Folgende Bücher hat Patrizia Sabrina Prudenzi bereits geschrieben:
Patrizia, stellst du dich uns kurz vor?
Ich heiße Patrizia Sabrina Prudenzi, bin in Mannheim geboren aber in
Italien aufgewachsen. Mein Vater ist Italiener, meine Mutter Deutsche. Ich bin
mit 22 Jahren nach Deutschland zurückgekehrt, eigentlich um die deutsche
Sprache besser zu lernen. Aber ich war von Deutschland so begeistert, dass ich
alles hingeschmissen habe und ganz einfach hier geblieben bin. Ich war
wohlbemerkt nur mit einer Sporttasche voller sommerlicher Kleidung eingereist,
die bereits für den damaligen relativ kühlen Sommer ziemlich ungeeignet waren.
Trotzdem bin ich geblieben, weil ich mich hier frei fühlte. Mit einer Menge
Jobs (In Nachschichten bei der Post Züge be- und entladen, Küchenhilfe,
Sprachlehrerin für Italienisch, später als Angestellte an der Universität
Mannheim und schließlich freiberufliche IT-Trainerin und –Beraterin) habe ich
mir mein Studium finanziert und dadurch eine Menge über mich und andere
Menschen gelernt. Ich habe mich nie ganz deutsch oder ganz italienisch gefühlt,
sondern irgendwie „zwischendrin“.So bin ich mit beiden Kulturen vertraut und
habe dadurch gelernt, alles „von Außen“ zu betrachten. Schon als Kind war mir wichtig zu verstehen,
warum Menschen auf eine gewisse Art und Weise handeln und reagieren. Ich denke,
das hilft mir heute unheimlich bei dem Entwurf und der Beschreibung meiner
Figuren.
Ja, natürlich. Ich
kann leider (noch nicht?:-) ) vom Schreiben leben. Für viele Jahre habe ich als
Software-Entwickler, aber auch als Project Manager und Software Architect
gearbeitet. Seit ca. 4 Jahren habe ich eher eine administrative Aufgabe: Ich
betreue die weltweiten IT-Projekte meiner Firma bei der Abwicklung und deren
Übergang (Transition) in den Support. Ich habe mit vielen Menschen und
Technologien zu tun und muss manchmal ganz schnell etwas improvisieren, um
Probleme zu lösen. Es ist ein schöner, aber auch stressiger Job. Das Schreiben
hilft mir oft dabei, von meinem Job „runter zu kommen“.
Unter der Woche
versuchen gegen 7 Uhr aufzustehen, dann gibt es Frühstück mit Zeitungslektüre,
danach werden die Vögel gefüttert (um die Katzen kümmert sich mein Freund),
dann mit der Straßenbahn zur Arbeit fahren. Ich nehme mir jeden Tag vor,
rechtzeitig nach Hause zu kommen, dies schaffe ich aber in den seltensten
Fällen. Im Sommer gehe ich abends Joggen oder Radfahren, im Winter gehe ich die
Strecke von der Arbeit nach Hause (ich nenne das Stadttraversieren). So bekomme
ich den Kopf frei. Zu Hause setzte ich mich mindestens noch eine Stunde an den
Computer und schreibe. Am Wochenende auf jedem Fall mehr Sport, Ausflüge, etc.
Ich bin eher ein aktiver Mensch und liebe die frische Luft.
Mit einer Menge
Bücher, die ich nicht lesen konnte J. Meine Mutter hatte eine
umfangreiche Sammlung von Liebesromanen. Ich stand schon im Vorschulalter vor
den Regalen und war fasziniert von den Büchern. Ich nahm sie in die Hand und
versuchte zu verstehen, worum es ging. Leider konnte ich noch nicht lesen und
deutsche Texte schon mal gar nicht. Als ich bereits im Alter von 5 Jahren zur
Schule kam (weil sie mich aus dem katholischen Kindergarten rausgeschmissen
haben, da die zuständige Nonne fand, dass ich deutlich zu frech und zu
selbstständig war) habe ich in Windeseile das Lesen und Schreiben gelernt. Ab
dem Zeitpunkt habe ich damit begonnen, Enzyklopädien zu lesen, die bei uns im
Haus waren, weil ich nichts anders hatte (die Bücher meiner Mutter waren ja auf
Deutsch). Mein erstes Buch schenkte mir meine italienische Oma, als ich 8 Jahre
alt war: Pippi Langstrumpf. Das habe ich verehrt.
Nicht eines,
sondern ein ganzer Stapel und zwei Kindles. Auf einem der Kindles habe ich
einen Ordner, in dem ich die Bücher speichere, die ich momentan lese. Ich habe
nachgezählt: Es sind 34. Ich lese mittlerweile alles parallel, auf Deutsch
sowie auf Englisch.
Geschrieben habe
ich schon immer, ohne dass es mir bewusst war. In der Grundschule hatte ich zu
Hause immer ein dickes Heft und ich habe nachmittags für mich einen Aufsatz
geschrieben, weil mir das Spaß gemacht hat und die Themen für die Schulaufsätze
so langweilig waren. Dazu kamen verschiedene Arten von Tagebüchern. Später
Gedichte. Als ich nach Deutschland kam, war ich für viele Jahre zu beschäftigt,
um an das Schreiben zu denken und sogar um Bücher zu lesen. Mit dem Schreiben
von Büchen habe ich begonnen, als ich noch in meiner Studentenzeit als
IT-Trainer unterwegs war. Mangels geeigneten Lehrmaterials für die
Excel-Programmierung habe ich mir mein Lehrbuch selbst geschrieben (mit dem
Bleistift auf Umweltpapier). Meine Schüler brachten mich auf die Idee, daraus
ein Buch zu machen. Nach 5 Fachbüchern hatte ich nach der Aufgabe meiner
selbstständigen Tätigkeit keine Zeit mehr zum Schreiben. Einige Jahre später
kam dann die Wendung. Bitte nicht lachen, es war am 23. Dezember 2004, genau um
20:40 Uhr. Ich hatte ein Buch von Henning Mankell in der Hand (The return of
the dancing master): Das Buch hat mir dermaßen gut gefallen, dass ich mir
überlegt habe, auch einen Krimi zu schreiben. Ich habe es sofort angepackt mit:
Lesen aller Bücher eines bestimmten Autor (Der erste war Henning Mankell),
lesen aus einer Menge von Büchern über das »creative writing«, schreiben von
Kurzgeschichten, etc. Als dann bei einem Schreibkurs an der Volkshochschule ein
Verleger anbot, meine erste Kurzgeschichte zu publizieren, gab es kein Zurück
mehr.
Wie wichtig sind dir der Leserkontakt und das direkte Feedback deiner
Leser?
Sehr wichtig. Ich trage gerne meine Texte vor und schätze es mich mit meinem Publikum anschließend darüber auszutauschen. Es ist immer sehr schön für mich zu spüren, was die Menschen über meine Geschichten denken. Leider habe ich vor jeder Lesung ein brutales Lampenfieber.
Der deutsche
Buchmarkt ist schwierig, da in Deutschland die Meinung vorherrscht, gute
Literatur müsse etwas Asketisches und zum Teil Deprimierendes an sich haben
(viellicht auch langweiliges, wenn man etwas provokativ sein will). Autoren,
die lustige oder „nur“ unterhaltsame Bücher schreiben, werden im Kulturbetrieb
nicht ernstgenommen. Dank des Selbstpublishing ändert sich aber etwas: Jetzt
kann jeder sein Werk herausbringen und es gibt auch vieles, das keine gute
Qualität hat. Aber was soll’s? Lieber so, als wenn ein paar graue Herren
alleine entscheiden würden, was geschrieben und gelesen werden darf.
Letztendlich müssen die Leser selbst entscheiden, was ihnen gefällt und was
nicht. In meinem Genre – Horror und Krimi/Thriller – hat man als Frau zuweilen
einen Nachteil. Ich hatte mir schon überlegt, mir ein männliches Pseudonym
zuzulegen. Vielleicht mache ich das noch.
Ich gehe nur dann
gezielt in einen Buchladen, wenn ich jemandem etwas schenken will. Ich kaufe
die meisten Bücher für mich als eBook über das Internet. Manchmal, wenn ich wie
öfters abends von der Arbeit nach Hause laufe, gehe ich in einen Buchladen, um
ganz einfach Bücher um mich herum zu haben. Ich laufe nur herum und schaue mir
alles an. Ich liebe es, von Büchern umgeben zu sein. Bevor ich meine e-Reader
hatte, gab es viele Spontankäufe. Heute fehlt mir die Zeit dazu.
Mehr Zeit für das
Schreiben und so viele Bestseller, dass ich vom Schreiben leben kann. Das
Schreiben ist für mich ein Lebensgefühl und keine lästige Arbeit.
Verdammt zur Ewigkeit ist in drei Staffeln konzipiert. Die erste Staffel
umfasst die schon erschienenen 4 Bücher, Staffel 2 und drei werden auch aus 3
bis 4 Büchern bestehen. Ich habe schon viel Material für die Staffel 2
geschrieben, aber ein Band 5 wird dieses Jahr noch nicht erscheinen, ist aber
für nächstes Jahr geplant. Inhaltlich: Olaf bekommt eine neue Freundin, die
alles anderes als pflegeleicht ist, sogar Albert verliebt sich (darauf darf man
gespannt sein), die Tochter von Olafs Freund Jürgen gerät in Lebensgefahr
(Dämonen!). Die Inspiration zu Staffel zwei habe ich auch aus alten Büchern
entliehen, die sich mit Mystik und Dämonologie beschäftigen. Es wird heftig
zugehen, das kann ich jetzt schon versichern. Außerdem weiß Olaf immer noch
nicht, was sein Vater eigentlich getrieben hat und ob er sich nicht doch mit
dem Drughulblut infiziert hat....
Das ist ein Zufall.
Ich hatte Staffel eins anderes konzipiert, bis ein Freund (Rainer Würth,
Schriftsteller) mir empfohlen hat, den Plot etwas zu vereinfachen: Heute hat
die Staffel eins drei Handlungsstränge (Olaf, Albert und der Kardinal), damals
waren es fünf. Ich habe zwei weitere herausgenommen und auf Staffel zwei verschoben.
Zufälligerweise waren in diesen zwei die Frauen die Hauptfiguren. Die
Verschlankung hat Staffel eins auf jeden Fall gut getan, dadurch war ich wie
befreit und konnte alles zu Ende schreiben.
Den Großteil der
Recherchen hatte ich schon für »Verdammt zur Ewigkeit« betrieben. Ich habe eine
Unmenge Bücher für meine Recherche hinzugezogen (An Büchern und eBooks mehr als
300), da ich dieses Phänomen wirklich verstehen wollte. Außerdem habe ich
Gespräche mit einigen Satanisten geführt, die sich dazu bekennen. Ich habe mich
auch mit der Abwehr von Satan und Dämonen seitens der Katholischen Kirche
beschäftigt und habe mit Priestern und Betroffenen gesprochen. Die Recherchen
haben sich über einen Zeitraum von sechs Jahren hingezogen und waren nicht
immer angenehm, wenn ich ehrlich sein soll. Bei der Beschreibung mancher
Praktiken ist mir mein Essen hochgekommen. Außerdem hatte ich manchmal wirklich
Angst, vor allen Dingen nachts allein zu sein. Es bleibt doch etwas hängen,
auch wenn man selbst nicht daran glaubt.
Ich spiele die
ganze Zeit mit diesem Gedanken. Ich liebe beide Figuren, Julia und David, weil
sie so echt und kraftvoll sind. Irgendwie kann ich mich nicht damit anfreunden,
dass ich nie mehr mit ihnen zu tun haben werde. Ich hatte Julia am Anfang ganz
anders konzipiert, dann habe ich über Facebook gefragt, was die Freunde lieber
hätten: Das brave Mädchen oder das Biest. Es war unisono: Das Biest. Und dieses
Biest kann noch einiges anstellen....
Mein Vorbild für
den Roman war Charles Manson. Ich habe mich sehr mit ihm beschäftigt und zu
diesem Thema einige Bücher und Memoiren von Zeitzeugen gelesen. Es war wirklich
unappetitlich, aber es musste sein. Ich befürchte, solche Menschen wird es
immer wieder geben, sie sind eine reelle Gefahr. Das Thema Multiple
Persönlichkeiten dagegen ist harmlos. Ich habe ein bisschen dick aufgetragen,
ich hoffe, Betroffenen werden nicht darunter leiden. Besonders Interessierten
empfehle ich die Lektüre von »Sibyl« (wird im Buch ausführlich erwähnt). Es
handelt sich um einen Erfahrungsbericht der behandelten Ärztin, aber spannend
geschrieben.
Seit 2006 liegt ein Krimi/Thriller Manuskript in meiner Schublade. Ich hatte es einem namhaften Verlag angeboten und hatte bereits eine Zusage erhalten. Da ich aber der Meinung war, dass mein Stil noch nicht ausgereift war, habe ich es liegen lassen. Momentan überarbeite ich den Text (ich hatte doch Recht J) und möchte das Buch bis zum Herbst herausbringen. Es geht um Spionage über das Internet (nein, nicht NSA, sondern ganz konkret), um Gewalt und um Mobbing. Auch hier gibt es eine sehr starke Frau, die um ihr Leben kämpfen muss und es wird auch einen Kommissar geben, der lieber Fahrrad als mit dem Auto fährt und der in einem sehr skurrilen Haus wohnt. Es wird auch einige lustige Aspekte geben, aber die Geschichte ist eigentlich sehr hart. Für die Figur des Kommissars habe ich schon weitere Fälle konzipiert, die folgen werden. Das Ganze spielt in Mannheim (Heimvorteil) aber man sollte nicht den Fehler machen, die Romane in eine kuschelige Regionalkrimi-Ecke zu stecken. Mit dem Ersten werde ich die Kriminalstatistik meiner Stadt mit Sicherheit sprengen. Für die Recherche habe ich mir nicht nur das Polizeipräsidium angeschaut, sondern auch die U-Haft-Zellen und eine Menge Juristisches und Kriminalistisches angeeignet. Ich bin doch ein IT-Mensch: Ich will es immer sehr genau wissen :-) |
Herzlichen Dank an Patrizia Sabrina Prudenzi für die Beantwortung der Fragen.
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