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Samstag, 4. Juni 2016

[Rezension] Christine Kabus - Insel der blauen Gletscher




Leseprobe



Eckdaten:
Taschenbuch: 624 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (Bastei Lübbe Taschenbuch); Auflage: Aufl. 2015 (15. Januar 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404171543
ISBN-13: 978-3404171545
Größe und/oder Gewicht: 12,3 x 4,3 x 18,5 cm

Inhalt gem. Bastei Lübbe:
Zwei Frauen, eine atemberaubende Landschaft und ein dunkles Geheimnis, das hundert Jahre unter dem Eis verborgen lag ...
Spitzbergen, 2013. Um für eine Reisereportage zu recherchieren, begibt sich die Journalistin Hanna auf den einsamen Archipel jenseits des Polarkreises. Dort lernt sie den Polarforscher Kåre Nybol kennen, dessen humorvolle Art ihr sogleich sympathisch ist. Gemeinsam erkunden sie die einzigartige Landschaft Spitzbergens – und kommen sich dabei allmählich näher. Doch als sie eine längst verlassene Bergbausiedlung am Kongsfjord besichtigen, macht Hanna im geschmolzenen Gletschereis einen grausigen Fund, hinter dem sie eine spannende Story wittert. Gemeinsam mit Kåre taucht sie tief in die Vergangenheit des entlegenen Archipels ein …
Ruhrgebiet, 1907. Statt dem Wunsch ihrer Eltern zu folgen und sich einen Ehemann zu suchen, schließt die burschikose Emilie einen Pakt mit ihrem jüngeren Bruder Max: Sie wird an seiner Stelle an der geplanten Arktisexpedition teilnehmen. Als Mann verkleidet schließt sie sich der Expeditionsgruppe an. Doch schon bald ahnt sie, dass sie nicht die einzige ist, die etwas zu verbergen hat. Ganz offensichtlich nehmen die Männer aus ganz unterschiedlichen Motiven an der Reise teil – und mindestens einer von ihnen hütet ein dunkles Geheimnis, dessen Aufdeckung er um jeden Preis zu verhindern sucht …

Zum Buch:
2013: Hannas Mann ist von einem Tag auf den anderen mit einer anderen abgehauen, während sie sich noch in Sicherheit wähnte und dachte, dass alles in Ordnung wäre.
Die Kinder sind aus dem Haus, der Mann weg, Zeit, sich wieder eine Arbeit zu suchen. Sie war früher leidenschaftliche Reisereporterin und versucht, wieder in diesem Beruf Fuß zu fassen, was ihr auch gelingt.
Auch wenn der erste Auftrag darauf fußt, dass niemand anderes ihn übernehmen wollte, denn es sollte nach Norwegen gehen und anschließend nach Spitzbergen. Nicht gerade eins der Ziele, die Hanna sich ausgesucht hätte und doch übernimmt sie den Job.
1907: Emilie ist eine gebildete junge Frau und hofft, dass sie sich eines Tages ihren Mann selbst aussuchen kann. Das unterbindet jedoch ihr Vater, indem er ihr den passenden Mann schon ausgesucht hat.
Ihr jüngerer Bruder Max hat die Gelegenheit, im Auftrag seines Professors Studien in Norwegen zu betreiben, nur leider ist er nicht der Mensch dazu. Schon allein die Überfahrt mit dem dem Schiff wird ihm sicher zu schaffen machen, so dass er panische Angst vor diesem Auftrag hat. 
Emilie, die der Begegnung mit dem zukünftigen Auserwählten entgehen will, tauscht nach langem Zureden seitens Max den Platz mit ihm. Er bleibt bei ihrer Tante, bei der sich Emilie zur Zeit aufhält und sie unternimmt die Arktisexpedition für ihn, nicht wissend, dass sie sich in Gefahr begibt und ihr akribisch ausgedachter Plan über die Unkenntnis ihres Vaters schnöde versagt...

Das ist bereits das zweite Buch, das ich von der Autorin Christine Kabus lese. Wie schon in dem ersten Buch arbeitet sie auch hier wieder in verschiedenen Zeitebenen.
Lange laufen die beiden Stränge 2013 und 1907 parallel und es ist nicht erkennbar, wo die beiden sich annähern könnten. Erst zum Ende des Buches lassen sich die Übergänge und Zusammenhänge erkennen.

Die Autorin erzählt zwei völlig unabhängige Geschichten. 
Im Jahr 2013 sieht Hanna, Hausfrau und Mutter, sich genötigt, wieder von vorn anzufangen. Hanna nimmt einen Auftrag an, der sie in ein Land führt, von dem sie nicht viel weiß, außer dass es die meiste Zeit des Jahres dort kalt und dunkel ist. Abgesehen von der Zeit, in der es so gar nicht dunkel wird, wo die Nacht zum Tag gemacht wird.
Aber dort einmal angekommen, besinnt sie sich bald eines besseren. Kåre Nybol, den sie anfangs für einen Hausmeister hielt, der aber Polarforscher ist, zeigt ihr, wie schön sein Land ist. Gemeinsam mit ihm kommen sie auch Dingen auf die Spur, die seit 100 Jahren im Dunklen liegen.

Mehr als hundert Jahre zuvor macht sich Emilie für ihren Bruder Max auf den Weg auf eine Arktisexpedition. Sie wird dort für ihn die Arbeiten erledigen, die ihm auferlegt wurde. Unter anderem wird sie dort Pflanzen sammeln, so sie denn in dem unwirtlichen Land welche finden würde.
Es gelingt ihr mühelos, so gut wie jeden zu täuschen, dass sie ein Mann ist, denn als solcher nimmt sie bei der Expedition teil. Keine Arbeit ist ihr zu schwer, im Gegenteil, schafft sie doch teilweise mehr als die Männer.
Selbst ihr angeblich Zukünftiger ist mit auf der Expedition, dem sie sich jedoch ebenfalls nicht zu erkennen gibt. Mit den meisten Männern kommt sie klar, nur der wortkarge Arne hat es ihr angetan, für ihn empfindet sie mehr als erlaubt. Aber er ist auch der Erste, der das gemeinsame Schiff verlässt. Das eigentliche Abenteuer beginnt nun auch für sie, das ihr fast das Leben kostet.

Die beiden Protagonistinnen Hanna und Emilie trennen mehr als 100 Jahre. Beides sind starke Persönlichkeiten, die nicht den einfachen Weg gehen. Eine einmal gefällte Entscheidung wird bis zum Schluss durchgezogen.

Selbst wer noch nicht in Norwegen gewesen ist, fühlt sich nach der Lektüre dort nicht fremd. Christine Kabus gelingt es mit Leichtigkeit, den Leser an die Hand zu nehmen und ihm das Land, die Menschen und die Kultur dort näher zu bringen. Die Beschreibungen sind unglaublich genau, so dass man sich förmlich an Ort und Stelle versetzt fühlt. Man fühlt mit, spürt die Kälte und leidet mit an der nicht untergehenden Sonne.

Die beiden Handlungen wechseln sich im Buch immer ab. Es gab Stellen, da hätte ich am liebsten ein Kapitel übersprungen, nur weil ich wissen wollte, wie es weitergeht. Aber auf die Art und Weise wird man durch das Buch gepeitscht, weil man es immer nicht aus der Hand legen mag.

Die einzelnen Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet. Mit vielen von ihnen fühlt man sich verbunden, mag sie auf Anhieb. Natürlich gibt es auch die anderen, aber auch die sind authentisch widergegeben. 
Es macht einfach Spaß, sich auf das Buch einzulassen, eine fremde Welt kennenzulernen und gemeinsam mit Hanna ein Geheimnis zu lüften, das seit 100 Jahren darauf wartet, entschlüsselt zu werden. 
Trotz der mehr als 600 Seiten kommt keine Langeweile auf, findet man keine Längen im Buch. Einmal angefangen, gibt es kein Entkommen.

Ein Buch, das ich sehr gern weiterempfehle.  


Bewertung:


Zur Autorin:

(übernommen von Bastei Lübbe)
Christine Kabus, 1964 in Würzburg geboren, arbeitete nach ihrem Studium der Germanistik und Geschichte als Dramaturgin und Lektorin bei verschiedenen Film- und Theaterproduktionen, bevor sie sich 2003 als Drehbuchautorin selbstständig machte. 

Schon als Kind zog sie der hohe Norden, den sie zunächst durch die Bücher von Astrid Lindgren und Selma Lagerlöf kennenlernte, in seinen Bann. Vor allem die ursprüngliche, mythische Landschaft Norwegens beflügelte ihre Phantasie. Sie begann, die Sprache zu lernen und sich intensiv mit der Geschichte Norwegens zu beschäftigen. Ihr erster Roman IM LAND DER WEITEN FJORDE ist eine Hommage an dieses faszinierende Land.

Von Christine Kabus wurden gelesen und rezensiert:
    

An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich beim Verlag
bedanken, der mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

Montag, 17. Februar 2014

[Rezension] Christine Kabus - Töchter des Nordlichts




Leseprobe



Eckdaten:
Taschenbuch: 560 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (Bastei Lübbe Taschenbuch); Auflage: Aufl. 2014 (14. Februar 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404168844
ISBN-13: 978-3404168842
Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 12,6 x 3,6 cm

Inhalt gem. Bastei Lübbe:
DURCH EIN JAHRHUNDERT GETRENNT, DURCH EINE GEMEINSAME GESCHICHTE VEREINT ...
Oslo, 2011. Nora ist Mitte dreißig, als sie den Namen ihres Vaters erfährt: Ánok, ein samischer Student, der damals plötzlich aus dem Leben ihrer Mutter verschwand. Nora spürt, dass sie ihr Glück erst finden wird, wenn sie in die Heimat ihres Vaters reist. Doch die Sami und ihre Kultur erscheinen ihr lange fremd. Bis sie auf den charismatischen Hundezüchter Mielat trifft ...
Finnmark, 1915: Mit neun Jahren endet das friedliche Nomadenleben des Sami-Mädchens Áilu: Auf der Wanderung zu den Sommerweiden wird sie von norwegischen Beamten verschleppt und in ein Internat gesteckt, wo sie zu einem zivilisierten Mädchen geformt werden soll. Tatsächlich verleugnet Áilu lange ihre Herkunft. Doch der Ruf ihrer Heimat lässt sich nicht für immer zum Verstummen bringen ...

Zum Buch:
Finnmark 1915: Gerade als Áilu, das kleine Sami-Mädchen denkt, dass sie ihrem Vater eine große Stütze ist und er sich an ihr als Hilfe erfreut, wird sie während der jährlichen winterlichen Rentierwanderung den Eltern von den staatlichen Behörden entrissen und in ein Heim gesteckt. Sie ist dort nicht allein, viele Kinder der Samis wurden eingesammelt und sollen dort lernen. Sie fühlen sich verloren, denn niemand nimmt sie in den Arm oder spricht auf samisch mit ihnen, dort gibt es nur die Sprache der Norweger und die beherrschen die Sami nicht. Sie bekommen andere Namen, so dass aus Áilu Helga wird, werden geschlagen und drangsaliert vom Personal. Menschlichkeit gibt es dort nicht.
Áilu, die der Meinung ist, dass ihre Eltern sie vergessen und abgeschrieben haben, beginnt diese zu hassen. Sie will flüchten, aber es kommt anders, sie wird in ein Waisenheim auf einer Insel untergebracht, obwohl sie immer verlauten lässt, dass sie keine Waise ist.
Nach einigen Jahren wird sie schließlich von Gunnar und Solveig adoptiert und ihr Schicksal scheint sich zu wenden ...

Oslo 2011: Nora erfährt erst jetzt im Erwachsenenalter von ihrer Mutter, wer ihr Vater ist und dass sie samische Vorfahren hat. Ihre Mutter hatte seit ihrem Weggang aus dem Elternhaus keinen Kontakt mehr zu ihnen. Nun lebt nur noch ihr Bruder und sie hat Bedenken, mit ihm in Kontakt zu kommen. Nora ist da weniger sensibel und macht ihn ausfindig. Kurz darauf fährt Nora mit ihrer Mutter zu deren Bruder und dort müssen sie dann eine Wahrheit aufnehmen, die alles ändert. Nora und ihr damaliger Freund Ánok, ein Sami, fielen der Intrige ihres Vaters zum Opfer. Er hatte verhindert, dass diese ein Paar werden. 
Nora recherchiert, wo ihr Vater abgeblieben sein könnte und sie machen sich auf den Weg zu ihm. Leider kommen sie zu spät, denn er war gerade verstorben. Ihre Großmutter und auch Ánoks Bruder nehmen sie gern in die Familie auf und auch hier treffen sie wieder auf eine Lüge ihres Großvaters.
Aber nicht jeder ist erfreut über das Auftauchen von Nora und ihrer Mutter ...

Eine wunderschöne einfühlsame Geschichte, die in Norwegen spielt.

Die Geschichte spielt in 2 Zeitebenen, 1915 und 2011.
Die Geschehnisse ab 1915 erzählen von dem samischen Mädchen Áilu, die ihren Eltern entrissen wurde und Helga genannt wurde. Eine geschichtsträchtige Zeit, in der die Norweger massiv gegen die Ureinwohner und Minderheit der Sami, früher die Lappen genannt, vorgegangen sind. 
Dieser Konflikt wurde zwar später ein wenig im Buch angesprochen, aber für meinen Begriff zu spät, so dass mir anfangs die Informationen darüber fehlten, warum sie die Kinder den Eltern weggenommen haben. So sah ich mich genötigt, mir die Informationen vorab bei Google einzuholen, um die Zusammenhänge begreifen zu können. An der Stelle hätte ich mir ein wenig mehr Informationen gewünscht.
Áilu, die lange nicht akzeptieren will, dass sie nunmehr Helga sein soll, kann ihre samischen Wurzeln lange nicht verleugnen. Jahre später lebt sie eine Lüge, indem sie ihre Herkunft verleugnet, was ihr aber auch kein Glück bescheren sollte. Die Vorurteile der Minderheit gegenüber hat sich festgesetzt in den Köpfen der Menschen.

Aber auch gegen Ende des 20. Jh., ja selbst bis ins 21. Jh. hinein bestehen diese Vorurteile. Noras Großvater, den sie nie kennenlernte, verhinderte seinerzeit, dass ihre Eltern ein Paar werden konnte. Durch gezielt eingesetzte Lügen gab es für die beiden keine Zukunft.
Als Nora nun die Familie ihres Vaters kennenlernt, muss sie feststellen, dass auch aus der Reihe der Sami Vorbehalte den Norwegern gegenüber bestehen und auch diese vehement bekämpft werden.
Aber auch der Liebe begegnet Nora dort und das in Form eines Sami.

Sehr gelungen erzählt die Autorin die beiden Geschichten, die von Vergangenheit und Gegenwart, die sich zu einem logischen Ende vereinen. Sie erzählt aber nicht nur die Lebensgeschichte der kleinen Áilu, sondern zeigt auch ganz offen den Konflikt zwischen Sami und Norwegern auf, der sich bis in die Gegenwart zwar in den Köpfen der Menschen gehalten hat, dieser aber auf politischer Ebene entschärft wurde.
Es ist eine Geschichte um Liebe und Verrat, Vertrauen und Fürsorge, aber auch eine des Neides, der Eifersucht und der Lügen. 
Die geschichtlichen Details wurden sehr gut recherchiert und können vom Leser sehr gut nachvollzogen werden.
Obwohl dieses Buch unabhängig zum Buch "Im Land der weiten Fjorde" gelesen werden kann, habe ich im Nachhinein bedauert, dass ich die Vorgeschichte von Nora nicht kannte. Leider ist mir das erst nach der Lektüre bewusst geworden, dass es bereits einen Band dazu gab.
Aber das schmälerte meinen Spaß am Lesen in keinster Weise.
Ich hatte viel Lesevergnügen mit dem Buch und empfehle es sehr gern weiter.

Bewertung:


Zur Autorin:

(übernommen von Bastei Lübbe)
Christine Kabus, 1964 in Würzburg geboren, arbeitete nach ihrem Studium der Germanistik und Geschichte als Dramaturgin und Lektorin bei verschiedenen Film- und Theaterproduktionen, bevor sie sich 2003 als Drehbuchautorin selbstständig machte. 

Schon als Kind zog sie der hohe Norden, den sie zunächst durch die Bücher von Astrid Lindgren und Selma Lagerlöf kennenlernte, in seinen Bann. Vor allem die ursprüngliche, mythische Landschaft Norwegens beflügelte ihre Phantasie. Sie begann, die Sprache zu lernen und sich intensiv mit der Geschichte Norwegens zu beschäftigen. Ihr erster Roman IM LAND DER WEITEN FJORDE ist eine Hommage an dieses faszinierende Land.


Von Christine Kabus wurden gelesen und rezensiert:
    

An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich beim Verlag
bedanken, der mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Danke, dass ihr vorbei geschaut habt