Dienstag, 18. August 2015

[Rezension] Andrea Reichart - Nenn mich Norbert (Band 1)



Vorab ein paar Eckdaten:
Seitenanzahl: 256
ISBN: 978-3-933-51951-1
Erscheinungstermin:
2013 (3. Auflage) 
Format: Taschenbuch
Verlag: Mönnig-Verlag


Klappentext gem. Mönnig-Verlag:
Er wollte nie aufs Land, nie einen Hund und erst recht keine neue Frau. Der reiche Literaturagent Norbert tut sich seit dem Tod seiner Frau vor zwei Jahren schwer mit dem Landleben. Wenn er mal nach Balve im Sauerland fährt, fühlt er sich dort in ihrem Wunschhaus einsamer denn je. Um Bettinas letzten Wunsch zu erfüllen, besorgt er sich jedoch endlich einen Hund. Als der Mischling Norbert in sein Leben tritt, beginnt die Reise seines Lebens, die ihn am Ende bis nach Thailand führt. Begleitet von seinem rustikalen Nachbarn Jürgen, findet er nicht nur die Liebe seines Lebens, sondern begreift, warum Millionen Menschen für ihren Vierbeiner durch die Hölle gehen – und zurück.


Rezension:
Literaturagent Norbert Schulte hat eine schwere Zeit hinter sich. Seit drei Jahren besitzt er ein Haus im Sauerland, weil seine Frau Bettina sich in das idyllische Dorf verliebte. Doch das Glück der Beiden hielt nicht an - Bettinas Krebs kehrte wieder und schlussendlich verlor sie den Kampf gegen ihn. Doch sie kannte ihren Mann und hat ihm, bevor sie starb, noch ein Versprechen abgenommen: Er sollte sich einen "besten Freund", also einen Hund, suchen. Nach dem Tod seiner Frau ist der fest entschlossen, dieses Versprechen zu halten, doch die Suche nach seinem neuen besten Freund erweist sich als schwierig.

Derweil hat Autorin Claudia ganz andere Sorgen. Auch sie ist verwitwet. Ihr Mann Hubert starb vor einem Jahr bei einem Unfall und hatte leider nicht die weise Voraussicht, eine finanzielle Absicherung für seine Frau zu schaffen, sodass sogar das gemeinsame Haus zwangsversteigert werden und Claudia zusätzlich Privatinsolvenz anmelden musste. Alles, was ihr geblieben ist, ist ihr Hund Norbert, genannt Nobbi. Als ihre Freundin Heike ihr das Angebot macht, vierzehn Tage lang eine Reisegruppe in Thailand zu betreuen, nimmt sie es, auch um den finanziellen Druck etwas von sich zu nehmen, an. Nobbi kann natürlich nicht mit, aber ihre Freunde Silke und Kai haben sich erboten, auf Nobbi aufzupassen. Zur Sicherheit, auch wenn dies bei den beiden eigentlich unnötig ist, schreibt sie eine kleine Gebrauchsanweisung über den Umgang mit Nobbi.

Dann geschieht das Unfassbare. Während ihres Aufenthaltes in Thailand wir die Reisegruppe von dem Tsunami erfasst - Claudia und der Rest ihrer Gruppe gilt als vermisst, wahrscheinlich tot. Kai ist mit einem Freund nach Thailand geflogen, um vor Ort nach Claudia zu suchen, doch als sie die vielen Toten und die Verwüstungen sahen, war ihnen klar, dass die Chance, dieses Drama überlebt zu haben, eigentlich nicht vorhanden ist. Wieder in Deutschland müssen Silke und Kai Nobbi in ein Tierheim geben, da Kai selbst hochgradig allergisch auf den Hund reagiert. Für zwei Wochen hätte er sich damit arrangieren können, doch Nobbi lebt nun schon mehrere Wochen bei ihnen und der Zustand ist für Kai nicht  mehr haltbar. Auch Claudias Wohnung haben Silke und Kai schweren Herzens aufgelöst. Im Tierheim kommt Nobbi, der bisher ein sehr behütetes und geliebtes Leben geführt hat, nur schwer zurecht und es kommt zu einer Beißerei mit einem anderen Hund. Für die Tierheimleitung gibt es nur einen Ausweg - Nobbi muss eingeschläfert werden, da augenscheinlich Aggressionen von ihm ausgehen. Norbert, der immer noch auf der Suche nach seinem neuen besten Freund ist, kommt zufällig in diesem Augenblick hinzu, als der Tierarzt sich um Nobbi "kümmern" soll und beschließt spontan, dem Hund das Leben zu retten und ihn zu adoptieren. In Nobbis Impfausweis findet er die Gebrauchsanweisung und tatsächlich kommen die beiden Norberte ziemlich gut zurecht, doch der menschliche Norbert merkt, dass Nobbi nicht glücklich ist und beginnt nachzuforschen, was mit seiner ehemaligen Besitzerin, die ihren Hund (das hat er an der Gebrauchsanweisung gemerkt) über alles liebt, geschehen ist ...


1. Band der Norbert-Reihe! Der Plot wurde sehr einfühlsam und realistisch erarbeitet. Besonders gut hat mir gefallen, dass der Mensch Norbert alles im Rahmen seiner Möglichkeiten tut, um ein Versprechen, das er seiner verstorbenen Frau auf dem Sterbebett gegeben hat, zu erfüllen und er macht es sich nicht einfach, denn er könnte ja irgendeinen Hund aufnehmen und ihm ein Heim geben, aber nein, er sucht wirklich seinen neuen "besten Freund", so wie seine verstorbene Frau es von ihm wollte und dass er sich auf diesen Hund dann auch noch voll und ganz einlässt und alles tut, um auch diesen Hund glücklich zu machen, das ist es, was mich an diesem Buch wirklich sprachlos zurückgelassen hat. Die Figuren wurden facettenreich und authentisch erarbeitet. Besonders ans Herz gewachsen ist mir die Figur des Menschen Norbert, denn dieser mag zwar in der Geschäftswelt durchweg erfolgreich und sicherlich auch hart gesotten sein und im privaten eher ein zurückgezogenes Leben führen, aber wenn er jemanden in sein Herz und sein Leben gelassen hat, ist er bereit, bis ans Äußerste zu gehen, sei es für Mensch oder Tier. Den Schreibstil kann ich nur als sehr einfühlsam und auch spannend beschreiben, denn ganz ehrlich, ich war noch nicht mal auf Seite 20, da hatte ich schon erstmalig mit den Tränen zu kämpfen. Als Fazit kann ich nur sagen, dass dieses Buch durch eine überraschende und einfühlsame Story, wundervoll erarbeitete Charaktere und einen sehr eindringlichen Schreibstil überzeugt.

Bewertung
Von Andrea Reichart bereits gelesen und rezensiert:



Die Autorin:
Andrea Reichart wurde in Oberhausen geboren, verbrachte ihre Kindheit in den USA und die weiterführende Schulzeit in Essen. Nach ihrer Buchhandelslehre studierte sie Germanistik und Anglistik (MA, 1989), arbeitete bis 2004 als wissenschaftliche Assistentin an der Universität Essen (Gemanistik/Mediävistik) und besaß von 1992 bis 2008 in Essen erst einen Verlag und ab 1995 auch eine Buchhandlung.

2008 kam sie nach Iserlohn, um das Literaturhotel Franzosenhohl zu leiten, dessen literarisches Konzept maßgeblich von ihr mitgestaltet wurde. Nachdem das Hotel im Sommer 2009 von der Stiftung Lesen für „die herausragende Initiative“ ausgezeichnet wurde, übergab sie die Geschäftsleitung Ende 2009 erleichtert an Carsten Griesbach und ist seit 2010 mit ihrer Agentur Leseziel wieder selbstständig.
Sie ist Mitglied bei "S.O.S.- Eine Zukunft für Tiere" und natürlich – ganz anderes Thema - bei "DeLiA", dem Verein zur Förderung Deutschsprachiger Liebesromanliteratur e.V., wo sie seit Oktober 2013 Vorstandsmitglied und seit Mai 2015 Präsidentin ist

1986 erschien eine von ihr und Peter Gustav Bartschat zusammengestellte Stilblütensammlung aus dem Buchhandel bei Eichborn unter dem Titel ‚Bücher welken nicht‘. 1996 erschien im Item-Verlag die erweiterte Neuauflage unter dem Titel ‚Haben Sie Bücher?‘ und 2006 die nochmals erweiterte Neuauflage ‚Heidi ist tot‘.

Zu ihren wissenschaftlichen Zeiten in den frühen 90er Jahren publizierte sie zu Themen der Alltags- und Genderforschung (Wochenbett und Kindertaufe im Mittelalter) und zum Alltagsleben im spätmittelalterlichen Essen. (übernommen von HP)


Zur Homepage der Autorin kommt ihr hier.


Wie ich zu dem Buch kam:
Das Buch hatte ich über Facebook gewonnen.


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