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Mittwoch, 17. Februar 2016

[Rezension] Nora Melling - Nachtkrähen (Band 1)


Vorab ein paar Eckdaten:  
Format: Kindle Edition
Dateigröße: 2255 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 392 Seiten

Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
Sprache: Deutsch
ASIN:
B01A6VTV5C


Klappentext gem. HP:
Nach einer Party, die Hanna mit ihrem Freund Ivo besucht, verwandelt sich die Siebzehnjährige zu ihrem Entsetzen jeden Abend bei Sonnenuntergang in eine Krähe.
Der charmante Nicolas nimmt ihr die Angst vor dem Leben und zeigt ihr, was es heißt, eine Nachtkrähe zu sein. Er hilft ihr zu fliegen. Gemeinsam mit ihm stiehlt sie sich heimlich aus dem Fenster und kreist im nächtlichen Himmel über Berlin, schwerelos und frei.
Leider ist ihr neues Leben nicht so perfekt ist, wie sie glaubt. Schwer bewaffnete Krähenjäger bedrohen sie auf ihren Streifzügen durch die Nacht. Das hatte Nicolas nicht erwähnt: Von dem Moment an, an dem sie sich verwandelt hat und zur Nachtkrähe wurde, ist auch Hanna eine der Gejagten.
Ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel beginnt. Nicolas wird angeschossen, und das nicht zum ersten Mal. Schlagartig ist Hannas Angst wieder da. Am liebsten würde sie zurück in ihr altes, sicheres, langweiliges Leben, mit ihrem Freund Ivo und der Schule und den fürsorglichen Eltern, und alles vergessen.
Doch als Jasper, der Jüngste der Nachtkrähen, von den Krähenjägern entführt wird, als Nicolas aufbricht, um den übermächtigen Feinden Jasper ganz allein wieder abzujagen, muss Hanna sich für eine Leben entscheiden.


Rezension:
Es ist Halloween in Berlin und die 17-jährige Hanna Lorenz will mit ihrem Freund Ivo zur Halloweenparty ihres gemeinsamen Freundes Patrick. Für sie ist das eine große Sache, ist sie doch überbehütet aufgewachsen, da sie bis vor einem Jahr an Belastungsasthma litt und ihre Eltern hatten ihre persönliche Freiheit bis zu diesem Zeitpunkt stark eingeschränkt. Doch mittlerweile ist sie gesund und langsam aber sicher beginnt auch für sie das Leben eines normalen Teenagers und dazu gehört nun mal auch eine Halloweenparty. Hanna selbst ist als Rotkäppchen verkleidet, während Ivo stilecht als Jäger auftritt.

Doch die Party entspricht so gar nicht Hannas Vorstellungen, vor allem dann nicht, als ausgerechnet Ivo eine fremde Frau küsst - und das vor ihren Augen! Hanna will nur noch weg und stürmt einfach drauf los, ist jedoch so aufgebracht, dass sie sich in den Häusergassen verirrt und zu allem Überfluss auch noch von einer Horde Männer aufs Übelste angemacht wird. Rettung ereilt sie in Form eines jungen Mannes, der wie zufällig auf sie zu treffen scheint und zusammen (und mit Hilfe eines Elektroschockers) gelingt es ihnen, die Männer in die Flucht zu schlagen. Nach so viel Aufregung will Hanna nur noch eines - nach Hause. Sie kommt jedoch nicht weit, als eine Krähe, scheinbar tot, vor ihr auf der Straße landet. Sie hat Mitleid mit dem armen Tier und will es mitnehmen, um es am nächsten Tag zu begraben, doch augenscheinlich ist das Tier zwar verletzt, aber durchaus noch am Leben und fliegt, mehr schlecht als recht, davon.

Ausgerechnet in dieser Nacht, wohl auch auf Grund der Aufregung, wird Hanna krank, erholt sich jedoch recht schnell. Nur hat sie seitdem das Gefühl, nicht mehr richtig schlafen zu können und dass Krähen nach ihr riefen. Tatsächlich ist es so, dass sich ihr Blut mit dem der Krähe vermischt hat, die mitnichten eine gewöhnliche Krähe war, sondern eine Nachtkrähe, ein Gestaltwandler, der nachts die Form eine Krähe annimmt. Dass es sich bei diesem Gestaltwandler ausgerechnet um den jungen Mann handelt, der ihr geholfen hat und der sich seit dieser Begegnung sehr zu ihr hingezogen fühlt, erfährt sie erst später, denn vorerst muss sie realisieren, dass sie sich rasant verändert - auch sie wird zu einer Nachtkrähe und ist mit Nicolas, dem Mann, der auch ihr nicht aus dem Kopf geht, untrennbar verbunden ...


Der 1. Band der Nachtkrähen-Trilogie! Der Plot des Buches wurde vielschichtig und abwechslungsreich erarbeitet. Besonders gut hat mir gefallen, wie die Autorin es schaffte, reale Orte und Ereignisse mit den Fantasy-Elementen des Buches zu verbinden, sodass diese ein sehr harmonischen Bild ergaben. Die Figuren wurden authentisch erarbeitet. Beeindruckt hat mich die Figur der Hanna zurückgelassen, die zum Beginn des Buches bereits die ersten kleinen Schritte in Richtung Selbstständigkeit gemacht hat, sich jedoch, gerade auf Grund der aufkommenden Ereignisse, deutlich schneller zu ihrer wahren Reife entwickelt, als es erst den Anschein hatte. Die Figur des Nicolas empfand ich in meinen Augen sehr zwiegespalten. Zum einen ist er sehr verantwortungsbewusst, was seine Familie angeht und reißt sich für diese fast einen Arm aus, doch dann gibt es Facetten in seiner Persönlichkeit, die ihn nicht unbedingt zu einem Sympathieträger machen - aber ich denke, er ist auf dem richtigen Weg und mit seinen 20 Jahren noch nicht ganz ausgereift. Den Schreibstil kann ich nur als spannend und sehr bildhaft beschreiben, die Szenen konnte ich mir jederzeit vor Augen führen, was mir besonders gut gefallen hat, da das Buch in meiner Heimatstadt spielt und ich viele Örtlichkeiten wiedererkannt habe. Auf den nächsten Band der Trilogie bin ich schon jetzt sehr gespannt.


Bewertung

Von Nora Melling bereits gelesen und rezensiert:



Die Autorin über sich:
Als kleines Mädchen bekam ich einen gelben Filzstift geschenkt, in einem Geschäft als Zugabe. Ich habe mir überlegt, ob man damit vielleicht nicht nur Bilder, sondern auch seine Haare gelb malen könnte. Darüber schrieb ich mit krakeligen Erstklässlerbuchstaben meine erste Geschichte. Seitdem habe ich zwar mal ein paar Jahre Pause gemacht, aber nie ganz aufgehört mit dem Erfinden von Geschichten. Inzwischen weiß ich sogar, wie man ganze Romane schreibt. Ich wurde 1964 in Hamburg geboren und habe nach dem Abitur eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen. Zum Studium zog ich nach Berlin und blieb. Jetzt lebe ich mit meinem Mann und vier Kindern in Berlin Zehlendorf. Der schönste und größte Wald hier in der Nähe ist der Grunewald. Und schon wieder fallen mir Geschichten ein. Was wäre wohl, wenn es in den verborgenen Winkeln des Grunewalds Werwölfe gäbe? Wem das wohl auffiele in einer Stadt wie Berlin?
Die Geschichte von Luisa, die da in meinem Kopf wuchs, war wilder und unbändiger als die Geschichten zuvor. Sie ließ sich nicht im Computer einsperren, sie wollte raus aufs Papier. Und so bin ich jetzt, dank „Schattenblüte“ auch Autorin. (übernommen von HP)

Zur Homepage der Autorin kommt ihr hier

Wie ich zu dem Buch kam:
An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei
 



bedanken, die mir dieses Buch zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt hat.

Samstag, 18. April 2015

[Interview] Das Katzenpersonal befragt Nora Melling

Was soll ich sagen, außer: Yeah!!! Denn wieder hat sich eine Autorin bereit erklärt, mir Rede und Antwort auf meine Fragen zu stehen. Ihr wisst ja, ich bin von Natur aus sehr neugierig und möchte gerne einfach mehr über die Bücher und Autoren erfahren, als es geschrieben steht. Von daher bin ich sehr glücklich, dass sich NORA MELLING bereit erklärt hat, sich meinen Fragen zu stellen.

Folgende Bücher hat Nora Melling bereits geschrieben:





Nora, stellst du dich uns kurz vor?
Mein Name ist Nora Melling. Ich bin gebürtige Hamburgerin, lebe aber inzwischen mehr als die Hälfte meines Lebens mit meiner Familie in Berlin. Ich habe drei Schattenblüten - Romane beim Rowohlt  - Verlag und „Deal mit Dorian“ im Selfpublishing veröffentlicht.    

Mit welchem Buch erwachte deine Liebe zur Literatur?
Das waren natürlich mehrere Bücher. Nachdem ich „Der Herr der Ringe“ gelesen hatte, wollte ich unbedingt selbst so einen Roman schreiben. Ich glaube, ich bin nicht die Einzige, der es so ging. Eine Welt zu erschaffen, in die man nach Belieben abtauchen konnte und die zudem noch von so lebendigen Charakteren bewohnt wird, erschien mir sehr erstrebenswert. Und mal Hand aufs Herz: Wer würde nicht gerne die ganze Welt vor dem sicheren Untergang retten, ohne dabei selbst in die geringste reale Gefahr zu geraten? Das geht nur im Roman.  
  
Hast du einen sogenannten Brot-Job?
Nein. Für mich stand es nach meiner Erziehungspause fest, dass ich von da an Autorin sein möchte und nichts anderes. 

Wie sieht dein normaler Tagesablauf aus?
Wenn gegen acht Uhr morgens alle Familienmitglieder auf die jeweiligen Schulen verteilt sind, habe ich das Haus für mich. Dann kann ich mich in mein Arbeitszimmer zurückziehen und schreiben und sonstigen Bürokram machen, der so anfällt. Oft kombiniere ich das auch mit Hausarbeit, Gartenarbeit oder so etwas. Wenn ich zum Beispiel mit einer Szene nicht weiterkomme, kann ich beim Bügeln oder Rasenmähen in Ruhe darüber nachdenken und dann weiterschreiben. Nach der Mittagspause, wenn alle wieder da sind, teile ich mir die Zeit je nach Arbeitsanfall zwischen Haushalt, Kindern und Schreiben auf. Wenn Abgabetermine anstehen, bleibe ich bis Abends in meinem Arbeitszimmer. Eigentlich sieht jeder Tag anders aus und es gibt bei mir keine normalen Tage. 

Print oder E-Books - welches Format wird bevorzugt?
Ich liebe Geschichten in jeder Form, egal, ob gedruckt, als E-Book oder verfilmt auf DVD bzw Blu-ray. Im Bett z. B. lese ich gerne eBooks, die sind leichter und liegen besser in der Hand. Doch so bequem ich E-Books auch finde: Eine Wohnung ohne Regale voller Bücher wäre für mich niemals ein Zuhause. 

Neben der Schriftstellerei - wie viele Bücher liest du als Privatperson im Jahr?
Das weiß ich gar nicht so genau. So ein Buch pro Woche wird es im Durchschnitt schon sein. Wenn ich gerade auf eine spannende Buchreihe gestoßen bin, lese ich auch schon mal ein Buch pro Tag. Dann wieder kommen Zeiten, in denen konzentriere ich mich hauptsächlich auf den Roman, den ich gerade schreibe und lese fast gar nicht. 

Wie wichtig sind dir der Leserkontakt und das direkte Feedback deiner Leser?
Sehr wichtig. Das ist doch das Schönste am ganzen Schreiben: Die Leser mitzunehmen in die Geschichte, die im eigenen Kopf entstanden ist. Ich kann in den Romanen meine selbst ausgedachten Figuren fast wie alte Freunde vorstellen. Und natürlich möchte ich auch wissen, ob das, was ich im Roman rüberbringen wollte, auch angekommen ist. Daher ist mir Feedback auch wichtig. 

Schreibst du eher intuitiv oder plottest du alles von Anfang bis Ende durch?
Ich versuche jedes Mal wieder zu plotten. Inzwischen habe ich aber festgestellt, dass sich manche Wendungen in meinen Geschichten erst beim Schreiben herauskristallisieren. Im Moment sieht mein Schreibstil etwa so aus, dass ich die Figuren, die Hauptkonflikte und das Ende plane und dann beherzt drauflos schreibe. 

Du bist mit deinem aktuellen Buch "Deal mit Dorian" unter die Selfpublisher gegangen. Wie kam es dazu?
Zum ersten Mal richtig mit dem Selfpublishing in Kontakt gekommen bin ich dank einer lieben Kollegin, die damit sehr erfolgreich und in diesen Kreisen gut vernetzt war bzw ist. Bis dahin war ich der Meinung, dass Selfpublishing nur etwas für Autoren war, die keinen Verlag gefunden hatten und die deshalb irgendwelche seltsamen Geschichten voller Rechtschreibfehler veröffentlichen, die niemand lesen will. Doch nun hielt ich zum ersten Mal bewusst wirklich gute selbst herausgebrachte Romane in der Hand. Da stand für mich fest: Das möchte ich unbedingt auch versuchen.
Inzwischen weiß ich, dass Selfpublishing eine Menge Vorteile gegenüber den Verlagsveröffentlichungen hat. Am wichtigsten ist mir der direkte Kontakt zu den Lesern. Ich schreibe nicht für einen Verlag, nicht für Buchhändler, sondern für die Menschen, die meine Bücher lesen wollten. Dazu kommt, dass man als Selfpublisher flexibler ist. Das Buch kommt dann heraus, wenn es fertig ist, und nicht erst, wenn im Verlagsprogramm Platz ist.
Falls sich das jetzt so liest, als wäre ich nicht gerne Verlagsautorin bei Rowohlt gewesen, muss ich das korrigieren. Der Rowohlt-Verlag hat ein tolles Team, supernette Menschen, die sich um sämtliche Buchbelange kümmern und ich habe sehr viel dort gelernt. Ohne die Erfahrungen, die ich dort als Verlagsautorin machen konnte, hätte ich es mir niemals zugetraut, einen Roman in Eigenregie zu veröffentlichen. 

Was wünschst du dir für die Zukunft?
Dass ich mit meinen Büchern den Lesergeschmack treffe. Ich wünsche mir, dass meine Romane so erfolgreich werden, dass ich mir nicht doch letztendlich einen Brotjob suchen muss. Schreiben und Veröffentlichen, mit allem was dazu gehört, macht mir so viel Spaß und ich möchte in Zukunft mehr Zeit damit verbringen und nicht weniger.

Mit deinem aktuellen Roman "Deal mit Dorian" hast du eine Adaption des Märchens "Aschenputtel" vorgelegt, warum gerade eine Adaption dieses Märchens?
Bei dieser Frage habe ich erst mal gestutzt. Ich habe doch niemals geplant, einen Aschenputtel-Roman zu schreiben, dachte ich. Eigentlich habe ich nämlich erst einmal den Roman geschrieben und dann, als er fertig war, überlegt, wie man den potenziellen Lesern am einfachsten erklären kann, worum es darin geht. Ein Mädchen ohne Geld, das fleißig und zielstrebig ist und den Mut nicht verliert? Natürlich: Aschenputtel.
Das Thema Geld und damit verbundene Chancen im Leben lag mir schon eine Weile am Herzen. Eine meiner Töchter erzählte mir von einem Mädchen in ihrer Schule, die sich große Sorgen macht, dass sie obdachlos wird. Die alleinerziehende Mutter kam nie mit dem Harz-vier-Geld aus und sie hatten große Schulden. Das Mädchen konnte nicht das geringste ändern. Trotzdem wurde von dem Mädchen erwartet, in die Schule zu gehen und ganz normal zu funktionieren. Außerdem besuchten natürlich auch Schüler aus reichen Elternhäusern diese Schule. Mir machte es Angst, mir vorzustellen, wie manipulierbar so ein Kind ohne Geld für die reichen Kinder wäre. Wie weit würde ein von der Obdachlosigkeit bedrohtes Kind gehen, um an Geld zu kommen, dass ein Mitschüler ihm anbietet?    

In "Deal mit Dorian" hast du nicht nur den offensichtlichen Plot erarbeitet, sondern lässt deine Leser nach und nach in die Vergangenheit deiner Figuren schauen, wobei hier beide Protagonisten ein ganz schönes Päckchen zu tragen haben. Wie kam es, dass du ihnen solch eine harte Vergangenheit angelastet hast, die auf den ersten und auch zweiten Blick nicht offensichtlich ist, sondern sich erst nach und nach enthüllt?
Mein Ausgangspunkt der Geschichte waren immer die tausend Euro, die der eine hat und die andere nicht. Dann tauchten die ersten Fragen auf: Was bringt einen Jungen dazu, einem Mädchen für ein Wochenende so viel Geld zu zahlen, wenn er nicht heimlich in sie verliebt ist und sie rumkriegen will? Er bietet das Geld immerhin ganz gezielt Cara, für die er keine romantischen Gefühle hat und von der er ziemlich sicher weiß, dass sie ihn entsetzlich arrogant und nervig findet. Entweder er hat nur Langeweile und genießt seine Macht  – und so einem Kotzbrocken wollte ich meine Cara nun wirklich nicht geben – oder er hat einen sehr guten Grund.
Caras Grund ist beim Schreiben erst relativ spät aufgetaucht. Je länger ich an diesem Mädchen schrieb, desto unwahrscheinlicher wurde es für mich, dass sie sich freiwillig von Dorian herumschubsen lässt, nicht einmal für tausend Euro. Auch sie musste heimlich noch etwas anderes davon haben, dass sie die Zeit mit Dorian verbringt. So kam die Sache mit Finn ins Spiel.
Warum die Vergangenheit erst nach und nach enthüllt wird? Die Geschichte folgt Cara, man weiß, was sie weiß. Dorian tut aber zu Beginn der Geschichte alles dafür, damit niemand seine Vergangenheit enthüllt. Und Cara mag sich nicht einmal selbst eingestehen, was da mit Finn nun eigentlich wirklich passiert ist.       

Dein Protagonist Dorian ist auf den ersten Blick nicht unbedingt sympathisch und trotzdem drängte sich mir der Verdacht auf, dass er früher wirklich solch ein Mensch gewesen ist und sich im Laufe des letzten Jahres verändert hat. Meinst du, ein solcher Schicksalsschlag kann einen Menschen wirklich zum Positiven verändern?
Ich denke, dass es in erster Linie nicht der Schicksalsschlag war, der Dorian verändert hat, sondern die anschließende Zeit im Krankenhaus. Dorian war vorher jemand, dem alles mühelos gelang. So etwas verführt dazu, Menschen, die weniger erfolgreich sind, zu unterstellen, sie würden sich nur nicht genug anstrengen. Nach dem Unfall musste er zum ersten Mal wirklich kämpfen, und das, um Dinge zu erreichen, die für die meisten Menschen selbstverständlich sind. (Ich drücke mich hier etwas nebulös aus, um nicht zu viel der Geschichte zu verraten.) Gepaart mit einer Menge einsamer Zeit zum Nachdenken, kann das bestimmt dazu führen, dass Menschen ihre Sichtweise auf das Leben nachhaltig ändern.

Deine Figur "Cara" ist augenscheinlich eher ein Opfer-Typ aus einem sozial schwachen Umfeld und dennoch ist eine ausgesprochen stolze Persönlichkeit, die bereit ist, für sich und diejenigen, die ihr etwas bedeuten, zu kämpfen. Gibt es für diese außergewöhnliche junge Frau ein reales Vorbild?
Cara lebt leider nicht unter einem anderen Namen unter uns. Wenn das so wäre, würde ich sie gerne kennenlernen. Zum einen hat Cara Eigenschaften, die ich an Menschen beobachtet, beziehungsweise erzählt bekommen habe, und zum anderen ist Cara einfach ein bisschen so, wie ich selbst in dem Alter gerne gewesen wäre. 

Kannst du uns schon etwas über neue Projekte verraten?
Mit meinem nächsten Projekt werde ich mich wieder mehr der Fantasy zuwenden. Wie bei „Deal mit Dorian“ wird es wieder um junge Menschen an der Schwelle zum Erwachsensein gehen. Es wird hoffentlich spannend und die Liebe kommt auch nicht zu kurz. Doch diesmal lasse ich meiner Protagonistin Flügel wachsen. Buchstäblich. 


Herzlichen Dank an Nora Melling für die Beantwortung der Fragen.
 
 

[Rezension] Nora Melling - Deal mit Dorian



Vorab ein paar Eckdaten:  
Format: Kindle Edition
Dateigröße: 1390 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 330 Seiten

Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
Sprache: Deutsch
ASIN:
B00STMD2FQ


Klappentext gem. HP:
Stell dir vor, Aschenputtel würde aufstehen, sich die Asche vom Kleid klopfen und ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Stell dir vor der Ball, auf dem sie den Prinzen trifft, wäre eine Sommerparty, Aschenputtel hieße in Wirklichkeit Cara und würde den Prinzen, der Dorian heißt, aus der Schule kennen.
Stell dir vor, der Prinz wäre gar keiner sondern nur reich. Und stell dir vor, er hätte mehr zu verbergen, als dass es auf seiner Party im letzten Jahr einen Unfall gegeben hat.
Was wäre dann?


Rezension:
Der 18-jährige Dorian Fichtenberg ist der Star der Schule, cool, angesagt, gutaussehend, ein Mädchenschwarm, kurzum: der Traum der weiblichen Schülerschaft und zu allem Überfluss ist er auch noch ein guter Schüler. Nach einem Unfall im letzten Jahr muss er nunmehr sein Abijahr wiederholen, aber shit happens, die weibliche Schülerschaft freut es.

Cara Merlin ist 17 und geht in dieselbe Klassenstufe wie Dorian und hat ebenfalls sehr gute Noten, doch damit enden die Gemeinsamkeiten. Während Dorian, dank eines vermögenden Elternhauses nur so im Geld schwimmt und sich alles kaufen kann, was er mag, muss Cara neben der Schule jobben gehen, um sich mal einen Wunsch zu erfüllen oder auch ihre Mutter finanziell zu unterstützen.

Dann jedoch bietet Dorian, der Liebling aller Mädchen, ausgerechnet Cara Geld dafür, dass sie mit ihm ein Wochenende verbringt. Cara hält das für einen üblen Scherz und treibt die Summe auf 1.000 € hoch, zahlbar 500 € sofort und 500 € nach Vollendung des Deals (Zärtlichkeiten etc. sind nicht Bestandteil desselben), doch sie muss schnell einsehen, dass er das durchaus ernst meint. Spätestens nach einer ausgiebigen Shoppingtour mit Dorian auf seine Kosten, weiß Cara, dass sie aus dem Deal nicht mehr so schnell herauskommt und vielleicht tut ihr ein Wochenende außerhalb von Berlin ganz gut, zumal sich ihr Ex-Freund Finn angemeldet hat und dem will sie auf gar keinen Fall je wieder begegnen.

Doch kaum auf Dornenhagen, dem "Familiensitz" der Fichtenbergs angekommen, ist Cara mehr als überrascht, denn nicht  nur die engste Familie, sprich Dorian und seine Eltern sind vor Ort, sondern auch diverse Cousins und Cousinen Dorians mit ihren jeweiligen Partnern. Wie es scheint, ist die Party, die sie mit ihm besuchen soll, ein großes Familienfest. Das jedoch ist noch nicht alles, was sie gleich zu Beginn herausfindet: Anscheinend ist im letzten Jahr auf der Familienfeiern Dorians damalige Begleiterin durch ungeklärte Umstände gestorben. Ist Dorian womöglich ein Mörder oder was steckt hinter der Tatsache, dass er sich diesmal ein Date "erkauft" hat und warum macht die junge Generation der Familie solch ein Geheimnis um die Geschehnisse vor einem Jahr?


Was geschah vor einem Jahr? Der Plot wurde spannend und abwechslungsreich erarbeitet. Besonders gut hat mir gefallen, dass es hinter der offensichtlichen Story (reicher Junge bezahlt armes Mädchen für ein Date bei einer Familienfeier) weitere Facetten im Leben von Cara und Dorian verbergen, die weder auf den ersten, noch auf den zweiten Blick ersichtlich sind, sondern sich erst nach und nach herauskristallisieren. Die Figuren wurden facettenreich und authentisch erarbeitet. Natürlich schlug mein Herz umgehend für die Figur der Cara, die, obwohl sie aus armen Verhältnissen kommt, dennoch ihren Stolz hat und weiß, was sie will und auch wenn sie von Dorian bezahlt wird, sich die ein oder andere Spitze ihm gegenüber nicht verkneifen kann - oder einfach ausgedrückt: Das Mädel hat es drauf und mit ihr würde ich mich nicht anlegen wollen. Erstaunt und positiv überrascht wurde ich hingegen von der Figur des Dorian, denn dieser verbirgt deutlich mehr, als es den ersten Anschein hat und ich fand es faszinierend zu beobachten, wie nach und nach seine wahre Persönlichkeit enthüllt wurde. Den Schreibstil empfand ich als ausgesprochen packend, sodass ich das Buch gar nicht aus der Hand legen konnte, ich musste einfach wissen, was genau vor einem Jahr geschah und wie die Geschichte, gerade für Cara, die ja mehr oder weniger als Bauernopfer herhalten sollte, ausgehen würde.


Bewertung

Von Nora Melling bereits gelesen und rezensiert:



Die Autorin über sich:
Als kleines Mädchen bekam ich einen gelben Filzstift geschenkt, in einem Geschäft als Zugabe. Ich habe mir überlegt, ob man damit vielleicht nicht nur Bilder, sondern auch seine Haare gelb malen könnte. Darüber schrieb ich mit krakeligen Erstklässlerbuchstaben meine erste Geschichte. Seitdem habe ich zwar mal ein paar Jahre Pause gemacht, aber nie ganz aufgehört mit dem Erfinden von Geschichten. Inzwischen weiß ich sogar, wie man ganze Romane schreibt. Ich wurde 1964 in Hamburg geboren und habe nach dem Abitur eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen. Zum Studium zog ich nach Berlin und blieb. Jetzt lebe ich mit meinem Mann und vier Kindern in Berlin Zehlendorf. Der schönste und größte Wald hier in der Nähe ist der Grunewald. Und schon wieder fallen mir Geschichten ein. Was wäre wohl, wenn es in den verborgenen Winkeln des Grunewalds Werwölfe gäbe? Wem das wohl auffiele in einer Stadt wie Berlin?
Die Geschichte von Luisa, die da in meinem Kopf wuchs, war wilder und unbändiger als die Geschichten zuvor. Sie ließ sich nicht im Computer einsperren, sie wollte raus aufs Papier. Und so bin ich jetzt, dank „Schattenblüte“ auch Autorin. (übernommen von HP)

Zur Homepage der Autorin kommt ihr hier

Wie ich zu dem Buch kam:
An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei
 



bedanken, die mir dieses Buch zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt hat.

Samstag, 13. April 2013

[Rezension] Nora Melling - Schattenblüte: Die Verborgenen (Band 1)


Vorab ein paar Eckdaten:
Seitenanzahl: 349
ISBN: 978-3-862-52000-8
Erscheinungstermin: 1. November 2010
Format: Hardcover

Verlag: Rowohlt


Klappentext: gem. Rowohlt:
Seit dem Tod ihres Bruders ist für Luisa nichts mehr, wie es war. Sie beschließt zu sterben. Aber kurz vor dem letzten Schritt hält jemand sie auf: Thursen nennt sich der Junge mit den geheimnisvollen Schattenaugen. Mit einer Gruppe Jugendlicher lebt er im Wald, und er spürt Luisas Schmerz. Die «Verborgenen» können ihre Gestalt ändern: Sie sind Werwölfe. Mit jeder Verwandlung wird Thursen mehr zum Tier – und die Erinnerung an sein früheres Leben verblasst. Bald wird er ganz Wolf sein, dann hat Luisa auch ihn verloren.

Für ihre große Liebe würde Luisa alles tun. Doch reicht das, um Thursen zu retten?


Rezension: 
Es ist September, es ist ihr 17. Geburtstag und es ist der Tag, an dem sie sterben will. Für Luisa Folkert war das letzte Jahr alles andere als leicht. Am 7. Mai starb ihr kleiner Bruder Fabian an Krebs. Für sie und ihre Eltern bricht eine Welt zusammen, doch anstatt füreinander da zu sein und sich gegenseitig zu stützen, treten sie die Flucht nach Vorne an. Florian starb in Hamburg, wo die Familie bis dato gelebt hat, doch hier brechen ihre Eltern alle Brücken ab, verkaufen das Haus und ziehen bereits im Juni nach Berlin, nur weg von den traumatischen Erinnerungen. Das einzige, was zurück bleibt, ist Florians Grab - einsam und verlassen.

Im September sieht Luisa ein, dass das Leben so für sie keinen Sinn mehr macht. Von ihren Eltern bekommt sie keinerlei Rückhalt und sie vermisst Florian, mit dem sie zu Lebzeiten ein sehr gutes Verhältnis hatte und mit seinem Tod scheint auch das Licht aus ihrem Leben verschwunden zu sein. In der Schule kann sich Luisa schlecht einfügen, auch Freundschaften zu schließen, dass ist als 17-jährige, die mitten im Schuljahr gewechselt hat, nicht leicht. Den einzig näheren Kontakt, den sie hat, ist zu ihrer Nachbarin Anja, einer alleinerziehenden Mutter von Lotti, die bereits in die Schule geht und von Lilli, welche sich noch im Babyalter befindet. Doch reicht das, um ein erfülltes Leben zu führen? Nur ab und an Kontakt zu der Nachbarin, von den Eltern völlig im Stich gelassen?

Die einzige Möglichkeit für sie - die Flucht zu ihrem Bruder. Kurz bevor sie sich jedoch von einem Gebäude stürzen kann, taucht ein junger Mann auf, der behauptet, sie bereits seit einem Monat zu beobachten und tatsächlich gelingt es ihm, sie von ihrem Selbstmord abzuhalten, ja schlimmer noch, ihr das Versprechen abzunehmen, auf keinen Fall ihrem Leben ein Ende zu setzen. Dann verschwindet er jedoch genauso schnell, wie er gekommen ist. Luisa ist verwirrt - wer ist er? Sie weiß noch nicht einmal seinen Namen, aber was sie weiß: Er hat einen schwarzen Hund und nach diesem hält sie Ausschau. Es vergeht eine gefühlte Ewigkeit, bis sie ihn, den jungen Mann, wieder trifft. Sein Name "Thursen" mag eigenartig klingen, aber zu ihm scheint er zu passen. Doch was Luisa dann herausfindet, verschlägt ihr fast die Sprache. Thursen ist ein Werwolf, Anführer eines Rudels und auf absehbare Zeit wird es ihm nicht mehr gelingen, sich in einen Menschen zu verwandeln. Jetzt ist es Luisa, die in den Kampf tritt, für ihn, um ihn von dem "Fluch" zu befreien, denn ein Leben ohne ihn, dass weiß sie, ist für sie nicht mehr möglich. Doch wie kann sie Zeit schinden, die Verwandlung hin- bzw. aufhalten und gibt es gar die Möglichkeit, die Wandlung rückgängig zu machen?


Ein gelungener Auftakt! Der Plot wurde sehr bildhaft und abwechslungsreich erarbeitet, wobei hier vor allem Luisa und ihre Trauerbewältigung sowie ihre Liebe zu Thursen im Vordergrund stehen. Der Leser erfährt einiges aus Luisas Leben und auch Thursen und sein Werwolfsrudel bleiben nicht lange Unbekannte. Die Figuren wurden facettenreich und tiefgründig erarbeitet, sodass ich sie mir jederzeit vor Augen führen konnte. Den Schreibstil empfand ich als angenehm zu lesen, hätte mir jedoch in einigen Situation etwas mehr Dramatik und Spannung gewünscht, hege hier jedoch große Hoffnungen auf den nächsten Band der Reihe. Abschließend kann ich für mich sagen, dass mir der Einstieg in die Geschichte von Luisa und Thursen gut gefallen hat und ich mich bereits jetzt auf den 2. Band der Reihe "Die Wächter" freue.

Bewertung
Die Autorin:
Nora Melling wurde 1964 in Hamburg geboren. Schon als Kind liebte sie es, phantastische Geschichten zu erfinden. Doch erst einmal machte sie eine kaufmännische Ausbildung und zog zum Studium nach Berlin, bevor sie sich den Traum erfüllte, ihren ersten Roman zu schreiben. Heute lebt sie mit ihrem Mann und vier Kindern in Berlin-Zehlendorf und geht oft im Grunewald spazieren, wo sich auch ihre Werwölfe tummeln.  (übernommen von Rowohlt)

Zur Homepage der Autorin kommt ihr hier.
Wie ich zu dem Buch kam:
Schon lange wollte ich das Buch lesen, immer spielt es ja in "meiner" Stadt und als ich es die Tage in der Bücherei entdeckte, wurde es spontan entliehen.