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Freitag, 7. August 2015

[Rezension] Brigitte Janson - Holunderherzen



Leseprobe



Eckdaten:
Taschenbuch: 336 Seiten
Verlag: List Taschenbuch (7. August 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548612873
ISBN-13: 978-3548612874
Größe und/oder Gewicht: 12,8 x 3,3 x 18,9 cm

Inhalt gem. List:
Nach einer gescheiterten Beziehung hat Anne die Nase voll von der Liebe und hofft auf die heilende Wirkung ihrer Tante. Die eigenwillige Tilly ist das schwarze Schaf der Familie und Annes großes Vorbild. Doch Tilly scheint selbst nicht ganz auf der Höhe zu sein: Ihr Öko-Hof in der Lübecker Bucht ist halb verlassen, einzig ihr Mops Hugo leistet ihr Gesellschaft. Hinter der spröden Fassade ihrer Tante entdeckt Anne eine verletzliche Frau, die oft zerstreut wirkt. Anne beschließt zu bleiben und den wild wachsenden Holunder auf Tillys Hof zur neuen Einnahmequelle zu machen. Dabei wird sie tatkräftig unterstützt vom Fischer Thies, und auch der Landarzt Carsten lässt sich überraschend oft blicken. Vielleicht ist in Sachen Liebe ja doch noch nicht alles zu spät?

Zum Buch:
Anne, um die 40, betreibt einen Cateringservice, den sie gemeinsam mit ihrer Kollegin und besten Freundin Gesa betreibt. Die Arbeit macht ihr großen Spaß, lenkt sie sie auch von ihrem privaten Umfeld ab.
Ihr Freund hat gerade Schluss gemacht und sie wird nicht fertig damit, Tränen seinetwegen zu vergießen. Gesa versucht sie zu trösten, so gut es geht. Selbst ihre Eltern wollen nur das beste und bieten Anne an, doch wieder zu ihnen nach Hause zu ziehen. 
An dem Punkt angekommen, überlegt sie sich ernsthaft, das Angebot ihrer Tante Tilly, die sich als schwarzes Schaf der Familie einen Namen gemacht hat, anzunehmen und zu ihr in die Lüneburger Heide, ins Holunderdorf zu ziehen.

Tilly, über 70 Jahre alt, wollte dieses gemeinsam mit 5 anderen Freunden aufbauen, aber diese Freunde haben sie einer nach dem anderen verlassen, so dass sie in einem Wohnwagen allein dort lebt. Tilly ist nun aber auch nicht der Typ, der leicht mit anderen Menschen kann, ganz im Gegenteil. Das einzige Lebewesen, das sie abgöttisch liebt und an sich heranlässt, ist ihr Mops Hugo. Zu den Menschen findet sie schwer Zugang, aber das liegt eher an ihrer mürrischen und herrischen Art, die bei anderen nicht unbedingt auf Zustimmung stößt. Aber das ist ihr egal, sie ist eigenbrötlerisch und will allein sein, meistens jedenfalls.
Es gibt niemanden, mit dem sie nicht zusammenstößt.
Vorneweg sei genannt Dr. Carsten Sörensen, Arzt vor Ort, der sich erdreistet hat, ihren Mops Hugo zu überfahren, naja, fast zumindest. Er hat sein eigenes Päckchen zu tragen. Er ist Witwer und lebt mit seiner Tochter Kyra allein, lässt aber emotional ebenfalls niemanden an sich heran. Kyra ist die Einzige, die Zugang zu Tilly findet.
Thies Arens, ein ehemaliger Fischer, wortkarg, hat sich in Tilly verguckt, wird bei ihr regelrecht redseelig, wenn bei einem Satz mit 5 Worten schon von geschwätzig die Rede sein kann. Er macht ihr Geschenke und sie spricht ihn immer mit "alter Mann" an. 
Die Leute aus dem Dorf halten sie für eine komische Alte, die ursprünglich ein Hippiedorf schaffen wollte.

Anne, die ihre Tante Tilly immer bewunderte, bricht alle Zelte in Hamburg ab und macht sich auf den Weg ins Holunderdorf. Dort trifft sie auf Carsten Sörensen und schon sind alle Vorsätze bezüglich Männer vergessen. Aber er ist seelisch verkrüppelt und lässt auch Anne nicht an sich ran. Aber mit Kyra, seiner Tochter versteht sie sich blendend.

Als sie den herrlichen Holunderstrauch sieht, macht sich Anne Gedanken, wie sie die Früchte verwenden kann. Sie beschließt, ein Café zu eröffnen und dort Kuchen und anderes aus Holunder gefertigtes anzubieten. Dieses Café möchte sie in dem "Schiefen Stübchen" einrichten, dem einzigen Ort, der soweit rekonstruiert wurde, dass man daraus was machen könnte. Nachdem die Idee geboren wurde, musste sie nur noch umgesetzt werden.

Die Bücher der Autorin Brigitte Janson / Brigitte Kanitz / Brigitte Jacobi sind bis jetzt ein Garant für Unterhaltung gewesen, so auch dieses Buch.
Die Protagonisten haben fast alle irgendeine Eigenart an sich, die man schon als Macke bezeichnen könnte. Aber sie passen zueinander, es macht sie menschlich und liebenswert.
Niemand macht sich seine Entscheidungen leicht, einige dauern etwas länger, andere hätte man lieber nicht getroffen.

Obwohl es ein ausgesprochen unterhaltsamer Roman ist, bei dem ich desöfteren über Tilly und ihr freches Mundwerk grinsen musste, nach dem Motto rauh, aber herzlich, gibt es auch ernstere Töne, die von Krankheit geprägt sind. Das machte mich betroffen, aber nötigte mir auch Respekt ab, was bestimmte Entscheidungen anging.

Ich habe die Protagonisten in mein Herz geschlossen und zwar alle, wie sie sind. Bei Annes Eltern musste ich ein paar Abstriche machen, aber die fallen nicht sehr ins Gewicht. Jeder mit seinen Ecken und Kanten hat dazu beigetragen ist, dass man hier ein Buch in der Hand hat, das man mit Spaß lesen kann.
Die Autorin hat ihre Handlung in die Lübecker Bucht angesiedelt und diese dem Leser vertraut gemacht.

Ich habe mich mit diesem Buch sehr gut unterhalten gefühlt, meinetwegen hätte es noch ein paar Seiten mehr haben können, aber vielleicht gibt es ja mal eine Fortsetzung mit Kyra als Protagonistin? Zu wünschen wäre es.
Es ist ein Buch, das man erst aus der Hand legen mag, wenn man es durchgelesen hat und das ich sehr gern weiterempfehle. 


Bewertung:



Zur Autorin:

(Text von Blanvalet)
Brigitte Kanitz, Jahrgang 1957, hat nach ihrem Abitur in Hamburg viele Jahre in Uelzen und Lüneburg als Lokalredakteurin gearbeitet. Die Heide und ihre Menschen hat sie dabei von Grund auf kennen- und lieben gelernt. Sie tanzte auf Schützenfesten, interviewte Heideköniginnen, begleitete einen Schäfer mit seinen Heidschnucken über die lilarote Landschaft und trabte mit der berittenen Polizei durch den Naturschutzpark rund um Wilsede. Inzwischen lebt und schreibt sie in Italien.





An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich beim Ullsteinverlag 

bedanken, der mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. 

Von Brigitte Kanitz / Brigitte Janson wurden gelesen und rezensiert:



Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

Mittwoch, 7. Januar 2015

[Rezension] Brigitte Janson - Winterapfelgarten



Leseprobe



Eckdaten:
Taschenbuch: 336 Seiten
Verlag: List Taschenbuch (10. Oktober 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 354861230X
ISBN-13: 978-3548612300
Größe und/oder Gewicht: 11,8 x 3,1 x 19 cm

Inhalt gem. List-Verlag:
Claudia Konrad ist außer sich. Mit 51 soll sie plötzlich zu alt sein für ihren Job in einer Parfümerie? Nicht besser geht es ihrer Tochter Jule, die nach einem schrecklichen Unfall kaum noch das Haus verlässt. Ihre Freundin Sara ist dagegen müde – von ihrer langweiligen Ehe. Schluss damit, jetzt wird alles anders, denken sich die Freundinnen und ziehen auf einen Apfelhof im Alten Land. Tolle Idee, aber Gebäude können morsch, Äpfel wurmstichig und attraktive Nachbarn eigenbrötlerisch sein. Die Katastrophe naht. Der Rettungsengel auch. Rentnerin Elisabeth, auf der Flucht vor Altersheim und wohlwollender Verwandtschaft, strandet auf dem Hof und bringt mit viel Charme Ordnung in das Chaos.

Zum Buch:
Claudia Konrad liebt ihre Arbeit in der Parfümerie und kommt schwer damit klar, dass sie ab sofort als nicht mehr vorzeigbar abgestempelt wird und ins Warenlager wechseln soll. Kurzerhand spricht sie die Kündigung aus, denn das muss sie sich mit 51 Jahren nun doch nicht antun.
Als sie mit ihrer Freundin Sara ins Alte Land fährt, verliebt sie sich nicht nur sofort in ein Haus mit anhängendem Apfelgarten, sondern macht auch noch gleich die Bekanntschaft mit dem dazugehörenden unsympathischen und grummeligen Nachbarn.
Trotzdem dieser alles daran setzt, ihr das Haus zu vergraulen, kauft Claudia es und will sich daran machen, es wieder instandzusetzen. Mit von der Partie sind nicht nur ihre Freundin Sara, sondern auch ihre Tochter Jule, die nach einem Unfall ihr Bein etwas nachziehen muss. Sie war Tournierreiterin und liebte ihren Beruf, so dass das Loch recht groß war, in welches sie gefallen war.
Dort kann sie nun ihre Stute mit unterstellen und selbst versorgen.
Sie schlagen sich so durch, bis ihnen der Zufall die Rentnerin Elisabeth vor die Tür inklusive ihrem verreckten Auto beschert. 
Sie schafft es, aus dem bisherigen mehr oder weniger bestehenden Zusammenhalt der Frauen eine Gemeinschaft zu machen, in der sich nicht nur die Frauen wohlfühlen...

Brigitte Janson, Brigitte Kanitz, unter welchem Namen oder Pseudonym die Autorin auch immer auftritt, es ist immer Garantie für gute Unterhaltung.
So auch bei diesem Buch.

Drei Frauen sind jede für sich an einem Tiefpunkt angelangt. Claudia, die gerade gekündigt hatte, weil sie innerhalb ihrer Arbeitsstelle woanders hinorganisiert werden sollte und die sich schwer tut, den Kontakt zu ihrer Tochter aufrecht zu erhalten.
Jule, Claudias Tochter, die nach großen Erfolgen im Reitsport und einem Unfall keine Chance mehr sieht, ihren geliebten Beruf weiterzuführen. Sie gibt sich selbst auf, verlässt kaum noch die Wohnung und ist selbst mit der Haushaltsführung völlig überlastet.
Sara, Claudias Freundin, hat sich gerade von ihrem Mann scheiden und weiß nicht so richtig, warum sie es gemacht hat.
Als dann die Rentnerin und Witwe Elisabeth bei ihnen aufschlägt, ist die Runde komplett. Sie hatte sich mit ihrem alten Auto auf den Weg gemacht, um eine Weltreise zu machen, strandete aber mit ihrem Gefährt vor der Tür der 3 Frauen, die sie zunächst erst vorübergehend aufnahmen, aber dann nicht mehr gehen ließen.

Ein wunderschöner erfrischender Unterhaltungsroman, den man nicht aus der Hand legen möchte.

Es macht einfach Spaß, die Protagonistinnen dabei zu begleiten und zu beobachten, wie sie selbst ihr Leben in die Hand nehmen und etwas daraus machen.
Der Apfelgarten mit den vielen alten Sorten, die es woanders nicht mehr gibt, braucht ihre ganze Liebe und Pflege. Das Haus muss völlig neu saniert werden, da es sehr heruntergewirtschaftet wurde.
Sie fangen klein an. Jule kümmert sich um ihre Stute und um das Pferd des Nachbarn, der dafür keine Zeit hat. Aber es bleibt nicht bei den beiden Tieren, denn bald spricht sich herum, dass dort kranke und heimatlose Tiere ein liebevolles Zuhause bekommen. Jule, die mit allem abgeschlossen hatte, kann sich vor Notstandstieren nicht drücken, sie muss ihnen einfach helfen.
Jede Frau hat ihre Aufgaben. Claudia hat sich vorgenommen, in die Kosmetikbranche einzusteigen und das mit ihren Äpfeln vom Hof. Aber man muss auch mit Misserfolgen zurechtkommen.

Und dann ist da noch dieser brummelige Nachbar, der ihnen das Grundstück nicht gönnte und der erstaunlicherweise mit Jule ganz gut klarkommt, auch nach dem ein oder anderen scheinbaren bösen Wortgefecht.

Die 4 Frauen wachsen zusammen und wachsen an ihren Aufgaben. Freunde und Familie kommen ins Haus, mal zu Besuch, mal für etwas länger. Immer gibt es Trubel und Gelegenheiten, nachzudenken.
Natürlich kommt auch die Liebe nicht zu kurz, auf die ein oder andere Weise schleicht sie sich dort heimlich und leise ein.
Einige Widrigkeiten müssen überwunden und Gespräche müssen geführt werden, um zu erkennen, was richtig und was falsch ist. Es ist teilweise ein umeinander herumschleichen, wo man die Protagonisten nehmen und schütteln möchte.

Die Autorin führt den Leser ins Alte Land. Auch wer, wie ich, diese Gegend nicht kennt, fühlt sich dort anhand der Beschreibungen bald zu Hause. Brigitte Janson gelingt es mühelos, den Leser an die Hand zu nehmen und ihm zu zeigen, wie schön es dort sein muss. Ich konnte es mir sehr gut vorstellen.

Die liebenswerten Protagonistinnen muss man einfach ins Herz schließen, denn trotz ihrer Probleme und Nöte sind sie füreinander da und stehen für die anderen ein.  
Der lockere Schreibstil der Autorin machen das Lesevergnügen erst komplett.
Ich habe mich mit den 4 Frauen im Alten Land sehr wohl gefühlt und würde mich über ein Wiedersehen freuen.

Bewertung:



Zur Autorin:

(Text von Blanvalet)
Brigitte Kanitz, Jahrgang 1957, hat nach ihrem Abitur in Hamburg viele Jahre in Uelzen und Lüneburg als Lokalredakteurin gearbeitet. Die Heide und ihre Menschen hat sie dabei von Grund auf kennen- und lieben gelernt. Sie tanzte auf Schützenfesten, interviewte Heideköniginnen, begleitete einen Schäfer mit seinen Heidschnucken über die lilarote Landschaft und trabte mit der berittenen Polizei durch den Naturschutzpark rund um Wilsede. Inzwischen lebt und schreibt sie in Italien.



An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich beim Ullsteinverlag 


bedanken, der mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. 

Von Brigitte Kanitz / Brigitte Janson wurden gelesen und rezensiert:



Danke, dass ihr vorbei geschaut habt