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Dienstag, 28. November 2017

[Rezension] Stellmacher, Hermien / Schultz, Joachim - Wie wir Katzen die Welt sehen


























Eckdaten:
Gebundene Ausgabe: 125 Seiten
Verlag: Insel Verlag; Auflage: Originalausgabe (23. Oktober 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 345836305X
ISBN-13: 978-3458363057
Größe und/oder Gewicht: 12,8 x 1,2 x 19,4 cm

Inhalt gem. Insel-Verlag:
Katze müsste man sein, seufzt so mancher Mensch, wenn er uns beim Nachdenken zusieht. Doch leider läuft längst nicht alles rund im Zusammenleben von Zwei- und Vierbeinern.
Mit schuld daran sind diese Märchenbücher, in denen erklärt wird, wie wir ticken. Frei nach dem Motto »Katzen dressieren leicht gemacht« verbreiten diese Mäusemist ohne Ende.
Nun wollen wir endlich einmal unsere Sicht auf die Dinge darlegen. Und mit den aberwitzigen Vorstellungen, die über uns Katzen im Umlauf sind, aufräumen.
Alles Wissenswerte für jeden Katzenfreund: von A wie Abwechslung über K wie Klorolle, T wie Traumsauger bis Z wie Zusammenleben. Damit unsere geliebten Zweibeiner sich mühelos zurechtfinden können.

Zum Buch:
Katzenbücher gibt es in rauen Mengen. Bücher, in denen sie die Protagonisten sind, Bücher, in denen man erfährt, wie man mit ihnen umzugehen hat, Bücher über und mit Katzen.
Was es bislang nicht gab, ist eine Art Ratgeber von Katzen für ihre Zweibeiner, bekannt auch als Katzenpersonal oder auch Dosenöffner.

Die beiden Autoren Hermien Stellmacher und Joachim Schultz leben mit ihrem Kater Zazou zusammen und der scheint ihnen eine ganze Menge erzählt zu haben. Sie haben zugehört und dachten sich, dass das mitgeteilte Wissen mit Sicherheit von allgemeinem Interesse sein könnte und haben eine Art Lexikon zusammengestellt. Ich gehe mal davon aus, dass alles geschriebene von Zazou vorher abgenickt wurde, schließlich soll ja alles seine Richtigkeit haben.

Das Buch ist unterteilt in Stichpunkte von A - Z, wie man es vom Lexikon her kennt, besser gesagt von Aberglaube bis Zweitwohnung. 
Logisch, dass Ägypten nicht fehlen darf, wurden doch dereinst die Katzen dort als Götter verehrt - nun ja, man kann es ja mal wieder zur Sprache bringen.

Viele andere Stichworte findet man in diesem Lexikon, bei denen man bereits grinsen muss, wenn man diese nur liest. Ob es da um die eigenen Auffassungen vom Aufräumen geht, um die Erziehung (vom Personal natürlich, denn Katzen kann man nicht erziehen), um das Jagen, das Katzenklo, der unnützen Tätigkeit des Lesens, dem Napf, dem Putzen und und und.

Es macht einfach nur Spaß zu lesen, wie die Gedanken der Katzen sind und was sie einem liebevoll mitteilen wollen oder was sie einfach nur nach Erfahrungen über ihre Zweibeiner denken. Interessant zu lesen auch die Meinung der Katzen über die Anatomie des Zweibeiners. So wie es sich liest, scheinen wir eine Fehlkonstruktion zu sein - keine Ohren, die man anlegen kann, keinen Schwanz, die Krallen eine einzige Fehlkonstruktion und weitere Merkmale, mit denen man auch nicht wirklich was anfangen kann (so die Katzen). Na ja, aber wir haben auch etwas, um was wir beneidet werden - wenigstens etwas.

Ich könnte hier noch viele Beispiele bringen, aber ich denke, die Freude sollte sich jeder selbst gönnen, denn eine Freude ist es wirklich.
Nicht nur, dass man sich an den Texten erfreuen kann, dieses Buch wurde zusätzlich von Hermien Stellmacher selbst illustriert. Liebevoll gezeichnet findet man Zazou immer wieder im Buch vor, mal albern mit Hütchen, mal lesend mit Brille, als Luftballon.... er ist überall gegenwärtig und treibt dort sein Unwesen (siehe auch Cover). Die Zeichnungen von Gegenständen sind zum Teil so detailliert angefertigt, dass sie an die Qualität eines Fotos heranreichen, einfach unglaublich.

Das ist ein Buch, das man als Katzenpersonal einfach haben muss, denn wer möchte nicht wissen, was die eigene Katze weiß und wie sie die Welt sieht. Die Welt aus der Sicht einer Katze - ich kann mir schlimmeres vorstellen.
Wer kein Katzenpersonal ist, sich aber gut unterhalten möchte, dem sei dieses Buch ebenfalls ans Herz gelegt. Wer weiß, vielleicht kommt man ja doch zu einem vierbeinigen Mitbewohner, nun, wo man schon mal weiß, wie sie ticken?

Ich habe bei der Lektüre mit einem dümmlichen Dauergrinsen dagesessen und war ehrlich froh, dass ich es nicht in der S-Bahn gelesen habe.
Ein Buch, das ich sehr gern weiterempfehle und das nicht nur an das zweibeinige Katzenpersonal.

Bewertung:



Zur Autorin:

(Text vom Insel Verlag)
Hermien Stellmacher, geboren 1959, wuchs in Amsterdam auf. Im Alter von 15 Jahren zog sie nach Deutschland. Sie illustrierte zahlreiche Kinder- und Jugendbücher. Seit einigen Jahren schreibt sie hauptsächlich für Erwachsene, zum Teil unter dem Pseudonym Fanny Wagner. Sie lebt mit ihrem Mann und einem Kater in einem kleinen Dorf in der Fränkischen Schweiz.





Von Hermien Stellmacher / Fanny Wagner wurden von uns gelesen und rezensiert:
    

An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich bei der Autorin
Hermien Stellmacher
bedanken, die mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

*********************************************

WERBUNG

Folgende Links kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung:

Autoren: Hermien Stellmacher / Joachim Schultz

Insel Verlag:
Über das Buch und die Autoren
Leseprobe

Amazon:



Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

Samstag, 29. Oktober 2016

[Rezension] William Shatner - Spock und ich - Mein Freund Leonard Nimoy



Leseprobe




Eckdaten:
Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (24. Oktober 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453201434
ISBN-13: 978-3453201439
Originaltitel: Leonard: My Fifty-Year Friendship with a Remarkable Man
Größe und/oder Gewicht: 14,1 x 3 x 22,1 cm

Inhalt gem. Amazon:
Leonard Nimoy wurde durch seine Rolle als Mr. Spock in der Serie Star Trek berühmt. Mit dem stets auf Logik bedachten Vulkanier schuf er einen Charakter, der wie kaum ein zweiter die Popkultur bis heute prägt. Am Set lernte Nimoy William Shatner alias Captain Kirk kennen, mit dem ihn 50 Jahre lang eine enge Freundschaft verband. Gemeinsam gingen die beiden Männer durch Höhen und Tiefen, beruflich wie privat. Anhand zahlreicher Anekdoten zeichnet William Shatner nun das faszinierende Leben seines besten Freundes nach und zeigt uns den Mann hinter dem unemotionalen Vulkanier: den feinfühligen Poeten, Fotografen, gläubigen Juden und trockenen Alkoholiker.

Zum Buch:
Wer aus meiner Generation kennt sie nicht? 
Als Kind der Ende 50er Jahre kam man an Captain Kirk und Mr. Spock nicht vorbei.
Selbst wir aus dem Osten klebten am Bildschirm, wenn es hieß:
"Der Weltraum - unendliche Weiten... Wir schreiben das Jahr 2200. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, das mit seiner 400 Mann starken Besatzung 5 Jahre lang unterwegs ist, um neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt, dringt die Enterprise in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat."

William Shatner und Leonard Nimoy spielten die Charaktere Captain Kirk und Mr. Spock. In der Serie Star Trek waren die beiden Freunde und auch im realen Leben wurden sie dies.
William Shatner erzählt in dem Buch über ihre Freundschaft, über ihren Werdegang und über die Rollen, die sie, nicht nur in Star Trek, gespielt haben.

Beide sind unter ähnlichen Zuständen aufgewachsen. Viele Dinge haben sie fast zeitgleich erlebt. Schon allein das Geburtsdatum liegt nur 4 Tage auseinander. Beide Familien flüchteten vor der Verfolgung aus Osteuropa und stammten von Juden ab. Während William in Kanada aufwuchs, lebte Leonhard in den USA.
Obwohl sie in verschiedenen Ländern aufwuchsen, ähnelten sich ihre Anfänge unglaublich. 
William Shatner lässt die Leser teilhaben an ihren ersten Versuchen auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Zielstrebig und unentwegt arbeiteten beide auf ein Ziel hinaus, sie wollten Schauspieler werden, Schauspieler, die man kennt.

Das sollte ihnen jedoch erst so richtig mit der über 3 Staffeln laufenden Science-fiction Serie "Star Trek" gelingen. Eine Serie, der man nie so richtig die Chance gab, die aber einschlug wie eine Bombe.
Man erfährt viel Hintergrundwissen über die Serie und ihre Akteure. Mit wenig Budget mussten sie auskommen, sie stritten sich mit Regisseuren und Schauspielern und versuchten das Beste aus der Serie herauszuholen.
Obwohl Captain Kirk derjenige war, der das Mädchen bekommt, punktete Mr. Spock mit seiner Einmaligkeit. Leonard Nimoy verkörperte den emotionslosen Offizier Mr. Spock, dem er durch seine schauspielerische Leistung ein Denkmal setzte. Er übertrumpfte bei den Zuschauern an Beliebtheit sogar Captain Kirk, was dieser anfangs gar nicht so lustig fand.
3 Jahre lang lief die Serie und Leonard vervollkommnete die Figur Mr. Spock bis zum Schluss. Er lebte diese Figur, was sich auch in seinem Privatleben wiederspiegelte.

Was alle nach Ablauf der Serie vermuteten, dass nun endgültig mit Star Trek Schluss wäre, bewahrheitete sich nicht. Die Serie hatte Fans, die nicht zu unterschätzen waren. Es gab die ersten Conventions, wo sich die Trekkis trafen.
Es ging weiter mit Star Trek, wenn auch nicht mehr als Serie, sondern durch Spielfilme, die die Originalbesetzung drehte. Das Phänomen Star Trek war geboren und glich einer Lawine.

William Shatner lässt den Leser teilhaben vom Beginn der Serie an bis zum weiteren Verlauf. Man erfährt, was die Schauspieler zwischen den Filmen getrieben haben, privates wie berufliches.
Er lässt nichts aus, beschönigt nichts. Von katastrophalen Ehen über Kinder, mit denen man sich auseinandergelebt hat, Zigarettensucht und Alkoholismus ist alles dabei.
Aber er erzählt auch die schönen Seiten der Freundschaft, einer Freundschaft, die fast 50 Jahre andauerte, über ihre Höhen und Tiefen.

Ich habe in diesem Buch sogar ein Lieblingswort gefunden, es lautet: Spockigkeit.
Was es damit auf sich hat und wie genial es wirklich alles über Mr. Spock alias Leonard Nimoy ausdrückt, das solltet ihr selbst lesen.

Ich fand das Buch absolut faszinierend und empfehle es nicht nur den Trekkis sehr gern weiter.
Ich spreche eine klare Kauf- und Leseempfehlung aus.

Bewertung:



Zur Autorin:
(Text übernommen von Heyne-Verlag)
William Shatner ist Schauspieler, Produzent, Regisseur und Musiker. Berühmt wurde er durch seine Rolle als Captain Kirk, den er in der Serie Star Trek (1966 – 1969) und in sieben Star-Trek-Filmen mimte. Für seine Rolle als Anwalt Denny Crane in der Serie Boston Legal gewann er einen Emmy und einen Golden Globe. William Shatner lebt mit seiner Frau Elizabeth in Los Angeles.


An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich bei dem Verlag 


bedanken, der mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat

Den Heyne-Verlag findet ihr auch auf Facebook



Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

Montag, 24. Oktober 2016

[Rezension] Michael Tsokos - Sind Tote immer leichenblass?



Leseprobe




Eckdaten:
Broschiert: 192 Seiten
Verlag: Droemer HC (4. Oktober 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 342627700X
ISBN-13: 978-3426277003
Größe und/oder Gewicht: 13,6 x 1,8 x 20,9 cm

Inhalt gem. Droemer:
Wo Professor Boerne irrt – Deutschlands bekanntester Rechtsmediziner klärt auf
Werden Mordopfer tatsächlich von den Angehörigen in der Rechtsmedizin identifiziert? Sind Rechtsmediziner bei der Verhaftung eines Verdächtigen dabei? Nehmen sie an der Vernehmung von Zeugen teil? Und reiben sie sich vor der Obduktion Mentholpaste unter die Nasenlöcher, damit sie den Leichengeruch überhaupt ertragen können? Szenen wie diese gehören zum Standardrepertoire von Fernsehkrimis. Doch mit der Realität haben sie nur selten etwas zu tun. Meist handelt es sich um Klischees von Vorgängen im Sektionssaal. Michael Tsokos, Deutschlands bekanntester Rechtsmediziner und vielfacher Bestsellerautor, nimmt die bizarrsten Irrtümer aufs Korn. Er erläutert die teils groben Fehler und informiert unterhaltsam und spannend zugleich über die Mittel und Methoden der Rechtsmedizin.

Zum Buch:
Es gibt sie, die Irrtümer, die dem fleißigen Krimigucker untergejubelt werden.
Realität und ihre Fiktion, die der Fantasie von Autoren und Drehbuchschreibern entstammen.

Michael Tsokos, Experte auf dem Gebiet der Forensik und Professor für Rechtsmedizin, räumt mit diesem kleinen Buch mit 40 Irrtümern von ihnen auf.

Wer viel Krimis und Thriller sieht, in denen die Protagonisten auch Rechtsmediziner sind, ist sicher schon auf das ein oder andere gestoßen, ohne zu bemerken, dass es mit der Realität nichts zu tun hat.
Selbst ich kenne die Szene aus dem Film "Das Schweigen der Lämmer", in dem sich vor der Obduktion alle Beteiligten Mentholsalbe unter die Nase streichen. Für den Laien eine völlig verständliche Handhabung, die jedoch im wirklichen Leben und bei realen Obduktionen niemals angewendet werden.
Michael Tsokos erklärt hier, warum nicht nur er persönlich die Methode nicht anwendet, sondern auch, warum sie generell nicht angewendet wird.

Gleich zu Beginn des Buches klärt er erst einmal auf, was ein Rechtsmediziner ist, welcher Weg eingeschlagen werden muss, um überhaupt einer zu werden. 
Des Weiteren zeigt er den Unterschied zwischen Rechtsmediziner und Pathologen auf. Bis dato war auch für mich das ein und dasselbe.

In einigen Filmen oder Krimiserien sieht man, wie die ermittelnden Beamten plötzlich im Obduktionssaal erscheinen, dort gegessen und getrunken wird oder auch der Tote mal eben ein paar Tage auf dem Untersuchungstisch, nur mit einem Tuch abgedeckt, liegen bleibt.
Mit all diesen Klischees räumt der Autor hier auf. Er erklärt sachlich, warum bestimmte Dinge der Fantasie der Autoren entsprungen sind und diese niemals Realität sein können.
Auch räumt er mit Vorstellungen auf, die zumindest in meinem Kopf keine Rolle gespielt hätten. 

Als Leser erfährt man auch einige interessante Dinge, die einem nicht so bewusst waren. 
Wachsen nach dem Tod die Haare und die Fingernägel weiter oder kann man dem Gesicht eines Toten ansehen, ob er einen ruhigen Tod hatte? Ist Leichengift hochinfektiös und wie genau kann der Todeszeitpunkt bestimmt werden?

Auch rechnet Michael Tsokos mit den diversen Krimiserien ab, in denen beispielsweise ein Rechtsmediziner allein nicht nur die Todesursache ermittelt, sondern obendrein auch noch den Mörder findet.
Es stehen den genannten Beispielen Realität und Fiktion gegenüber.

Dieses Buch klärte mich nicht nur über die diversen Irrtümer der Rechtsmedizin auf, es unterhielt mich auch.
Zum einen wurde es mit Karikaturen versehen, die zum jeweiligen Thema passen. Zum anderen gab es tatsächlich auch Momente, in denen ich schmunzeln musste, zumindest als es um die Macken der Rechtsmediziner ging. Die Macke des Autoren selber ist echt nicht zu verachten, ich konnte mir ein breites Grinsen definitiv nicht verkneifen.

Mit seinen 183 Seiten hat man das Buch recht schnell durchgelesen. Ich fühlte mich im Anschluss gut unterhalten und konnte auch für mich einige kleine Irrtümer richtig stellen. Andere bestätigten nur, was ich schon vermutet hatte.

Das Buch ist unterteilt in 40 Kapitel, die die 40 Irrtümer wiederspiegeln. Kurz und verständlich erklärt der Autor die Irrtümer, was daran falsch ist und wie die Realität aussieht.

Ein Buch mit Informations- und Unterhaltungswert. 

Bewertung:  




Zum Autor:
(Text übernommen vom Droemer-Verlag)
Michael Tsokos, 1967 geboren, ist Professor für Rechtsmedizin und international anerkannter Experte auf dem Gebiet der Forensik. Seit 2007 leitet er das Institut für Rechtsmedizin der Charité. Seine Bücher über spektakuläre Fälle aus der Rechtsmedizin sind allesamt Bestseller.








Von Michael Tsokos wurden gelesen und rezensiert:
      


 An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich bei der 


bedanken, die mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.


Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

Donnerstag, 11. August 2016

[Rezension] Dr. Angela Fetzner - Diäten auf dem Prüfstand: Wunderwaffen oder tödliche Gefahr



Vorab ein paar Eckdaten:
Format: Kindle Edition
Dateigröße: 2971 KB
Seitenzahl: 170 Seiten

Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
Sprache: Deutsch
ASIN:
B01HO081Z4


Klappentext gem. Amazon:
Paleo-Diät, Low Carb, Atkins-Diät, Weight Watchers – es vergeht kaum ein Tag, in der nicht eine neue Diät, die jeweils „ultimative Diät“, angepriesen wird. Einen prüfenden Blick auf alle diese Diäten zu werfen und Klarheit im Diätendschungel zu verschaffen, ist daher das Ziel dieses Ratgebers. Die Autorin erläutert als unabhängige und neutrale Expertin die Vor- und Nachteile aller Diäten und erklärt, welche Diät für welchen Personenkreis geeignet ist. Das Buch ist also insofern ein Novum, da alle gängigen Diäten in einem Buch erklärt werden und diese wertfrei und objektiv besprochen werden.
Die Autorin berät und informiert als promovierte Apothekerin seit zwei Jahrzehnten zahlreiche Kunden. Als unabhängige Autorin und Apothekerin fühlt sich die Verfasserin dieses Buchs nur der Gesundheit und dem Wohl der Menschen verpflichtet.


Rezension:
Übergewicht oder nur ein paar Pfunde zu viel? In der heutigen Wohlstandgesellschaft gar kein Problem, immerhin ist Nahrung fast immer und überall verfügbar und wenn wir das Ganze realistisch betrachten, ist hochkalorische Nahrung auch noch oft günstiger als vollwertige und die allseits beliebten Fertiggerichte oder Fast-Food-Snacks passen einfach zur heutigen, schnelllebigen Gesellschaft. So wundert es nicht, wenn die Menschheit in den sogenannten Industriestaaten immer beleibter wird. Sicherlich kennen wir auch den ein oder anderen Verwandten, Bekannten oder Freund, auf den das zutrifft, wenn wir nicht gar selbst davon betroffen sind. Mit dem Gedanken an eine Diät, um diesen Zustand zu ändern, hat sich die Mehrheit der Betroffenen sicherlich auch schon befasst - aber welche nur? Es gibt so viele Diäten - wer soll hier den Überblick behalten und welche ist die richtige für einen selbst? Sie alle durchzuprobieren ist sicherlich auch nicht gesund für den Körper.

Hier tritt die Autorin des Buches auf den Plan. Dr. Angela Fetzner ist approbierte Apothekerin und hat die gängigsten und bekanntesten Diäten unter die Lupe genommen und klärt den Leser auf, was sich hinter welcher Diät verbirgt, wie deren Durchführung ist und unter welchen Voraussetzungen bzw. für welche Menschen gerade diese Diät empfehlenswert oder von welcher abzuraten ist. Genauer beleuchtet werden das Glyx-Prinzip, die Brigitte-Diät, die Low-Carb-Ernährung, die Logi-Diät, Paleo-Ernährung, die Dukan-Diät, die Atkins-Diät, die Low-Fat-Ernährung, Weight-Watchers, Trennkost, FDH, die Blutgruppen-Diät, die Formula-Diät, Monodiäten, Schlank im Schlaf, Forever Young, Fit for Fun, Fasten, Abnehmen mit Apfelessig, Nulldiät, aber auch Appetitzügler, Ballaststoffe, die Mittelmeer-Ernährung, Rohkost, Clean Eating und Fettbinder.

Das nicht jede Diät für jeden geeignet ist, ist völlig klar, ansonsten wären alle Menschen, die jemals eine Diät gemacht haben, rank und schlank und es würde den gefürchteten Jojo-Effekt nicht geben. Diejenigen, die bereits mit Diäten Erfahrungen haben, wissen, wie frustrierend eine solche sein kann - erst ist man voller Euphorie, wenn die Pfunde purzeln, da sieht man auch noch recht locker darüber hinweg, dass man in seiner Ernährung doch recht eingeschränkt ist und viele Dinge vermisst, doch wenn die Gewichtsabnahme stoppt, dann schlägt der Frust voll zu und die Diät kehrt sich ins Gegenteil um. Hier ist dann jeweils das Fazit zu ziehen - diese Diät war nicht die richtige für einen selbst, doch ist mit unter der Frust über die gescheiterte langanhaltende Gewichtsabnahme so groß, dass vorerst von weiteren Diäten Abstand genommen wird, denn der Frust lauert tiefer und länger, als die anfängliche Euphorie. Dass es in dem Moment einfach nicht das richtige Konzept für einen war - diese Feststellung kommt erst sehr spät, denn immerhin haben ja beispielsweise andere, die dieses Konzept gemacht haben, dauerhaft und nachhaltig abgenommen. Sich hier aufzuraffen, es erneut zu probieren, das ist schwer - doch wenn man soweit ist, dann sollte man sich vorher unbedingt schlau machen, welche Diät jetzt wirklich die richtige für einen ist. An dieser Stelle sei dieses Buch wärmstens zu empfehlen, denn hier bekommt der Leser die Fakten, was sich genau hinter den einzelnen Diäten verbirgt und der zukünftige Diät-Teilnehmer kann selbst entscheiden, welche Diät die richtige für einen ist - denn eine Diät ist am leichtesten durchzuhalten bzw. in den Alltag zu integrieren, die sich nicht wie eine solche anfühlt!


Klarheit im Diäten-Dschungel! Dieses Buch nimmt die derzeitig bekannten Diät-Konzepte unter die Lupe. Es klärt auf, was sich hinter den Konzepten verbirgt, wie diese angewandt werden und welche Vor- aber auch Nachteile damit einhergehen. Allerdings gibt es auch Diäten, von denen, aus gesundheitlichen Aspekten, abzuraten ist, da diese den Körper mehr schaden, als es für einen kurzen Gewichtsabnahmeerfolg vonnöten ist, denn wer will schon schlank, dafür aber krank sein? Auch wird darauf aufmerksam gemacht, dass eine Diät nur zeitlich begrenzt anzuwenden ist und neben einer Gewichtsabnahme sollte es auf jeden Fall das Ziel sein, seine Ernährung dahingehend zu ändern, Fehler der Vergangenheit auszumerzen und mit einem klareren Bewusstsein über die Ernährung seinen Weg weiter zu gehen. Abschließend kann ich sagen, dass ich die Lektüre dieses Buches als sehr lehrreich empfunden habe und auch teilweise als schockierend, denn auch mir war nicht bewusst, wie sehr man seinen Körper mitunter durch solch ein Unterfangen schädigen kann und was sich wirklich hinter manchen Konzepten verbirgt.
Bewertung

Von Dr. Angela Fetzner bereits gelesen und rezensiert: (Das Banner wird erst nach Deaktivierung des Adblockers für diese Seite sichtbar)
 
Die Autorin:
Dr. Angela Fetzner arbeitet seit 1996 bis dato als approbierte Apothekerin in öffentlichen Apotheken und Krankenhausapotheken in ganz Deutschland und der Schweiz.
Aufbaustudium der Pharmaziegeschichte in Marburg, Abschluss als Pharmaziehistorikerin, dort auch Promotion.

Als Apothekerin der Praxis - mit dem entsprechenden fachlichen Wissen durch Pharmaziestudium und zahlreiche Fortbildungen - ist es ihr Anliegen, den Menschen komplexe medizinische Sachverhalte verständlich nahe zu bringen. (übernommen von amazon)

Zur Homepage der Autorin kommt ihr hier.


Wie ich zu dem Buch kam:
An dieser Stelle möchte ich mich gerne bei



für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares bedanken.

Mittwoch, 13. Juli 2016

[Rezension] Jan Anderson / Christian Koch - Gestatten, meine Name ist Wilma Bumsen



Leseprobe




Eckdaten:
Taschenbuch: 224 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (20. Juni 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442159008
ISBN-13: 978-3442159000
Größe und/oder Gewicht: 12,5 x 2 x 18,8 cm

Inhalt gem. Goldmann:
Namen sind Glückssache. Die meisten von uns gehen in dieser Hinsicht relativ unauffällig durchs Leben, doch manchen trifft es hart. Wer mit Nachnamen Diener heißt und seinen Sohn auf den Namen Bernhard tauft, ist entweder ein großer Hundefan oder hat nicht richtig aufgepasst. Ist die Tochter Biene der Familie Maja der Sprössling einer Imkerdynastie? Wer hätte ahnen können, dass Frank Glied einmal Rohrverleger werden würde oder dass Dr. Kratzig seine Berufung als Hautarzt findet? Richtig romantisch kann es auch werden, wenn sich zwei liebende Menschen das Ja-Wort geben und nicht nur ihre Herzen, sondern auch ihre Nachnamen aneinander binden. Kerstin Schlapper-Rammelmann zum Beispiel hat es getan ... Hier kommen die schrägsten und lustigsten Namen, die es – wirklich! – gibt.

Zum Buch:
Wer weiß schon, dass die Bezeichnung des Sees Chargoggagoggmanchauggagoggchaubuna in Massachusetts die längste Ortsbezeichnung in den USA ist? Selbst die Einheimischen sprechen den indianischen Namen nicht aus und sind beim Versuch eines Schildes kläglich wegen Schreibfehler gescheitert.
Die längste Ortsbezeichnung Deutschlands beruft sich immerhin auf 40 Buchstaben und lautet: Michelbach an der Bilz-Gschlachtenbretzingen.
Europas längste Ortsbezeichnung schafft 58 Buchstaben und die längste der Welt braucht 85 Buchstaben.
   
Auch dürfte die Information nicht jedem geläufig sein, dass die Kennzeichnung C M B der Sternensinger an den Türen nicht auf die drei heiligen Könige (Caspar, Melchior, Balthasar) zurückzuführen ist. Es steht für "christus mansionem benedicat", was "Gott segne dieses Haus" übersetzt heißt.

Informationen, die man so noch nie gehört oder gelesen hat. 

Lustige und ungewöhnliche Namen kann man hier ebenfalls lesen. 
Oftmals haben die beiden Autoren die Namen in Zusammenhang mit Berufen gebracht, so gibt es Metzger die "Metzgerei Schimmel" oder "Schlachterei Opfer" heißen.
Einige von den Eltern erwählte Namen für ihre Kinder werden von den Standesämtern nicht zugelassen, wie "Crazy Horse" oder "Pfefferminze". Dahingegen gibt es Zulassungen, die man als Otto Normalverbraucher nicht nachvollziehen kann, wie "Frieden Mit Gott Allein Durch Jesus Christus". Nun ja, bis die Eltern das Kind vollständig gerufen haben, ist es mehr als um eine Ecke verschwunden.

Das Buch ist alphabetisch aufgegliedert. 
Unter dem Buchstaben Q erfährt der Leser von Quatschmacher e.V., also eingetragenen Vereinen. Da gibt es doch tatsächlich einen "Furz dich frei"-Verein oder einen, der sich "c-base" nennt. Dessen Vereinsmitglieder glauben, dass sich unter dem Alexanderplatz in Berlin Überreste einer 4,5 Milliarden Jahre alten Raumstation befindet, deren Antenne der Berliner Fernsehturm ist.
Hier möge man sich seinen Teil denken.

Zu jedem Buchstaben gibt es zuerst Beispiele, die aus dem Telefonbuch stammen. Ernst Fall, Maria Krohn und Theo Retisch mögen hier als Beispiel stehen. Einige der Namen muss man mehrfach lesen, um ihn zu verstehen, laut gesprochen jedoch erschließt er sich spätestens dann.
Informationen zum Buchstaben schließen sich an. Da kann man über Emilismus und Kevinismus lesen, wie auch über Genehmigt oder Umbenennung. Nicht alles ist lustig, sondern wirklich informativ.

Dem folgen Beispielnamen, Namen passend zu den verschiedensten Berufen, Begriffserläuterung und einige andere Merkwürdigkeiten.
Zu jedem Buchstaben gehört auch die Rubrik Spezialwissen und die für mich dort erworbenen Kenntnisse waren schon bemerkenswert.
So habe ich erfahren, dass Wolfgang Amadeus Mozart einen Kanon mit dem Titel "Leck mich im Arsch" komponiert hatte, was aber zu seinen Lebzeiten nicht aufgeführt wurde. Nach Mozarts Tod wurde es vor der Veröffentlichung umgetextet und hieß dann "Lasst froh uns sein".

Dieses Buch strotzt nur so von Informationen, die man nicht alle wissen muss, die einem aber doch ein Lächeln ins Gesicht drücken. Vieles wird man gleich wieder vergessen, anderes dagegen fest einspeichern.
Ich fand dieses Buch nicht nur humorvoll, sondern ausgesprochen informativ.
Schon allein die von den Autoren gefundenen Namen, Doppelnamen, Verbindungen von Namen und Berufen sind lesenswert.

Man spürt, welche Mühe und Arbeit sich die beiden Autoren gemacht haben. Diese Fundstücke dann auch noch in die passende Form zu bringen, ist ihnen mit dem Buch absolut geglückt.
Ich habe mich mit dem Buch wirklich gut unterhalten und empfehle es sehr gern weiter.

Bewertung:



Zu den Autoren:
(übernommen von Goldmann)
Jan Anderson und Christian Koch eint die Liebe zu ihrem Beruf. Sie machen beide »irgendwas mit Medien, aber ohne Menschen«.

Jan entdeckte in Helsinki seine Liebe zum Ä. Seine Umbenennung in Jään Ändärsään scheiterte jedoch am finnischen Namensrecht und den Öffnungszeiten des Einwohnermeldeamtes Hamburg-Eimsbüttel.

Christian erfuhr erst im Alter von 36 Jahren, dass Farin Urlaub gar kein richtiger Name ist. Er hat sich bis heute nicht von diesem Schock erholt.

Von Jan Anderson wurden gelesen und rezensiert:
 

An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich beim Verlag
bedanken, der mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.


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Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

Dienstag, 22. März 2016

[Rezension] Michel Cymes - Hippokrates in der Hölle: Die Verbrechen der KZ-Ärzte



Vorab ein paar Eckdaten:
Seitenanzahl: 208
ISBN: 978-3-806-23285-1
Erscheinungstermin: 7. März 2016
Format:
Taschenbuch
Verlag: Theiss


Klappentext gem. Theiss:
Nur zum Nutzen und nicht zum Schaden des Kranken soll jeder Arzt handeln, heißt es im Eid des Hippokrates. Doch der NS-Staat kannte eine Medizin ohne Menschlichkeit. Mord, Folter, Zwangssterilisationen, Menschenversuche - das Grauen, das Ärzte über ihre Opfer brachten, ist unvorstellbar.

Wie konnte es dazu kommen? Das fragt der Medizinjournalist Michel Cymes, der selbst Arzt ist und der seine beiden Großväter in Auschwitz verlor. Er folgt den Lebenswegen von bekannten und weniger bekannten NS-Ärzten wie Aribert Heim, Herta Oberheuser oder Josef Mengele.

Cymes berichtet von Motiven und Taten, von Geltungssucht und Habgier, von Skrupellosigkeit und Lügen. Sein Buch, das in Frankreich zum Bestseller wurde, ist mehr als eine persönliche Abrechnung, es enthüllt, wie Ärzte alle Moral über Bord werfen konnten. Und es löste einen Skandal aus. Aufgrund seiner Hinweise wurden im Juli 2015 Leichenteile aus den Experimenten des Rasseforschers Hirt an der Universität Straßburg gefunden.


Rezension:
Michel Cymes verlor seine zwei Großväter in Auschwitz. Er selbst ist ein bekannter Arzt in Frankreich, doch jahrelang trieb ihn die Frage um: wie konnten Ärzte in den Konzentrationslagern Menschenversuche machen? Widersprach dies nicht ihren eigenen Grundsätzen, denn sie alle haben den Eid des Hippokrates abgelegt? Tatsächlich ist  es so, dass Ende 1946 das Verfahren gegen rund 20 angeklagte Ärzte begann, die während der Kriegszeiten Menschenversuche in KZ-Lagern machten. Tatsächlich sind heute die wenigstens von ihnen bekannt, im Gegensatz zur damaligen NS-Prominenz, die im Rahmen des Nürnberger Prozesses verurteilt wurden.

Mit seinem Buch rückt Michel Cymes diese "Ärzte" anhand von Portraits wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit, denn auch wenn dieses Verfahren knapp 70 Jahre her ist, sollte das Leid, welches diese Menschen verursachten, nicht in Vergessenheit geraten. Sigmund Rascher zum Beispiel führte Experimente mit Hypoxie und Hypothermie in Dachau durch, Wilhelm Beiglböck führte Meerwasserversuche an Gefangenen in Dachau durch und Aribert Heim lebte in Kriegszeiten seine sadistische Ader in Mauthausen aus, wo er ohne Betäubung Gefangenen lebenswichtige Organe entnahm, nur um zu sehen, wie lange diese noch lebten. Auch August Hirt findet Erwähnung, der dutzende Menschen mit seinen Versuchen, ein Gegenmittel gegen Senfgas zu entwickeln, grauenvoll zu Tode brachte. Doch nicht nur durch diese Versuche brachte er Unschuldige zu Tode. Auch "half" er, die Straßburger Skelettsammlung zu erweitern, gerade wenn ihm im Lager Auschwitz "besonders schöne Exemplare" begegneten, auch wenn diese zu diesem Zeitpunkt noch am Leben waren.

Natürlich "darf" in den vorgestellten Portraits Josef Mengele nicht fehlen, denn dieser ist auch heute noch durch seine menschenverachtenden Versuche im Lager Auschwitz an Zwillingen und Kleinwüchsigen bekannt. Auch Carl Clauberg, der für seine Zwangssterilisationen bekannt wurde und Erwin Ding-Schuler, der seine Fleckfieberexperimente im KZ Buchwald durchführte, finden Erwähnung, ebenso als einzige Frau Herta Oberheuser, die im KZ Ravensbrück Versuche mit Sulfonamiden an Menschen durchführte.

Abschließend bleibt zu sagen - es handelt sich hierbei um Portraits der jeweiligen "Ärzte", die versuchen zu ergründen, wie es kam, dass diese Ärzte, die den Eid des Hippokrates geschworen haben, diesen wissentlich und mehrfach auf grausamste Art und Weise gebrochen haben. Eine Erklärung zu finden, war hier sicherlich nicht möglich, denn solche Verhaltensweisen lassen sich nur schwerlich erklären und was ich noch viel schlimmer fand, waren die Informationen, die man so "nebenbei" erfuhr, zum Beispiel, dass sicherlich viel Leid hätte erspart werden können, wenn es Heinrich Himmler nicht gegeben hätte, der eine Affinität zur Medizin besaß und sich als Beschützer der Wissenschaft gesehen hat und so jedwede Experimente an Menschen genehmigte. Oder auch das Wissen, dass eine schwangere Jüdin nur eine Chance hatte, in einem Konzentrationslager zu überleben (wenn sie nicht gleich, auf Grund einer fortgeschrittenen Schwangerschaft selektiert wurde) - sie musste das Kind austragen, wurde zur Geburt von anderen Frauen versteckt, die umgehend nach der Geburt das Kind töteten, denn nur wenn es sich um eine "Totgeburt" handelte, hatte die Mutter eine Chance, zu überleben. Überlebte das Kind die Geburt, wurde es zusammen mit seiner Mutter selektiert.


"Bei meiner Aufnahme in den ärztlichen Berufsstand gelobe ich feierlich, den Geboten der Ehre und Redlichkeit treu zu sein. (1. Satz des Eides des Hippokrates / S. 16)! Große Worte, die gerade zu Zeiten des NS-Regimes ohne Ende gebrochen wurden, denn war es nicht so, dass diese Ärzte nicht in erster Linie Soldaten (die Befehle befolgen mussten) und dann erst Ärzte waren? Nein - das ist ein Fazit, dass jeder normal denkende Mensch zieht, gerade wenn er in diesem Buch erfährt, wie viele dieser "Ärzte" unter ohnehin schon menschenunwürdigen Zuständen die grausamsten Experimente durchführten, die Tausende zu Tode brachten. Der Schreibstil ist sehr sachlich und nüchtern gehalten, was mich ehrlich gesagt sehr verwundert hat, denn ich konnte bei der Lektüre des Buches nicht so ruhig bleiben und gerade im Hinblick auf die eigene familiäre Tragödie des Autors muss ich diesen umso mehr bewundern. Dieses Buch bekommt von mir eine klare Kaufempfehlung, denn mögen die Ereignisse auch schon über 70 Jahre her sein, so sollten sie nie in Vergessenheit geraten und man sich immer der Opfer erinnern, die durch diese sinnlosen Experimente ihr Leben verloren haben.



Bewertung

Der Autor:
Michel Cymes ist Arzt in einem Pariser Krankenhaus. Seit über einem Jahrzehnt moderiert er eine der beliebtesten Gesundheitssendungen im französischen Fernsehen. In seinem Buch »Hippokrates in der Hölle« wurde erstmals einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, dass die beiden Großväter von Cymes in Auschwitz ums Leben kamen.  (übernommen von Theiss)


Wie ich zu dem Buch kam:
An dieser Stelle möchte ich mich gerne beim Verlag



bedanken, der mir dieses wundervolle Buch zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt hat.

Mittwoch, 11. November 2015

[Rezension] Michael Tsokos - Der Totenleser


Vorab ein paar Eckdaten:
Seitenanzahl: 256
ISBN: 978-3548373423
Erscheinungstermin: 8. September 2010
Format: Taschenbuch
Verlag: Ullstein


Klappentext gem. Ullstein:
Nahezu täglich hat Michael Tsokos es mit Toten zu tun, die auf spektakuläre Weise ums Leben gekommen sind und die Frage aufwerfen: War es Suizid, war es ein Unfall ? oder war es Mord? In seinem zweiten Buch ist der bekannte Rechtsmediziner dem Tod erneut auf der Spur und schildert weitere unglaubliche Fälle aus eigener Erfahrung.


Rezension:
Prof. Dr. Michael Tsokos ist der Leiter des für Rechtsmedizin an der Berliner Charité und somit könnte man glatt sagen: Der Tod ist sein Geschäft. Unvorstellbar scheint es anzumuten, was Menschen anderen Menschen antun können und dennoch geschehen unvorstellbar grausame Verbrechen tagtäglich. Schlussendlich landen diese Fälle (optimalerweise) auf dem Sektionstisch eines Rechsmediziners.

In diesem Buch werden 12 Fallbeispiele genannt, die Prof. Dr. Michael Tsokos in seiner langjährigen Karriere "auf den Tisch" gekommen sind. Besonders beeindruckt haben mich hier:

Ein Mann rast mit seinem Auto in Tötungs- und auch Selbstmordabsicht in den Blumenladen seiner geschiedenen Frau. Das eigentliche Drama verbirgt sich jedoch in der Gartenhütte des Mannes - dort hat er seine derzeitige Frau aufs grausamste gefoltert und ihr sogar die Augen entfernt - doch sie überlebte. Was sich wirklich dahinter verborgen hat?

In einem Binnenhafen wird die Leiche eines Mannes gefunden. Die Leiche weist vier Messerstiche im Brustbereich auf, allerdings keinerlei Abwehrverletzungen. Welch schreckliche Tragödie sich hinter dem Tod des jungen Mannes verbirgt und wer schlussendlich verantwortlich für dessen Tod ist, stellt sich erst im Laufe der Ermittlungen heraus.


Interessante Fallbeispiele! Wie bereits beschrieben, handelt es sich bei diesem Buch um ein "Sachbuch", welches 12 Fallbeispiele der rechtsmedizinischen Karriere von Prof. Dr. Michael Tsokos dokumentiert. All diese Menschen kamen durch Unfälle (zum Beispiel bei einem autoerotischen Liebesspiel) oder durch Menschenhand ums Leben - einen natürlichen Tod ereilte in diesen Fällen niemanden. Die Beispiele wurden für einen Laien verständlich und klar dargestellt, sodass ich keine Probleme hatte, den Ausführungen zu folgen. Etwas enttäuscht war ich allerdings von der Auswahl der Fälle - wahrscheinlich waren meine Erwartungen einfach zu hoch, denn von Michael Tsokos bin ich bisweilen ganz andere Kaliber gewohnt, diese hier wirkten glatt etwas "zahm".

Bewertung

Von Michael Tsokos bereits gelesen und rezensiert: (Es ist erst alles sichtbar, wenn der Adblocker für diese Seite ausgestellt wird)



Der Autor: 

Michael Tsokos, 1967 geboren, ist Professor für Rechtsmedizin und international anerkannter Experte auf dem Gebiet der Forensik. Seit 2007 leitet er das Institut für Rechtsmedizin der Charité. Seine Bücher über spektakuläre Fälle aus der Rechtsmedizin sind allesamt Bestseller.
(Text übernommen vom Droemer-Verlag)


Wie ich zu dem Buch kam:
Das Buch habe ich mir im Rahmen einer Lesung gekauft.

Dienstag, 27. Oktober 2015

[Rezension] Michael Tsokos - Die Klaviatur des Todes



Vorab ein paar Eckdaten:
Seitenanzahl: 336
ISBN: 978-3426276020
Erscheinungstermin: 1. März 2013
Format: Hardcover
Verlag: Droemer


Klappentext gem. Droemer:
Ein tätowierter Männertorso in einem Koffer –
wer ist der Tote, und wie kam er ums Leben? Eine ­grausam verstümmelte Frauenleiche – war es ein brutales Sexualverbrechen? Ein Ehepaar mit schweren Vergiftungssymptomen – standen die beiden auf der Todesliste des russischen Geheimdiensts?
Der renommierte Rechtsmediziner Michael Tsokos wird immer dann von den Ermittlungsbehörden hinzugezogen, wenn sie bei ihrer Aufklärungsarbeit rechtsmedizinische Expertise benötigen. Hier stellt er seine spektakulärsten Fälle vor.


Rezension:
Prof. Michael Tsokos ist der führende Rechtsmediziner Deutschlands. In diesem Buch zeigt er das Facettenreichtum seines Berufsbildes bzw. des Todes allgemein auf. Für Laien verständlich, berichtet er von der Geschichte der Rechtsmedizin und das Deutschland noch immer eines der führenden Länder in dieser Wissenschaft ist. Doch er belässt es nicht nur bei der Theorie. Anhand vieler Beispiele berichtet er über seine Arbeit und wie diese den Ermittlungsbehörden hilft, einen Täter für einen Mord zu ermitteln.

So berichtet er zum Beispiel von einem Leichenfund bzw. vom Fund von Leichenteilen in mehreren Koffern. Zuerst wird der Torso gefunden, anschließend die Extremitäten - nur der Kopf bleibt vorerst verschwunden. Eine genaue Todesursache kann anhand der gefundenen Leichenteile nicht festgestellt werden und auch die Identität des Opfers ist noch unbekannt. Doch der Mann hatte unverkennbare Merkmale - er war stark tätowiert. Tatsächlich gelingt es den ermittelnden Behörden auf einer entsprechenden Convention, anhand von Fotos, das Opfer zu identifizieren und so schlussendlich dem Täter Schritt für Schritt näher zu kommen, doch erst der Fund des Kopfes offenbart das genaue Ausmaß des Verbrechens.

Doch nicht nur von Gewalttaten berichtet Michael Tsokos. Auch mit Selbsttötungen und Unfällen hat er zu tun. So zum Beispiel Tötungen bzw. Unfälle durch Kohlenmonoxid, einem geruchslosen Gas, durch das auf tragische Weise versehentlich viele Menschen (gerade zu Zeiten, als es noch keine Zentralheizungen gab) umkamen, was jedoch auch von vielen Menschen genutzt wurde und nach wie vor wird, um den Freitod zu wählen, ja erschreckender noch, es gibt sogar Communitys im Internet, die sich mit (bevorstehenden) Selbstmorden auseinander setzen und wo sich die User zu einem gemeinschaftlichen Selbstmord verabreden können.


Erschreckende Wirklichkeit! Dieses Buch ist mit unter nicht nur ein "normales" Sachbuch, es ist tatsächlich eine Sammlung dessen, was gesehen ist und zeigt deutlich auf, was Menschen anderen Menschen antun können, teils aus den niedersten Beweggründen. Neben den oben genannten Fällen erschreckte mir vor allem ein Fall, der in diesem Buch beschrieben wurde, über eine Frau, die an ihrem Sohn das Münchhausen-Stellvertretersyndrom ausübte und dieses Kind so mehr als einmal in akute Lebensgefahr brachte. Fakt ist, die geschilderten Fälle muteten so unglaublich an, dass ich mir immer wieder während des Lesens sagen musste "Es ist real, es ist keine Fiktion" und es führte mir vor Augen, wie niederträchtig manche Menschen sein können, doch eines ist gewiss, dank der Arbeit der Rechtsmediziner bleiben diese Taten nicht unentdeckt und die Täter können zur Rechenschaft gezogen werden.

Bewertung

Von Michael Tsokos bereits gelesen und rezensiert: (Es ist erst alles sichtbar, wenn der Adblocker für diese Seite ausgestellt wird)



Der Autor:

Michael Tsokos, 1967 geboren, ist Professor für Rechtsmedizin und international anerkannter Experte auf dem Gebiet der Forensik. Seit 2007 leitet er das Institut für Rechtsmedizin der Charité. Seine Bücher über spektakuläre Fälle aus der Rechtsmedizin sind allesamt Bestseller.
(Text übernommen vom Droemer-Verlag)

Wie ich zu dem Buch kam:
Das Buch habe ich geschenkt bekommen.