Montag, 26. Mai 2014

[Rezension] Ramona Ambs - Die radioaktive Marmelade meiner Großmutter


Vorab ein paar Eckdaten:
Seitenanzahl: 160
ISBN: 978-3-939-23946-8
Erscheinungstermin: 7
. März 2013  
Format: Hardcover
Verlag:
Ubooks


Klappentext gem. Ubooks:
Romy wächst nach dem Tod ihrer Mutter bei ihren vom Holocaust traumatisierten jüdischen Großeltern auf. Gefangen in diesem Käfig aus Erinnerungen, die nicht ihre eigenen sind, sucht sie nach einem Ausweg.
Sie schnüffelt an den Lacken im Keller, probiert die Tabletten der Großmutter und schließlich auch den Stoff, der bereits ihrer Mutter den Tod brachte: Heroin.
Romy landet schließlich auf der Straße. Sie lässt sich treiben, verdingt sich eine Weile in Istanbul, bevor sie sich verliebt und das Leben nicht mehr gelb, sondern golden strahlt. Aber auch das goldene Strahlen der Liebe kann die Schatten über Romys Leben nicht vertreiben ...


Rezension:
Romy Marzimek hatte nicht unbedingt das, was man eine unbeschwerte Jugend nannte. Ihre Mutter gab sie in die Obhut ihrer Großmutter, da ihr das Heroin wichtiger war, als ihr eigenes Kind. Nicht lange nach Romys Geburt starb ihre Mutter. Zwar hatte die kleine Romy Kontakt zu ihrem Vater, einem Hausmeister, doch ein wirklich inniges Verhältnis hatte sie zu ihm nicht. So wuchs die kleine Romy, die den gleichen Namen trägt wie ihre Mutter, bei ihren Großeltern auf.

Es war eine traurige Kindheit, denn ihre Großeltern waren Überlebende des Holocaust und gerade ihre Großmutter hat diesen nie wirklich verarbeiten können. So hatte die Kleine zwar Spielzeug, durfte damit aber nicht spielen, es könnte ja was kaputt gehen. Dass Romy Halbjüdin ist, machte es ihr nicht leichter, denn in ihrer Umgebung wurde sie mit "Kanaken" gleichgestellt oder sogar als schlimmer angesehen. Von daher waren Freundschaften für das Kind fast unmöglich zu pflegen.

Romy wurde als Süchtige geboren und schon früh bemerkte sie, dass sie anders ist als andere Menschen. Schon als Kind berauschte sie sich gerne an den Farben im Keller ihres Großvaters. Mit zwölf Jahren machte sie erste Erfahrungen mit Alkohol, kurze Zeit später mit Heroin. Die Droge, die sie ihre Mutter gekostet hat, wird immer bedeutender in ihrem Leben. Sie hat "Glück", verliebt sich und verliert an diesen Jungen ihre Unschuld, anstatt auf den Straßenstrich, doch dieser ist nicht mehr weit, denn als erst ihr Großvater und dann auch noch ihr Freund sterben, verliert sie fast jeden Halt, den sie noch hatte ...


Noch immer fordert der Holocaust Opfer! Der Plot des Buches wurde sehr authentisch und realistisch erarbeitet. In diesem Buch erzählt die Figur der Romy ihre Lebensgeschichte und warum sich ihr Leben so entwickelte, wie es geschah und warum alles mit dem Holocaust begann. Die Figur der Romy wurde sehr empirisch erarbeitet, so, als wäre sie es tatsächlich selbst, die dem Leser ihre Lebensgeschichte erzählt, ohne etwas zu beschönigen, ohne unnötige Emotionen. Den Schreibstil empfand ich als sehr rational gehalten und dennoch, das Buch hat etwas, das mich nicht losgelassen hat.

Bewertung


Die Autorin: 
Ganz Deutschland jubelte als Ramona Ambs 1974 auf die Welt kam.
Das war aber nur ein Missverständnis.
Gejubelt wurde nämlich, weil an diesem Tag elf schweißgebadete Männer ein aufgeblasenes Stück Leder so gekonnt in einem Netz versenkten, dass Deutschland Fußballweltmeister wurde.
Auf dieses erste Missverständnis folgten weitere...
Als Inventar einer jüdisch-katholisch gemischten Familie aufgewachsen, und unregelmäßig Schulen und Universitäten an diversen Orten besuchend, entschied sich Ramona Ambs irgendwann die Missverständnisse zu verkleiden und in Buchstaben zu verpacken.
Derzeit lebt Ramona Ambs in Heidelberg und schreibt über die Missverständnisse von Menschen mit Prosopagnosie, von Personen mit synästhetischen Neigungen und von Leuten, die ihr Leben unterwegs irgendwo verloren haben... (übernommen von amazon)
 

Wie ich zu dem Buch kam:
Dieses Buch habe ich auf der Leipziger Buchmesse 2014 gewonnen.

1 Kommentar:

Beatrix Petrikowski hat gesagt…

Ein sensibles Thema bestens umgesetzt und dazu eine gute Recherche.