Donnerstag, 11. August 2011

[Rezension] Michael Wäser - Familie Fisch macht Urlaub









Klappentext:
Sommer 1961.
Es läuft nicht gerade rund bei der Erfurter Hausmeisterfamilie Fisch: Schon das achte Kind ist unterwegs, die Wohnung ist viel zu klein, die Versorgung schlecht, die Schulkinder werden von ihren Lehrern bespitzelt.
Als sich auch noch Papas egoistische Mutter bei ihnen einquartieren will und er es nicht schafft, sich ihr zu widersetzen, ist Mamas Geduld ein für allemal zu Ende.
Viele tausend DDR-Bürger hauen in jenen Tagen ab in den Westen - warum sollten die Fischs das nicht auch schaffen, denkt sich Mama, lässt ihrem Mann keine Wahl, und so planen die Eltern den ganz besonderen Familienurlaub.
Ihre Regierung aber und Papas Mutter haben eigene, ganz andere Pläne für diesen Sommer 1961.

Zum Buch:
Erika und Rainer Fisch leben mit ihren 7 Kindern in Erfurt in einer viel zu kleinen Wohnung. Rainer ist Hausmeister in einer Berufsschule in Erfurt, Erika erwartet gerade das 8. Kind.
Als sich die egoistische und herrische Mutter von Rainer in den Kopf gesetzt hat, bei ihnen auch noch mit einzuziehen und Rainer sich gegen seine Mutter nicht behaupten und das Wort NEIN nicht anbringen kann, ist das Maß voll. Sie planen, vom Osten in den Westen zu ziehen. Die Sache hat einen Haken. Es ist Juli 1961 und die Regierung der DDR hat es gar nicht gern, wenn ihre Bürger sich aus dem Staub machen.
Rainer und Erika fangen an, den "Umzug" zu planen. Offiziell wird es eine Urlaubsreise nach Anklam sein.
Die Vorbereitungen laufen auf vollen Touren, die 3 ältesten Kinder werden eingeweiht, weil sie bei den Vorbereitungen helfen müssen, der Freund Otto, Bruder und Schwägerin. Alles muss klammheimlich geschehen, denn erstens darf Rainers Mutter davon nichts erfahren und zweitens lauern überall Spitzel, die nur darauf warten, jemanden anzeigen zu können.
Ein Termin für die Flucht steht auch recht schnell fest: es soll am 14. August 1961 stattfinden...

Meine Meinung: 
Michael Wäser lässt mit seinem Buch ein Stück deutscher Geschichte aufleben. Er steht nicht da mit erhobenem Zeigefinger, sondern lässt uns mit Familie Fisch diese ereignisreiche Zeit erleben. Ein kleiner Rückblick in die Vergangenheit. Beim Lesen kamen bei mir einige Erinnerungen wieder hoch, die ich schon verdrängt hatte. Als Kind der DDR kannte ich noch die Kontrollen an der Berliner Grenze nicht nur nach Westberlin, sondern auch ins Berliner Umland. Auch sind mir noch die Einkaufsmöglichkeiten, die hier ebenfalls erwähnt wurden, in sehr guter Erinnerung. 
Das Buch ist flüssig und nett geschrieben. Als ich das Datum vom 14. August las, dachte ich, na was wird das denn werden. 
Die Familienmitglieder sind einem ans Herz gewachsen und man durchlebt mit ihnen die Zeit und die Vorbereitungen zur Flucht, immer die Frage im Hinterkopf - schaffen sie es?.
Zum Schluss gewinnt die Handlung noch einmal so richtig an Tempo, die Spannung ist kaum auszuhalten, es gibt auch noch so ein paar richtig nette Überraschungen, mit denen man nicht rechnet.

Mein erster Eindruck vom Cover war, Fisch und Huhn, was soll das denn? Aber beim Lesen erkennt man schon, dass es mit dem Huhn eine ganz besondere Bewandnis hat.
Beim ersten Durchblättern des Buches fand ich die ellenlangen Abschnitte, die oft länger als eine Seite sind, sehr abschreckend. Glücklicherweise las es sich besser als anfangs vermutet.
Ein wenig überzogen fand ich die Charaktere von Rainers Mutter und Otto. So weltfremd wie Otto dargestellt wurde, konnte man selbst zu der Zeit nicht gewesen sein.

Im Großen  und Ganzen aber ein gut recherchiertes Buch, bei dem auch der Humor nicht fehlt.

Benotung: 2+ 

Auf diesem Wege möchte ich mich recht herzlich bei der Buchbäcker Verlagsgesellschaft bedanken,

die mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.

Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

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