Samstag, 18. April 2015

[Interview] Das Katzenpersonal befragt Nora Melling

Was soll ich sagen, außer: Yeah!!! Denn wieder hat sich eine Autorin bereit erklärt, mir Rede und Antwort auf meine Fragen zu stehen. Ihr wisst ja, ich bin von Natur aus sehr neugierig und möchte gerne einfach mehr über die Bücher und Autoren erfahren, als es geschrieben steht. Von daher bin ich sehr glücklich, dass sich NORA MELLING bereit erklärt hat, sich meinen Fragen zu stellen.

Folgende Bücher hat Nora Melling bereits geschrieben:





Nora, stellst du dich uns kurz vor?
Mein Name ist Nora Melling. Ich bin gebürtige Hamburgerin, lebe aber inzwischen mehr als die Hälfte meines Lebens mit meiner Familie in Berlin. Ich habe drei Schattenblüten - Romane beim Rowohlt  - Verlag und „Deal mit Dorian“ im Selfpublishing veröffentlicht.    

Mit welchem Buch erwachte deine Liebe zur Literatur?
Das waren natürlich mehrere Bücher. Nachdem ich „Der Herr der Ringe“ gelesen hatte, wollte ich unbedingt selbst so einen Roman schreiben. Ich glaube, ich bin nicht die Einzige, der es so ging. Eine Welt zu erschaffen, in die man nach Belieben abtauchen konnte und die zudem noch von so lebendigen Charakteren bewohnt wird, erschien mir sehr erstrebenswert. Und mal Hand aufs Herz: Wer würde nicht gerne die ganze Welt vor dem sicheren Untergang retten, ohne dabei selbst in die geringste reale Gefahr zu geraten? Das geht nur im Roman.  
  
Hast du einen sogenannten Brot-Job?
Nein. Für mich stand es nach meiner Erziehungspause fest, dass ich von da an Autorin sein möchte und nichts anderes. 

Wie sieht dein normaler Tagesablauf aus?
Wenn gegen acht Uhr morgens alle Familienmitglieder auf die jeweiligen Schulen verteilt sind, habe ich das Haus für mich. Dann kann ich mich in mein Arbeitszimmer zurückziehen und schreiben und sonstigen Bürokram machen, der so anfällt. Oft kombiniere ich das auch mit Hausarbeit, Gartenarbeit oder so etwas. Wenn ich zum Beispiel mit einer Szene nicht weiterkomme, kann ich beim Bügeln oder Rasenmähen in Ruhe darüber nachdenken und dann weiterschreiben. Nach der Mittagspause, wenn alle wieder da sind, teile ich mir die Zeit je nach Arbeitsanfall zwischen Haushalt, Kindern und Schreiben auf. Wenn Abgabetermine anstehen, bleibe ich bis Abends in meinem Arbeitszimmer. Eigentlich sieht jeder Tag anders aus und es gibt bei mir keine normalen Tage. 

Print oder E-Books - welches Format wird bevorzugt?
Ich liebe Geschichten in jeder Form, egal, ob gedruckt, als E-Book oder verfilmt auf DVD bzw Blu-ray. Im Bett z. B. lese ich gerne eBooks, die sind leichter und liegen besser in der Hand. Doch so bequem ich E-Books auch finde: Eine Wohnung ohne Regale voller Bücher wäre für mich niemals ein Zuhause. 

Neben der Schriftstellerei - wie viele Bücher liest du als Privatperson im Jahr?
Das weiß ich gar nicht so genau. So ein Buch pro Woche wird es im Durchschnitt schon sein. Wenn ich gerade auf eine spannende Buchreihe gestoßen bin, lese ich auch schon mal ein Buch pro Tag. Dann wieder kommen Zeiten, in denen konzentriere ich mich hauptsächlich auf den Roman, den ich gerade schreibe und lese fast gar nicht. 

Wie wichtig sind dir der Leserkontakt und das direkte Feedback deiner Leser?
Sehr wichtig. Das ist doch das Schönste am ganzen Schreiben: Die Leser mitzunehmen in die Geschichte, die im eigenen Kopf entstanden ist. Ich kann in den Romanen meine selbst ausgedachten Figuren fast wie alte Freunde vorstellen. Und natürlich möchte ich auch wissen, ob das, was ich im Roman rüberbringen wollte, auch angekommen ist. Daher ist mir Feedback auch wichtig. 

Schreibst du eher intuitiv oder plottest du alles von Anfang bis Ende durch?
Ich versuche jedes Mal wieder zu plotten. Inzwischen habe ich aber festgestellt, dass sich manche Wendungen in meinen Geschichten erst beim Schreiben herauskristallisieren. Im Moment sieht mein Schreibstil etwa so aus, dass ich die Figuren, die Hauptkonflikte und das Ende plane und dann beherzt drauflos schreibe. 

Du bist mit deinem aktuellen Buch "Deal mit Dorian" unter die Selfpublisher gegangen. Wie kam es dazu?
Zum ersten Mal richtig mit dem Selfpublishing in Kontakt gekommen bin ich dank einer lieben Kollegin, die damit sehr erfolgreich und in diesen Kreisen gut vernetzt war bzw ist. Bis dahin war ich der Meinung, dass Selfpublishing nur etwas für Autoren war, die keinen Verlag gefunden hatten und die deshalb irgendwelche seltsamen Geschichten voller Rechtschreibfehler veröffentlichen, die niemand lesen will. Doch nun hielt ich zum ersten Mal bewusst wirklich gute selbst herausgebrachte Romane in der Hand. Da stand für mich fest: Das möchte ich unbedingt auch versuchen.
Inzwischen weiß ich, dass Selfpublishing eine Menge Vorteile gegenüber den Verlagsveröffentlichungen hat. Am wichtigsten ist mir der direkte Kontakt zu den Lesern. Ich schreibe nicht für einen Verlag, nicht für Buchhändler, sondern für die Menschen, die meine Bücher lesen wollten. Dazu kommt, dass man als Selfpublisher flexibler ist. Das Buch kommt dann heraus, wenn es fertig ist, und nicht erst, wenn im Verlagsprogramm Platz ist.
Falls sich das jetzt so liest, als wäre ich nicht gerne Verlagsautorin bei Rowohlt gewesen, muss ich das korrigieren. Der Rowohlt-Verlag hat ein tolles Team, supernette Menschen, die sich um sämtliche Buchbelange kümmern und ich habe sehr viel dort gelernt. Ohne die Erfahrungen, die ich dort als Verlagsautorin machen konnte, hätte ich es mir niemals zugetraut, einen Roman in Eigenregie zu veröffentlichen. 

Was wünschst du dir für die Zukunft?
Dass ich mit meinen Büchern den Lesergeschmack treffe. Ich wünsche mir, dass meine Romane so erfolgreich werden, dass ich mir nicht doch letztendlich einen Brotjob suchen muss. Schreiben und Veröffentlichen, mit allem was dazu gehört, macht mir so viel Spaß und ich möchte in Zukunft mehr Zeit damit verbringen und nicht weniger.

Mit deinem aktuellen Roman "Deal mit Dorian" hast du eine Adaption des Märchens "Aschenputtel" vorgelegt, warum gerade eine Adaption dieses Märchens?
Bei dieser Frage habe ich erst mal gestutzt. Ich habe doch niemals geplant, einen Aschenputtel-Roman zu schreiben, dachte ich. Eigentlich habe ich nämlich erst einmal den Roman geschrieben und dann, als er fertig war, überlegt, wie man den potenziellen Lesern am einfachsten erklären kann, worum es darin geht. Ein Mädchen ohne Geld, das fleißig und zielstrebig ist und den Mut nicht verliert? Natürlich: Aschenputtel.
Das Thema Geld und damit verbundene Chancen im Leben lag mir schon eine Weile am Herzen. Eine meiner Töchter erzählte mir von einem Mädchen in ihrer Schule, die sich große Sorgen macht, dass sie obdachlos wird. Die alleinerziehende Mutter kam nie mit dem Harz-vier-Geld aus und sie hatten große Schulden. Das Mädchen konnte nicht das geringste ändern. Trotzdem wurde von dem Mädchen erwartet, in die Schule zu gehen und ganz normal zu funktionieren. Außerdem besuchten natürlich auch Schüler aus reichen Elternhäusern diese Schule. Mir machte es Angst, mir vorzustellen, wie manipulierbar so ein Kind ohne Geld für die reichen Kinder wäre. Wie weit würde ein von der Obdachlosigkeit bedrohtes Kind gehen, um an Geld zu kommen, dass ein Mitschüler ihm anbietet?    

In "Deal mit Dorian" hast du nicht nur den offensichtlichen Plot erarbeitet, sondern lässt deine Leser nach und nach in die Vergangenheit deiner Figuren schauen, wobei hier beide Protagonisten ein ganz schönes Päckchen zu tragen haben. Wie kam es, dass du ihnen solch eine harte Vergangenheit angelastet hast, die auf den ersten und auch zweiten Blick nicht offensichtlich ist, sondern sich erst nach und nach enthüllt?
Mein Ausgangspunkt der Geschichte waren immer die tausend Euro, die der eine hat und die andere nicht. Dann tauchten die ersten Fragen auf: Was bringt einen Jungen dazu, einem Mädchen für ein Wochenende so viel Geld zu zahlen, wenn er nicht heimlich in sie verliebt ist und sie rumkriegen will? Er bietet das Geld immerhin ganz gezielt Cara, für die er keine romantischen Gefühle hat und von der er ziemlich sicher weiß, dass sie ihn entsetzlich arrogant und nervig findet. Entweder er hat nur Langeweile und genießt seine Macht  – und so einem Kotzbrocken wollte ich meine Cara nun wirklich nicht geben – oder er hat einen sehr guten Grund.
Caras Grund ist beim Schreiben erst relativ spät aufgetaucht. Je länger ich an diesem Mädchen schrieb, desto unwahrscheinlicher wurde es für mich, dass sie sich freiwillig von Dorian herumschubsen lässt, nicht einmal für tausend Euro. Auch sie musste heimlich noch etwas anderes davon haben, dass sie die Zeit mit Dorian verbringt. So kam die Sache mit Finn ins Spiel.
Warum die Vergangenheit erst nach und nach enthüllt wird? Die Geschichte folgt Cara, man weiß, was sie weiß. Dorian tut aber zu Beginn der Geschichte alles dafür, damit niemand seine Vergangenheit enthüllt. Und Cara mag sich nicht einmal selbst eingestehen, was da mit Finn nun eigentlich wirklich passiert ist.       

Dein Protagonist Dorian ist auf den ersten Blick nicht unbedingt sympathisch und trotzdem drängte sich mir der Verdacht auf, dass er früher wirklich solch ein Mensch gewesen ist und sich im Laufe des letzten Jahres verändert hat. Meinst du, ein solcher Schicksalsschlag kann einen Menschen wirklich zum Positiven verändern?
Ich denke, dass es in erster Linie nicht der Schicksalsschlag war, der Dorian verändert hat, sondern die anschließende Zeit im Krankenhaus. Dorian war vorher jemand, dem alles mühelos gelang. So etwas verführt dazu, Menschen, die weniger erfolgreich sind, zu unterstellen, sie würden sich nur nicht genug anstrengen. Nach dem Unfall musste er zum ersten Mal wirklich kämpfen, und das, um Dinge zu erreichen, die für die meisten Menschen selbstverständlich sind. (Ich drücke mich hier etwas nebulös aus, um nicht zu viel der Geschichte zu verraten.) Gepaart mit einer Menge einsamer Zeit zum Nachdenken, kann das bestimmt dazu führen, dass Menschen ihre Sichtweise auf das Leben nachhaltig ändern.

Deine Figur "Cara" ist augenscheinlich eher ein Opfer-Typ aus einem sozial schwachen Umfeld und dennoch ist eine ausgesprochen stolze Persönlichkeit, die bereit ist, für sich und diejenigen, die ihr etwas bedeuten, zu kämpfen. Gibt es für diese außergewöhnliche junge Frau ein reales Vorbild?
Cara lebt leider nicht unter einem anderen Namen unter uns. Wenn das so wäre, würde ich sie gerne kennenlernen. Zum einen hat Cara Eigenschaften, die ich an Menschen beobachtet, beziehungsweise erzählt bekommen habe, und zum anderen ist Cara einfach ein bisschen so, wie ich selbst in dem Alter gerne gewesen wäre. 

Kannst du uns schon etwas über neue Projekte verraten?
Mit meinem nächsten Projekt werde ich mich wieder mehr der Fantasy zuwenden. Wie bei „Deal mit Dorian“ wird es wieder um junge Menschen an der Schwelle zum Erwachsensein gehen. Es wird hoffentlich spannend und die Liebe kommt auch nicht zu kurz. Doch diesmal lasse ich meiner Protagonistin Flügel wachsen. Buchstäblich. 


Herzlichen Dank an Nora Melling für die Beantwortung der Fragen.
 
 

1 Kommentar:

Nora Melling hat gesagt…

Vielen Dank, Kerry, für die interessanten Fragen!
Liebe Grüße
Nora