Dienstag, 14. Oktober 2014

[Rezension] Petra Schier - Der Hexenschöffe



Leseprobe



Eckdaten:
Taschenbuch: 512 Seiten
Verlag: rororo (1. Oktober 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499268000
ISBN-13: 978-3499268007
Größe und/oder Gewicht: 19,2 x 12,8 x 4,2 cm

Inhalt gem. Rowohlt:
Eine wahre Geschichte aus dunkler Zeit.
Anno 1636 ist ganz Deutschland vom Hexenwahn ergriffen. Schon einige Jahre zuvor traf es auch das beschauliche Rheinbach – eine Zeit, an die sich keiner gern erinnert. Und nun hat der Kurfürst den Hexencommissarius erneut in die Stadt beordert.
Hermann Löher, Kaufmann und jüngster Schöffe am Rheinbacher Gericht, hat Angst um Frau und Kinder. Sein Weib Kunigunde gehört zur «versengten Art»: Angehörige ihrer Familie wurden damals dem Feuer überantwortet. Löher glaubt nicht an Hexerei und an die Schuld derer, die vor Jahren den Flammen zum Opfer fielen. Eine gefährliche Einstellung in diesen Zeiten.
Als die Verhaftungswelle auch auf Freunde übergreift, schweigt der Schöffe nicht länger. Und schon bald beginnt für ihn und seine Frau ein Kampf gegen Mächte, die weit schlimmer sind als das, was man den Hexen vorwirft ...

Zum Buch:
Deutschland im Jahre 1636. 
Der Kaufmann Hermann Löher ist schon vor ein paar Jahren mit seiner Frau Kunigunde und seinen 8 Kindern zurück nach Rheinbach gezogen, um das Geschäft seines verstorbenen Vaters zu übernehmen.
Kunigundes Vater wurde vor 5 Jahren auf dem Scheiterhaufen verbrannt, seitdem gilt sie als eine der "versengten Art".
Hermann wurde seinerzeit als jüngster mit 36 Jahren zum Schöffen ernannt. Er ist stolz auf sein Amt, muss aber feststellen, dass er mit seinem Amt anderen in die Hände spielt.
Nachdem 5 Jahre Ruhe in Rheinbach herrschte, beruft der Kurfürst den Hexencommissarius Dr. Fanz Buirmann in die Stadt, der auch kurz darauf gleich eine alte Frau anklagt, eine Hexe zu sein. 
Hermann und ein anderer Schöffe widersprechen der Hexenverfolgung, kommen aber gegen all die anderen Schöffen, die Angst haben, dagegen zu sprechen, nicht an. Schon bald gerät Hermann samt seiner Familie selbst in den Strudel der Anklage und muss mit dem schlimmsten rechnen ... 

Deutschland hatte schon viele düstere Zeiten zu überstehen.
Eine davon ist die unrühmliche Zeit der Hexenverbrennungen, die im Mittelalter in verschiedenen Städten ihr Unwesen trieben.

Die Autorin Petra Schier beschäftigte sich bereits in ihrer Jugend mit dem Fall der Hexenverbrennungen und insbesondere dem Fall Hermann Löher. Dieser hatte als 80-jähriger eine Anklageschrift verfasst, die bis heute erhalten geblieben ist und das Unrecht, das seinerzeit in Rheinbach geschah, aufs grausamste widerspiegelt.

Aus dieser Anklageschrift und weiteren Recherchen ist es Petra Schier gelungen, die Zeit der Hexenverbrennungen mit all seinem Grauen wieder aufleben zu lassen. Was sie nicht wissenschaftlich recherchieren konnte, hat sie gekonnt mit fiktiven Daten und Personen gefüllt, so dass ein Buch herauskam, das betroffen macht.

Es zeigt nicht nur, wie manipulativ gearbeitet wurde, um zu erreichen, was man wollte, sei es Geld oder Macht. Wer dem Hexencommissarius widersprach, konnte sicher sein, dass auf ihn ebenfalls eines Tages eine Anklage ausgeschrieben wird. Aus Angst wurde geschwiegen, und nicht nur das, noch schlimmer. Aus Angst, trotz Unschuld, doch beschuldigt zu werden, beschuldigte man schnell jemand anderen. Meist waren es Personen, die man nicht mochte, denen man etwas nicht gönnte oder die einem einfach nur im Weg standen. Niemand überprüfte den Wahrheitsgehalt.
Die "Wahrheit" der Beklagten bekam man letztendlich immer, dank einer ausgereiften grausamen Art und Weise, an Geständnisse herauszubekommen. Die Foltermethoden führten fast immer zum Ziel, denn unter den wahnsinnigen Schmerzen, denen die Angeklagten ausgesetzt waren, hielten nicht viele stand und gaben so zu Protokoll, was man hören wollte.

Hermann Löher, der im hohen Alter die Geschehnisse aufgeschrieben hatte, hatte während der ersten Hexenprozesse vor 5 Jahren versucht, sich mit Geld freizukaufen, so dass er und seine Familie unantastbar bleiben sollten.
Vehement versuchte er, die Repressalien, denen die Angeklagten ausgesetzt wurden, zu verhindern, bis er einmal zu oft widersprochen hatte. 

Es ist eine furchtbare Zeit, in die mich die Autorin Petra Schier wieder hat eintauchen lassen. Aber es ist ein Teil der deutschen Geschichte und mit der sollte man sich beschäftigen, um Bescheid zu wissen.
Sie hat diese Zeit lebendig werden lassen, so, dass man sich als Leser in die Zeit zurückgesetzt fühlte und man den Verdacht hatte, man erlebt es live mit.
Die aufgezeigten Grausamkeiten haben mich betroffen gemacht, ebenso die Art und Weise, wie man mit den Angeklagten umgegangen ist und vor allem, wie man das Recht beugen kann.
Ein Buch, das noch ein Weilchen in mir nachhallen wird und nachdenklich macht.

Für Liebhaber von historischen Romanen ist dieses Buch eine absolutes MUSS.

Bewertung:





Zur Autorin:
(übernommen vom Rowohlt-Verlag)
Petra Schier, Jahrgang 1978, lebt mit ihrem Mann in einer kleinen Gemeinde in der Eifel. Sie studierte Geschichte und Literatur und arbeitet mittlerweile als freie Lektorin und Autorin.

An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich bei der Autorin Petra Schier und dem Verlag
bedanken, die mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.

Die Bibliographie von Petra Schier und unsere Rezensionen findet ihr HIER

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Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

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