Dienstag, 28. Oktober 2014

[Rezension] Martina Schmid - Feed me! Tödliche Gier


Vorab ein paar Eckdaten:
Seitenanzahl: 152
ISBN: 978-3-944-94804-1
Erscheinungstermin:
25. Juni 2014
Preis:
9,95 EUR 
Format:
Taschenbuch
Verlag:
Medu


Klappentext gem. Medu:
Bea ist von Selbstzweifeln geplagt und fühlt sich unattraktiv. Als sich eines Tages plötzlich der gut aussehende Francis für sie interessiert, kann sie es kaum glauben. Endlich scheint sie ihren Traummann gefunden zu haben. Fasziniert davon begehrt zu werden, erfüllt sie nur zu gerne seine sexuellen Wünsche und lässt sich von ihm systematisch füttern.
Bea nimmt rasend schnell zu. Immer mehr. Und mit ihren Rundungen wächst Francis’ Verlangen nach ihr. Ein Teufelskreis. Erst sehr spät durchschaut Bea seinen perfiden Plan – zu spät?


Rezension:
Eigentlich ist die 27-jährige Bea ein ganz normale Frau, wenn auch eine mit einer traumatischen Vergangenheit. Sie ist 1,66 m groß, hat dunkelblondes Haar und wiegt 62,5 kg - also eigentlich alles total normal. Doch eben dieses Gewicht ist es, das Bea das Leben schwer macht, denn irgendwie ist bei ihr alles völlig falsch verteilt, vor allem am Bauch. Über gerade diese Tatsache ist sie todunglücklich, denn egal was sie macht, er geht nicht weg, ja schlimmer noch, ihr Ex-Freund fragte sie mitten im Schwimmbad, ob sie schwanger wäre. Auch die Tatsache, dass ihre beste Freundin Gina, die voll zu ihr steht, leider jene Modelmaße hat, die sie gern hätte, macht ihr Leben kaum erträglicher.

Alles in allem ist Bea mit ihrem Leben und vor allem ihrem Single-Status unzufrieden. Zwar arbeitet sie gerne als Concierge im Holiday Inn, doch kann das wirklich alles in ihrem Leben gewesen sein? Bei einem gemeinsamen Eisessen mit Gina lernt Bea Dr. Francis Cronenberg kennen, einen Tierarzt mit eigener Gemeinschaftspraxis und eine Fitness-Club-Bekanntschaft Ginas. Bea ist sofort fasziniert von Francis, doch schätzt sie ihre eigenen Chancen eher gering ein, denn Francis kommt einem Adonis erstaunlich nahe.

Dann jedoch geschieht in Beas Augen das Unglaubliche - Francis meldet sich fast umgehend bei ihr und bittet sie um ein Treffen. Überglücklich sagt Bea natürlich zu, wie könnte sie nicht, bei solch einem Traummann und tatsächlich kommen sich die beiden schnell näher, doch nicht nur das. Francis scheint keinerlei Probleme mit ihrer Figur zu haben, eher das Gegenteil ist der Fall, er verwöhnt sie kulinarisch nach Strich und Faden und das sie im Laufe der Wochen einige Kilos zunimmt, scheint ihn überhaupt nicht zu stören, sondern im Gegenteil immer mehr anzuturnen. Kann es sein, dass sie in Francis endlich ihren Seelenpartner gefunden hat, der sie so nimmt, wie sie ist und dem ihr Äußeres nicht so wichtig ist bzw. ob sie ein paar Kilo mehr auf die Waage bringt als Otto-Normal-Frau? Francis auf jeden Fall ist entzückt von Bea und hat mir ihr, im wahrsten Sinne des Wortes, große Pläne ...


"Womit habe ich diesen Traummann nur verdient?" (S. 61). Der Plot wurde ausgesprochen realistisch und anschaulich dargestellt. Immer wieder hört man in den Medien von sogenannten "Feedern" und was sich in etwa dahinter verbirgt, kann man relativ schnell in Erfahrung bringen, aber: Wie sind solche Menschen? Wie sind sie dazu geworden? Wie weit gehen sie, um ihren Fetisch auszuleben? Antworten auf diese und viele Fragen mehr wurden in dem Buch sehr anschaulich dargestellt und dennoch, auch nach Beendigung der Lektüre muss ich sagen, ich verstehe solche Menschen nicht und werde es wohl auch nie tun. Das Buch an sich ist jedoch ganz wunderbar erarbeitet worden und führt den Leser langsam und nach und nach in die Materie der Feeder und Feedees ein. Die Figuren wurden ausgesprochen authentisch und natürlich erarbeitet. Diese kamen mir so real vor, dass ich mir immer wieder die Frage stellte: Hat die Autorin mit Feedern / Feedees Kontakt aufgenommen, um diese derart naturgetreu wiedergeben zu können? Ehrlich gesagt weiß ich nicht so genau, was ich von der Figur der Bea halten soll. Sicherlich, zu Beginn ist sie eine ganz normale Frau und entscheidet sich dann scheinbar für den Weg des geringsten Widerstandes bzw. den Weg, der ihr immerwährendes Glück verheißt, doch manchmal fragte ich mich: Wie naiv ist diese Frau mit ihren 27 Jahren, dass sie bestimmte Dinge nicht hinterfragt? Doch ich habe Bea nicht aufgegeben und sie konnte mir doch noch beweisen, dass ich recht daran getan habe, an sie zu glauben. Die Figur des Francis empfand ich als ausgesprochen überzeugend dargestellt, denn ehrlich, wer würde nicht dem smarten, gutaussehenden Tierarzt vertrauen, der noch dazu der Frau seiner Träume jeden Wunsch von den Augen abliest? Doch Vorsicht, der schöne Schein trügt mitunter! Den Schreibstil empfand ich als ausgesprochen emphatisch und auch hart erarbeitet, denn ganz ehrlich, manche Szenen wurden so anschaulich beschrieben, dass ich zwischendrin das Gefühl hatte, ich würde grün anlaufen, denn bestimmte Dinge verursachten mir einfach Unwohlsein und ehrlich, wenn ich bei einem Buch so mitfühle, dann hat mich der Schreibstil voll und ganz in seinen Bann gezogen und überzeugt. Abschließend kann ich sagen, dass es sich hierbei um ein sehr gut recherchiertes Buch über das Tabuthema Feeder und deren Opfer handelt, dessen Lektüre meinerseits sehr aufschlussreich war und mich mit der Hoffnung zurücklässt: Hoffentlich begegne ich solch einem Menschen nie im Leben.

Bewertung

Die Autorin:
Die „waschechte“ Oberpfälzerin Martina Schmid arbeitete mehrere Jahre in einem großen Wirtschaftsverband. Schon als Zwölfjährige verspürte sie eine große Affinität zum Schreiben. 2002 entdeckte sie ihre Leidenschaft wieder und veröffentlichte mehrere Kinderbücher. Da sie ihre literarischen Fertigkeiten gerne weitervermitteln will, hat sie vor einigen Jahren die „Schreibwerkstatt für Kinder“ ins Leben gerufen. „Feed me“ ist der erste Roman der vielseitigen Autorin, dem noch weitere folgen sollen. (übernommen von Medu)
 

Wie ich zu dem Buch kam:
An dieser Stelle möchte ich mir herzlich beim




und

Martina Schmid


bedanken, die mir dieses Buch zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt haben.

1 Kommentar:

Lesedelfin hat gesagt…

Hmm, interessantes Thema und wahrscheinlich so schwierig, dass es für mich persönlich als Leselektüre wenig "taugen" würde.
Dennoch danke fürs vorstellen :)