Dienstag, 22. Juli 2014

[Interview] Das Katzenpersonal befragt CLAUDIA WINTER

Nachdem Kleeblatt das neueste Buch von Claudia Winter "Aprikosenküsse" gelesen hatte, war ihr klar, dass sie auch gern ein Interview mit der Autorin machen möchte. Diese war auch so freundlich und hat sich ihren Fragen gestellt.


 
Autorenfoto: Copyright Alexandra Zoth 

Vielen Dank an Claudia Winter für die schnelle Beantwortung.



Claudia, würdest du uns ein wenig verraten, wer du bist?
Ich bin 40 Jahre alt (oh Gott … schreibe ich das gerade wirklich?) und von Beruf Sozialpädagogin. Meine Arbeit an einer Montessorischule in Leverkusen liebe ich fast genauso sehr wie das Schreiben, das sich eigentlich erst in den letzten 5 Jahren zu einem Hobby entwickelt hat, das mittlerweile mehr Zeit, Nerven und Disziplin kostet, um es überhaupt als Hobby zu bezeichnen. Ich lebe mit meinem Mann und  meinen zwei Labradoren Kim und Luka in der Nähe von Limburg an der Lahn, wo wir für zahlreiche Freunde und Bekannte ein offenes Haus führen, denn ich liebe es, Gäste zu haben und zu verwöhnen.

Wann und warum hast du angefangen Bücher zu schreiben?
So richtig ging es los, als ich anfing, mit der Bahn von Limburg nach Leverkusen zu pendeln. Ich bin täglich rund 4 Stunden unterwegs und ein Mensch, der seine Zeit gerne sinnvoll nutzt. Als mein Mann seine Leidenschaft für ein Onlinespiel entdeckte, habe ich mich zunächst beschwert, mich dann stärker dem Schreiben zugewandt – und heute verbringe ich definitiv mehr Zeit am PC als er ;-)

Mit welchem Buch erwachte die Liebe zur Literatur?
Ich habe als Kind schon sehr viel gelesen. Erstaunlicherweise erinnere ich mich an kein bestimmtes, besonderes Buch. Aber ich habe alles von Enid Blyton verschlungen, Hanni und Nanni, Dolly, Bille und Zottel, Flicka, die unendliche Geschichte natürlich, aber das war eher später. Für mich gibt es nicht DAS Buch. Die Literaturwelt ist voller großartiger Autoren und Geschichten, und jede versteht es auf ihre Weise, mich zu fesseln. Deshalb lese ich auch heute kein bestimmtes Genre. Ich verschlinge fast alles. Nur mit Science Fiction und Western kann ich nicht so viel anfangen.

Neben der Schriftstellerei – wie viele Bücher liest du als Privatperson im Jahr?
Viel weniger, als ich gerne würde. Bei meinem Tagesablauf blieb in den letzten 5 Jahren nur im Urlaub wirklich Raum zum Lesen. Oder während diverser Schaffenspausen, die man gerne als „Schreibblockaden“ bezeichnet.

Wie überbrückst du eine Schreibblockade?
Mit Lesen, viel Sport und ausgiebigen Spaziergängen. Oft hilft es mir, mich auf mein zweites Hobby zu konzentrieren: das Malen. Dabei kann ich unheimlich gut zur Ruhe kommen und meine Gedanken schweifen lassen. Fast schon therapeutisch, so ein Pinsel.

Wie sieht dein normaler Tagesablauf aus?
Ich fahre mit der Bahn zur Arbeit und schreibe währenddessen. Gegen Abend pendele ich zurück und schreibe wieder. Dann fahre ich entweder direkt zum Sport (das mache ich 3-4x in der Woche, weil das für mich ganz wichtig ist, denn ich habe Rheuma und durch die Bewegung bleibe ich schmerzfrei) oder nach Hause zu meiner kleinen Familie. Dort gibt es den obligatorischen Feierabend-Latte-Macchiato, ich tausche mit meinem Mann die Neuigkeiten des Tages aus, spiele eine Runde mit meinen Hunden … naja und dann schreibe ich meist nochmal 2 Stunden, ehe es ins Bettchen geht. :-) Das ist ein Durchschnittstag.  Natürlich gibt es auch andere Freizeitbeschäftigungen. Ins Kino gehen (ich liebe Filme!), Essen gehen, mit Freunden grillen … eben das, was ganz normale Leute auch so tun.

Wie gehst du mit negativer Kritik um?
Es kommt auf die Kritik an. Manche Kritiken sind sehr konstruktiv und fair. Da muss ich natürlich auch schlucken, aber sie helfen mir auch oft weiter. Ich bedanke mich bei dem Kritiker und sehe, was ich davon ins nächste Buch mitnehme. Destruktive Kritik, die darauf abzielt, wehzutun, stecke ich natürlich nicht so leicht weg. Ich versuche hier einfach, auf die Intelligenz meiner Leser zu bauen, die sehr gut unterscheiden können, welche Art der Kritik vorliegt. Und selbst das Ganze aus solcher Distanz zu betrachten, dass es mir letztlich egal wird.

Wie bereitest du dich auf einen Roman vor? Du hast eine Idee und dann?
Ich bin eine Handwerkerin. Wenn ich eine Idee habe, lege ich zunächst einen sehr ausführlichen Plot als Gerüst an und schreibe ein Exposé. Direkt danach wende ich mich meinen Charakteren zu, die ich sehr genau ausarbeite, mit all ihren Wünschen, Fehlern, Macken - komplette Lebensläufe entstehen da.
Dann wende ich mich wieder dem Exposé zu, arbeite es immer feiner aus, recherchiere nebenbei (beim Letzten beispielsweise habe ich viel Italienbücher/Reiseführer gelesen, Schauplätze gegoogelt, meine Italienreisefotos und Erinnerungen hervorgekramt, im Internet recherchiert, mit Italienern geplaudert) bis es schließlich zum Arbeitsexposé wird, das ich in Kapitel einteilen kann. Aus den Kapiteln generiere ich die Szenen, verarbeite weitere Ideen. Irgendwann ist der Roman einschließlich des Endes auf dem Blatt. Und ich muss die Geschichte nur noch schreiben.

Für wie viel kommende Bücher hast du schon Ideen im Kopf?
Ich habe immer ein aktuelles Projekt im Kopf, auf das ich mich voll konzentriere.

Nach welchen Gesichtspunkten suchst du die Namen der Protagonisten aus?
Der Name muss zu den Charaktereigenschaften der Figur passen, gut in meinen Ohren klingen, die Namen der Personen dürfen einander nicht zu sehr ähneln, da sonst Verwechslungsgefahr besteht. Außerdem dürfen die Namen für mich nicht negativ besetzt sein. Kennt ihr das? Da war früher in der Schule diese Sabine, die hat doch immer … und schon hat man ein Negativbild im Kopf. Passt aber meist gut für einen Antagonisten ;-) Umgekehrt funktioniert das aber auch. Schon erstaunlich, unsere Psyche.

Könntest du dir vorstellen, deinen Beruf an den Nagel zu hängen und nur noch zu schreiben?
Die Vorstellung, den ganzen Tag allein in meinem Kämmerchen zu sitzen, Abgabetermine im Nacken, finde ich eher beängstigend. Ich brauche den Kontakt zu Menschen und besonders die Arbeit mit Kindern schenkt mir unheimlich viel. Da müsste schon ein verdammt gutes Angebot kommen, dass ich darüber nachdenken würde, das aufzugeben. Hinzu kommt ja, dass es sich ergeben hat, dass ich nebenbei auch noch als Coach und Lektorin arbeite, was mir fast genauso viel Spaß wie das Schreiben selbst macht. Es ist ein Kreuz, wenn es so viele Dinge gibt, die man gern tut. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass so ein Tag 36 Stunden hätte und ich mit nur 4 Stunden Schlaf auskäme. Das wäre toll.

Deine bisherigen Bücher sind ja reine Unterhaltungsliteratur. Ist geplant, mal einen Ausflug in ein anderes Genre zu wagen?
Oh, ich fühle mich ausgesprochen wohl damit, romantische Komödien zu schreiben. Es liegt mir, ich bin gut darin. Ich baue lieber Bestehendes aus, anstatt mich auf ein Gebiet zu wagen, wo es mit Sicherheit sehr viel bessere Autoren und Autorinnen als mich gibt. J

Das ist ja jetzt dein 4. veröffentlichtes Buch und gleichzeitig das 3., in dem es irgendwie ums Essen geht. Hat das einen speziellen Grund?
Räusper. Auch wenn man mir das vielleicht nicht ansieht – ich esse für mein Leben gern. Mein Mann nennt mich liebevoll „seine kleine braune Tonne“, ich denke das sagt genug. Aber Essen ist so viel mehr. Es ist kochen, genießen, kreativ sein, Freunde verwöhnen, Gastgeber sein. Das ganze Drumherum ist für mich zu Hause pur. Das ist schon so, seit ich in meine erste Wohnung gezogen bin. Bei mir fanden immer die gemütlichsten Abende statt.

Du hattest geschrieben, dass dieses Buch eine Herzensangelegenheit für dich ist, wie darf man das verstehen?
Aprikosenküsse ist eine Geschichte, die mir von der ersten Zeile an aus der Hand geflossen ist. Ich konnte sie sehen, riechen, schmecken, noch ehe sie geschrieben war. Mittendrin habe ich dann plötzlich Angst vor mir selbst bekommen. Ich habe ein halbes Jahr kein Wort mehr zu Papier gebracht, weil das, was da stand, für mich schon so gut war, dass ich es nur versauen konnte. Dann kam meine Kollegin Katrin Koppold ins Spiel. Sie las es, war begeistert und gab mir mein Selbstvertrauen zurück, indem sie mich motivierte, weiterzuschreiben. Diese Geschichte hat mich unglaublich viel Disziplin gekostet. Und ich glaube, es hat sich gelohnt.

Wieso diesmal Aprikosen und Italien?
Ich bin bekannt für besonders liebevoll ausgearbeitete, schräge Figuren. Und die findet man in Italien zuhauf. Ich liebe Italien, die Italiener und ihre Marotten, das Essen, die Landschaft, einfach alles dort. Und da jeder Oliven, Wein oder Zitronen kann … habe ich mir gedacht, warum nicht mal Aprikosen? Denn die werden dort auch angebaut und ich kann mich nicht erinnern, dass mal jemand darüber geschrieben hat.

Welches Buch befindet sich aktuell auf deinem Nachttisch?
Ich lese gerade eine Krimireihe von Nicci French. Frieda Klein heißt die Hauptfigur, eine Psychotherapeutin, die der Londoner Polizei bei der Aufklärung von Verbrechen hilft. Ich finde die Serie und die Protagonistin ziemlich brillant, wenn sie auch nicht gegen Michael Robotham's Thriller ankommt. :-) Sein Sprachniveau ist anbetungswürdig und ich habe viel von seiner Art zu schreiben gelernt.

Was wünschst du dir für die Zukunft?
Gesundheit. Denn ohne die geht gar nichts. Und ganz viele alte und neue Leser(innen), die sich von mir nach Italien (ver-)führen lassen. 



Mehr über die Autorin Claudia Winter erfahrt ihr auf ihrer Autorenseite

Wer jetzt neugierig auf das Buch geworden ist und wie Kleeblatt es bewertet hat, der möge doch mittags noch einmal vorbeischauen.

1 Kommentar:

Beate hat gesagt…

Ein wirklich tolles Interview. Und es macht mich sehr, sehr neugierig auf dieses Buch.

LG Beate