Dienstag, 17. Februar 2015

[Interview] Das Katzenpersonal befragt Arthur Gordon Wolf

Und wieder ist es mir gelungen, einem Autoren meine Fragen überzuhelfen - manchmal muss man einfach über seinen Schatten springen und fragen ^^ Ich liebe es einfach, mehr zu erfahren, als geschrieben steht und immer wieder wurmen mich Fragen, die ich so gerne loswerden möchte. Von daher bin ich sehr glüchlich, dass sich ARTHUR GORDON WOLF bereit erklärt hat, sich meinen Fragen zu stellen.

Folgende Bücher hat Arthur Gordon Wolf bereits geschrieben bzw. an den Anthologien mitgewirkt:









Arthur Gordon, stellst du dich uns kurz vor?
Gerne. Ich gehöre zu diesen Leuten, die permanent Bücher kaufen, obwohl sie die Menge in drei Leben nicht bewältigen könnten. (Auch nicht in neun, wenn ich gewisse feline Eigenschaften besäße. ;-) ) So ist es vielleicht auch nicht verwunderlich, dass ich irgendwann selbst mit dem Schreiben begann. Dazwischen habe ich mir die Zeit als Fitness-Trainer und Lehrer an einem Gymnasium am Niederrhein vertrieben. Als ich bemerkte, dass längere Texte trotz der den Lehrern nachgesagten »Dauerferien« nicht zu schaffen waren (»Katzendämmerung« zog sich daher auch über ein Jahrzehnt hin.), beschloss ich nach knapp 20 Jahren Beamtentrott, Job und Pension hinzuwerfen und mich nur noch dem Schreiben zu widmen. Tja, da stehe ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor. :-)
Was gibt es sonst noch über mich zu erzählen? Nicht viel: ich schreibe halt mit Vorliebe über düstere, unheimliche Dinge. Aus diesem Grund bin ich auch (Horror-) Filmfan, obwohl ich schon seit Jahren auf einen wirklich guten Genrefilm warte. Ansonsten lese und sammle ich massenhaft Comics (von Asterix über Prinz Eisenherz bis Punisher). Gelegentlich treibe ich mich in Canyons oder Wüsten im Westen der USA rum. Ich habe den 'Joshua Tree NP' nicht zufällig als Setting für 'Katzendämmerung' ausgewählt.

Du schreibst ja unter einem (Vornamen-)Pseudonym. Wie kam es denn dazu und warum gerade dieses?
Das war eigentlich ganz simpel und begann vor vielen Jahren mit einem Routinebesuch bei meinem Hausarzt. Als ich nach meinen Daten gefragt wurde, entwickelte sich in etwa folgender Dialog:
»Ihr Name?«
»Wolf.«
»Oh, da haben wir mehrere in der Kartei. Vorname?«
»Andreas.«
»Oh, da haben wir mehrere. Geburtstjahr?«
»1962.«
»Oh, da haben wir mehrere. Monat?«
Spätestens da, wusste ich, dass ich einen Allerweltsnamen besaß und dringend meinen Arzt wechseln musste. (Wegen akuter Verwechslungsgefahr.)
Damit es auch in meiner Tätigkeit als Autor zu keiner Verwechslung kam, musste halt ein 'Nom de Guerre' her. Die Suche nach dem Pseudonym verlief allerdings sehr schnell. Ich wählte mir mein größtes Vorbild (E. A. Poe), nahm seine wohl beeindruckendste Novelle/Kurzroman (»Die denkwürdigen Abenteuer des Arthur Gordon Pym aus Nantucket«) und entlieh mir den Vornamen der Hauptfigur. Fertig war Arthur Gordon Wolf. :-)

Du hast ja einen recht interessanten beruflichen Werdegang hinter dir (erst Fitness-Trainer, dann Lehrer, jetzt Autor). Wie kam es zu dieser ungewöhnlichen beruflichen Konstellation?
Das habe ich ja eingangs schon erwähnt. Da ich u.a. Sport studiert hatte, aber keine sonderliche Lust auf den Schulalltag verspürte, versuchte ich mich zuerst im Fitness-Coaching von Managern und später als Trainer in einem Studio. Als ich dann überraschenderweise doch ein Angebot als Lehrer bekam, griff ich zu. (Die Bezahlung war einfach besser. ;-) ) Tja, ich zog an den Niederrhein und quälte dort Gymnasiasten. Nach 20 Jahren zog ich aber eine Art Bilanz und entschied, dass mir Zeit viel wichtiger als Geld war. Also verzichtete ich auf die sichere Pension und beschloss, Full-Time-Writer zu werden. Obwohl dieses Vorhaben nur bedingt funktionierte. Es gibt da so störende Dinge wie Facebook oder Interviews, wie dieses hier. Stress pur, also. :-D

Wie sieht dein normaler Tagesablauf aus?
Aufwachen ohne das nervige Dröhnen eines Weckers. (Ein Luxus, den ich sehr zu schätzen weiß.) Frühstücken. Mails und Facebook-News abrufen. Etwaige Fragen beantworten. Langsam auf den aktuellen Text konzentrieren und schreiben. Oder zumindest den Versuch starten. Ich schreibe leider sehr langsam. Nach dem Mittagessen versuche ich mich bis etwa 17/18 Uhr weiter am aktuellen Projekt. Wenn ich 1000 Worte geschafft habe, war es ein erfolgreicher Tag. Oft schaffe ich aber nicht einmal diese lächerlich geringe Zahl. Mühsam ernährt sich das Eich...äh der Schreiberling.

Wie wichtig sind dir der Leserkontakt und das direkte Feedback deiner Leser?
Sehr, sehr wichtig. (Und das ist nicht einfach so dahergesagt!) Das ist eigentlich auch einer der Hauptgründe, warum ich bei Facebook sehr aktiv bin. Nirgendwo sonst lässt sich so zwanglos mit Lesern, aber auch Verlegern und Lektoren über Texte diskutieren. Welcher Autor möchte zudem nicht erfahren, wie eine Erzählung oder ein Roman beim Leser ankommt! Ein unbekannter Autor wie ich erhält ja keine Fanpost oder dergleichen. :-D

Welches Buch befindet sich aktuell auf deinem Nachttisch?
Keins. Ganz einfach, weil ich nicht im Bett lese. Nur auf dem Sofa. Und dort liegt aktuell auf dem Tisch »Schatten des Baumes« von Piers Anthony.

Wie schwer ist es deiner Meinung nach, sich als Autor auf dem deutschen Buchmarkt zu integrieren?
Jetzt wäre erst einmal meine Frage, was genau du unter »integrieren« verstehst. ;-) Wenn du damit meinst »sich einen Namen zu machen«, so ist dies ein verdammt schweres Geschäft. In meinem Haupt-Genre, der unheimlichen Phantastik, noch ein klein wenig schwieriger als anderswo. Eine Nische innerhalb einer Nische. Der Grund ist recht simpel: bei mehr als 50.000 Neuerscheinungen pro Jahr geht nahezu jedes Buch gnadenlos in der Masse unter. Ganz egal, ob es gut oder schlecht ist. Und über das Merkmal 'Qualität' ließe sich ohnehin trefflich streiten.
Natürlich ist es heutzutage wesentlich einfacher, Selbstgeschriebenes zu publizieren, als zu der Zeit, als ich mit dem Schreiben anfing. (Ich startete noch mit einer guten, sehr schweren Schreibmaschine und schrieb alles zuvor per Hand in dicke Notizbücher.) Stichwort: Self-Publisher. Hier muss der Autor allerdings alles selbst erledigen: Lektorat, Korrektorat, Satz, Layout, Coverart und last but not least die Werbung. Eine fast unlösbare Aufgabe, die nur die wenigsten mit Bravour meistern. Oft hapert es vor allem bei den ersten beiden'Hürden'.
Doch auch die Autoren, die – wie ich – lieber einen Verlag im Rücken haben, sind deswegen noch lange nicht 'aus dem Schneider'. Zwar wird nun beinahe alles von Verlagsseite 'geregelt', doch ein Garant für einen Verkaufserfolg ist das noch lange nicht. Da können permanent positive Feedbacks und Kritiken kommen, der Verlag überall Werbung machen, der Autor von einer Lesung zur nächsten hetzen, das Buch bleibt dennoch im Verborgenen, nur einer winzigen Gruppe 'Eingeweihter' bekannt. Wer sich nicht die Mühe macht, neben den Spiegel-Bestsellerlisten auf die Suche zu gehen, wird eben auch nicht auf derartige Bücher stoßen.

Wie ist deiner Meinung nach der Zusammenhalt deutscher Autoren untereinander? Ist deiner Meinung nach jeder auf seinen eigenen Vorteil aus oder gibt es so etwas wie eine echte Gemeinschaft? Meinst du, das könnte auch genreabhängig sein?
Es gibt wohl kein Metier, wo nicht hinter den Kulissen mit Haken und Ösen gekämpft wird. Das ist in der Autoren-Szene bestimmt nicht anders. Allerdings muss ich gestehen, dass ich innerhalb der Horror-Szene fast nur positive Erfahrungen mit Kolleginnen und Kollegen gemacht habe. Autoren, mit denen ich in diversen Anthologien vertreten bin und die ich z.T. auch in persona treffen durfte, haben sich stets als äußerst sympathisch und unkompliziert erwiesen. So besuche ich in diesem Jahr auch wieder in Leipzig einen Stammtisch 'Gleichgesinnter'.  Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Neid und üble Nachrede gibt es leider überall.

Neben der Schriftstellerei – wie viele Bücher liest du so als Privatperson im Jahr?
Da ich nach Beendigung meines Lehrerjobs viel Zeit habe, schaffe ich im Durchschnitt etwa 80 Bücher pro Jahr. Frage bitte nicht, wie viele neue jedes Jahr hinzukommen!

Was wünschst du dir für die Zukunft?
Dass die Menschheit endlich zur Vernunft kommt und Kriege der Vergangenheit angehören. Ansonsten ganz privat: dass ich bei geistiger und körperlicher Gesundheit noch mindestens 20 Romane schreiben kann, von denen einer vielleicht doch noch ein Bestseller wird. Träumen ist ja wohl noch erlaubt, oder? ;-)

Dein Buch „Katzendämmerung“ behandelt viel ägyptische Mythologie. Hast du dich schon immer für diesen Themenbereich interessiert?
Ja, sehr sogar. Die uralte Hochkultur der Ägypter hat mich schon als Jugendlicher fasziniert. Auch ihre Kunst, Architektur, die Götter und der Jenseitsglaube.

Deine Figur der Natascha in „Katzendämmerung“ wird als atemberaubende, jedoch auch geheimnisvolle Schönheit dargestellt, die allen in ihrer Umgebung den Kopf verdreht. Gab es für diese Figur eine reale Vorlage oder hast du dich von den Mythen des alten Ägypten inspirieren lassen?
Hehe. Nein, da gibt es weder bei den Ägyptern, noch in meiner realen Umgebung eine entsprechende Vorlage. In meinem Vorwort schreibe ich ja, wie ich überhaupt auf die Konstellation »Frau/Katze« kam.

Eine weitere Figur in „Katzendämmerung“, Thomas, ist augenscheinlich, gerade zu Beginn des Buches, ein eher durchschnittlicher Mann, der sich im Laufe des Buches immer weiter wandelt (ob zum Guten oder zum Schlechten wird hier nicht verraten). Wie viel von Arthur Gordon steckt in diesem Thomas oder wie kamst du auf die Idee, gerade diese Figur, die ja bisher so gar keinen Kontakt zur ägyptischen Mythologie hatte, so zu konstruieren?
Tja, das wird jetzt schwierig. Irgendjemand hat mal geschrieben, dass jeder Autor – ob nun bewusst oder unbewusst – ein Teil seiner handelnden Figuren ist. Schließlich hat er sie ja auch erschaffen. Natürlich spiegeln gewisse Gedankengänge von Thomas auch meine eigenen wider. Dies bedeutet jetzt aber nicht, dass ich ähnlich handeln würde, wie mein Protagonist. Das wäre eine zu naive Vorstellung. Ich verabscheue ja auch Leute wie 'Radd' und dennoch habe ich sie erfunden. Der Autor ist wie eine Art Schauspieler, der es liebt, immer wieder in neue Rollen zu schlüpfen. Kurzfristig übernimmt er sogar deren Wesen. Danach allerdings kehrt er zu seinem Ich zurück.

In „Katzendämmerung“ spielen Katzen, wie der Titel schon verrät, eine große Rolle. Zu meiner Freude hattest du dich ja für das Thema „Katzen“ entschieden, wobei Ägypten ja noch einige mythologische Tiergottheiten zu bieten gehabt hätte. Hat die Arbeit an dem Buch deine Einstellung zu diesen edlen Jägern verändert?
Nein. Eher im Gegenteil. Ich habe mich wegen des Romans sehr viel intensiver mit Katzen und ihrem Verhalten beschäftigt. Verhaltensforscher wie Desmond Morris waren mir da eine große Hilfe. Für mich zählen Katzen ganz einfach zum Schönsten und Faszinierndsten, was die Evolution zustande gebracht hat. Was die Ägypter betrifft, so haben sie zwar auch Falken, Ibisse, Krokodile und Schakale angebetet, doch die Katze/der Löwe nahm wirklich eine Sonderstellung in diesem Kanon ein. So kam ich auch über die Schiene 'Frau/Katze' zwangsläufig zur ägyptischen Mythologie.

Kannst du uns schon was zu zukünftigen Projekten sagen?
Ich bin nicht abergläubisch, weil man ja eigentlich nie etwas über 'Projekte' verraten soll. In diesem Jahr werden wohl noch einige Anthologien/Sammlungen mit Erzählungen und Novellen von mir erscheinen. Viele andere sind in 'Pre-Production', wie man in Hollywood so schön sagt.
Aktuell arbeite ich endlich mal wieder an einem Roman. Es wird allerdings kein Horror werden, sondern eher ein Psycho-Thriller. Ohne jede übernatürliche Note. Nun ja, fast.  ;-) Aber ohne jede Mythologie. Okay, ein klein wenig ist doch wieder mit drin. ;-) Aber ohne Katzen. Sorry, aber das stimmt definitiv.
Außerdem habe ich mir Bemerkungen meiner Kollegen zu Herzen genommen, die sich (zu recht) darüber beschwerten, dass wir deutschen Phantastik-Autoren 90% unserer Texte in Amerika oder sonstwo spielen lassen. Ganz selten einmal in der Heimat. Aus diesem Grund machen meine Akteure diesmal Wuppertal und Umgebung unsicher. Schaun wer mal. The Game is Afoot. :-)


Herzlichen Dank an Arthur Gordon Wolf für die Beantwortung der Fragen.

1 Kommentar:

Stefanie Hofmann hat gesagt…

Hallo Kerry,

tolles Interview und wirklich sehr interessant. Ich habe zwar schon von Herrn Wolf gehört, aber noch nie etwas von ihm gelesen. Vielleicht sollte ich es, gerade als Katzenfan, mal mit Katzendämmerung versuchen. :)

Vielen lieben Dank für das Interview!

LG Steffi
(http://litis-fabelhafte-welt-der-buecher.blogspot.de)