Donnerstag, 21. Januar 2016

[Rezension] Harper Lee - Wer die Nachtigall stört ...



Vorab ein paar Eckdaten:
Seitenanzahl: 464
ISBN: 978-3498038083
Erscheinungstermin: 10. Juli 2015
Format: Hardcover
Verlag: Rowohlt

Klappentext gem. Rowohlt:
Dies ist die Neuausgabe eines modernen Klassikers der Weltliteratur: ein packender Roman über Unrecht und Gerechtigkeit, über Rassismus und Fremdheit und ein flammendes Plädoyer für die Gleichheit aller Menschen. 1960 in den USA publiziert, wurde «Wer die Nachtigall stört…» schnell ein Welterfolg und eroberte die Herzen von Generationen von Lesern im Sturm. Er liegt nun in einer vollständig von Nikolaus Stingl überarbeiteten und mit einem Nachwort von Felicitas von Lovenberg versehenen Übersetzung vor.

Harper Lee beschwört darin den Zauber und die versponnene Poesie einer Kindheit tief im Süden der Vereinigten Staaten in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Geschwister Scout und Jem Finch wachsen in einer äußerlich idyllischen Welt heran, erzogen von ihrem Vater Atticus, einem menschenfreundlichen Anwalt. Auf den weiten Rasenflächen des fiktiven Örtchens Maycomb, Alabama, auf denen weiße Villen und tropische Bäume stehen, erfahren sie die Freuden und Geheimnisse des Heranwachsens. Doch durch die alte Gesellschaft des Südens ziehen sich tiefe Risse: zwischen Schwarz und Weiß, zwischen Arm und Reich. Als Scouts Vater, der Anwalt, die Verteidigung eines schwarzen Landarbeiters übernimmt, der angeblich ein weißes Mädchen vergewaltigt hat, erfährt die Achtjährige staunend, dass die Welt viel komplizierter ist, als sie angenommen hat. Tapfer versucht sie, die demokratischen Gerechtigkeitsideale ihres Vaters gegen alle Anfechtungen hochzuhalten, und gerät selbst in Gefahr …

Menschliche Güte und stiller Humor, aber auch ein scharfer Blick auf die Welt durch Kinderaugen zeichnen diesen Roman aus, und vor allem: eine zeitlose, unverminderte Aktualität.


Rezension:
Das Leben in Maycomb, Alabama, ist eher ruhig und gediegen. In diesem County gibt es viele Farmer und wenig Wirtschaft, doch die meisten haben ein bescheidenes Einkommen und ziehen in diesem fast ländlichen Idyll ihre Kinder groß. Eines dieser Kinder ist die 8-jährige Jean-Louise "Scout" Finch. Sie ist die Tochter des örtlichen Anwalts Atticus Finch, dessen Familie von jeher einen guten Ruf in Maycomb hat. Komplettiert wird die Familie von Scouts vier Jahre älterem Bruder Jem. Die Mutter der Beiden starb, als die kleine Scout zwei Jahre alt war - seitdem zieht ihr Vater, zusammen mit der Haushälterin, seine Kinder alleine groß. Atticus lässt seinen Kindern eher freie Hand, ist er doch selbst nicht mehr der jüngste und an sich sind seine beide Kinder, gerade im Bezug auf ihr Alter, bereits recht reif.

Scout ist ein sehr intelligentes und aufgewecktes Mädchen, hat jedoch in der Schule so ihre lieben Nöte, da sie, sehr zum Leidwesen ihrer Lehrerin, bereits lesen kann und auch nicht auf den Kopf bzw. Mund gefallen ist - was jedoch leider öfter damit endet, dass sie in der Ecke stehen muss. So hatte sie sich das mit der Schule auf jeden Fall nicht vorgestellt und dabei hatte sie sich so drauf gefreut. Doch das gute an der Schule sind auf jeden Fall die Ferien, denn in den Ferien kommt immer Dill (der Neffe einer Nachbarin der Finchs) nach Maycomb und zusammen stellen die drei so einiges an. Ein absolutes Mysterium in Scouts und Jems Augen hingegen ist ihr Nachbar Boo Radley, um den sich einige Gerüchte ranken - doch gesehen haben ihn die Kinder noch nie, denn er verlässt niemals das Haus.

Das behütete Leben der Finch-Kinder ist jedoch alsbald zu Ende, als ein Farbiger der Vergewaltigung einer weißen Frau beschuldigt wird. Dass der Farbige, Thomas Robinson, einen sehr guten Ruf genießt, die Familie der weißen Frau hingegen nicht, ist bei diesem Fall nicht von Belang, denn in den 1930ern ist das Recht noch immer auf der Seite der weißen Bevölkerung. Trotz geringer Erfolgsaussichten übernimmt Atticus die Verteidigung von Thomas und er weiß, dass auf ihn und seine Familie schwere Zeiten zukommen werden, denn immerhin verteitigt er, als angesehener Anwalt einen Farbigen, noch dazu, wo das Urteil eigentlich schon im Vorfeld feststeht. Doch wird es Atticus gelingen, seine Mitmenschen zum Umdenken zu bringen?


Ein wundervoller Klassiker! Der Plot wurde spannend und abwechslungsreich erarbeitet. Ich muss gestehen, ich kannte den Film bereits, der auf dem Buch beruht und ging daher mit hohen Erwartungen an dieses Buch heran und was soll ich sagen - ich wurde nicht enttäuscht. Die Figuren wurden authentisch und abwechslungsreich erarbeitet, wobei mir hier besonders die Figuren des Atticus und der kleinen Scout, welche die Erzählerrolle des Buches innehat, ans Herz gewachsen sind. Ich glaube, solch einen integren Mann wie Atticus Finch hätten wir alle gerne in unserem Bekanntenkreis und ein aufgewecktes kleines Mädchen wie Scout, bei ihr weiß man einfach, dass sie ihren Weg gehen wird. Den Schreibstil empfand ich als packend und sehr bildgewaltig erarbeitet, ich konnte mir die Szenen jederzeit vor Augen führen. Abschließend kann ich sagen: Auch wenn man bereits die Verfilmung des Buches kennt, sollte man nicht auf die Lektüre des Buches verzichten!

Bewertung

Von Harper Lee bereits gelesen und rezensiert: (Das Laufband ist erst sichtbar, wenn der Adblocker für diese Seite ausgestellt wird)

 
Die Autorin:
Harper Lee, geboren 1926 in Monroeville, studierte Jura an der University of Alabama, zog nach New York und begann zu schreiben. Sie war befreundet mit Truman Capote, der ihr Kindheitsfreund war und dem sie bei den Recherchen für «Kaltblütig» half. Nach dem Welterfolg ihres in 40 Sprachen übersetzten Romans «Wer die Nachtigall stört…», für den sie 1961 den Pulitzerpreis erhielt, zog sie sich aus dem literarischen Leben und weitgehend auch aus der Öffentlichkeit zurück. Sie lebt heute wieder in ihrer Heimatstadt.
2015 wurde eine frühe Manuskriptfassung von «Wer die Nachtigall stört …» gefunden und publiziert, die 50 Jahre lang als verschollen galt. (übernommen von rowohlt)



Wie ich zu dem Buch kam:
Das Buch bekam ich geschenkt.

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