Wiebke, würdest du uns ein wenig verraten, wer du bist?
Klar!
Also, ich heiße Wiebke Lorenz, wurde 1972 in Düsseldorf geboren und lebe seit 1996 in Hamburg. Hier habe ich nach meinem Studium in Trier (Germanistik, Anglistik, Medienwissenschaft) und Köln (Drehbuch) eine Ausbildung zur Zeitschriftenredakteurin absolviert und auch einige Jahre bei verschiedenen Magazinen gearbeitet (u. a. Petra, Für Sie, Maxi).
1998 erschien mein erster Roman mit dem schwungvollen Titel „Männer bevorzugt“ im Rowohlt-Verlag, seitdem sind noch zahlreiche andere gefolgt. Nebenbei habe ich weiter als Journalistin gearbeitet, allerdings freiberuflich, u. a. für Cosmopolitan, stern.de und BILD. Dann habe ich auch ein bisschen fürs Fernsehen geschrieben, zum Beispiel einen Sat.1-Film mit dem ebenfalls schwungvollen Titel „Welcher Mann sagt schon die Wahrheit?“ Für den Titel kann ich nichts, die Geschichte entstand nach einem Roman von mir, der eigentlich „Liebe, Lügen, Leitartikel“ hieß.
Den meisten Lesern bin ich wohl eher unter meinem Pseudonym „Anne Hertz“ bekannt. Unter diesem Namen schreibe ich seit zehn Jahren zusammen mit meiner Schwester Frauke Scheunemann heitere Frauenromane. Und weil mir das so großen Spaß macht, habe ich noch weitere Pseudonyme, zum Beispiel „Jana Sonntag“ (u. a. „Mein wunderbarer Brautsalon“), Lena Gold (u. a. „Voll auf Ex-Kurs“) und Leonie Winter. Als Leonie Winter ist von mir gerade der Roman „Unter Umständen verliebt“ (Goldmann) erschienen.
Tja, und unter meinem „echten“ Namen Wiebke Lorenz veröffentliche ich mittlerweile Psychothriller wie „Allerliebste Schwester“ und „Alles muss versteckt sein“. Momentan arbeite ich an meinem neuen Thriller, der im März 2015 im Diana Verlag erscheinen wird. Und ein neuer Anne Hertz ist natürlich auch in der Mache, hier wird also fleißig getippt.
Ich lebe ich mit meiner kleinen Tochter Luzie (19 Monate) und meinem Freund Matthias (der beste Mann, wo gibt) in Hamburg-Hoheluft, gehe in meiner Freizeit gern joggen und, äh, shoppen, lese wie eine Geisteskranke und bin ein großer Musik- und Irland-Fan.
Reicht das erst einmal?
Wann und warum hast du angefangen Bücher zu schreiben?
Das war nicht wirklich geplant, eher im Gegenteil. Eigentlich wollte ich mal Musik studieren, genauer gesagt Cembalo und Querflöte. Als ich siebzehn Jahre alt war, suchte die „Neuß-Grevenbroicher-Zeitung“ – ein Regionalableger der „Rheinischen Post“ – jemanden, der Konzertkritiken schreiben wollte. Das habe ich versucht, und es hat gut geklappt. Und war mit fünfzig Mark pro Artikel für eine Schülerin auch echt gut bezahlt. So bin ich dann zum Schreiben gekommen, denn schon bald stellte ich fest, dass mir das mehr Spaß machte als die Musik.
Also nahm ich eine Kursänderung vor und beschloss, Journalistin zu werden und fing nach einem kurzen Ausflug als Werbetexterin in einer Frankfurter Agentur mein Literaturstudium in Trier an. Ende 1995 entdeckte mein damaliger Freund eine kleine Geschichte, die ich mal aus Spaß und Dollerei geschrieben hatte, auf meinem Computer. Und er war so begeistert davon, dass er mich bat, daran weiter zu schreiben.
Das habe ich gemacht, weil ich dazu irgendwie mehr Lust hatte als auf die Magisterarbeit, die ich zu der Zeit eigentlich gerade schreiben musste – und drei Monate später war mein erster Roman „Männer bevorzugt“ fertig. Die Magisterarbeit habe ich dann zwar auch noch geschrieben, aber mehr so auf den letzten Drücker mit Hängen und Würgen (dementsprechend ist die Note dann ausgefallen ...).
Meinen Roman habe ich dann vielen, vielen, viiiiiiiieeeeelen Verlagen angeboten, bis Rowohlt ihn schließlich genommen hat. Ich war ABSOLUT selig! Und weil das Buch gut lief, habe ich gleich das nächste geschrieben. Und dann noch eins und noch eins und noch eins – und auf einmal war ich „aus Versehen“ Schriftstellerin.
Mit welchem Buch erwachte die Liebe zur Literatur?
Mit einem, das ich geschrieben habe oder gelesen? Ich nehme mal die zweite Alternative Ich habe als Mädchen wahnsinnig gern die Fantasy-Romane von Wolfgang und Heike Hohlbein gelesen. Und „Krabat“ von Ottfried Preussler. Die Jugendromane von John Christopher („Leere Welt“) fand ich auch ganz großartig. Später, so mit Anfang zwanzig, habe ich mich dann in die Bücher von Anne Tyler verliebt, u. a. „Die Reisen des Mr. Leary“.
Gibt es Autoren, die du besonders magst bzw. die dir als Vorbild dienen?
VIELE! Also, Anne Tyler finde ich immer noch toll, John Christopher auch. Im heiteren Bereich verehre ich Conni Lubek, im literarischen Tina Uebel. Ich fand „Das Rosie-Projekt“ klasse und „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“, dann noch „Totenfrau“ von Bernhard Aichner und die Bücher von Ursula Posznanski. Meike Winnemuth („Das große Los“) halte ich für eine absolut begnadete Autorin und, und, und ... Ich kann es wirklich nicht sagen, mir begegnen ständig neue Vorbilder, weil ich ständig lese
Neben der Schriftstellerei – wie viele Bücher liest du als Privatperson im Jahr?
Uff, also, vierzig sind es mit Sicherheit. Dazu dann noch etwa fünfzehn bis zwanzig Hörbücher, die ich beim Joggen höre.
Wie überbrückst du eine Schreibblockade?
Laufen gehen, spazieren, mit Freundinnen treffen oder telefonieren, mit Luzie spielen. Ich zwinge mich nicht, das bringt meiner Erfahrung nach nichts, sondern versuche, den Kopf frei zu bekommen – dann sind auf einmal auch wieder die Ideen da. Wenn ich irgendwo hänge, habe ich es schon oft erlebt, dass mir die Lösung über Nacht – also quasi im Schlaf – kam. Dann bin ich morgens aufgewacht und wusste auf einmal, wie es weitergeht, mein Unterbewusstsein scheint nachts brav weiter zu ackern
Wie sieht dein normaler Tagesablauf aus?
Wir stehen gegen acht Uhr auf, machen Luzie für die Kita fertig und bringen sie um neun Uhr hin. Dann gehe ich entweder laufen oder daddel gemütlich noch ein bisschen rum, zwischen 10 und 15 Uhr sitze ich dann meistens am Schreibtisch. Dann hole ich Luzie aus der Kita und bin mit ihr bis etwa 19.00 Uhr unterwegs oder wir spielen zu Hause. Danach gibt’s Abendessen und es geht für die Kleine ins Bett, dann kommt entweder noch eine späte Schreibschicht oder Matthias und ich sinken ermattet aufs Sofa
Wie gehst du mit negativer Kritik um?
Ich versuche, sie gelassen an mir vorbeischwimmen zu lassen. Klappt mal besser, mal schlechter. Wenn man etwas tut, was öffentlich ist, muss man damit leben, das ist einfach so. Wer das nicht kann, sollte nicht veröffentlichen, sondern sich einen anderen Job suchen. Es ist UNMÖGLICH, dass das, was man tut, JEDEM gefällt.
Wie wichtig ist dir der Leserkontakt und das direkte Feedback deiner Leser?
Sehr wichtig! Zum einen macht es viel mehr Spaß, wenn man nicht so ins „Leere“ schreibt, sondern weiß, für wen man das tut – zum anderen bekomme ich da wichtiges Feedback, aus dem ich eine Menge lernen kann.
Wie bereitest du dich auf einen Roman vor? Du hast eine Idee und dann?
Dann fange ich an, die Charaktere und die gesamte Geschichte von Anfang bis Ende fertig zu entwickeln. Dazu spiele ich die Handlung komplett im Kopf durch, brainstorme quasi mit mir selbst. Außerdem arbeite ich viel mit der Dramaturgin Alexandra Heneka zusammen, gemeinsam mit ihr entwickele ich fast alle meine Geschichten. Und Freunde müssen auch hin und wieder herhalten, um mit mir über die Story nachzudenken.
Für wie viel kommende Bücher hast du schon Ideen im Kopf?
Hm, ich würde sagen, etwa acht bis zehn.
Wiebke, du schreibst Unterhaltungsliteratur, allein und gemeinsam mit deiner Schwester sowie Thriller. Das ist ein gewaltiger Kontrast. Welches Genre liegt dir persönlich mehr?
Was mir ziemlich leicht fällt, ist die Unterhaltungsliteratur, das entspricht wohl meinem Grundnaturell. Als rheinische Frohnatur, die ich nun mal bin, muss ich mich immer ein bisschen ausbremsen, um nicht einen Spruch nach dem nächsten rauszuhauen (und damit anderen Leuten gehörig auf den Keks zu gehen).
Die Thriller schreibe ich auch gern, aber an denen sitze ich viel, viel länger, sowohl beim Entwickeln der Geschichte also auch beim Schreiben. Aber sie sind eine tolle Herausforderung!
Wie entstand die Idee zu dem Buch „Unter Umständen verliebt“?
Na ja, die Idee dazu kam mir, als ich selbst schwanger war. So einfach ist das. Und dann fängt es in meinem Kopf an, vor sich hinzutickern
Wenn du das erste Mal das gedruckte Exemplar deines Buches in der Hand hast, liest du es dir noch einmal durch und unter welchen Gesichtspunkten liest du es?
Ich lese es meist nicht mehr ganz, sondern blättere es durch und lese hier und da ein bisschen, wie bei einer Stichprobe. Dabei gucke ich einfach, ob es mir noch gefällt und ich damit zufrieden bin. Und natürlich gucke ich, wenn ich eine Lesung habe, welche Passagen sich zum Vortragen eignen. Aber ansonsten lese ich lieber Bücher, die ich nicht selbst geschrieben habe, das ist wesentlich spannender
Haben deine eigenen Bücher ein eigenes Regal nur für sich (z. B. eine Vitrine im Wohnzimmer)
Sie sind ziemlich unübersichtlich, kreuz und quer in die rechte Seite meines Regal im Arbeitszimmer gestopft oder liegen noch in Kartons rum, die oben AUF dem Regal stehen. Manchmal stehe ich davor und denke: „Hm, deine Bücher könntest du auch mal ein bisschen liebevoller präsentieren und hier aufräumen.“ Aber man kommt ja zu nix ...
Welches Buch befindet sich aktuell auf deinem Nachttisch?
Da ich immer parallel lese, gleich mehrere.
Bücher: „Der Circle“ von Dave Eggers, „Krähenmädchen“ von Erik Axl Sund, „Kein Friede den Toten“ von Harlan Coben und „Und Eva sprach ...“ von meiner Freundin Jana Voosen, das ich netter Weise vorab bekommen habe. Hörbuch: „Herr aller Dinge“ Andreas Eschbach.
Was wünschst du dir für die Zukunft?
Ein Geschwisterchen für Luzie! Wenn es noch einmal klappt, ich bin ja nicht mehr ganz taufrisch Wenn nicht, dann einfach nur ein paar Millionen auf meinem Konto, hä, hä.