Dienstag, 10. Januar 2017

[Rezension] Clarissa Linden - Unsere Hälfte des Himmels



Leseprobe




Eckdaten:
Broschiert: 448 Seiten
Verlag: Knaur TB (10. Januar 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426519011
ISBN-13: 978-3426519011
Größe und/oder Gewicht: 12,6 x 3,2 x 19 cm

Inhalt gem. Knaur:
Ein großer Schicksals-Roman über 2 Frauen und ihren Traum vom Fliegen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und über eine dramatische Mutter-Tochter-Beziehung.
Frankfurt in den 30er Jahren: Johanna und Amelie sind dicke Freundinnen, die eine gemeinsame Sehnsucht verbindet: Sie wollen Pilotinnen werden und den Himmel erobern. Doch dieser Traum scheint im Deutschland der Nazi-Zeit unmöglich zu sein. Trotzdem halten beide zunächst an ihm fest – bis Amelie sich in Johannas Fluglehrer verliebt. Ein folgenschwerer Verrat trennt die beiden Freundinnen schließlich für immer.
Kassel in den 70er Jahren: Amelies Tochter Lieselotte, die zu ihrer Mutter stets eine sehr distanzierte Beziehung hatte, wird plötzlich mit deren aufregender Vergangenheit konfrontiert. Allmählich lernt sie eine Amelie kennen, die sie hinter der kühlen Fassade niemals vermutet hätte – und ihr wird klar, dass diese Erkenntnis ihr eigenes Leben verändern wird.

Historisch fundiert, dramatisch und mitreißend: Ein Roman über ungelebte Träume, Frauen-Freundschaft und die erste Beziehung im Leben einer Frau – die zu ihrer Mutter

Zum Buch:
Amelie und Lieselotte sind zwei Frauen, die sich wenig zu sagen haben, obwohl sie Mutter und Tochter sind. Lieselotte wuchs bei ihrer alleinerziehenden Mutter Amelie auf, ohne je wirkliche Liebe empfunden zu haben. Die Großmutter, die bei ihnen lebte, lag ihr emotional näher als ihre eigene Mutter.
Nun lag Amelie nach einem Unfall im Koma und Lieselotte eilte pflichtgemäß an ihr Krankenbett. Sie zog vorübergehend bei ihrer Mutter ein und sah deren Papiere durch.
Dabei muss sie erkennen, dass sie die Frau, die ihre Mutter ist, gar nicht kennt. Auch deren junge Nachbarin Marga erzählt ihr von einer Frau, die sie so als ihre Mutter nie wahrnahm.
Wer genau war ihre Mutter? Kommt sie beim Durchstöbern der Unterlagen auch der Herkunft ihres Vaters auf die Spur, von dem sie so gar nichts weiß? ...

1935: Amelie und Johanna sind junge Frauen und Freundinnen, die ein gemeinsames Hobby haben, das Fliegen. Sie lernten sich über die Segelfliegerei kennen und waren so eng befreundet, dass nichts und niemand dazwischen passte. Aber sie wollen mehr und träumen von einer richtigen Ausbildung als Pilotinnen in Berlin, wofür sie auch alle Hebel in Bewegung setzen, um ihr Ziel zu erreichen. 
Johanna hat Dank ihrer Eltern die Möglichkeit, das Fliegen mit einer Motormaschine zu erlernen, in das sie von Felix, ihrem Fluglehrer eingewiesen wird. Als sich jedoch Amelie in Felix verliebt, scheinen sich die gemeinsamen Ziele der beiden Freundinnen voneinander zu entfernen.
Johanna, die ihrem Ziel so nah ist, kann das nicht zulassen und begeht einen Verrat an Amelie, das das Leben der beiden Freundinnen auf immer verändern wird.

1971: Lieselotte, Hausfrau, wird so richtig bewusst, wie abhängig sie von ihrem Mann ist, als es darum ging, zu ihrer Mutter zu gelangen, nachdem diese ins Koma gefallen war. Nicht nur, dass sie um Erlaubnis fragen muss, ob sie denn fahren darf, auch die Gefühlskälte, die ihr entgegengebracht wird, lässt sie aufhorchen. Sie fährt nach Kassel und atmet auf, mal nicht nur für ihren Mann dasein zu müssen, sondern auch mal eigene Entscheidungen treffen zu können. Vor allem gibt ihr der Abstand zu ihm die Möglichkeit, über ihr Leben nachzudenken und Bilanz zu ziehen. Was will sie und vor allem, was nicht mehr? Diese Reise zu ihrer Mutter verändert ihr Leben für immer.

Ein sehr emotionsgeladenes Buch, dass die Autorin Clarissa Linden dem Leser hier vorlegt.
Die Handlungen spielen auf 2 Ebenen, 1935 und 1971.
1935 ist die Zeit des Nationalsozialismus, freie Meinungsäußerungen sind nicht zielführend, sie können im Gefängnis enden oder sogar mit dem Tod. Der Widerstand arbeitet im Geheimen, denn die Braunen sind an der Macht.
Frauen haben es besonders schwer, ihr Platz soll zu Hause am Kochtopf sein und dem Land Kinder gebären.
So ist es für Amelie und Johanna besonders schwer, sich in einer Männerdomäne, der Fliegerei, zu behaupten. Frauen, die in den Anfängen der Fliegerei Großes geleistet haben, gab es schon, ebenso wie nennhafte Rekorde. Es ist ein Kampf gegen Giganten.

1971 kämpfen im westlichen Teil von Deutschland die Frauen noch um ihre Unabhängigkeit. Es wird gegen den § 218 protestiert, Frauen wollen selber entscheiden. Sie "unterstehen" ihren Männern, dürfen nur mit Genehmigung ihrer Ehemänner arbeiten gehen. Zeiten, an die man gar nicht mehr zurückdenken mag, aber die Zeit, in der Lieselottes Geschichte spielt. 
Sie eilt zu ihrer kranken Mutter und hat dort Gelegenheit, über ihr eigenes Leben Revue passieren zu lassen.

Die Autorin lässt die 30er wie auch die 70er Jahre wieder auferstehen.
Das Leben der Protagonistinnen, ihre Gefühle und Motive sind hautnah mitzuerleben. Man ist als Leser dabei, wenn sie fliegen, lieben, fühlen, leiden und ihre Leben leben. Man kann die Entscheidungen nachvollziehen, wenn auch nicht in jedem Fall akzeptieren.

Man erfährt ein wenig über die Fliegerei in den 30er Jahren, wie auch das Ringen um Gleichberechtigung in den 70er des vergangenen Jahrhunderts.
Das Buch verspricht gute Unterhaltung mit einem Touch Geschichte.

Natürlich darf auch in diesem Buch keine Katze fehlen. Die Autorin, als Katzenliebhaberin bekannt, lässt in jedem ihrer Bücher einen Katzenabdruck zurück, hier ist es der von Kater Cat Ballou.

Ich fühlte mich mit diesem Buch sehr gut unterhalten und empfehle es sehr gern weiter. 
Bewertung:


Zur Autorin:

(übernommen von Amazon)
Christiane Lind wuchs im niedersächsischen Zonenrandgebiet auf. Heute lebt sie mit einem Ehemann und fünf Macho-Katern in Kassel. Sie liebt Bibliotheken und Kunstmuseen, kann auf Zigaretten und Fleisch verzichten, nicht aber auf Latte Macchiato und ihren iPod. Die Sozialwissenschaftlerin arbeitete in unterschiedlichen Berufen, bis sie sich zur Jahrtausendwende selbstständig machte.
Christiane Lind war schon immer eine Leseratte, aber den Wechsel auf die Seite der Autorin hat sie ebenfalls mit dem Millenium vollzogen.




An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich bei der Autorin Clarissa Linden und der 
  
bedanken, die mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. 


Von Clarissa Linden / Christiane Lind / Chris Lind u.a. Pseudonyme wurden gelesen und rezensiert:

           

Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

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