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Samstag, 24. Januar 2015

[Rezension] Judith Döker - Judith goes to Bollywood



Leseprobe


Eckdaten:
Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: btb Verlag (12. Januar 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442746450
ISBN-13: 978-3442746453
Größe und/oder Gewicht: 13,6 x 3,2 x 21,6 cm

Inhalt gem. btb:
Judith Döker ist Schauspielerin. Doch als all ihre beruflichen und privaten Pläne mit einem Mal zu platzen scheinen, entschließt sie sich zu einem mutigen Schritt. Sie lässt ihr altes Leben in Deutschland zurück, um in ein vollkommen neues Abenteuer in Indien einzutauchen. In ihrem Buch erzählt sie von dieser Reise, die sie bis nach Mumbai führt – mitten ins Herz Bollywoods – einer Welt voller bunter Gewänder, großer Gefühle und wilder Tänze. Doch schnell erkennt sie, dass dieses fremde und faszinierende Land so viel mehr für sie bereithält, als sie je erwartet hätte. Und so wird das Abenteuer Bollywood zu einer Reise, die ihre Vorstellungen, ihre Wünsche und Bedenken, ihre Art zu lieben, ja ihr ganzes Leben auf den Kopf stellt – einer Reise, die sie letztlich zu sich selbst finden lässt.

Zum Buch:
Judith Döker ist Schauspielerin und bekannt u.a. aus der Comedy-Serie "Weibsbilder".
Als sie an dem Punkt angekommen ist, dass sie ohne Mann oder Freund und ohne Arbeit dasteht, sucht sie eine neue Herausforderung. Der Anstoß kommt durch einen Anruf ihres Versicherungsmenschen und er heißt Indien.
Das war die Inspiration, auf die sie gewartet hat.
Sie will in Bollywood ihr Glück versuchen und dies mittels eines mehrteiligen Dokumentarfilms aufzeichnen. So die Absprache mit dem ZDF. 
Um zu testen, ob das in etwa funktioniert, fährt sie vorab mit einem Kameramann für 3 Wochen nach Indien und hat dort die Gelegenheit, erste Eindrücke einer ihr völlig fremden Welt zu sammeln.
Wieder in Deutschland gelandet, gehen die Zusagen vom ZDF auf Arte über, aber es wird viel Zeit vergehen, bis sich dort etwas tut.
Judith will nicht warten, sie ist der Faszination Indiens erlegen und will für 2 Monate dorthin zurück, sich dort einfach treiben lassen und sehen, was passiert. Für 5 Tage hat sie ein Hotelzimmer gebucht, aber wo genau sie dann wohnen wird, bleibt offen.
Es ist ein Trip in die Ungewissheit ...

Indien ist ein Land der krassen Gegensätze. Auf der einen Seite bevölkert mit reichen Bewohnern, auf der anderen voller Slums, wo die Menschen am Existenzminimum leben.
Frauen stehen mehr oder weniger auf der untersten Stufe und sind nicht viel wert. 
Ich habe schon so viel negatives über Indien gelesen, dass ich es nicht wagen würde, als Frau dort allein hinzureisen.

Judith Döker ist aber nicht wie ich. 
Nachdem sie bereits mit einem Kameramann dort 3 Wochen verweilte und arm und reich kennengelernt hatte, wie auch schon leichte Kontakte mit Bollywood hatte, entschloss sie sich, 2 Monate ins Land zu reisen und sich dort treiben zu lassen.   

Mit das erste, was Judith über das Land kennenlernte war, dass die Uhren dort völlig anders ticken als in Deutschland. Pünktlichkeit gehört dort zum Beispiel nicht zum guten Ton. Terminabsprachen sind nicht wirklich bindend, da kann es schon mal passieren, dass es Verspätungen gibt, die 4,5 h betragen. Die Menschen nehmen das Leben gelassener, eine Eigenschaft, die schon sehr gewöhnungsbedürftig ist.

Bollywood dagegen ist eine eigene Welt. Dort werden im Jahr mehr Filme gedreht als irgendwo anders auf der Welt. Die bekannten Schauspieler sind Götter, werden als solche verehrt und benehmen sich auch so.
Deutsche Schauspieler werden gesucht, aber nur, um als Komparsen am Set aufzutreten.

Judith Döker lässt den Leser teilhaben an ihren Begegnungen mit einigen dieser Götter und ließ mich mehr als einmal schmunzeln über die Affektiertheit einzelner Personen.

Als sich Judith auf den Weg macht, um Indien zu erfahren, ist sie besonders bestrebt, das Leben des Durchschnittsbürgers kennenzulernen. So kommt es, dass sie Unterkunft bei Salma findet und mit ihr und deren Kindern in einem Raum lebt. Obwohl sie nie geglaubt hätte, dass das gut gehen würde, fühlte sie sich dort rundum wohl und geborgen. Salma nahm sie auf wie eine Tochter und behandelte sie auch so.
Judith sieht sich auch die Slums an und wendet ihr Auge nicht vom Elend der Menschen ab. Sie muss erkennen, dass die Menschen trotz ihrer Armut das Lächeln nicht verlernt haben. Lächelt man sie an, lächeln sie zurück.

Sie lernt viele krasse Gegensätze kennen. Menschen, die scheinbar Gutes tun wollen behandeln ihre eigenen Spotboys wie Sklaven. Diese stehen 24 h am Tage zur Verfügung und dürfen dann vor der Wohnungstür nächtigen, auf dem Küchenfußboden oder sonstwo. Freistehende Gästezimmer ausgeschlossen. 

Viele Dinge, die Judith sich gewünscht hatte für Indien sind eingetreten. Einschließlich den Wunsches, eine neue Liebe zu erleben.
Sie trifft Nakul, einen indischen Schauspieler, und es ist Liebe auf den ersten Blick. Es wird eine Liebe, die auch auf eine harte Probe gestellt wird. 
In Indien ist es üblich, dass die Söhne bei den Müttern wohnen und die Schwiegertochter dann deren Arbeiten übernimmt, wie etwa den Haushalt führen und natürlich die Familie zu bekochen. Probleme sind vorprogrammiert. Ob das mit Judith und Nakuls Familie klappt, werde ich natürlich nicht verraten, das muss man einfach gelesen haben.

Von Judith Döker habe ich mich sehr gern in eine glitzernde und völlig andere Welt entführen lassen. Ihre aufgezeichneten Erlebnisse sind zum schmunzeln und auch zum nachdenken.
Sie erzählt von ihren anfänglichen Schritten, in Bollywood Fuß fassen zu wollen, wie auch von ihren privaten Erlebnissen mit Menschen und indischem Starrsinn.
Aber sie verschließt auch nicht die Augen vor dem Elend und der Armut.
Ich bin fasziniert von ihren Erlebnissen, habe ihren Mut bewundert und wünschte mehr als einmal, ich könnte das mit eigenen Augen sehen.
Sie nimmt den Leser mit auf eine Reise nach Indien und lässt diesen ihr Indien sehen. 
Sehr detailliert beschreibt sie die Örtlichkeiten, so dass man das Gefühl hat, man würde selbst dort stehen und es sehen.
Sie schreibt in einem flüssigen Schreibstil, der sich sehr gut lesen lässt. 

Ich habe es sehr genossen, sie auf ihrer Indienreise zu begleiten und kann dieses Buch nur weiterempfehlen. 

Bewertung:



Zur Autorin:

(Text übernommen von btb)
Judith Döker, geboren 1973 in der Nähe von Köln, studierte acht Semester Jura, bevor sie sich entschloss, Schauspielerin zu werden. Unter anderem war sie Hauptdarstellerin in der erfolgreichen Comedy-Serie »Weibsbilder«, spielte in Hape Kerkelings »Samba in Mettmann«, im »Tatort« und war Gast in der »Schillerstraße«. Für ihren Kurzfilm »Marlen & Bijou«, den sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Judith Hoersch auch schrieb und produzierte, wurde sie beim Global Art Film Festival in Los Angeles und auf dem Sansevieria Filmfestival in Ohio ausgezeichnet.



An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich beim Verlag
bedanken, der mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.


Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

Dienstag, 3. Juni 2014

[Rezension] Kriss Micus - Gesünder, Fitter, Roh!



Vorab ein paar Eckdaten:
Seitenanzahl: 176
ISBN: 978-3-944-29656-2
Erscheinungstermin:
12. Mai 2014
Preis:
14,95 EUR 
Format:
Taschenbuch
Verlag: Eden Books


Klappentext gem. Eden Books:
Obwohl sie sich bewusst ernährt, fühlt sich Kriss Micus oft schlapp. Sie forscht nach – und entdeckt die Rohkost für sich. In einem kulinarischen Selbstversuch ernährt sie sich ein Jahr lang roh und dokumentiert, welche Auswirkungen die Essensumstellung auf ihr Leben und ihre Gesundheit hat.
Gesünder, Fitter, Roh! ist eine spannende Einführung in das Trendthema Rohkost und eine informative Mischung aus Ratgeber und Erfahrungsbericht. Unterhaltsam und ehrlich erzählt Kriss Micus von der gewagten Ernährungsumstellung, erläutert medizinische Fakten und teilt ihre Lieblingsrezepte und Ernährungstipps. Ihr Fazit: »Es gibt nichts Besseres als Rohkost!«


Rezension:
Kriss Micus lebte vegan, achtete auf ihre Ernährung und dennoch musste die junge Frau bei einem Arzttermin erfahren, dass sie an einer Schilddrüsenunterfunktion litt. Die moderne Medizin wollte, wie es üblich ist, mit Hilfe von Tabletten, die sie ein Leben lang nehmen sollte, Abhilfe schaffen. Eine Tatsache, die ihr so gar nicht gefiel, denn schon ihre Mutter setzte mehr auf Naturheilmittel, als auf Medikamente und bisher hatte sie damit immer Recht behalten. Doch was tun? Kriss Micus selbst ist vegetarisch aufgewachsen und wurde später vegan. Doch anscheinend nützte das alles nichts, irgendwas lief noch immer schief, ein Umdenken musste her. Sie begann sich sehr genau mit dem auseinanderzusetzen, was sie täglich zu sich nahm und musste auch hier die eine oder andere erschreckende Entdeckung machen.

Schlussendlich reift in Kriss Micus die Erkenntnis, dass der Körper die von der Natur gegebenen Stoffe in Pflanzen am besten in ihrer natürlichen, sprich rohen Variation verwerten kann. Der erste Schritt ist getan, der Entschluss wird gefasst und durch eine Wette im Arbeitsumfeld fixiert: ein Jahr roh essen. Das ist nicht unbedingt einfach, vor allem nicht, wenn "Kochen" in dem Sinn ausfällt, da bei einer rohen Ernährung Lebensmittel nicht über 42 Grad Celsius erhitzt werden. Schnell machte sich allerdings auch Ernüchterung breit, denn so einfach, wie man sich das vorstellt, ist es wirklich nicht. Mit drei Mahlzeiten kommt man bei einer rohen Ernährung kaum aus und auch eine Kalorienmenge zu erreichen, die den Grundumsatz des Körpers deckt, ist nur mit rohem Obst und Gemüse gar nicht so leicht zu bewerkstelligen.

Doch Kriss Micus ist nicht gewillt, nach den ersten Rückschlägen aufzugeben. Sie nimmt den "Kampf" auf, denn sie weiß, für sie selbst ist es die beste Ernährungsform, sie muss sich halt nur Einfinden und auch ihr Körper muss erst lernen, die natürliche Ernährungsform voll und ganz zu akzeptieren. Es ist nicht immer leicht und doch schafft sie es ihr Ziel zu erreichen, eine fast ausschließlich rohe Ernährung. Den Weg dorthin, mit allen Erfolgserlebnissen und auch Rückschlägen hat sie in diesem Buch niedergeschrieben.


Rohkost ist im Kommen! In diesem Buch hat Kriss Micus ihren Weg zur Rohköstlerin niedergeschrieben, angefangen im Jahr 2008, wo sie ihren ersten Rohköstler kennenlernte und fortgesetzt Jahre später, wo sie selbst diesen Weg gegangen ist. Durchaus mit Humor beschreibt sie, welche Tücken im Alltag auf einen Rohköstler zukommen, wie mitunter der Körper verrückt spielt, wenn man ihn umstellt und dass auch eine rohe Ernährung nicht unbedingt positive Ergebnisse von Jetzt auf Gleich bringt, nein, sie zeigt dem Leser auf, wie sich ihr Körper nach und nach veränderte, welche Vorteile und Folgen (gerade in der Umstellphase) eine solche Ernährung haben kann und auch, welche Rückschläge sie mitunter mitgenommen hat. Besonders gut fand ich dargestellt, welche Nährstoffe der Körper durch den rohen Verzehr von Lebensmitteln dargeboten bekommt und wie diese sich auf den Körper auswirken, die jedoch durch Erhitzen zerstört werden. Ich selbst leben ebenfalls vegan und hatte eine Rohkost-Phase, jedoch, genau wie die Autorin im Buch, es völlig falsch angefangen, sodass sich mir im Nachhinein einiges erklärt hat. Derzeit ist ein roher Anteil in meiner Ernährung nicht übermäßig hoch, ich denke aber, mit diesem Buch als Leitfaden gelingt es mir durchaus, diesen zu erhöhen und in meinen Alltag einzubauen, jedoch bestimmte Folgeerscheinungen dieses Mal nicht auftreten zu lassen.

Bewertung


Die Autorin: 
Kriss Micus wurde 1987 geboren und studierte in Bayreuth und Wuppertal. Heute arbeitet sie als Consultant in Frankfurt. Bevor sie sich der rohköstlichen Ernährung zuwandte, lebte sie bereits mehrere Jahre vegan. (übernommen von amazon)

Wie ich zu dem Buch kam:
An dieser Stelle möchte ich mich herzlich beim Verlag



http://www.edel.com/buch/eden-books/



bedanken, der mir dieses Buch zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt hat.

Mittwoch, 14. Mai 2014

[Rezension] James Bowen - Bob und wie er die Welt sieht


Vorab ein paar Eckdaten:
Seitenanzahl: 240
ISBN: 978-3-404-60802-7
Erscheinungstermin: 13. März 2014 
Format: Taschenbuch
Verlag: Bastei Lübbe


Klappentext gem. Bastei Lübbe:
Seit Bob da ist, hat sich mein Leben sehr verändert. Ich war ein obdachloser Straßenmusiker ohne Perspektive und ohne eine Idee, was ich aus meinem Leben machen sollte. Nun stehe ich wieder mit zwei Beinen auf der Erde,  ich habe die Vergangenheit hinter mir gelassen, aber ich weiß nicht, was die Zukunft bringen wird. Ich brauche wohl immer noch Unterstützung, um auf meinem Weg zu bleiben. Zum Glück steht mir Bob mit seiner Freundschaft und seiner Klugheit zur Seite.

Die wunderbare Geschichte der Freundschaft zwischen James und seinem Kater wurde mit „Bob, der Streuner“ zum Welt-Bestseller. In seinem neuen Buch erzählt James, wie Bob ihm in harten Zeiten und selbst in lebensgefährlichen Situationen immer wieder den Weg weist.


Rezension:
James Bowen und Kater Bob - ein Gespann, das weit über Londons Straßen hinaus bekannt ist. Bereits in seinem ersten Buch "Bob, der Streuner" berichtete James Bowen, wie er und Bob sich trafen und wie sie einander halfen, das Leben gemeinsam zu meistern. Doch damit ist die Geschichte der Beiden noch lange nicht zu Ende.

Zum Zeitpunkt dieses Buches sind James und Bob bereits seit ca. 2,5 Jahren ein Gespann. James berichtet hier viele kleine Anekdoten aus dem gemeinsamen Alltag mit Bob, denn nach wie vor war er zu diesem Zeitpunkt als Verkäufer von The Big Issue, der Obdachlosenzeitung, tätig und natürlich war Bob weiterhin an seiner Seite. Auch als es dann Probleme mit diesem Job gab und James schlussendlich wieder als Straßenmusiker arbeiten musste, hat Bob ihn, trotz Anfeindungen aus der Gesellschaft, nie verlassen.

Ganz entzückend fand ich die Geschichte, in der James zu einem Fahrrad kam und es sich innerhalb kürzester Zeit in ein Bob-Mobil verwandelte, denn trotz Fahrrad und dem doch nicht ungefährlichen Verkehr in London, wollte es sich Bob nicht nehmen lassen, James zu begleiten und innerhalb kürzester Zeit hatte er richtig Freude an den regelmäßigen Fahrten.

James Bowen beschönigt in diesem Buch nichts. Während dieser Zeit schaffte er endgültig den Absprung vom Drogenentzugsprogramm und ist, auch dank Bobs Hilfe, endlich clean, doch der Weg dorthin war hart und steinig. Was mir sehr gut gefallen hat, ist dass sich James der harten Realität stellt, er offen zugibt, dass nur er es war, der sein Leben versaut hat und durchaus realistisch sieht, dass seine Zukunft nicht unbedingt rosig aussieht, denn er hat keinen festen Job, er hat nichts gelernt und ihm ist durchaus klar, dass er auch mit dem Schreiben eines oder zweier Bücher nicht unbedingt für sein ganzes Leben ausgesorgt hat, doch eines steht fest, was auch passiert, James wird alles meistern, solange er Bob an seiner Seite hat, denn und das wissen die meisten Tierhalter, wenn man sich eines Tieres annimmt, übernimmt man für diese Tier Verantwortung, in guten wie in schlechten Zeiten und von daher kommt Aufgeben niemals in Frage.

Abschließend kann ich sagen, dass in diesem Buch nette, aber auch unschöne Anekdoten aus dem gemeinsamen Alltag von James und Bob niedergeschrieben wurden und dennoch liegt in diesem Buch ein Zauber, der Zauber, das Schöne im Alltäglichen zu entdecken.

Bewertung

Von James Bowen bereits gelesen und rezensiert:


Der Autor:
James Bowen ist ein Straßenmusiker aus London. Er fand Bob, den Streuner, im Frühling 2007. Seitdem sind die beiden Freunde unzertrennlich. (übernommen vom Lübbe)


Wie ich zu dem Buch kam:
Nachdem ich das erste Buch über dieses Gespann förmlich verschlungen hatte, wollte ich natürlich auch das zweite unbedingt lesen. Da traf es sich gut, dass der jährliche Muttertag ins Haus stand, sodass ich beide Bücher meiner Mutter schenken konnte, selbstverständlich erst, nachdem ich dieses Buch hier gelesen hatte ^^

Donnerstag, 15. August 2013

[Rezension] James Bowen - Bob, der Streuner


Vorab ein paar Eckdaten:
Seitenanzahl: 252
ISBN: 978-3-404-60693-1
Erscheinungstermin: 17. Mai 2013 (5. Auflage)
Format: Taschenbuch
Verlag: Bastei Lübbe


Klappentext gem. Lübbe:
Als James Bowen den verwahrlosten Kater vor seiner Wohnungstür fand, hätte man kaum sagen können, wem von beiden es schlechter ging. James schlug sich als Straßenmusiker durch, er hatte eine harte Zeit auf der Straße hinter sich. Aber dem abgemagerten, jämmerlich maunzenden Kater konnte er einfach nicht widerstehen, er nahm ihn auf, pflegte ihn gesund und ließ ihn wieder laufen. Doch Bob war anders als andere Katzen. Er liebte seinen neuen Freund mehr als die Freiheit und blieb. Heute sind sie eine stadtbekannte Attraktion, ihre Freundschaft geht Tausenden zu Herzen …


Rezension:
James Bowen hatte nicht wirklich viel Glück in seinem bisherigen Leben. Seine Eltern trennten sich als sie klein war und seine Mutter wanderte mit ihm nach Australien aus. Während seiner Kindheit musste er immer wieder umziehen, sodass er nie wirklich heimisch wurde. Auch das Verhältnis zu seiner Mutter wurde immer schwieriger, sodass er mit 16 die Schule schmiss und auszog. Sein Plan: Nach London gehen und Musikkarriere machen. Nach London kam er, aber mit der Musik hat es nicht so geklappt. Stattdessen versank er im Drogensumpf und hielt sich mit kleineren Diebstählen und Straßenmusik über Wassern. Doch eines Tages nahmen sich Streetworker seiner an, er machte einen Entzug und bekam eine Sozialwohnung in London. Sein Geld verdiente er nach wie vor als Straßenmusiker - alles in allem kein sonderlich guter Lebenslauf für einen Mann Ende 20.

Als er jedoch an einem Donnerstagabend im März 2007 nach Hause kommt, findet er auf dem Fußabtreter eines Nachbarn eine Katze. Im Glauben, dass diese zu jemandem im Haus gehört, belässt er sie, wo sie ist. Als das Tier jedoch am Samstag noch immer auf diesem Fußabtreter liegt, nimmt sich James seiner an. Erst versucht er zu erkunden, ob die Katze jemandem gehört - was nicht der Fall ist. Er nimmt das Tier zu sich und kümmert sich um den abgemagerten, verletzten Kater. Die Beiden verstehen sich ziemlich gut, doch für James ist klar, der Kater ist ein Streuner und sobald er wieder gesund und kastriert ist, wird er ihn wieder in die Freiheit entlassen.

Bob, auf den Namen wurde er von James getauft, jedoch hat keinerlei Ambitionen, wieder auf der Straße zu leben, dafür gefällt es ihm bei James zu gut. Anstatt also wieder ein eigener Herr zu sein, zieht Bob eines Tages mit James los, als dieser zu seiner Arbeit als Straßenmusiker aufbricht. Wider erwartend kommt Bob sehr gut zurecht und wirkt auch noch als Publikumsmagnet, sodass die Einnahmen an den Tagen, an denen er dabei ist, immer um einiges höher ausfallen, als an den Tagen, an denen James allein Musik macht. Nach und nach gelangt Bob zu immer größerer Berühmtheit, doch es gibt auch Neider ...


Ein Mann und sein Kater! Bei diesem Buch handelt es sich um die gemeinsame Gesichte von James Bowen und dem Kater Bob, wie sie sich fanden und Freunde wurden. Durch Höhen und Tiefen gingen die Beiden, doch eines war von Anfang an klar, sie wollten für einander da sein. Für James war es nicht immer leicht, Bob gerecht zu werden, denn auch ein Kater hat Ansprüche und auch ein Kater wird mal krank, doch eines steht fest, was auch passiert, James würde für Bob alles hergeben, was er besitzt. Diese bedingungslose Liebe zu seinem Kater, wird von demselben erwidert und anstatt wieder frei und ungebunden zu sein, entschied sich dieser Jungkater im Alter von ca. 9 - 10 Monaten, bei diesem Menschen zu bleiben und ihm ein Seelengefährte zu werden. Den Schreibstil empfand ich als sehr angenehm und ansprechend zu lesen, sodass ich das Buch am Stück gelesen habe.

Bewertung
 
Der Autor:
James Bowen ist ein Straßenmusiker aus London. Er fand Bob, den Streuner, im Frühling 2007. Seitdem sind die beiden Freunde unzertrennlich. (übernommen vom Lübbe)


Wie ich zu dem Buch kam:
Als dieses Buch als Wanderbuch angeboten wurden, musste ich mich sofort eintragen, denn dieses Buch sprach mich sofort an und als Katzenpersonal gehört es ja förmlich zur Pflichtlektüre ^^

Mittwoch, 9. Mai 2012

[Rezension] Rachel Joyce - Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry



Leseprobe

Eckdaten:
Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
Verlag: Krüger, Frankfurt; Auflage: 1 (16. Mai 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3810510793
ISBN-13: 978-3810510792
Originaltitel: The Unlikely Pilgrimage of Harold Fry

Covertext:
Eigentlich wollte er nur zum Briefkasten. Dann geht er 1000 Kilometer zu Fuß.Von Südengland bis an die schottische Grenze - eine Reise fürs Leben, eine Geschichte von Tapferkeit, Betrug, Liebe, Loyalität und einem ganz unscheinbaren Paar Segelschuhen. 

Zum Buch:
Harold Fry, pensioniert, erhält eines Tages Post von seiner ehemaligen Kollegin Queenie Hennessy, die er seit 20 Jahren nicht mehr gesehen oder gesprochen hat.
Sie schrieb, dass sie in einem Hospiz lebt und dass sie nicht mehr lange zu leben hat.
Harold schreibt ihr einen Brief, dass es ihm leid tut und will diesen zum Briefkasten bringen.
Dort angekommen, erschien ihm der Weg als zu kurz, so dass er zum nächsten geht und dann zum übernächsten. Er macht sich auf den Weg zu Queenie, schreibt ihr noch einen Brief, dass er auf den Weg zu ihr ist und dass sie auf ihn warten soll.
Es beginnt eine Reise einmal längs durch England, in der Hoffnung, dass er Queenie noch lebend antreffen wird ...

Diese Reise, die sich Harold völlig unvorbereitet in den Kopf gesetzt hat, führt ihn nicht nur zu Queenie, sondert sie führt ihn an seine Grenzen, bis es nicht mehr geht. Unterwegs, nur mit Segelschuhen an den Füßen, nicht ausgerüstet für einen 1000 km Marsch und ohne Training gelingt ihm schier das Unmögliche.
Unterwegs trifft er auf die unterschiedlichsten Menschen und Typen, viele sehr sympathisch, einige weniger. Einige helfen und unterstützen ihn eigennützig, andere wiederum machen sich seine Popularität zu Nutzen, um neben ihm im Scheinwerferlicht zu stehen.
Während dieser langen Wanderung hat Harold Zeit, seinen Gedanken nachzugehen. Er erinnert sich an die Anfänge seiner Ehe und an seinen Sohn. Systematisch seziert er sein Verhalten seiner Frau und seinem Sohn gegenüber und wünscht sich, er hätte vieles anders oder besser gemacht. Er erkennt Fehler und findet zu sich selbst. 
Seiner Ehe, die seit mehr als 20 Jahren nur noch auf dem Papier stand, tat diese spontane Wanderung erst gar nicht gut. Maureen, seine Frau, versuchte den Nachbarn gegenüber zu verbergen, dass Harold sich auf den Weg gemacht hat. Sie schämte sich für ihn. Ihrer Meinung nach hat Harold in der Beziehung mit ihrem Sohn völlig versagt und hält ihm regelmäßig seine Fehler vor. Aber auch sie geht einen schmerzlichen Weg der Erkenntnis, während Harold abwesend ist.
Obwohl sie beide regelmäßig miteinander telefonieren, wissen sie nicht, was der andere denkt, sie haben sich eigentlich nichts mehr zu sagen.

Ein anrührendes und berührendes Buch hat Rachel Joyce hier vorgelegt. Sie lässt Harold und Maureen Wege gehen, die nicht nur nach Kilometern zu bemessen sind. Sie sind beide alt und verbittert und tun sich schwer, die Wahrheit zu erkennen.Beide finden sie zu sich selbst, geben sich ehrlich und können doch nicht fassen, zu welchen Erkenntnissen sie beide losgelöst voneinander kommen.Keiner von beiden machte es sich leicht. 
In diesem Buch der Selbsterkenntnis geht es um Hoffnung, Liebe, Ehrlichkeit und Freundschaft.
Ein Buch, das zum Nachdenken animiert und das mich zumindest noch gedanklich ein Weilchen beschäftigt.

Bewertung:



Zur Autorin:
(übernommen vom Fischerverlag)
Rachel Joyce weiß, wie man Menschen mit Worten ganz direkt berührt. Die Autorin hat über 20 Original-Hörspiele für die BBC verfasst und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet. Daneben hat sie Stoffe fürs Fernsehen bearbeitet und auch selbst als Schauspielerin für Theater und Film gearbeitet. ›Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry‹ ist ihr erster Roman. Er erscheint in über 30 Ländern auf der ganzen Welt. Rachel Joyce lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Gloucestershire auf dem Land.

An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich beim 



bedanken, der mir eins der 100 Exemplare zur Verfügung gestellt hat, die sich auf den Weg gemacht haben, um die Leser zu erobern.

Mein Leseexemplar hat sich bereits auf den Weg zum nächsten Leser gemacht.

Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

Montag, 13. Februar 2012

[Rezension] Ulrike M. Dierkes - Schwestermutter




Vorab ein paar Eckdaten:
Seitenanzahl: 254
ISBN: 978-3-404-61553-0
Erscheinungstermin: 21. September 2004 (1. Auflage)
Format: Taschenbuch

Verlag: Bastei Lübbe

Klappentext:
Sie ist fünf, als eine Nachbarin zu ihrer Mutter sagt: "Sieht doch ganz normal aus, das Kind." Sie ist zwölf, als sie versteht, dass nicht die Frau, die sie für ihre Mutter gehalten hat, ihre Mutter ist. Sondern ihre große Schwester. Dass ihr Vater nicht im Krankenhaus ist, sondern im Gefängnis. Verurteilt wegen Kindesmissbrauchs. Das Beweismittel: sie.


Rezension:
1950 beginnt der Vater der Familie Jagsch die älteste Tochter, Marina, zu diesem Zeitpunkt 7-jährig, zu missbrauchen. Der Vater ist ein angesehener Künstler, nie hätte jemand gedacht, dass er sich an seinem eigenen Kind vergehen würde. Dieses Inzest-Verhältnis bleibt, vertuscht vom Vater und der Mutter, bis 1957 geheim. Denn ab diesem Zeitpunkt ist klar, die damals 13-jährige Marina ist schwanger - im 6. Monat, zu spät, um abzutreiben. Es gibt Gerede im Dorf, doch offen aussprechen tut es nur einer - anonym zeigt er das inzestuöse Verhältnis an. Marina wird daraufhin von ihrer Familie getrennt, so dass sie bis zur Geburt ihres Kindes zur Ruhe kommt. Wenige Wochen nach ihrem 14. Geburtstag wird Ulrike geboren - ein Bluttest gleich nach der Geburt zeigt an, dass der Vater von Marina auch der von Ulrike ist.

Marina bleibt in der Betreuung des Jugendamtes, doch Ulrike gelangt als Pflegekind in die Familie ihrer Mutter - ihre Großmutter, oder Frau ihres Vaters, wie sie sie später nennen wird, zieht sie lieblos als eigenes Kind groß. Als Ulrike 12 Jahre alt ist, teilt ihr ihre "Mutter" schonungslos die ganze Wahrheit mit: Das sie das Kind von Marina und ihrem Vater ist und das ihr Vater dafür im Gefängnis saß.

Von diesem Zeitpunkt an muss Ulrike den harten und steinigen Weg eines Inzestkindes um Anerkennung und Liebe im Leben gehen.



Ein ausgesprochen erschütterndes Buch! In ihrer Autobiografie beschreibt Frau Dierkes den schwierigen Weg von einem ungewollten und ungeliebten Inzestkind zu einer starken und selbstbewussten Frau. Der Schreibstil war sehr offenherzig, temporeich und intensiv, sodass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen konnte, ich musste einfach erfahren, wie es diese starke Frau geschafft hat, sich in eine solche zu wandeln.


Bewertung

Die Autorin:
Ulrike M. Dierkes ist eine deutsche Journalistin und Autorin, die mit – teilweise autobiographischen – Veröffentlichungen zum Thema Inzest bekannt wurde.
Dierkes ist Gründerin und Vorsitzende des 1996 gegründeten, eingetragenen und gemeinnützig anerkannten Vereins M.E.L.I.N.A. Inzestkinder/Menschen aus VerGEWALTigung e. V., für dessen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sie als Journalistin zuständig ist.

Zur Homepage der Autorin kommt ihr hier.



Wie ich zu dem Buch kam:

Über das Internet wurde ich auf dieses Buch aufmerksam und habe es mir bei einer größeren Bestellaktion mitbestellt.


Mittwoch, 18. Januar 2012

[Rezension] Natascha Kampusch - 3096 Tage




Vorab ein paar Eckdaten:
Seitenanzahl: 284
ISBN: 978-3-471-35040-9
Erscheinungstermin: 7. September 2010
Format: Hardcover

Verlag: List


Klappentext:
Natascha Kampusch erlitt das schrecklichste Schicksal, das einem Kind zustoßen kann: Am 2. März 1998 wurde sie im Alter von zehn Jahren auf dem Schulweg entführt. Ihr Peiniger, der Nachrichtentechniker Wolfgang Priklopil, hielt sie in einem Kellerverlies gefangen – 3096 Tage lang. Am 23. August 2006 gelang ihr aus eigener Kraft die Flucht. Priklopil nahm sich noch am selben Tag das Leben. Jetzt spricht Natascha Kampusch zum ersten Mal offen über die Entführung, die Zeit der Gefangenschaft, ihre Beziehung zum Täter und darüber, wie es ihr gelang, der Hölle zu entkommen.


Rezension:
Am 17. Februar 1988 wurde Natascha Kampusch in eine sich auflösende Familie hineingeboren. Ihre Eltern standen kurz davor, sich zu trennen und ihre großen Schwestern waren bereits außer Haus und führten ihr eigenes Leben. Von beiden Elternteilen wurde sie geliebt, wobei ihre Mutter hier ihre Gefühle nicht so deutlich wie ihr Vater zum Ausdruck bringen konnte. Natascha Kampusch wuchs eher behütet auf, auch wenn die Gegend, in der sie groß wurde, nicht zu den "feinen" Gegenden gehörte.

Doch auch die Liebe zu ihrem Kind konnte die Ehe der Eltern nicht retten. Sie trennten sich und Natascha verbrachte eine Ferienwoche im Februar 1998 mit ihrem Vater in Ungarn - es sollte der letzte Urlaub und das letzte familiäre Zusammentreffen für viele Jahre sein.

Am 2. März 1998 bat sie, im Alter von 10 Jahren, dass ihre Mutter sie nicht mehr zur Schule fahren möge, da sie ja schon groß sei und den Weg auch alleine gehen könnte. Insgeheim war es ihr peinlich, sich vor dem Schulgelände von ihrer Mutter verabschieden zu müssen und damit für Getuschel unter den anderen Schülern zu sorgen. An diesem Morgen ärgerte sie sich morgens über ihre Mutter und verließ die Wohnung ohne Abschiedsworte - für mehr als 8 Jahre. Noch auf dem Schulweg wurde sie in einen weißen Kastenwagen geschubst und entführt.

3096 Tage muss dieses junge Mädchen und später junge Frau unter menschenunwürdigen Zuständen leben - in einem Kellerverlies, teilweise ohne Licht, ohne frische Luft, ohne Nahrung, dafür mit Gewalt. Nach 3096 Tagen gelingt ihr die Flucht, denn sie weiß, nur einer von beiden, entweder sie, oder ihr Peiniger, können überleben. Doch damit ist ihre Geschichte noch nicht vorbei ...


In diesem Buch berichtet uns Natascha Kampusch, was ihr widerfahren ist, wie sie in dieser Situation gewachsen ist und es geschafft hat, nicht unter dem Druck zu zerbrechen und sich selbst treu zu bleiben. Sie gibt uns einen Einblick in das Leben, das sie mehr als 8 Jahre lang führen musste, Situationen ihres "Alltages", die schrecklicher nicht sein könnten und dennoch hat es diese junge Frau geschafft, gestärkt aus ihr hervorzugehen.

Bewertung

Die Autorin:

Natascha Maria Kampusch wurde bekannt nach ihrer Flucht aus einer langjährigen Freiheitsentziehung. Im Jahr 1998 wurde die damals zehnjährige Österreicherin vom arbeitslosen Nachrichtentechniker Wolfgang Priklopil in Wien entführt und mehr als acht Jahre in seinem Haus in bei Wien gefangen gehalten. Als Kampusch 2006 im Alter von 18 Jahren fliehen konnte, führte ihr Auftauchen zu einem weltweiten Medienecho.

Zur Homepage der Autorin kommt ihr hier.

Wie ich zu dem Buch kam:

Dieses Buch stand seit seiner Erscheinigung auf meiner Wunschliste, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es diese einst junge Mädchen geschafft hat, diesen Wahnsinn zu überstehen und den Mut zu finden, sie selbst zu bleiben. Als ich es die Tage in der Bibliothek entdeckte, habe ich es sofort entleihen müssen.


Freitag, 6. Januar 2012

[Rezension] Ayse - Mich hat keiner gefragt



Vorab ein paar Eckdaten:
Seitenanzahl: 251
ISBN: 978-3-764-50211-9
Erscheinungstermin: 22. August 2008
Format: Hardcover

Verlag: Blanvalet


Klappentext:
Ein erschütterndes Frauenschicksal - mitten unter uns, hier in Deutschland
"Mit elf war ich verlobt, mit vierzehn verheiratet. Nein, gefragt hat mich niemand. Mein Vater kam eines Tages aus dem Kaffeehaus und teilte mir mit, dass ich jetzt mit Mustafa, meinem Cousin, verlobt sei und ihn bald heiraten würde, und das wars. Meine Mutter hat damals viel geweint, aber geholfen hat sie mir nicht."
Die Türkin Ayse ist vierzehn Jahre alt, als sie mit ihrem Cousin Mustafa verheiratet und zu dessen Familie nach Deutschland geschickt wird. Schon vor der Hochzeit wird sie von Mustafa brutal vergewaltigt. Und auch nach der Trauung muss Ayse häufig Schläge und sexuelle Willkür erdulden. Was sie in der Fabrik und durch Heimarbeit verdient, fließt direkt auf das Konto der Schwiegermutter. Mit fünfzehn bringt sie ihren ersten Sohn zur Welt, und bereits zwei Wochen nach der Entbindung muss sie wieder in der Fabrik am Fließband stehen. Mustafa hingegen arbeitet nur sporadisch.
In neunzehn Ehejahren bringt Ayse vier Kinder zur Welt. Sie spricht nur gebrochen deutsch und lebt völlig isoliert, ohne Freunde. Als Mustafa sie eines Nachts halbtot schlägt, flieht Ayse schließlich in ein Frauenhaus. Und wagt dort das Undenkbare: Sie reicht die Scheidung ein. Daraufhin entführt Mustafa die beiden jüngeren Kinder in die Türkei. Ein ganzes Jahr dauert es, bis sie ihre Kinder wieder findet.
Heute hat Ayse die Hölle ihrer Ehe aus eigener Kraft hinter sich gelassen. Ihre Geschichte erschüttert zutiefst - doch sie ist kein Einzelfall: Ähnlich Tragisches ereignet sich immer wieder - in unserer engsten Nachbarschaft.


Rezension:
Irgendwann im Frühjahr 1964 wurde Ayse in einem kleinen Dorf namens Ballidere in Zentralanatolien geboren. Ihre Eltern waren arme Bauern. Der Vater schlug die Mutter und die Kinder, lediglich die jüngste Schwester wurde von ihm geliebt und von daher nie mit Strafen belegt. Ab ihrem 6. Lebensjahr musste sie auf den gepachteten Feldern ihrer Eltern mitarbeiten, die Schule besuchte sie nur unregelmäßig. Mit 9 Jahren wird sie mit ihrem Cousin verlobt, mit 14 Jahren muss sie ihn heiraten - gefragt wurde sie nicht. Sie ist nur eine Frau, deren Meinung nicht zählt!

Doch anstelle einer großen Hochzeitsfeier, wird in der Türkei nur standesamtlich geheiratet. Die große Feier soll in Deutschland, dem "gelobten" Land nachgeholt werden. 15 Tage nach ihrer Ankunft soll die Hochzeit stattfinden und somit die Ehe offiziell geschlossen werden. Doch bereits an ihrem 2. Abend in Deutschland wird sie von ihrem Cousin / zukünftigen Ehemann vergewaltigt.

Am Morgen nach der Hochzeit kommt ans Licht, dass sie keine Jungfrau mehr war! Ihre dominante Schwiegermutter beschimpft sie fortan als *Hure*, auch nachdem ihr Sohn gestanden hat, dass er es war, der ihr vor der Hochzeit die Unschuld nahm. 

Nach der Hochzeit wird es immer schlimmer. Ihr Mann schlägt und vergewaltigt sie regelmäßig und ihre dominante Schwiegermutter zwingt sie von morgens bis abends zu arbeiten - Lohn bekommt sie allerdings keinen. Alles Geld, was Ayse und ihr Mann verdienen, geht auf das Konto der Schwiegermutter. Mit 15 bekommt sie ihr erstes Kind. 

19 Jahre lang erträgt sie dieses Leben, 4 Kinder bekommt sie von ihrem Mann, doch dann hat er sie einmal zu oft misshandelt. Sie beschließt zu fliehen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Doch dann verschleppt ihr Ehemann die jüngsten Kinder in die Türkei ...


Was für ein erschütterndes Buch! Aus den Medien hören wir viel über Zwangsheirat und Ehrenmorden, doch hier spricht ein Opfer. Hauptsächlich ein Opfer der Traditionen und ihrer Umwelt. Ayse schildert ihr Leben, von den ersten Jahren an in der Türkei, bis zur Gegenwart in Deutschland. Deutlich hervorgehoben sind die Kämpfe, die sie  nicht nur mit sich, sondern auch mit ihrer Umwelt ausgetragen hat. Der Schreibstil des Buches ist sehr packend geschrieben, ohne übermäßig emotional zu wirken. Alles in allem hat mich dieses Buch sehr nachdenklich zurück gelassen.


Bewertung
 

Die Autorin:
Ayse wurde irgendwann im Frühjahr 1964 in Anatolien geboren. Ihre Mutter meldete das Kind erst ein Jahr später bei der zuständigen Behörde und gab als Geburtsdatum den 15. Januar an. Vierzehn Jahre später wird dieses Datum noch einmal manipuliert diesmal um sie älter und damit heiratsfähig zu machen. Im Juli 1978 wurde Ayse zwangsverheiratet und nach Deutschland gebracht. Hier erlebte sie 19 Jahre Ehehölle. Inzwischen ist sie geschieden. Sie lebt mit zwei ihrer vier Kinder in der Nähe von München.

Wie ich zu dem Buch kam:

Schon lange wollte ich dieses Buch lesen und als ich es die Tage in der Bibliothek entdeckte, habe ich es umgehend ausgeliehen.


Donnerstag, 29. Dezember 2011

[Rezension] Somaly Mam - Das Schweigen der Unschuld



Vorab ein paar Eckdaten:
Seitenanzahl: 223
ISBN: 978-3-547-71108-0
Erscheinungstermin: 1. August 2007
Format: Hardcover

Verlag: Marion von Schröder


Klappentext:
Im Osten von Kambodscha verbringt Somaly Mam ihre ersten Lebensjahre in unbeschreiblicher Armut. Als sie sechs Jahre alt ist, verkauft ihre Familie sie an einen älteren Mann, dem sie den Haushalt führen muss. Mit vierzehn wird sie an ein Bordell in Phnom Penh weiterverkauft, wo sie als Kinderprostituierte die Abgründe menschlichen Daseins kennen lernt. Lange Jahre muss sie, wie viele andere Kinder auch, Qualen erleiden. Dann lernt sie einen Franzosen kennen, Pierre, der sich in sie verliebt und sie aus ihrer Hölle befreit. Eindringlich, aufwühlend und ergreifend erzählt sie hier ihre erschütternde Geschichte.


Rezension:
Somaly wuchs in einem kleinen Dorf in den Bergen von Kambodscha auf. Ihre Eltern hatten sie früh verlassen, erzogen und versorgt wurde sie mehr oder weniger von Verwandten im Dorf. Mit sechs Jahren wird sie an einen alten Mann verkauft, der sie wie eine Haussklavin hält. Sie muss ihm den ganzen Haushalt bestellen und ein menschenunwürdiges Dasein führen. Lange Jahre hält sie aus, denn ihre Erziehung verbietet ihr, älteren Menschen und vor allem Männern, zu widersprechen. Als sie 12 ist, wird sie von einem chinesischen Händler vergewaltigt - und verliert darüber nie ein Wort, denn die eigenen Gefühle sind etwas, über das man nicht spricht. Später findet sie heraus, dass diese Vergewaltigung kein Zufall war.

Mit 14 wird sie verheiratet und muss Schläge und Demütigung durch ihren Mann hinnehmen. Widersprechen kommt ihr nicht in den Sinn. In dieser Zeit arbeitet sie als Krankenschwestern, doch auch hier ist sie nicht vor sexuellen Übergriffen durch Ärzte und Pfleger sicher. Kurze Zeit später wird ihr Mann bei einem Kampfeinsatz getötet. Daraufhin wird sie in ein Bordell in Phnom Penh verkauft.

Hier muss sie, ob sie will oder nicht, mit Männern verkehren. Lange Jahre fristet sie ihr Dasein. Die Bordellinhaber vertrauen ihr immer mehr, sodass sie mehr und mehr Freiräume hat, doch nach wie vor muss sie Kunden empfangen und ihren Verdienst abgeben. Dann lernt sie Pierre kennen, einen jungen Franzosen, ein Laborant, der befristet in Kambodscha arbeitet. Dieser verliebt sich in sie und will ihr helfen, das Elend der Prostitution hinter sich zu lassen. Somaly, die Pierre nicht liebt und dies auch nie tun wird, willigt ein, heiratet ihn später sogar. Nach und nach kommt ihr die Erkenntnis, dass ihr Leben nicht umsonst ist. Sie hat beschlossen, der Kinderprostitution in ihrem Heimatland den Kampf anzusagen und jungen Mädchen die Möglichkeit zu bieten, ein neues Leben zu beginnen. Doch damit schafft sie sich nicht nur Freunde ...


Bei diesem Buch handelt es sich um einen Erfahrungsbericht einer ehemaligen Kinderprostituierten, die es geschafft hat, dem Milieu zu entkommen und die beschlossen hat, gegen ihre Widersacher zu kämpfen. Sie hat eine Hilfsorganisation gegründet, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Kindern und jungen Frauen aus der Prostitution heraus zu helfen und ihnen ein neues Leben zu ermöglichen. Der Schreibstil ist eher distanziert gehalten, so als erzähle sie die Geschichte von jemand anderem, nicht ihre eigene.

Bewertung: Note 3

Die Autorin:
Somaly Mam, geb. 1970, ist eine Aktivistin im Kampf gegen die sexuelle Ausbeutung von jungen Mädchen und Frauen.

Zur Homepage der von ihr gegründeten Organisation kommt ihr hier.


Wie ich zu dem Buch kam:

Dieses Buch habe ich durch Zufall in meine Bibliothek entdeckt und sofort entliehen.

Dienstag, 2. August 2011

[Rezension] Merel van Groningen - Und plötzlich gehörst du ihm ...


Klappentext:
Merel ist fünfzehn, als sie Mike kennen lernt. Sie verliebt sich - ist doch egal, dass er so viel älter ist, eine kriminelle Vergangenheit hat und komische Freunde. Zu Hause gibt es eh nur noch Stress, und Mike fängt sie auf. Blind vor Liebe merkt Merel nicht, was Mike plant. Als das Geld mal wieder alle ist, glaubt sie sogar selbst, dass es keinen Ausweg gibt als den, dass Merel sich verkauft ...

Rezension:
Merel ist 15, ihr Vater hat die Familie verlassen und mit einer anderen Frau eine neue Familie gegründet und auch die Mutter hat wieder neu geheiratet. Ihr leiblicher Vater kümmert sich weder um sie, noch um ihren kleinen Bruder und ihr Stiefvater stellt nur Regeln und Forderungen auf. Merel wird das alles zuviel, sie wird immer schlechter in der Schule und denkt auch nicht daran, etwas daran zu ändern. Lieber hängt sie mit ihrer Freundin Anne rum und hat Spaß mit Pferden.

Durch Anne lernt sie Mike kennen, in den Anne heimlich verliebt ist. Er wird ein guter Freund, nicht mehr, und die beiden Mädchen verbringen immer mehr ihre Freizeit bei ihm in seinem Haus. Doch Annes Mutter kommt dahinter und verbietet ihrer Tochter den Umgang mit Mike, da dieser u. a. vorbestraft ist. Anne biegt das so hin, dass Merel die Schuldige ist, sie sei verliebt in Mike und habe sie immer wieder dazu überredet, zu Mike zu gehen. Merel beendet diese Freundschaft - jetzt hat sie nur noch Mike.

Nachdem sich ihre schulischen Leistungen noch immer nicht gebessert haben und sie nicht versetzt wird, ja schlimmer noch, von der Schule verwiesen, beschließen ihre Mutter und ihr Stiefvater, Merel in ein Internat zu bringen. Erst ist sie sehr widerwillig, doch bei einem Probebesuch im Internat stellt sie fest, dass es ihr dort gut gefällt und sie beschließt zu bleiben. Zwischenzeitlich wird es zwischen ihr und Mike ernster, die beiden werden ein Paar.

Mike ist alles andere als angetan von der Idee, Merel nicht mehr um sich zu haben, doch sie beschließt, auf dem Internat zu bleiben, weil sie dich Einsicht hat, sich nur dort eine Zukunft aufbauen zu können. An sogenannten "freien" Wochenende verbringt sie ihre Zeit abwechselnd zu Hause und bei Mike.

Auch in den Ferien verbringt sie einen Großteil ihrer Zeit mit Mike und seinen Freunden. Als sie zurück ins Internat muss, teilt sie ihrem Gruppenleiter mit, dass sie gerne noch eine Woche länger bleiben würde. Dieser lehnt das jedoch aus guten Gründen ab. Als Merel Mike am Telefon mitteilt, dass sie nicht mehr kommen können, holt dieser sie mit vorgehaltener Waffe aus dem Internat. Fortan lebt sie bei ihm. Doch der Mike, in den sie sich verliebt hat, kommt immer seltener zum Vorschein. Er prügelt sie und lässt sie hungern. Da sie erst 15 ist, bekommt sie noch keine Sozialhilfe, sodass das Geld immer knapper wird. Dann kommt Mike auf die Idee, dass Merel anschaffen gehen soll ...


Ein erschütternder Bericht einer jungen Frau, ja fast noch ein Mädchen, dass sich in den falschen Mann verliebte, der nach und nach dafür sorgte, dass ihr keiner mehr zur Seite stand und sie ihm schutzlos ausgeliefert war. Nur mit Hilfe eines Fremden ist sie dieser Hölle entkommen.

Bewertung: Note 2

Die Autorin:
Merel van Groningen verfasste das Buch unter einem Pseudonym. Sie hat sämtliche Kontakte aus diesem dunklen Kapitel ihres Lebens abgebrochen und ein völlig neues Leben begonnen.


Wie ich zu dem Buch kam:
In einem Katalog bin ich auf das Buch aufmerksam geworden und als ich es neulich im Laden stehen sah, habe ich es spontan mitgenommen.




Sonntag, 29. Mai 2011

[Rezension] Dave Pelzer - Sie nannten mich "Es"




Klappentext:
"Du hast mein Leben zur Hölle gemacht. Jetzt ist an der Zeit, dass ich dir zeige, wie die Hölle ist!" Mit diesen Worten zerrte die Mutter ihren fünfjährigen Sohn wie von einem teuflischen Plan besessen zum Herd und hält seinen Arm in die orange-blaue Gasflammen, bis ihnen der Geruch von versengter Haut in die Nase steigt.

Die schier unglaubliche Geschichte einer Kindesmisshandlung: Jahrelang wird Dave von der eigenen Mutter brutal geschlagen und in grausamen "Spielchen" beinahe umgebracht. Immer wieder wird er Zielscheibe ihrer ungezügelten Aggresion - physische und psychische Folter von beinahe unvollstellbarer Grausamkeit. Einzugreifen und der rohen Gewalt ein Ende zu bereiten wagt in der Familie niemand. Erst als seine Lehrer sich einmischen, kommt für den bereits halb verhungerten Jungen die Rettung. Ein aufrüttelnder Schicksalsbericht, der uns alle mit der Frage konfrontiert, wie lange man die augen vor elterlicher Gewalt verschließen darf.
Rezension:
In diesem Buch berichtet Dave Pelzer über sein Leben von seinem 4. - 12. Lebensjahr. Anfänglich war die Welt noch in Ordnung, seine Eltern liebten ihn und seine Geschwister. Nach und nach jedoch verfielen beide Eltern dem Alkohol. Auf die Mutter hat das fatale Folgen, sie wurde aggresiv und grausam. Für den Abbau ihrer Aggression brauchte sie ein Opfer - Dave. Es wurde nie klar, warum gerade er und nur er allein Opfer dieser Misshandlungen wurde und seine Brüder ein unbeholtenes Leben führen durften.

Nach und nach steigerten sich die Misshandlungen durch die Mutter, mehrere Male brachte sie ihren Sohn fast um. Dave wurde aus der Familie ausgegrenzt und mit Nahrungsentzug bestraft. Auch durch seine Brüder wurde er später misshandelt. Er war nur noch ein Sklave im elterlichen Haushalt und lebte mit dem Wissen, dass seine Mutter ihn eines Tages umbringen würde.

Am 5. März 1973 endlich fassten sich Lehrer seiner Schule ein Herz und informierten die Behörden. An diesem Tag wurde David wiedergeboren.



Ein erschütternder Bericht über eine Kindheit, die keine war. Dave Pelzer beschreibt in diesem Buch aus kindlicher Sicht die damaligen Erlebnisse und wie er es geschafft hat, nicht aufzugeben, sondern immer weiter um sein Leben zu kämpfen.

Bewertung: Note 1


Der Autor:
Dave J. Pelzer, geboren 1960, hat sich die Bekämpfung von Kindesmisshandlung unter dem Motto "Hilfe zur Selbsthilfe" zur Lebensaufgbe gemacht. Nach Beendigung seines Dienstes bei der U.S. Air Force unterstützt er die Arbeit verschiedener Kinderschutzorganisationen. Nich zuletzt durch das Offenlegen der eigenen Erfahrungen leistet er einen wichtigen Beitrag zur Sensibilisierung für dieses Thema in der ganzen Welt.


Weitere Informationen zu dem Autoren bekommt ihr hier.


Wie ich zu dem Buch kam:
Beim neuerlichen Shoppen im Buchhandel ist mir der Titel des Buches aufgefallen und ich habe es spontan mitgenommen.

Samstag, 14. Mai 2011

[Rezension] Oxana Kalemi - Sie haben mich verkauft


Klappentext:
Es sollte ein Job für drei Monate sein, als Kellnerin in einem Club in Rumänien. Sie braucht das Geld für die Zukunft ihrer drei kleinen Kinder. Doch was sie dort in Wirklichkeit erwartet, ist ein wahrer Albtraum, kaum vorstellbar im 21. Jahrhundert: Der Club ist ein Bordell, ihre neuen Arbeitgeber entpuppen sich als europaweit agierende Menschenhändler. Eine schreckliche Zeit voller Angst und Gewalt beginnt, Oxana wird immer wieder verakuft, nach Italien, Deutschland, England verschleppt. Doch ihr gelingt das Unglaubliche, sie gibt niemals die Hoffnung auf und schafft es, sich zu befreien. Ein erschütternder Bericht über die dunkelste Seite unserer Gegenwart.

Rezension:
In diesem auf Tatsachen beruhenden Buch erzählt Oxana Kalemi ihr Leben, das von Anfang an unter keinem guten Stern stand. Geboren wurde sie am 16. Januar 1976 in der Ukraine, drei Monate zu früh und dennoch hat sie überlebt. Ihre Eltern ließen sich später scheiden und sie lebte fortan bei ihrer alkoholkranken Mutter. Mit 14 Jahren wurden sie und zwei Freundinnen bei einem Strandausflug von einem Jungen angesprochen. Ihre Freundinen beschlossen, mit dem Jungen mitzugehen, sie folgte ihnen. In dieser Nacht wurde sie missbraucht, sie nur von einem einzigen Mann, der sie am nächsten Tag gleich für Sex weiterverkauft hat, ihre Freundin von dreizehn Männern und die andere Freundin tauchte nach dieser Nacht nie wieder auf. Die Polizei fand sie am Strand mit den Männern, sie leugnete alles, doch eine körperliche Untersuchung brachte die Wahrheit ans Licht. Die Polizei erstattete Anzeige, da sie es ihren Eltern nicht sagen wollte, half ihr eine Tante, das Ganze durchzustehen.

Ein Jahr später lernt sie Sergej kennen. Sie ist 15 Jahre alt, als sie von ihm schwanger wird. Als sie 16 ist, heiraten die beiden, denn das Kind soll nicht als Bastard zur Welt kommen. Doch Sergej entpuppt sich als arbeitsscheu und Dieb. Oxana bekommt noch zwei weitere Kinder von ihm. Sergej ist derweil den Drogen verfallen, begeht einen tödlichen Raubüberfall und kommt ins Gefängnis. Mit Gelegenheitsjobs schafft es Oxana, das Überleben ihrer Kinder zu sichern.

Als sie von einer Frau hört, wieviel Geld sich in der Türkei verdienen lässt, beschließt sie, dort nach Arbeit zu suchen. Sie gibt ihre Kinder in die Obhut ihrer Schwägerin. In der Türkei angekommen steht sie vor dem Nichts, die Frau hatte sie belogen. Die Fabrik, in der es angeblich Arbeit geben sollte, gab es gar nicht. Trotzdem hat sie Glück und findet Freunde die ihr Arbeit verschaffen. Regelmäßig kehrt sie nach Hause zurück, um ihre Kinder zu sehen und für ihren Unterhalt zu sorgen.

Von einer Freundin erfährt sie, dass man in Rumänien als Bardame sehr viel Geld verdienen könnte. Die Freundin bietet ihr an, für sie einen Job zu suchen und die Fahrt nach Rumänien zu organisieren. Geblendet von der Aussicht, ihren Kindern eine sorgenfreie Zukunft zu gewähren, nimmt Oxana das Angebot an. Doch am Ende der Reise stellt sie fest, dass ihre Freundin sie an Menschenhändler verkauft hat. Über Albanien nach Italien und Deutschland gelangt sie letztendlich an England, wo sie in einem Massagesalon anschaffen muss. Doch sie träumt nach wie vor davon, frei zu sein und ihren Kindern eine richtige Mutter zu sein ...


Ein erschütternder Bericht einer jungen Frau, die nichtsahnend und voller Vertrauen an Menschenhändler geraten ist. Sie erzählt eindrucksvoll aus ihrem Leben und auch über die Umstände, wie das alles passieren konnte, warum ihr die Möglichkeit der Flucht verwehrt bliebt.

Bewertung: Note 1

Die Autorin:
Oxana Kalemi wurde in der Ukraine geboren und hat drei Kinder, die noch heute dort leben. Sie wurde von Menschenhändlern entführt und mehrfach quer durch Europa weiter-verkauft, bis sie schließlich nach England kam und es ihr gelang, sich zu befreien. Heute kämpft sie vor Gericht um die Aufenthaltsgenehmigung für ihre Kinder in England.

Mehr Informationen zu diesem Thema erfahrt ihr hier.



Wie ich zu dem Buch kam: Ich bin über das Internet auf dieses Buch aufmerksam gworden und als ich es die Tage im Buchhandel entdeckt habe, habe ich es gleich gekauft.


Donnerstag, 12. Mai 2011

[Rezension] Jenny Downham - Bevor ich sterbe



Klappentext:

Die 16-jährige Tessa hat Leukämie, und die Ärzte machen ihr nur noch wenig Hoffnung. Aber Tessa will leben, wenigstens in der Zeit, die ihr noch bleibt. Sie schreibt an ihre Zimmerwand zehn Dinge, die sie tun will, bevor sie stirbt: Sex haben, Drogen nehmen, für einen Tag berühmt sein, etwas Verbotenes tun ...

Und dann triff sie Adam, und er ist der Erste, der sei versteht. Tessa spürt, dass sie etwas mit Adam verbindet, doch sie wehrt sich dagegen. Und dann begreift sie, dass sie zum ersten Mal verliebt ist. Aber darf man lieben, wenn man stirbt?

Rezension:
Tessa war 12 Jahre alt, als ihr Vater blaue Flecken an ihrem Rücken entdeckte. Ihre Mutter hatte zu diesem Zeitpunkt ihre Familie bereits verlassen. Nach einigen Untersuchungen stand fest: Tessa hat Leukämie und sie beschließt zu kämpfen.

Vier Jahre später teilen ihr die Ärzte mit, dass es für sie keine Heilung mehr geben wird. Doch so leicht gibt Tessa nicht auf, sie will leben und macht eine Liste mit zehn Dingen, die sie tun will, bevor sie stirbt:

  1. Sex haben
  2. einen ganzen Tag nur ja sagen zu allem
  3. Drogen nehmen
  4. gegen Gesetze verstoßen
  5. Auto fahren
  6. einen Tag berühmt sein
  7. Mum und Dad wieder zusammenbringen
  8. Liebe finden
  9. mit dem Freund zusammen ziehen
  10. das Baby ihrer Freundin sehen
Unterstützt wird sie von ihrer besten Freundin Zoey. Zusammen beginnen sie, Tessas Liste abzuarbeiten, denn die beiden wissen, dass ihnen nicht mehr viel Zeit bleibt. Doch dann lernt Tessa Adam kennen und verliebt sich in ihn. Zuerst tut sie alles, um ihn auf Distanz zu halten, denn es ist ihrer Ansicht nach nicht fair, ihn mit ihrem Leid zu konfrontieren. Doch die Anziehung zwischen den beiden ist zu stark und sie werden ein Paar. Doch Tessas Zustand verschlechtert sich schneller als erwartet. Wird sie in der Lage sein, ihre Liste abzuarbeiten?


Ein wunderbar geschriebenes Buch aus der Sicht der 16-jährigen Tessa. Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen, auch vor der Alltags-Sprache scheut die Autorin nicht zurück, um das Buch realistischer zu gestalten. Durch fundiertes Fachwissen wird dieses Buch sehr überzeugend. Auf Grund des ungewöhnlich ergreifenden Schreibstils der Autorin habe ich die letzten 70 Seiten dieses Buches nur mit Taschentüchern bewaffnet überstanden, sosehr hat mich diese Geschichte in den Bann gezogen.

Bewertung: Note 1


Die Autorin:
Jenny Downham hat als Schauspielerin in einer freien Theatergruppe gearbeitet, bevor sie anfing zu schreiben. Sie lebt mit ihren beiden Söhnen in London. "Bevor ich sterbe" ist ihr erster Roman, der in mehr als 20 Ländern verkauft wurde und einer der erfolgreichsten britischen Bestseller der vergangenen Jahre ist.

Mehr Informationen zu der Autorin findet ihr hier.


Wie ich zu dem Buch kam: Das Buch erschien bereits vor einigen Jahren. Schon damals hat es mein Interesse erregt, jedoch befand ich das Buch damals noch als zu emotional für mich. Bei einem Bücherbummel habe ich es jetzt wieder in den Hängen gehalten und beschlossen, es zu kaufen und zu lesen.