Dienstag, 11. Oktober 2016

[Interview] Das Katzenpersonal befragt Elisabeth Florin

Schon als ich den ersten Band der Commissario-Pavarotti-Reihe gelesen habe, wurde in mir der Wunsch wach, mit der Autorin ein Interview zu führen und ich hatte Glück, denn ELISABETH FLORIN erklärte sich bereit, meinen Fragen Rede und Antwort zu stehen.

Folgende Bücher hat Elisabeth Florin bereits geschrieben:





Elisabeth, stellst du dich uns kurz vor?
In Kurzform: Krimischriftstellerin, ehemalige Finanzjournalistin und aktuelle Kommunikationsberaterin. Geboren in Bayern, verliebt in Hamburg, arbeitend über zwei Jahrzehnte in Frankfurt und lebend im Taunus. Ein Mann – ein Hund, das ist es im Wesentlichen.

Du schreibst unter Pseudonym. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
Ich will meine zwei Leben – siehe oben – nicht zu sehr vermischen. Als ich meinen ersten Krimi geschrieben habe, arbeitete ich gleichzeitig in der Geschäftsleitung einer Rating Agentur und war mir nicht sicher, ob Mord und Totschlag da so gut hineinpasst. Also habe ich das auch namentlich sauber getrennt.

Magst du uns noch was über deinen tierischen Schreibbegleiter verraten und in wie weit dieser deine Arbeit beeinflusst?
Mein tierischer Schreibbegleiter ist heute ein kleiner und sehr lieber Hund: Teddy. Also sehr lieb, wenn ihm danach ist, er kann auch auf halbstarker Rabauke umschalten. Er kommt aus dem Tierschutz, und wir sind inzwischen fast unzertrennlich. Wenn ich schreibe, liegt er in meinem Arbeitszimmer im seinem Korb. Ich glaube, das Klackern der Tastatur macht ihn müde, was manchmal ganz gut ist. Ich hoffe inständig, dass die Lektüre meiner Krimis keinen ähnlichen Effekt auf die Leser hat ;-) Bevor Teddy zu uns kam, war ich eigentlich eine Katzenfrau, wir hatten zwei Katerchen, die 17 und 19 Jahre alt geworden sind, die habe ich heiß geliebt, aber jetzt bin ich eben auf den Hund gekommen.


Mit welchem Buch erwachte deine Liebe zur Literatur?
Unmöglich, ein konkretes Buch zu nennen. Ich habe als Kind schon viel gelesen, und das hat mich nie los gelassen. Das eine „Aha-Erlebnis“ gab es da nicht. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern. Heute bin ich beispielsweise eine große Bewunderin von Stephen King und freue mich sehr, dass er inzwischen auch literarisch die Anerkennung erhält, die er meiner Meinung nach verdient.

Wie sieht dein normaler Tagesablauf aus?
Morgens früh mit dem Hund raus, dann Kaffee trinken. Und danach hängt es davon ab, was anliegt. Haben meine Beratungskunden dringenden Bedarf, wird der natürlich erst erledigt. Ansonsten schreibe ich in den Vormittagsstunden, in denen ich am frischesten bin, am liebsten drei oder vier Stunden am Stück. Eine strenge Routine gibt es aber nicht. Lediglich die Spaziergänge mit dem Hund sind ein festes Gerüst des Tages.

Neben der Schriftstellerei - wie viele Bücher liest du als Privatperson im Jahr?
Da bin ich vergleichsweise konstant, ich schaffe etwa fünf bis sechs Bücher im Monat. Meistens sind das Kriminalromane, weil ich dieses Genre liebe.

Wie wichtig sind dir der Leserkontakt und das direkte Feedback deiner Leser?
Nenne mir den Autor, der sagt, das sei ihm egal. Natürlich ist Feedback wichtig. Ich freue mich, wenn meine Bücher gut ankommen, und bin stolz, wenn meinen Lesern die Geschichten gefallen. Am schönsten finde ich es, wenn sie über meine Figuren sprechen, als handle es sich tatsächlich um lebende Personen. Natürlich ist konstruktive Kritik immer willkommen, egal wie sie ausfällt.

Schreibst du eher intuitiv oder plottest du alles von Anfang bis Ende durch?
Ich konzipiere die Handlung mittlerweile als ersten Schritt von Anfang bis Ende durch. Allerdings entstehen viele neue Ideen auch noch während des Schreibens,  so dass ich immer wieder prüfen muss, ob sie wirklich tragfähig sind, und ob es sich lohnt, die Geschichte zu verändern. Mittlerweile versuche mich aber zu bremsen, die Handlung zu überfrachten. Meiner Erfahrung nach ist hier weniger oft mehr.

Print oder E-Books - welches Format wird bevorzugt?
Print, ganz klar. Nur im Urlaub, wenn das Gepäck sonst zu schwer würde, kommt das E-Book zum Einsatz.

Was wünschst du dir für die Zukunft?
Eigentlich eher die kleinen Dinge: Einen Lottogewinn und einen Weltbestseller. Im Ernst, so banal es klingt, wenn meine kleine Familie und ich gesund bleiben, noch  glückliche Tage verbringen und ich schreiben kann, dann reicht mir das für meine persönliche Zukunft.

Du hast deine Buchreihe rund um Commissario Pavarotti in Meran angesiedelt. Warum ausgerechnet Meran bzw. was reizte dich an diesem Ort?
Ich kenne Meran seit mehr als vier Jahrzehnten, und das Städtchen verzaubert mich immer noch. Der Gegensatz zwischen dem malerischen Ort inmitten einer einfach zauberhaften Landschaft  und der oft wechselvollen, blutigen Historie hat mich vor langer Zeit gepackt. Das ist auch für Krimis ein reizvolles Spannungsverhältnis. Und davon abgesehen kann man dort eine wunderbare Zeit verbringen.

Was veranlasste dich zur Gestaltung der Figur des Commissario Luciano Pavarotti, der nicht nur die Namensgleichheit mit dem großen Tenor hat(te)?
Es handelt sich nicht um eine humorvolle Anspielung, die zu vielerlei Kalauern Anlass gibt. Ich erzähle von einem Mann, der schon als schüchterner Junge an diesem Namen schwer zu tragen hatte und immer wieder gehänselt wurde. Sein Name hat Pavarotti geprägt und ihn zu einem Außenseiter gemacht, einem Mann, der sich mit Menschen schwer tut.  

In den Pavarotti-Büchern taucht neben dem Protagonisten Commissario Luciano Pavarotti auch immer wieder Lissie von Spiegel auf – zwei Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein können. Wie kamst du auf die Figur der Lissie und die Kombination mit Pavarotti? Gibt es hier reale Vorbilder?
Der im Umgang mit Menschen unbeholfene Commissario brauchte ein Gegenstück mit einem offenen, neugierigen Wesen – eine Frau, die im Unterschied zu ihm sehr viel Einfühlungsvermögen in menschliche Gefühle und Motive besitzt. Dadurch ergänzen sich die beiden großartig, obwohl ihnen das gar nicht bewusst ist und sie sich meistens ganz schön auf die Nerven gehen. Wie im richtigen Leben eben - das macht eine Geschichte lebendig. Ein reales Vorbild für Lissie gibt es nicht. Ich werde immer wieder gefragt, ob ich selbst für die Figur Patin gestanden habe. Die einzige Gemeinsamkeit ist die Arbeit in der Finanzbranche. Ich bin längst nicht so schlagfertig wie Lissie…

In deinen bisherigen Bänden zur Pavarotti-Reihe spielte ein geschichtlicher Kontext einen sehr starken Beweggrund, der schlussendlich in einem Mord in der Gegenwart gipfelte. Bist du selbst ein sogenannter Geschichts-Junkie und wenn ja, was fasziniert dich so an der Vergangenheit, dass du Geschichten um diese spinnst, die Auswirkungen bis in die Gegenwart haben?
Es sind vor allem zeitgeschichtliche Bezüge, die in meinen Büchern eine Rolle spielen. Mich fasziniert, wie solche Ereignisse aus der Vergangenheit in unser Schicksal eingreifen und über Jahre und Jahrzehnte in unserem Leben nachwirken. Und wie lose Enden sich immer mehr verknüpfen, im Guten wie im Bösen. Deshalb arbeite ich gerne solche Bezüge ein und erzähle auf unterschiedlichen Zeitebenen.

Gibt es die Möglichkeit, vorab ein paar Informationen zu Weiterführung der Pavarotti-Reihe zu bekommen? Sind weitere Bände geplant und wenn, auf wie viele Teile ist die Reihe ausgelegt oder stehen erst einmal andere Projekte im Vordergrund? 
Es wird weitere Bücher mit Pavarotti und Lissie geben. Mindestens zwei Geschichten will ich mit den beiden auf jeden Fall noch schreiben, die sind bereits in meinem Kopf. Einerseits möchte ich erzählen, was es mit dem Verschwinden von Lissies Vater auf sich hat. Zudem habe ich kürzlich bei meinem letzten Aufenthalt in Südtirol eine Idee bekommen, die mich nicht mehr los lässt. Auslöser war ein schicksalhaftes Foto an der Wand einer Weinstube, die bald geschlossen werden muss. Klingt vielversprechend, oder? Bevor diese Bücher geschrieben werden, arbeite ich aktuell noch an einem anderen Romanprojekt, das nichts mit Südtirol und Commissario Pavarotti zu tun hat. Mehr wird noch nicht verraten … :-) 


Herzlichen Dank an Elisabeth Florin für die Beantwortung meiner Fragen.
 

Kerry

Keine Kommentare: