschmaschine, keine Spülmaschine und nichts was piept und mich vom Arbeiten abhält. Da bleibe ich so ungefähr bis 14:00 Uhr, manchmal länger, je nachdem und der Nachmittag gehört dann meinem Sohn und der Abend dann der Familie insgesamt. Ich habe so meine festen Schreibarbeitszeiten, die dann meistens am Vormittag bis Mittag sind.

Mit welchem Buch erwachte deine Liebe zur Literatur?


Mit Kafka, ich glaube „Das Schloss“.

Hast du ein Lieblingsbuch?


Oh, ich glaube, ich habe so viele Lieblingsbücher, ich glaube, auf die Frage muss ich mir echt mal was Gutes überlegen. Puh, ein absolutes Lieblingsbuch: Die Korrekturen von Jonathan Franzen, ja, ich glaube, das ist immer noch mein Lieblingsbuch.

Welches Buch befindet sich aktuell auf deinem Nachttisch?

 
Von Åsa Larsson, meiner Verlagskollegin: Bis dein Zorn sich legt.

Warum hast du angefangen Bücher zu schreiben?


Ich habe eigentlich ja erst sehr spät angefangen und musste also erst einmal eine ganze Reihe Berufe durchprobieren und es war aber alles nicht so das richtige und irgendwas hat immer in mir gearbeitet und gebrodelt und wollte raus, aber ich wusste nicht so ganz genau, in welche Richtung das gehen sollte und habe dann aber als Ghostwriterin Ratgeber geschrieben zu Bewerbungsthemen für eine Coaching-Agentur und darüber habe ich auch so die Hemmung vor dem Bücherschreiben verloren, weil ich einfach gemerkt habe: Wenn man jeden Tag 5 Seiten schreibt, dann ist das Buch irgendwann fertig. Und dann habe ich mich irgendwann getraut und meine Erfahrungen am Theater, wo ich früher lange gearbeitet habe, in einem ersten Roman verarbeitet.

Neben der Schriftstellerei – wie viele Bücher lesen Sie so als Privatperson im Jahr?


Viel zu wenige, leider, das ist das Problem. Ich müsste das erst einmal ausrechen. Ich kann es so wirklich nicht sagen. Es bleibt oft, neben der Familie, da lese ich abends im Bett mal 3 Seiten und das war es dann. Ich würde mal so, über den Daumen gepeilt sagen, 15 Bücher – aber sicher bin ich nicht.

Haben deine eigenen Bücher ein eigenes Regal nur für sich (z. B. eine Vitrine im Wohnzimmer)?


Nein, haben sie nicht. Die fliegen im Moment alle ein bisschen wild durcheinander bei uns in der Wohnung rum und wenn ich mehrere Exemplare habe, stehen sie in einer Kiste unterm Bett. Also sie haben noch keinen wirklichen Ehrenplatz, aber das ändert sich vielleicht bald.

Was wünschst du dir für die Zukunft? 


Ich wünsche mir, dass ich vom Schreiben leben kann und dass ich eigentlich nichts anderes mehr machen muss. Im Moment habe ich ja noch einen anderen Brotjob, ich arbeite als Journalistin und das macht mir auch viel Spaß, aber also ich merke schon, dass mir das Romanschreiben noch viel mehr Erfüllung gibt und ja, eigentlich wünsche ich mir, dass es erfolgreich ist und dass ich nebenbei trotzdem noch genügend Zeit für meine Familie habe und für unser Hobby, Segeln. Ja, das und vor allem Gesundheit, dass wir alle gesund bleiben und das so gemeinsam noch genießen können.

Wie kamst du auf die Idee zu deinem aktuellen Buch „Die Beschützerin“?


Die Idee zu dem Buch ist eigentlich aus sehr persönlichen Erfahrungen entstanden. Das war jetzt bei meinen anderen Büchern nicht so, das waren eher Ideen, die von außen kamen, aber bei diesem hat es sehr viel mit mir selbst zu tun und so auch mit der Frage: Wie gehe ich damit um, wenn andere Menschen mich sehr stark beanspruchen, mich anfangen auszusaugen, mich zu manipulieren, Macht über mich sich zu sichern, wie gehe ich damit um und wo ziehe ich die Grenze und wie ziehe ich die Grenze? Es geht um dieses „Nein“ sagen, wie schaffe ich das, im richtigen Moment „Nein“ zu sagen, auch wenn ich beim Anderen spüre, dass er etwas von mir braucht, das er ein starkes Bedürfnis hat, das ich vielleicht befriedigen könnte. Da so auszuloten, wie gehe ich da richtig vor. Das war für mich eigentlich der Auslöser dieses Buch zu schreiben und ich habe die Heldin, also die Janne, ehrlich gesagt so ein bisschen losgeschickt, um das für mich rauszufinden. Hat sie aber nicht. Sie kriegt das nicht wirklich raus und das ist auch eine Frage, die mich weiter beschäftigen wird, die mich im nächsten Buch aus wieder beschäftigt.

Für wie wahrscheinlich hältst du es, dass es in der Realität Personen gibt, wie die Figur der Vanessa Ott, die du geschaffen hast? Die gute Frau ist ja nun extrem. Ich gehe davon aus, dass du sie einfach etwas dramatischer gestaltet hast oder gibt es da direkt eine reale Vorlage?


Nein, in der Dramatik wie es bei ihr abläuft, habe ich also keine reale Vorlage, aber ich habe schon ein paar Erlebnisse gehabt, auch mit Frauen, wo ich sagen muss, in Ansätzen gibt es Vanessa Otts oder hat es Vanessa Otts in meinem Leben gegeben. Natürlich sind die nicht mit einem Messer auf mich losgegangen, aber dieses Potential, jemand anderen zerstören zu wollen, das halte ich nicht für wirklich weit hergeholt. Das gibt es meiner Ansicht nach.

Was meinst du, treibt Leute dazu?


 Ich glaube, dass Vanessa Ott, die ja von außen betrachtet eine ganz attraktive, erfolgreiche Frau ist, wo man ja sagen würde, die hat ja im Leben eigentlich tolle Sachen erreicht. Die sieht super aus, hat Karriere und alles, dass es in ihr drin eben ganz anders aussieht. Das sie in sich eine ganz starke Leere verspürt, die sie füllen will und sie glaubt, dass sie all das was selber an menschlicher Nähe nicht empfinden kann oder an menschlichen Beziehungen, die sie selber nicht eingehen kann, dass Janne das alles hat, Liebe, Freundschaft, dieses Umsorgtwerden und das möchte sie auch haben und da sie das für sich selber nicht finden kann und nicht herstellen kann, versucht sie es einfach, jemand anderem weg zu nehmen.
 

Für wie wahrscheinlich hältst du es, dass Personen wie die Vanessa Ott in der Realität unschädlich gemacht werden können? Was ja im Buch ein etwas offenes Ende bereit hält.


Naja, in dem Moment, wo sie ein wirkliches Verbrechen begehen würde, bei dem sie irgendwann gefasst werden würde. Klar würde man sie wahrscheinlich in Haft nehmen, aber ob sie dadurch wirklich unschädlich gemacht würde, wäre ja auch noch die Frage. Ich glaube einfach, dass diese Art von Zerstörungspotential ganz schwer zu bekämpfen ist oder bei ihr auch zu heilen ist. Also wenn man vielleicht sagt, sie ist so eine Kandidatin, bei der man von so einer Borderline-Erkrankung sprechen würde, das ist ja eine Form einer psychischen Krankheit, die extrem schwer zu behandeln ist. Also ich bin jetzt eher skeptisch, dass man so weit kommen würde.

Was kannst du uns zu zukünftigen Projekten sagen?


Ich arbeite an meinem 4. Roman. Es wird wieder ein Thriller wieder, wieder mit psychologischer Spannung, auch wieder zwei weibliche Figuren, diesmal aber auch eine männliche Figur im Mittelpunkt. Es gibt diesmal mehr Hauptfiguren und es gibt auch nicht nur eine Ich-Perspektive, sondern es gibt drei verschiedene Perspektiven, aus denen Erzählt wird und es geht um Leute, die aus der Großstadt (Berlin) aufs Land ziehen und gründen so eine Edel-Land-WG. Sie haben einen alten Hof geerbt, der wird luxussaniert und die ziehen da zusammen ein und es geht wieder um meine Lieblingsthemen: Machtmissbrauch, Manipulation und um Eifersucht (ganz doll). Es geht um zwei ältere Frauen, eine sehr junge, sehr hübsche Frau und auch ums Älterwerden von Frauen und wie sie damit umgehen, das sind so grob die Themen.


Herzlichen Dank an Susanne Kliem für die Beantwortung der Fragen.

Keine Kommentare: