Montag, 7. April 2014

[Interview] Das Katzenpersonal befragt JÖRG OLBRICH

Nachdem ich das Buch "Hilmer: Der Lemming, der nicht sterben wollte" gelesen habe, nahm ich die Gelegenheit wahr, den Autor Jörg Olbrich mit Fragen zu bombardieren, die er mir gern beantwortete.

Vielen Dank für die schnelle Beantwortung derselben.


Leider gibt es im Internet so gar nichts von Ihnen zu erfahren. Würden Sie uns ein wenig von sich erzählen?
Ich werde im Sommer dieses Jahres 44 Jahre alt, bin verheiratet und habe vier Kinder. Gemeinsam mit meiner Familie und unserem Hund wohne ich in einem recht kleinen Ort in Mittelhessen.
Beruflich habe ich als Leiter Rechnungswesen in einen Krankenhaus fast den ganzen Tag mit Zahlen zu tun. Abends kommen dann die Bücher dran. Ich habe schon als Kind sehr viel gelesen und habe immer einen ganzen Stapel Bücher zu Hause liegen, die ich mir noch vornehmen will. Ansonsten unternehme ich viel mit Freunden und wenn die Zeit es zulässt beschäftige ich mich mit meinen Geschichten. Die besten Ideen dazu habe ich, wenn ich gerade im Auto sitze, oder mit dem Hund unterwegs bin :-)

Wann und warum haben Sie angefangen Bücher zu schreiben?
Mit dem Schreiben habe ich relativ spät begonnen. Angefangen hat alles im Herbst 2003. Ich habe aus Spaß an einer Ausschreibung für einen Kinderkalender teilgenommen, in dem es jeden Tag eine Kurzgeschichte für Kindergartenkinder geben sollte. Als die Geschichte dann genommen wurde, habe ich mich intensiver mit dem Schreiben befasst und zunächst sehr viele Kurzgeschichten im Netz gelesen und kommentiert. Ab 2004 habe ich dann an verschiebenen Ausschreibungen teilgenommen und inzwischen etwa 20 Kurzgeschichten in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht.
2009 erschien mit „Das Erbe des Antipatros“ im Scratch-Verlag mein erster Roman.

Mit welchem Buch erwachte Ihre Liebe zur Literatur?
Welches Buch damals das erste war, kann ich gar nicht mehr sagen, weil es schon sehr lange her ist. Ich habe als Kind so ziemlich alles von Enid Blyton gelesen. Später kamen dann die Drei ???. Eines meiner absoluten Lieblingsbücher ist aber „Der Herr der Ringe“. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Stephen King, Markus Heitz, Tad Williams und  Wolfgang Hohlbein.

Neben der Schriftstellerei – wie viele Bücher lesen Sie so als Privatperson im Jahr?
Im Schnitt sind das so zwischen 25 und 35. Kommt auch ein bisschen drauf an, wie viel Zeit ich gerade in die Recherche investieren muss.

Wie sieht Ihr normaler Tagesablauf aus?
Zunächst gehe ich natürlich jeden Tag meinem Beruf nach. Abends und an den Wochenenden unternehme ich viel mit der Familie und Freunden. Leider komme ich nicht jeden Tag zum Schreiben, versuche aber doch wenigstens eine halbe Stunde am täglich zu lesen. Immer klappt das leider auch nicht, aber fast :-)

Wie gehen Sie mit negativer Kritik um?
Es ist natürlich so, dass man als Autor am liebsten nur Positives über seine Werke hören will. Freunde und Bekannte sagen einem das zwar auch, aber als Kritiker sind sie nicht immer unbedingt geeignet. Wenn eine negative Kritik konstruktiv ist und wirkliche Verbesserungsvorschläge enthält, dann hilft sie einem mehr, als wenn zehn Leute sagen „Das ist toll“. Im ersten Moment bin ich zwar zugegebenermaßen geschockt und manchmal auch frustriert, wenn ich eine wirklich negative Kritik bekomme, aber meistens setze ich mich dann am nächsten Tag damit auseinander und schaue, was ich an Verbesserungsvorschlägen umsetzen, oder bei der nächsten Geschichte beachten kann.

Wie überbrücken Sie eine Schreibblockade?
Bisher hatte ich noch keine. Ich schreibe ja nicht jeden Tag und in der Regel ist es so, dass ich mich eigentlich immer in Gedanken mit einer Geschichte beschäftige. Oft sogar unbewusst. Wenn ich mich dann hinsetze um zu schreiben, habe ich dann ein paar fertige Szenen im Kopf und kann „loslegen“.

Wie bereiten Sie sich auf einen Roman vor? Sie haben eine Idee und dann?
Das ist eine sehr gute Frage, weil es wirklich völlig unterschiedlich abläuft. Oft ist es so, dass Ideen für neue Projekte dann kommen, wenn ich mitten in einer anderen Geschichte stecke und ich sie eigentlich nicht gebrauchen kann. Manchmal muss ich mich dann zwingen, diese Gedanken zunächst nicht weiter zu verfolgen, was nicht immer einfach ist. Ich behalte die Idee im Hinterkopf und wenn ich mit der aktuellen Story fertig bin überlege ich, womit ich weiter mache. 
Wenn die Entscheidung für eine Geschichte gefallen ist, beginnt die Recherche. Die läuft nicht nach einem bestimmten Schema ab, weil der Aufwand natürlich unterschiedlich ist. Mein erster Roman beschäftigt sich mit den sieben Weltwundern. Ich musste hier sehr viel über das Thema nachlesen und bin dann auch wirklich in die Stadtbibliothek gegangen und habe Bücher gewälzt.
Die Ronneburg liegt nicht so weit von meinem zu Hause entfernt, so dass ich einige Male dort war und mir vor Ort ein Bild machen konnte. 
Bei „Hilmer“ konnte ich sofort mit dem Schreiben loslegen, weil es nichts zu recherchieren gab.

Für wieviel kommende Bücher haben Sie schon Ideen im Kopf? 
Im Moment schreibe ich an der Fortsetzungen zu den Lemmingen. Außerdem plane ich zwei weitere Bände zur Serie „Paraforce“ des Onlinemagazins www.geisterspiegel.de, bei der ich einer der Stammautoren bin. Nächstes Jahr will ich mit einem historischen Roman beginnen, der bei mir in der Gegend spielen soll. Es gibt noch ein paar weitere Ideen, die noch nicht so sausgereift sind und in der Warteschlange stehen :-)

Wie entstand die Idee, Lemminge als Protagonisten zu nehmen? 
Ich bin ein großer Fan von Nichtlustig. In den Cartoons begehen Lemminge auf die unterschiedlichsten Arten Selbstmord oder freuen sich auf den Tod. Mir kam dann der Gedanke, was wohl passieren würde, wenn sich einmal ein Lemming weigert bei diesem Irrsinn mitzumachen. Die Idee hat mich dann nicht mehr losgelassen und so ist „Hilmer“ entstanden.
Die Legende von den Lemmingselbstmorden stammt ursprünglich aus Skandinavien. Walt Disney hat dies 1956 in einem Dokumentarfilm aufgegriffen. Die haben ein paar Lemminge über einen Felsen ins Wasser geschubst und diese Szene mehrfach hintereinander geschnitten. Es sieht dann wirklich so aus, als würden sich Heerscharren von Lemmingen in den Tod stürzen. In den 80ern gab es einmal ein Computerspiel mit Lemmingen.

Nach welchen Gesichtspunkten suchen Sie die Namen der Protagonisten aus?
In der Regel fällt mir das am schwersten. Gerade bei meinem Roman „Das Geheimnis der Ronneburg“ habe ich lange überlegt, wie die Figuren heißen sollen. Mein letzter Paraforce-Band spielt in Schottland. Dafür habe ich gezielt nach schottischen Namen gegoogelt. 
Bei „Hilmer“ war das allerdings anders. In der Story haben ein paar Namen ihre ganz spezielle Entstehungsgeschichte. So hat mich zum Beispiel ein sehr guter Freund (Benni) in einer Mail Hörg genannt. Im Spaß habe ich darauf natürlich entrüstet reagiert. Er schrieb dann zurück, dass das doch lustig sein „Henni & Hörg“. In dem Moment hatte ich wirklich ein Bild vor Augen und so sind die beiden in die Geschichte gekommen.

Haben Sie früher die Spiele mit den Lemmingen gemocht?
Auch wenn man die Spiele natürlich nicht mit den heutigen vergleichen kann, waren sie damals in den 80ern schon toll. Es hat einfach Spaß gemacht sie zu spielen.

Ich könnte mir vorstellen, dass es weitere Geschichten mit Hilmer gibt, ist da eventuell schon etwas geplant?
Ja. Für den zweiten Teil steht das Lektorat an und ich schreibe im Moment am dritten Band. Während ich „Hilmer“ geschrieben habe, sind mir so viele Ideen zu den Lemmingen gekommen, dass ich unbedingt damit weitermachen wollte.

Welches Buch befindet sich aktuell auf Ihrem Nachttisch?
Da gibt es mehrere. Wie viele, die gerne lesen, habe ich natürlich auch meinen SuB. Als nächstes stehen „Der rote Krieger“ von Miles Cameron, „Totenblick“ von Markus Heitz und die „Klingenbücher“ von Joe Abercrombie“ auf dem Programm. Letztes Jahr habe ich unter anderem die bisher erschienenen Bände von „Das Lied von Eis und Feuer“ (Game of Thrones) gelesen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Was das Schreiben angeht, würde ich mich natürlich schon freuen, wenn ich einmal einen Roman bei einem größeren Verlag unterbringen könnte. In den letzten zehn Jahren hat sich alles deutlich besser entwickelt, als ich es erwartet hätte und es wäre schön, wenn sich das so fortsetzen würde.



Wer mehr über den Autor Jörg Olbrich wissen möchte, dem empfehle ich folgende Autorenseite von Jörg Olbrich

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