Montag, 17. August 2015

[Rezension] Christine Weiner - 30 Songs und eine Frau



Leseprobe



Eckdaten:
Broschiert: 368 Seiten
Verlag: Marion von Schröder (7. August 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3547712076
ISBN-13: 978-3547712070
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 40 Jahren
Größe und/oder Gewicht: 13,4 x 3,5 x 20,3 cm

Inhalt gem. Ullstein:
Eine Kiste voller Erinnerungen. Eine Wunschliste auf Kassette. Die Musik der 80er. Eine Frau bricht auf.
Ausbrechen! Anne sitzt in ihrem Auto, Wut im Bauch, Tränen in den Augen, eine Schüttelkugel mit dem Prater- Riesenrad und Glitzerflocken neben sich. Kurz nach Heidelberg weiß sie: Ihr Weg führt nach Wien. In die Stadt, die in der Kindheit für alle ihre Träume stand. Jetzt mit 50 erinnert sie sich an ihre Wünsche ans Leben, die sie mit 16 auf Kassette gesprochen hatte. Sie wollte reisen und verrückte Menschen kennenlernen, Dancing Queen sein, sie wollte Erdbeersektnächte und unter einem fetten gelben Mond tanzen. Sie wollte lieben und geliebt werden. Und glücklich werden. Und frei sein. Wie konnte sie das nur vergessen? An der Seite ihres pedantischen Mannes hat sie ihr Leben völlig aus dem Blick verloren. In Wien will sie das Gefühl von damals wiederfinden. Die Frauen-WG, in die sie sich einmietet, ist schon mal ein guter Anfang. Sie wird aus dem Ei schlüpfen, und wenn sie heimkommt, eine andere sein.

Zum Buch:
Anne hat die Faxen dicke. Alle fordern nur noch von ihr, ihr Mann nimmt sie als Einrichtungsgegenstand hin, ihre Mutter fordert Aufmerksamkeit und Zeit.
Ihr Sohn ist aus dem Haus und der einzige, der nichts von ihr fordert.
Irgendwann ist im Laufe der Zeit die Liebe in ihrer Ehe auf der Strecke geblieben. Ihr Mann arbeitet viel und nimmt seine Frau hin. Ansprüche hat sie keine und so merkt sie nicht wirklich, dass von ihren Träumen und Wünschen nichts mehr geblieben ist.
Ihre Mutter ist gerade in eine Senioreneinrichrung gezogen und überlässt es Anne, das Haus auszuräumen. Annes Brüder glänzen durch Abwesenheit und an ihr bleibt alles kleben. Jeden Tag will ihr Mutter etwas neues aus ihrem Haus und so pendelt sie zwischen Heim, ihrem Zuhause und dem Haus ihrer Mutter hin und her. Nur gut, dass wenigstens ihre Freundin Manu ihr ab und an zur Hand geht.
Eines Tages findet Anne auf dem Dachboden ein altes Tape aus ihrer Jugendzeit. Als sie es sich anhört, hört sie ihre Träume, Wünsche und Sehnsüchte, die sie als 16-jährige formuliert hat. Sie stellt fest, dass sie vieles nicht erreicht hat, dass vieles noch offen ist.

Sie trauert der Anne nach, die sie mit 16 war, aber auch der, die sie war, als sie glücklich mit ihrem Uwe war. Anne versucht ihm zu erklären, wie sie sich fühlt, wie es ihr geht, aber er will und kann sie nicht verstehen. So auch wieder an diesem Morgen, an dem sich ihr Leben grundlegend ändern wird.
Nach einer nicht endenden Diskussion dreht sich Uwe um und geht, lässt sie mit ihrem Frust allein. Als sie dann noch Beschimpfungen und Beleidigungen ihrer Mutter hinnehmen muss, schaltet plötzlich ein Hebel in ihrem Kopf um. Auch sie dreht sich um und geht, sie steigt in ihr Auto und fährt los.
Die Gedanken in ihrem Kopf rotieren, was soll sie machen. Wien fällt ihr da plötzlich ein, sie fährt nach Wien. Sie hatte mit ihrem Eltern früher glückliche Zeiten in Wien verbracht und genau das wird ihr Ziel werden.
Mit jedem Kilometer, den sie weiterfährt, verstärkt sich ihr Vorsatz. 
Sie landet für eine Nacht in einer kleinen Pension und will sich ein Zimmer suchen. Da kommt ihr die Annonce von Greta und Marlene gerade recht, die für ihre WG noch jemanden suchten.

Glücklich, dass es klappt mit der WG macht sich Anne am nächsten Tag auf den Weg zu den beiden. Wie groß ist jedoch ihr Erschrecken, als sie feststellen muss, dass Greta und Marlene so gar nicht die netten Frauen sind, die sie erwartet hat. Die beiden sind Männer, schwul und Travestiekünstler. Ihrem ersten Impuls - Flucht - gibt sie glücklicherweise nicht nach, sie lässt sich auf die beiden ein.

Greta und Marlene sind in ihrer Art einzigartig. Überschwänglich, aber herzerfrischend, schonungslos ehrlich und auch ganz schön durchgeknallt. Ihr Leben führen sie ein wenig am Limit, im Kühlschrank befinden sich Sachen, die organisiert wurden oder vom Lastwagen gefallen sind, jedoch nicht geklaut.
Aber sie nehmen mit Freuden Anne bei sich auf und freuen sich, dass eine "normale" Frau bei ihnen einzieht, obwohl die erste Frage gleich ist, wie Anne denn auf die Regenbogenseite geraten ist.
Für Anne ändert die Bekanntschaft mit Greta und Marlene ihr Leben, das alte wird nie wieder so sein, wie es war, aber wie soll die Zukunft aussehen?

Das ist mal wieder einer der Romane, die nicht mit Jugendlichen oder Frauen in den Zwanzigern überschüttet wurden. Anne ist 50 Jahre und hat einen großen Teil des Lebens schon hinter sich. Zeit, um zurückzuschauen und zu bemerken, dass etwas gewaltig schief gelaufen ist. Aber auch Zeit, um noch etwas zu ändern und zu bewegen. Genau das wird sie tun.
Als sie erkennen muss, wie falsch doch ihr bisheriges Leben verlaufen ist, zieht sie adhoc die Notbremse und reißt aus. Ihr Ziel ist Wien und dort beginnt ihre Zukunft.

Sie hat Glück, dass sie auf Greta und Marlene trifft, die zwar schon ein wenig schräg sind, ihr aber eine sehr große Stütze sein werden. Sie nehmen sie mit in Bars, geben ihr Ratschläge und stellen sich gemeinsam ihren Entscheidungen. In ihnen hat sie Freunde fürs Leben gefunden, die füreinander einstehen.
Natürlich geht nicht alles geradlinig, was nun kommt, denn auch ihre Vergangenheit, Uwe und ihre Mutter, zerren noch an ihr. 
Vieles kommt anders als gedacht und geplant und nicht alles kann man positiv sehen, aber Anne hat sich entschlossen, ihr Leben zu ändern und das zieht sie durch.

Es ist ein durchaus unterhaltsamer Roman, der einem aber auch deutlich aufzeigt, dass man seine Träume und Ziele nie aus den Augen verlieren sollte. Man könnte dieses Buch aber auch als Anreiz sehen, sein eigenes Leben zu überdenken und zu erkennen, wo man steht, was man von seinen eigenen Vorstellungen umsetzen konnte und was man noch tun kann.

Ich habe mich mit dem Buch gut unterhalten, obwohl so einige Aktionen ein wenig arg wild waren und meiner Meinung nach auch ein wenig überspitzt. Aber das hat den Spaß am lesen nicht getrübt und mir doch schöne Stunden mit dem Buch beschert.   

Bewertung:


Zur Autorin:
(Text übernommen von Ullstein)
Christine Weiner, geboren 1960, arbeitete in Kinderheimen, als Heiratsvermittlerin und beim SWR, bevor sie sich vor vielen Jahren als Coach und Beraterin in Mannheim selbständig machte. Sie ist Autorin erfolgreicher Sachbücher und derzeit als Projektleiterin für Mentoring an der Hochschule Mannheim engagiert. Ihr Romandebüt »Drei Frauen im R4« war ein großer Erfolg bei den Leserinnen.



An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich beim Verlag 
bedanken, der mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. 

Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

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