Freitag, 2. Dezember 2011

[Rezension] Nikolai Jewdokimow - Xenia, die Sünderin





Eckdaten:   
Taschenbuch: 191 Seiten 
Verlag: Goldmann; Auflage: 1962
Sprache: Deutsch 
ASIN: B0000BHVZB

Buchcovertext:
Dieser packend erzählte Roman ist das Erstlingswerk des jungen, der Kriegsgeneration angehörenden Autors. Jewdokimow hat den Mut aufgebracht, die Konflikte zwischen dem in Russland tief eingewurzelten Sektenwesen und dem Sowjetsystem dazustellen. Es überrascht, wie verbreitet heute noch – nach Jahrzehnten kommunistischer Herrschaft – der Hang russischer Menschen zu fast ekstatischer Religiosität in engen Religionsgemeinschaften ist. Die Inbrunst dieser Religionsübung lässt den Sektenmitgliedern die sozialistische Umwelt zu bloßer Staffage werden und führt zu unlöslichen, in Jewdokimows Erzählung erregend gestalteten Kollisionen mit der neuen Wirklichkeit. Ihr Opfer ist das reine, tief gläubige Mädchen Xenia.

„Xenia, die Sünderin“ hat bei der sowjetischen Literaturkritik erhebliches Aufsehen erregt. Man forderte den Autor mit großer Schärfe auf, dem Roman einen „positiven“ Schluss zu geben. Es gelang jedoch nicht, Jewdokimow zur Umarbeitung des Werkes zu bestimmen. Sein Roman ist für uns eines der interessantesten Beispiele für neue Impulse in der sowjetischen Gegenwartsliteratur.


Zum Buch:
Xenia, die einzige Tochter von Afanaij Sergejewitsch und Praskowja Grigorjewna wächst in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts sehr religiös auf. Ihre Eltern sind Mitglieder einer kirchlichen Sekte in der Sowjetunion, die sich von allem weltlichen abwenden. Es gibt kein Fernsehen, kein Kino, keine Abwechslung, nichts. Sie gehen zwar in einer Kolchose arbeiten, aber nach der Arbeit gibt es kein privates Vergnügen, es gibt nur die Bibel.
Sie werden religiös von Bruder Wassilij geleitet und durch die Prophetin Jewfrosinja ausgespitzelt.
Xenia wird in dem Glauben erzogen, dass alles, was aus der Norm fällt, vom Teufel gesandt wurde.
Als sie im heiratsfähigen Alter ist, will man sie mit Michail verheiraten, den sie bis dahin nicht kannte. Er kam aus einem entfernten Dorf, da es in ihrer Gemeinde keinen Mann gab, der in Xenias Alter war und genau ihrem Glauben entsprach. Sie mag ihn nicht und weigert sich, ihn zu heiraten, was nicht auf Gegenliebe stösst, denn er würde in die Sektengemeinde viel Geld einbringen.
Xenia lernt auf der Arbeit Alexej kennen und lieben. Es ist eine Liebe ohne Zukunft. Ihre Treffen finden heimlich statt, denn niemand darf erfahren, dass Xenia einen nichtgläubigen trifft.
Sie versucht mit aller Macht, ihm ihren Gott näherzubringen und ist verzweifelt, weil sie erkennen muss, dass er ihren Fanatismus nicht versteht. Er versucht, sie an das wahre Leben heranzuführen, kommt aber gegen die Sekte nicht an.
Es stehen sich zwei unversöhnliche Seiten gegenüber, die Sektengemeinde und die Dorfgemeinschaft mit kommunistischem Touch. Ein ernster Konflikt ist vorprogrammiert.

Der Schreibstil von Nikolai Jewdokimow ist gewöhnungsbedürftig. Ich fühlte mich beim Lesen in meine Schulzeit zurückversetzt, denn als Kind der DDR war es üblich, einige russische Autoren zu lesen. Schon die Namen der Protagonisten sind schwer zu lesen, auch nervig, weil es üblich ist, immer den vollen Namen zu schreiben. Ich musste ganz schön aufpassen, um immer zu wissen, wer sich hinter den Namen verbarg, leicht zu merken waren sie nicht.
Dieser extreme Konflikt zwischen den Sekten in der Sowjetunion und dem Staat war mir neu und nicht in dieser Konstellation geläufig, ich war regelrecht geschockt, dass das möglich war.
Vom Klappentext her war ich nicht darauf gefasst, ein solch extremes Werk zu lesen. Konflikt ja, aber in dieser Größenordnung nicht. Ich bin nun auch gar nicht der religiöse Mensch und hatte meine Probleme, mit dem Thema klar zu kommen.
Dass ich das Buch wirklich bis zum Ende gelesen habe, rechne ich mir selbst hoch an, denn ich wollte wissen, wie der Konflikt gelöst wird.
Hervorheben möchte ich jedoch das Nachwort. Es beschreibt sehr gut die Zeit, in der dieser Roman spielt und zeigt auf, wie es möglich war, dass in der Sowjetunion die Sekten solche Macht und diesen großen Einfluss hatten.
Wirklich weiterempfehlen kann ich das Buch nur den Lesern, die das Thema anspricht. 

 
Bewertung: Note 4

Danke, dass ihr vorbei geschaut habt

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