Montag, 3. September 2012

[Rezension] Wiebke Lorenz - Alles muss versteckt sein




Leseprobe



Eckdaten:
Broschiert: 352 Seiten
Verlag: Karl Blessing Verlag (3. September 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3896674692
ISBN-13: 978-3896674692
Größe und/oder Gewicht: 20,6 x 13,6 x 3,2 cm

Covertext:
Steckt in jedem Menschen ein Mörder? In Gedanken hat Marie schon erschlagen, erwürgt, zerstückelt. Die furchtbar realen Gewaltfantasien kommen ohne Vorwarnung und machen ihr unaussprechliche Angst. Doch denken heißt nicht tun. Glaubt Marie. Bis ein grausamer Mord geschieht, der genau dem Horror-Drehbuch ihres Kopfes entsprungen zu sein scheint. Alle halten Marie für eine Mörderin. Auch sie selbst. Sie wird verurteilt, eingewiesen, weggesperrt. Ein junger Arzt hilft ihr dabei, die Wochen vor der Mordnacht zu rekonstruieren, und in Marie wachsen die Zweifel. Ist die Wahrheit noch viel furchtbarer als ihre Fantasie

Zum Buch:
Als Marie erwacht, ist einer ihrer schlimmsten Albträume wahr geworden. Sie hat ihren Freund Patrick getötet, auf genau die brutale und bestialische Art und Weise, die ihr schon seit einiger Zeit in Gedanken durch den Kopf geht.
Seit Marie vor einiger Zeit ihre Tochter durch einen tragischen Unfall verloren hat, leidet sie unter der Krankheit der "Zwangsgedanken". In ihren Gedanken mordet sie, egal, ob Kinder oder Erwachsene. Die Anfälle kommen plötzlich und ohne Vorankündigung. Sie leidet schrecklich darunter und hat Angst, dass sie diese Träume eines Tages in die Tat umsetzen wird.
Dieser Tag ist gekommen. 
Sie erwacht blutbesudelt mit dem Mordwerkzeug, einem Küchenmesser, in der Hand neben Patrick. Alle Indizien sprechen gegen sie und sie bekennt sich schuldig, war es doch für sie nur eine Frage der Zeit, dass sie ihre Gedanken nicht mehr unter Kontrolle hat.
Nach der Verurteilung landet sie in der forensischen Psychiatrie. 
Gemeinsam mit ihrem Arzt Dr. Jan Falkenhagen versucht sie alles aufzuarbeiten, denn bis heute hat sie keinerlei Erinnerung an die Mordnacht. 
Wird es ihnen gelingen, die Erinnerungslücken zu schließen?

Eine Krankheit, die sich "agressive Zwangsgedanken" nennt, davon habe ich ehrlich gesagt, noch nie gehört. Umso beklemmender ist die Tatsache, dass es sie gibt und dass mehr Menschen davon betroffen sind, als man denken mag. 
Mit dieser Krankheit beschäftigt sich Wiebke Lorenz in ihrem neuen Roman. 
Ich kann nicht annähernd nachempfinden, was ein Mensch durchmacht, der diese Krankheit hat.

In diesem Roman ist es Marie, eine Frau, die vor ihrer Krankheit alles hatte, einen Mann und eine Tochter, die sie abgöttisch liebte.
Als ihr die Tochter durch einen Unfall genommen wurde, bricht für Marie eine Welt zusammen. Auch wenn es keine offenen Anschuldigungen unter den Eheleuten gab, zerbricht die Ehe mit Christopher an dieser Leere zwischen ihnen.
Marie ist Kindergärtnerin mit Leib und Seele und sie liebt ihren Beruf. Umso schlimmer trifft sie die Erkenntnis, dass ihre Zwangsgedanken sich viel um Kinder drehen, sie zerschmettert ihnen in Gedanken die Körper und denkt an viele andere furchtbare Grausamkeiten.
Als Leser kann und mag man das eigentlich gar nicht lesen, weil es einfach nur furchtbar ist. Und trotzdem kann man nicht aufhören zu lesen, weil man sich trotz allem zu Marie hingezogen fühlt. 
Wiebke Lorenz ist es gelungen, dass man sich als Leser in die Person Marie hineinversetzt, zumindest ging es mir so. Ich war genauso entsetzt über ihre Gewaltgedanken, wie Marie selbst. Immer mit der Frage im Hinterkopf, ist sie für die Allgemeinheit, für die Kinder und ihre Umwelt gefährlich?

Nach dem Mord an Patrick landet Marie in der forensischen Psychiatrie bei Dr. Falkenhagen, der sie sehr behutsam zum Reden bringt. Er versucht gemeinsam mit ihr, die Wahrheit über sich selbst, ihre Krankheit und den Mord zu erkennen. Mittels der therapeutischen Behandlung erfährt auch der Leser durch die Erinnerungen von Marie, wie ihr bisheriger Werdegang war, ihr Leben vor dem Mord.
Eines Tages stellt sich dann die Frage, ob sie Patrick wirklich getötet hat.

Die Schritte bis zu dieser Frage sind absolut glaubwürdig und nachvollziehbar dargestellt. Marie scheint nicht mehr die Mörderin zu sein, sondern ebenfalls ein Opfer, aber wessen?
Die Autorin lässt den Leser sehr lange im Unklaren. Meine Vermutung, die ich zum Mord hatte, traf zu, nur dass es letztendlich dann noch schlimmer kam als ich dachte. 

Ein sehr gut durchdachter Roman, der zum Schluss mit einer ziemlichen Überraschung aufwartet.
Trotzdem in diesem Buch sehr viel von dieser Krankheit zu lesen war, kam während der Handlung keine Langeweile auf. Die Spannung verlief auf einem gleichhohen Level, das zum Schluss mächtig angezogen wurde. 

Wer das Buch liest, sollte nicht allzu zart besaitet sein, es wird einem schon viel abverlangt, gerade weil auch viele Gedanken mit Kindern zu tun haben. 

Ein Buch, das ich weiterempfehlen kann.

Bewertung:



Zur Autorin:
(Text vom Blessing Verlag)
Wiebke Lorenz, geboren 1972 in Düsseldorf, studierte in Trier Germanistik, Anglistik und Medienwissenschaft und lebt heute in Hamburg. Sie arbeitet journalistisch für Zeitschriften wie „Cosmopolitan“, schreibt Drehbücher für TV-Filme. Ihre Romane „Liebe, Lügen, Leitartikel“ (2000), „Was? Wäre? Wenn?“ (2003) und "Allerliebste Schwester" (Blessing 2010) waren bei Kritik und Publikum höchst erfolgreich.






An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich beim



bedanken, der mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat


Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

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