Freitag, 6. Juni 2014

[Rezension] Uwe Ritzer / Olaf Przybilla - Die Affäre Mollath



Leseprobe



Eckdaten:
Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Droemer HC (3. Juni 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426276224
ISBN-13: 978-3426276228
Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 14,8 x 1,8 cm

Inhalt gem. Droemer-Knaur:
Der Mann, der zu viel wusste
Olaf Przybilla und Uwe Ritzer, Journalisten der "Süddeutschen Zeitung", kannten lange Gerüchte über den Fall Mollath. Als sie bei ihren Recherchen auf ein internes Dokument der Hypovereinsbank stießen, begannen sie einen der größten Justiz-, Psychiatries-, Banken- und Politskandale der Bundesrepublik aufzudecken:
Gustl Mollath beschuldigt seine Frau und andere Banker, illegaler Geldgeschäfte. Niemand schenkt ihm Gehör. Stattdessen wird er in die Psychiatrie eingewiesen,wo er seit sieben Jahren sitzt. Mollath wird von Psychiatern weggesperrt, die ihn nie untersucht haben. Das interne Dokument der Hypovereinsbank beweist, dass Mollaths Anschuldigungen zutreffen. Man verheimlicht die Akte und lässt ihn in der Anstalt schmoren. Und wer den Fall kennt, glaubt nicht an ein zufälliges Versagen von Justiz und Psychiatrie. Dieses Buch erzählt die ganze Affäre Mollath und prangert das skandalöse Versagen des Rechtsstaats an. Für ihre Recherchen und ihre Berichterstattung im Fall Mollath wurden Uwe Ritzer und Olaf Przybilla mit dem Wächterpreis der deutschen Tagespresse ausgezeichnet.

Zum Buch:
Ein unglaublicher Fall. Aus dem Fall Mollath entwickelt sich die Affäre Mollath.
Als Mollath seine Frau, eine Bankangestellte, wegen Verschiebung von Schwarzgeld in die Schweiz und somit Steuerhinterziehung anzeigt, setzt er eine Welle in Bewegung, die seinesgleichen sucht.
Die HypoVereinsbank, bei der seine Frau angestellt war, reagiert nicht, ebensowenig wie die gesetzlichen Behörden, sprich Polizei oder Staatsanwaltschaft, genausowenig wie die Politik. Niemand hört zu. 
Seine Behauptungen werden als Wahn abgestempelt und er landet in der Psychiatrie, nachdem seine Frau eine Gegenanzeige wegen Misshandlung gestellt hatte.
Dort sollte er viele Jahre verbringen, Jahre, die für Gustl Mollath unwiderruflich verloren sind.

Die beiden Journalisten Uwe Ritzer und Olaf Przybilla sehen in die Akten des Falles Mollath und entdecken Unglaubliches.

Er wurde in die Psychiatrie eingesperrt, ohne je untersucht worden zu sein. Die Ärztin, die die Einweisungspapiere unterschrieb, hat ihn nie zu Gesicht bekommen. Aber auch dort hört ihm niemand zu. Selbst bei Kleinigkeiten, wie der Auswahl einer Seife, da er die dort gestellte aus gesundheitlichen Gründen nicht verträgt, bestätigt die einmal gefasste Meinung, dass er genau dorthin gehört.
Immer wieder versucht er sich Gehör zu verschaffen, jedoch ohne Erfolg.
Selbst als die HypoVereinsbank bei einer internen Untersuchung später feststellen muss, dass die Beschuldigung von Mollath durchaus gerechtfertigt ist, passiert nichts. Mollath bleibt ungehört und verschlossen.
Unfähige Politiker (wer hat die eigentlich gewählt?) stellen sich hinter die Entscheidung, dass Mollath in die Psychiatrie gehört, ohne nachzuhaken oder eine Untersuchung zu veranlassen.
Die Affäre Mollath entwickelt sich zu einer Scharade ohne Ende.

Erst als die beiden Journalisten sich die Akten ansehen und hinterfragen, decken sie den Skandal auf und bewegen etwas.

Im Falle Mollath wurden geschlampt, gelogen, vertuscht, was immer möglich war. Ärzte, Staatsanwaltschaft, Richter, Banken, Poilitiker, jeder tat nur das, was er für richtig oder die Wahrheit hielt. Das die jedoch weit entfernt lag, spielte keine Rolle.

Im Ganzen gesehen, ist die Affäre Mollath ein Armutszeugnis unserer Rechtsprechung. Es haben alle versagt, die nur irgendwie einen Anteil daran hatten.
Mich hat der Fall erschüttert, denn wie schnell kann man in genau solch eine Situation kommen und der Gedanke, dass man, obwohl unschuldig, alle gegen sich hat, baut mein Vertrauen in unsere Rechtsprechung nicht gerade auf.

Dieses Buch ist nicht nur eine Aufarbeitung des Falles Mollath, sondern auch ein Blick in unser Rechtssystem. Ich für meinen Teil hoffe, dass es ein Einzelfall ist. 

Dank der beiden Journalisten Uwe Ritzer und Olaf Przybilla konnte Gustl Mollath im vergangenen Jahr aus der Psychiatrie entlassen werden, in ein Leben, in dem er nichts mehr hatte, ihm wurde alles genommen. Ich hoffe für ihn, dass er es geschafft hat, wieder auf die Beine zu kommen.

Dieses Buch empfehle ich sehr gern weiter.

Bewertung:



Zu den Autoren:

(Text übernommen vom Droemer-Verlag)
Uwe Ritzer: Uwe Ritzer, Jahrgang 1965, volontierte bei den "Nürnberger Nachrichten", arbeitete anschließend als Lokaljournalist und leitete mehrere Jahre eine Lokalredaktion. Daneben war er für Rundfunksender und Regionalzeitungen tätig. Seit 1998 arbeitet er für die "Süddeutsche Zeitung" (SZ), seit 2005 als Korrespondent der SZ-Wirtschaftsredaktion. Von Nürnberg aus betreut er die nordbayerische Wirtschaft, sowie investigative Sonderthemen über die Region hinaus. Ritzer wurde mit dem Henri-Nannen-Preis in der Sparte investigativ, sowie dem Medienpreis der Sparda-Stiftung ausgezeichnet.

Olaf Przybilla: Olaf Przybilla, geboren 1972 in Wertheim, Baden-Württemberg, aufgewachsen in Bayern. Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaften und Soziologie in Erlangen und Heidelberg. Nach dem Examen Dozent für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Literaturgeschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen. Seit 2001 Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in Nordbayern, seit 2008 Leiter des Büros Franken der "Süddeutschen Zeitung" in Nürnberg.

Auf diesem Wege möchte ich mich recht herzlich beim
bedanken, der mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat


Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

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