Montag, 31. August 2015

[Rezension] Virginia Macgregor - Der Junge, der mit dem Herzen sah




Leseprobe


Eckdaten:
Broschiert: 416 Seiten
Verlag: Manhattan (31. August 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442547490
ISBN-13: 978-3442547494
Originaltitel: What Milo Saw
Größe und/oder Gewicht: 13,7 x 3,4 x 20,4 cm

Inhalt gem. Manhattan:
Der neunjährige Milo leidet unter Retinitis pigmentosa: Sein Sehvermögen lässt immer stärker nach, und irgendwann wird er vollständig erblinden. Aber noch sieht er die Welt – wenn auch nur wie durch ein Nadelöhr. Doch so bemerkt er Kleinigkeiten, die anderen entgehen. Als seine 92-jährige Großmutter dement wird und in ein Altersheim umziehen muss, fallen Milo dort seltsame Vorgänge auf. Die Erwachsenen interessieren sich für Milos Erkenntnisse nicht, und so bleiben ihm nur der Koch Tripi und sein Ferkel Hamlet, um ihm bei seiner Mission zu helfen. Milo ist nämlich entschlossen, seine Großmutter wieder nach Hause zu holen, die Machenschaften der Heimleiterin offenzulegen und – vielleicht – seine Eltern zu versöhnen.

Zum Buch:
Milo ist 9 Jahre und sieht die Welt anders als andere. Er hat eine Augenkrankheit, die ihn eines Tages erblinden lassen wird. Momentan kann er aber noch sehen, er sieht, als würde er durch eine Röhre sehen. Alles außerhalb dieses Ausschnittes sieht er nur durch neues fokussieren.
Die Diagnose wurde erst vor einem Jahr gestellt, in dem zeitgleich noch vieles andere geschah. Er bekam zu Weihnachten ein Minischwein geschenkt und sein Vater zog aus und gründete mit seiner Schlampe eine neue Familie.
Milo lebt nun allein mit seiner Mutter und Urgroßmutter, die inzwischen 92 Jahre alt ist und langsam dement wird.
Nachdem diese die Küche in Brand gesetzt hatte, war es mit der Gutmütigkeit seiner Mutter vorbei und sie sorgte dafür, das Lou, die Großmutter in ein Heim kommen sollte. Sie entschied sich für das "Vergissmeinnicht"-Heim, das mit seiner Heimleiterin, der Schwester Thornhill, einen sehr guten und kompetenten Eindruck auf sie machte.
Nur Milo hatte bei allem ein sehr ungutes Gefühl, ihm wäre es lieber gewesen, wenn seine Großmutter weiterhin bei ihnen im Haus leben könnte.
Er besucht seine Großmutter täglich und stellt sehr bald fest, dass dort beileibe nicht alles so ist, wie es erscheint, aber wird man ihm glauben? ...

Milo, der durch seine Augenkrankheit gezwungen ist, seine anderen Sinne zu schärfen, merkt schnell, dass das Heim, in dem seine Oma nun feststeckt, nicht das ist, was es nach aussen darstellen möchte. Schwester Thornhill hält die Heimbewohner recht kurz, egal ob es da ums Essen geht oder um das Heizen der Zimmer. Um keine Arbeit mit ihnen zu haben, bekommen sie Tabletten, mit denen sie mehr oder weniger den Tag verschlafen. Ganz zu schweigen, dass sie sich die Geldbörsen der Bewohner angeeignet hat.
Er versucht das, was er gesehen oder gehört hat, seiner Mutter zu erzählen oder später auch der Polizei, aber er ist ein Junge von 9 Jahren und ihm wird nicht geglaubt.
Milo findet einen Zuhörer in den neuen Mieter Al, dem seine Mutter das Zimmer seiner Großmutter vermietet hat. Obwohl Milo ihn anfangs sabotiert und sein Zimmer durchsucht hat, vertraut er ihm. Dieser erklärt ihm, dass er Journalist ist und an einer Story dran ist, für die er recherchieren muss, damit sie bei Veröffentlichung belegbar ist. 
Al gibt Milo Ratschläge, was er machen kann, um die Zustände in dem Heim aufzudecken und öffentlich zu machen, aber das ist noch ein langer Weg.

Milo ist trotz der nur 9 Jahre ein Mensch, der schon, im Gegensatz zu vielen Erwachsenen, unterscheiden kann, was gut und böse ist. Wenn er anfangs auch nur Interesse daran zeigt, dass seine geliebte Großmutter wieder aus dem Heim kommt, so entwickelt er sich nach kurzer Zeit zu einem Helfer aller Heimbewohner. Er ist ihnen vertraut und ihm Gegensatz zu Schwester Thornhill, die in ihm einen Störenfried sieht, mögen sie ihn.
Er sucht sich Verbündete im Heim, wie den illegalen Einwanderer Tripi, der aus Syrien geflüchtet ist und mit falschen Papieren nach England kam. Er arbeitet im Heim als Koch und muss das auf den Tisch bringen, was ihm Schwester Thornhill aufträgt. Er braucht diesen Job und lässt sich sehr viel gefallen.

Ein Dorn im Auge ist Milo jedoch Pesco, der sich um die Gunst seiner Großmutter bemüht und das, wie es scheint, auch noch erfolgreich. 

Milo ist in diesem Buch der Sympathisant schlechthin. Er hat ein Ziel, seine Großmutter aus diesem Heim wieder herauszuholen und das behält er fest im Fokus. Er ist verzweifelt, dass ihm die Erwachsenen keinen Glauben schenken und lässt doch nicht locker, auch wenn er manches mal kurz vorm aufgeben ist. Er sieht Dinge, die andere nicht wahrnehmen bzw. nicht wahrnehmen wollen.
Aber er weiß, dass er was tun muss und gibt nicht auf.

Seine Mutter Sandy bekämpft ihre eigenen Dämonen, die sie nicht wirklich loslassen, seitdem ihr Mann sie wegen einer anderen verlassen hat. Sie macht bei Milo aus seiner Sicht so vieles falsch, dass das Verhältnis der beiden nicht gerade rosig aussieht. Sie belügt ihn, um ihn zu schützen, aber er kommt hinter diese Lügen und fühlt sich hintergangen, was er sie auch spüren lässt. Dass sie ihn mit ihren Lügen schützen will, kann er noch nicht erfassen.
Ihr gemeinsames Leben wird zu einer Belastungsprobe, die es zu überwinden gilt.

Dieser Roman hat mich unglaublich berührt. Der Kampf des kleines Milo hat mich fasziniert und beschämt, wenn ich daran denke, dass er diesen Kampf fast allein führen musste, da ihm niemand zuhören wollte. Schlimm, wenn die Leute nur akzeptieren, was sie hören wollen.
Aber er boxt sich durch und muss selbst auch Erkenntnisse sammeln, die neu für ihn sind und seine Sicht mancher Ereignisse auch geraderücken,

Ein kleiner Junge gegen den Rest der Welt. 
Ein kleiner Junge, der etwas bewegt. 
Ein kleiner Junge, der liebt und für seine Großmutter alles tun würde.
Ein kleiner Junge, der ganz groß ist und den man einfach mögen muss.

Ein Buch, das berührt und das ich gern weiterempfehle.

Bewertung:


Zur Autorin:
(übernommen von Manhattan)
Virginia Macgregor ist in Deutschland, Frankreich und England aufgewachsen, erzogen von einer Mutter, die nie müde wurde, Geschichten zu erzählen. Sobald Virginia alt genug war, selbst einen Stift zu halten, begann sie mit dem Schreiben, oft bis tief in die Nacht hinein – oder in der Schule, versteckt hinter dem Mathebuch. Virginia wurde bemnannt nach zwei großen Frauen, Virginia Wade und Virginia Woolf – in der Hoffnung, sie würde entweder Schriftstellerin oder ein Tennisstar werden. Nach ihrem Studium in Oxford begann sie, neben ihrem Beruf als Englischdozentin und Hauslehrerin, regelmäßig zu schreiben. Die Autorin lebt mit ihrem Ehemann in Berkshire.

Auf diesem Wege möchte ich mich recht herzlich beim Verlag



bedanken, der mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat

Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

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