Montag, 18. März 2013

[Rezension] Michel Ruge - Bordsteinkönig




Leseprobe


Eckdaten:
Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag: Knaur TB (4. Januar 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426785501
ISBN-13: 978-3426785508
Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12,4 x 2,4 cm

Inhalt gem. Knaur-Verlag:
Michel wird 1969 auf Sankt Pauli geboren. Der Vater: Zuhälter, abgehauen. Die Mutter: Blutjung, Kellnerin in einer Bar – oder so was. Seine Jugend ist wild. Den ersten Sex hat er mit 12 – in einem Bordell. Und kurz darauf geht es nicht um die Frage, ob er sich einer Gang anschließen sollte, sondern: welcher … Um Respekt geht es hier, auch um Männlichkeit und das Gefühl dazuzugehören. Und schließlich steht er vor der Kernfrage, auf die alles zuläuft: Werde ich Zuhälter oder nicht? "Bordsteinkönig" ist ein beeindruckendes und ungeschminktes Bekenntnis zur eigenen Herkunft.

Zum Buch:
Auf die Frage, was Michel, in Hamburg auf Sankt Pauli geboren, mal werden möchte, würde er immer mit Zuhälter antworten. Er kennt es nicht anders. Sein Vater ist Zuhälter und verdient sich sein Geld damit. Viel Geld.
Michels Meinung über Frauen - sie sind da, um benutzt zu werden.
Michels Kindheit besteht im Umgang mit Huren, wo er sich Süßigkeiten holt und die ihn niedlich finden. 
Als er das Alter hat, in eine Gang einzutreten, kommt ihm mehr der Zufall zu Hilfe, denn er wird förmlich von Ümet, einem Gangboss, eingeladen.
Seinen ersten Sex hat er mit 12, von nun an ist er ein Mann.

Michel Ruge erzählt in seiner Biographie nicht nur über seine Kinder- und Jugendzeit auf St. Pauli, sondern er zeigt die Verhältnisse auf, die seinerzeit dort vorzufinden waren, in denen er aufwuchs.
Die Gewaltbereitschaft, die heute vorherrscht, war zu seiner Zeit noch nicht so stark ausgeprägt wie heute, dass man sich Sorgen um seine Kinder machen musste, wenn man sie sich selbst überließ.
Michel war so ein Kind, dass sich eher auf der Straße aufhielt, als zu Hause oder gar in der Schule.

Wer kann über den Kiez mehr berichten, als der, der dort lebte. Michel berichtet schonungslos über seine Kindheit, über seine Mitgliedschaft in einer Straßengang und über seine Erfahrungen mit Frauen.
Es war keine Zeit des Friedens und der Harmonie. Er war schon von klein auf gezwungen, sich zu behaupten, dazuzugehören und sich verteidigen zu können, denn es herrschte eine harte und gewaltbereite Sprache auf der Straße. 

Diese Welt, die der Autor hier zeigt, ist mir völlig fremd, ich habe keinerlei Bezug dazu. Umso interessanter ist es, mit Michel in seine Vergangenheit einzutauchen und alles mit seinen Augen zu sehen. Das Denken und Fühlen eines Jungen, der keine Eltern hat, die zu den besser gestellten zählen, sondern eher ein Junge, der das Gegenteil ist. Er zählt zu den "Problemkindern", den sozial niederen Schichten. 

Michel Ruge ist durch eine harte Schule gegangen, die Schule des Lebens auf St. Pauli. Er zeigt dem Leser nicht nur die gewaltbereite Seite auf St. Pauli, er zeigt auch die der Drogen, die die Menschen vernichten und letztendlich töten.
Er berichtet von Frauen, die für ihn auf den Strich gehen wollen, also genau das tun wollen, was sein eigentliches Lebensziel war, er als Zuhälter.

Warum genau das nicht passieren wird, will ich hier nicht verraten, das solltet ihr selbst lesen.
Es ist ein lesenswertes Buch aus einer Welt, die anders war als heute, aus einer Welt, die nicht jedem zugänglich war und ist. 

Das Coverbild finde ich sehr gelungen, zeigt es einen kleinen Jungen, Zigarette im Mund, Arme in die Seite gestützt, als würde er sagen wollen: Hier bin ich, was kostet die Welt.


Bewertung:



Zum Autor:
(Text übernommen vom Knaur-Verlag)
Michel Ruge, geboren 1969, ist auf St. Pauli aufgewachsen. Seit seinem dreizehnten Lebensjahr widmet er sich intensiv dem Kampfsport. Nach Stationen als Türsteher und Personenschützer arbeitet er heute als Schauspieler und Lehrer für Selbstverteidigung und Körpertraining. Michel Ruge lebt in Berlin.



Auf diesem Wege möchte ich mich recht herzlich bei der
bedanken, die mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.



Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

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