Samstag, 31. Mai 2014

[Interview] Das Katzenpersonal befragt Markus Walther

Und wieder habe ich es geschafft einem Autoren meine Fragen überzuhelfen - zu meiner Verteidung muss ich aber sagen, ich kann wirklich nichts dafür, bei mir treten nun einmal Fragen während der Lektüre eines Buches auf und von daher freue ich mich natürlich riesig, wenn der betreffende Autor sich bereit erklärt, mir Antworten darauf zu geben. Dieses Mal handelt es sich um keinen geringeren als MARKUS WALTHER, der sich bereit erklärt hat, sich meinen neurierigen Fragen zu stellen ^^

Folgende Bücher hat Markus Walther bereits geschrieben:






Markus, stellst du dich uns kurz vor?

Klar, mach ich. Mein Name ist Markus Walther. Ich bin Jahrgang 1972, geboren im Sternbild Widder, verheiratet, Papa von zwei Töchtern. Exilkölner in Rösrath, Bergisches Land. Beruf: Kalligraph (Schönschreiber). Hobbys: Schreiben, Lesen, Computern, Malen.
 

Warum hast du angefangen Bücher zu schreiben?

Das kann ich mit einem Satz beantworten: weil die Geschichten in meinem Kopf sind und erzählt werden wollen.

Wie wichtig ist dir der Leserkontakt und das direkte Feedback deiner Leser?

Früher habe ich nur für mich geschrieben. Das war ok und hat mir eigentlich gereicht. Doch inzwischen ist mir der Kontakt zu meinen Lesern sehr wichtig geworden. Lesungen z.B. sind für mich etwas Besonderes. Dort wird viel gelacht und erzählt. Das ist ganz nach meinem Geschmack. Aber auch Leserunden machen mir Spaß, weil man da so schön über die Storys fachsimpeln kann.

Für Plaudereien im Web stehe ich immer gerne bereit: Ich pflege meine Facebook-Autorenseite, betreibe einen Twitter-Account und außerdem schreibe ich für drei eigene und manchmal für befreundete Blogs.

Welches Buch befindet sich aktuell auf deinem Nachttisch?

Da liegt seit längerem »Die Kunst, kein Egoist zu sein: Warum wir gerne gut sein wollen und was uns davon abhält« von Richard David Precht.

Wie schwer ist es deiner Meinung nach, sich als Autor auf dem deutschen Buchmarkt zu integrieren? (Ich meine wirklich Teil des Ganzen. Gefühlt aus Lesersicht gibt es deutlich mehr Übersetzungen aus dem Ausland und wenn deutsche Autoren veröffentlicht werden, ist es selten ein Debüt. Gerade als Leser habe ich das Gefühl, dass es für viele deutsche Autoren schwer ist, über einen Verlag zu publizieren. Viele finden ja gar keinen Verlag, dafür werden von Verlagen jedoch auf der anderen Seite mehr Übersetzungen angeboten.)

Wirklich antworten darf ich da eigentlich erst, wenn ich mich mal auf dem deutschen Buchmarkt integriert habe, oder? Vom Status eines etablierten Schriftsteller bin ich noch gefühlte 10.000 Meilen entfernt.

Ich denke, dass es ganz darauf ankommt, wie hoch man als Autor seine Ziele steckt. Wer sich an den Schreibtisch setzt, mit dem Ziel einen Bestseller zu schreiben, der hat es natürlich sehr schwer. Ihm (oder ihr) bleibt für gewöhnlich nur der Weg über die großen Publikumsverlage mit Umweg über eine etablierte Agentur. Da dieser Teil des Marktes im Großen und Ganzen vom Mainstream lebt (das kann man der Branche nicht zum Vorwurf machen: Dort sitzen in Unternehmer in den Chefetagen) ist da wenig Platz für Experimente. Deswegen haben Newcomer gegen die bekannten Autoren einen schweren Stand.

Alternativ gibt es aber bekanntermaßen viele andere Wege die auf den Buchmarktführen. Selfpublishing ist der vielleicht einfachste Weg.

In der goldenen Mitte sind die kleineren und mittelgroßen Verlage. Mit Fleiß, Ausdauer, Kreativität, etwas Eigeninitiative und möglichst viel Professionalität kann man auch hier zu zufriedenstellenden Ergebnissen kommen. Mit dem Acabus-Verlag habe ich beispielsweise einen guten Partner gefunden, der mir alle künstlerischen Freiheiten erlaubt und mich verlagstechnisch mit den zur Verfügung stehenden Mitteln voll unterstützt. In die Bestsellerlisten komme ich zwar nicht - aber das war auch nie mein Ziel.

Zurüch zur eigentlichen Frage! Du hattest sie »aus Sicht der Leser« gestellt. Ich antworte mal aus »Sicht der Verlage«: Ob sich ein (neuer) deutscher Autor auf dem Markt gegen die zahlreichen Übersetzungen behaupten kann, ist eine Sache der Nachfrage. Wenn die Leserschaft den Mut hat, (neue) deutsche Autoren zu lesen, wird sie mit der Zeit auch mehr davon geliefert bekommen.

Deinen Facebook-Posts kann man entnehmen, dass du beruflich durchaus auch mit skurrilen Menschen zu tun hast. Was genau machst du beruflich, neben der Schriftstellerei?

Ich bin gelernter Werbetechniker. Seit 1998 bin ich selbständig als Kalligraph tätig. Hauptsächlich verdiene ich meine Brötchen mit dem Beschriften von Trauerschleifen und Schärpen. Manchmal erstelle ich auch handschriftliche Urkunden oder Ähnliches.
Die Menschen, mit denen ich zu tun habe, sind nicht skurriler als andere. Vielleicht beobachte ich sie nur genauer. ;)

Wie sieht dein normaler Tagesablauf aus?

Sehr früh (3:30 Uhr) aufstehen. Ins Bad gehen. Mit dem Hund eine Runde drehen. Einen schnellen Kaffee genießen. Zum Blumengroßmarkt Köln fahren. Bis 9:30 Uhr arbeiten. Zurück nach Hause. Erledigungen und Familienleben. Nachmittags geht’s dann bis abends ins Büro unterm Dach. Zwischendurch etwas Schriftstellern, wenn es die Zeit erlaubt. Hübsch langweiliger Alltag. Nix Besonderes.

Welchen Stellenwert haben Bücher, neben deinem beruflichen Leben, in deinem Privatleben?

Ich bin kein Buchjunkie. Da an erster Stelle die Familie steht, an zweiter Stelle der Beruf kommen muss, steht das Lesen von Büchern abgeschlagen an vierter Stelle. - Platz drei wird allerdings vom Schreiben der Selbigen eingenommen.

Haben deine eigenen Bücher ein eigenes Regal nur für sich (z. B. eine Vitrine im Wohnzimmer)?

Ertappt! Meine Frau dekoriert die Bücher tatsächlich in der Vitrine des Wohnzimmerschranks. Langsam wird es auf dem beleuchteten Brett eng. In ein paar Jahren habe ich vielleicht die Sammlung mit den Lieblings-DVDs vom Brett darunter vertrieben. Fernziel ist es, mal den ganzen Schrank zu erobern. Danach strebe ich nach der Weltherrschaft. [Hier irrsinniges Lachen einfügen.]

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Den Weltfrieden. Einen Sack voll Gold. Und den ganzen anderen Kram von der üblichen Liste. Aber alles in allem darf das Leben ungefähr so bleiben, wie es ist. Gegen einen Platz auf der Spiegel Bestsellerliste hätte ich natürlich nichts einzuwenden.

In deinem aktuellen Buch „Der Letzte beißt die Hunde“ hast du eine einzigartige Protagonistin „Mimi“ geschaffen. Wie kamst du auf die Idee zu dieser älteren Dame, die alles ist, aber nicht auf den Kopf gefallen?

Ich mag die alten Miss Marple Filme. Und ich mag den schwarzen englischen Humor. Außerdem ist meine Schwiegeroma eine recht resolute Dame. Dies alles zusammengewürfelt mit diesem Schlagerlied aus der Nachkriegszeit (der immer noch zum penetranten Ohrwurm werden kann), taugte zu dem, was meine Mimi geworden ist.

Eine andere Figur deines Buches „Helen“ hat während ihrer letzten Beziehung traumatische Erfahrungen machen müssen. Basiert diese Figur auf einem realen Vorbild, dass dir die Gefühle der „Helen“ näher bringen konnte?

Stark verfremdet habe ich reale Ereignisse und Personen eingebunden. Aber hier möchte ich nicht ins Detail gehen.

Mein absoluter Liebling in dem Buch ist neben Mimi auf jeden Fall der Butler! Wer oder was inspirierte dich zu dieser Figur?

Norbert ist auch mein heimlicher Liebling in der Story. Er ist das überspitzte Klischee eines perfekten englischen Butlers. Diesen kühlen, sachlichen, aber nicht herzlosen Charakter zu erschaffen, hat mir viel Spaß gemacht. Im ursprünglichen Plot des Manuskripts hatte er nur eine kleine Rolle als Running Gag. Aber er hat sich nachher ganz von selbst in den Vordergrund geschoben, der Gute.

In „Der Letzte beißt die Hunde“ zeigst du allerhand skurrile Mordarten auf. Wie kamst du denn auf diese Vielfalt?

Das war nicht schwer. Dazu muss man wissen, dass ich lange Zeit nur Kurzgeschichten geschrieben habe. Vier Bücher mit ein paar hundert Shortstories stehen meinen beiden Romanen gegenüber. Die Morde präsentieren sich wie kleine Kurzgeschichten, die von mir in »Der Letzte beißt die Hunde« eingewoben worden sind.


Kannst du uns schon was zu zukünftigen Projekten sagen?

Zur Zeit arbeite ich an einer Fortsetzung von »Buchland«. Irgendwie musste ich für mich feststellen, dass die Handlung um Beatrice und das Antiquariat noch nicht ganz zu Ende erzählt ist. Einen zweiten Teil hatte ich eigentlich nicht vorgesehen, aber wenn eine Idee da ist, muss sie umgesetzt werden. Im Hinterstübchen habe ich auch noch Pläne für eine Horror-Komödie und einen weiteren Mimi-Krimi. Mal sehen, wohin mich Kalliope und Thalia führen.


Herzlichen Dank an Markus Walther für die Beantwortung der Fragen.

1 Kommentar:

Beate Senft hat gesagt…

Ein tolles Interview das mir viel Spaß gemacht hat. Vielen Dank